Leipzig muss eine Stadt für alle Generationen sein

Am Rande tauchte das Thema auch am 20. November auf, als die Stadtverwaltung zur ersten Ideenfindung im Rahmen von "Leipzig 2030 - auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt" in die Kongresshalle eingeladen hatte. Aber eher in Einzelteilen: Mobilität, Integration, Chancengleichheit und soziale Mischung. Aber so leicht ist es gar nicht, eine Stadt für alle zu denken, stellt CDU-Stadtrat Konrad Riedel mal wieder fest.
Anzeige

„Wir fordern eine generationengerechte Planung für die Stadtentwicklung wie sie in einem Antrag des Seniorenbeirates zur Änderung des Prüfkataloges beim Stadtplanungsamt gefordert wird“, nennt der Vorsitzende der Leipziger Senioren-Union, Konrad Riedel, einen der wichtigsten Punkte in der Lobby-Arbeit seines Kreisverbandes für die älteren Leipziger. „In einer ständig älter werdenden Gesellschaft dürfen die Bedürfnisse der älteren Mitbürger nicht zugunsten jüngerer unter den Tisch gekehrt werden. Denn Barrierefreiheit zum Beispiel ist ein verbrieftes Menschenrecht – und nützt nicht nur behinderten und älteren Leipzigern, sondern auch jungen Eltern mit Kinderwagen.“

Und das ist der Punkt, in der das Denken von Stadtplanern, Fördergeldgebern, Landes- und Regionalpolitikern meist nicht zusammengeht. Das Thema scheint in den überkommenen bürokratischen Entscheidungsstrukturen einfach keinen Platz zu finden: Wie schafft man eine Kommune, in der Barrierefreiheit für alle, wirklich für alle der normale Maßstab ist?

Konrad Riedel als Vorsitzender der Senioren-Union dröselt das Thema gern von den schwächeren Teilnehmern her auf: den Nutzern der Fußwege. Und das sind ja nicht nur gemütliche Fußgänger, das sind eben auch junge Familien mit Kinderwagen, Kinder und oft genug bewegungseingeschränkte Senioren mit Gehhilfe oder gar Rollstuhl. Lauter Menschen, die ihr Leben gern selbstbestimmt im Umkreis ihrer Wohnung bewältigen müssen, für die gut ausgebaute und sichere Fußwege ein Selbstverständnis sein sollten.

Aber so recht im Fokus der städtischen Verkehrspolitik stehen die Fußwegnutzer aus Sicht von Konrad Riedel nicht. Und manche Lösung im Verkehr sei eine Zumutung. Auch wenn es vor allem eine Blindheit von Planern ist, die selbst nicht darauf angewiesen sind, eine Stadt ohne Barrieren vorzufinden.

Aber wie wird ein umfassendes Lebensbild für alle Bürger daraus? „Wir brauchen keine Politik für Senioren, sondern mit Senioren“, so versteht Konrad Riedel seine Arbeit in der Senioren-Union. Er sitzt auch für die CDU im Leipziger Stadtrat. Und er sieht sich beauftragt, sich weiter aktiv für ein generationengerechtes Leipzig ohne Diskriminierung einer Bevölkerungsgruppe im Stadtrat einzutreten.

Die strategischen Ziele der Stadt seien gegenwärtig viel zu einseitig nur auf junge Familien ausgerichtet, kritisiert er. Das Ziel, das er damit meint, lautet: „Schaffung von Rahmenbedingungen für eine ausgeglichene Altersstruktur“. Man darf aber nicht vergessen, wann Leipzigs Verwaltung ihre „Strategischen Ziele“ formuliert hat: Das war 2004, 2005, als an das heutige Bevölkerungswachstum noch gar nicht zu denken war und andererseits so langsam sichtbar wurde, dass die Stadt eigentlich denkbar schlechte Voraussetzungen für junge Familien hatte. Deswegen wurde das genannte Ziel zum Beispiel so untersetzt: „Es sind die Voraussetzungen zu schaffen, damit insbesondere junge Menschen und Familien mit Kindern in Leipzig wohnen bleiben bzw. ihren Wohnsitz nach Leipzig verlagern.“

Wer die Entwicklung verfolgt, weiß, dass das noch längst nicht abgearbeitet ist. Nachdem jahrelang der Kita-Bau das Problem war, sind es jetzt die fehlenden Schulen.

Wenn Riedel aber diese Schwerpunktsetzung anspricht, spricht er eigentlich die Tatsache an, dass die verfügbaren finanziellen Ressourcen sichtlich nicht ausreichen, um alle „Strategischen Ziele“ unter einen Hut zu bekommen. Man will ja auch noch die „elementare Daseinsvorsorge sichern“, die „finanzielle Grundsicherung gewährleisten“, die „Lebensqualität für Bürgerinnen und Bürger entwickeln“ und obendrauf noch die „Wettbewerbsfähigkeit und Unverwechselbarkeit der Stadt stärken“. Das mit der Unverwechselbarkeit ist eher ein Witz, der im Sprech des „Stategischen Zieles“ so klingt: „Die Unverwechselbarkeit Leipzigs ergibt sich aus den die Stadt prägenden, z. T. jahrhunderte alten Leistungen, Werten und Objekten, aber auch aus hervorragenden Leistungen und Besonderheiten der Gegenwart.“

Da sind schon 2004 die Hühner gackernd von der Stange gefallen. Das zeigte dann – zumindest in Ansätzen – der Workshop am 20. November: Nachhaltig wird die Stadtpolitik erst, wenn man die oft genug zersplitterten Einzelthemen endlich zusammendenkt. Auch im Verkehr. Deshalb gehöre zu den konkreten Forderungen die längst vom Stadtrat beschlossene Ernennung eines Fußverkehrsbeauftragten, betont Riedel. Ein weiteres Vertrösten von einer Ratsversammlung zur anderen sei keinen Augenblick länger akzeptabel.

Als wesentliches Thema für Ältere und Behinderte nannte er auch die zurzeit konsequent gestrichenen Parkmöglichkeiten im innenstadtnahen Bereich. Hier bedürfe es einer wesentlich kritischeren Betrachtung, denn gerade Ältere und Behinderte seien auch in Leipzig zu oft auf das Auto als Mobilitätssicherheit angewiesen, um zum Beispiel Einkaufs- oder kulturelle Möglichkeiten in der Innenstadt nutzen zu können.

„Es muss für solche Bürgerinnen und Bürger ein Mindestmaß an Parkgelegenheiten geben, die sie bis jetzt ja auch gegen Entgelt genutzt haben.“ Aber auch hier wird deutlich: Die Konflikte ergeben sich stets dann, wenn Dinge nicht ganzheitlich und von unten, von den schwächeren Verkehrsteilnehmern her, gedacht werden.

SeniorenNachhaltigkeitVerkehrspolitikFußwege
Print Friendly, PDF & Email
 
Ein Kommentar


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

GlobaLE: Kolonialgeschichte & Kritik am BAYER-Konzern
Plakat zum GlobaLE Filmfestival 2020. Grafik: GlobaLE

Grafik: GlobaLE

Am Mittwoch, 21. Oktober ist die Bildungsreihe um 20 Uhr im Ost-Passage Theater (Konradstraße 27) im Stadtteil Neustadt-Neuschönefeld zu Gast. Gezeigt wird der Dokumentarfilm „Der lachende Mann - Bekenntnisse eines Mörders“ (DDR / 1966) der beiden Dokumentarfilmer Walter Heynowski und Gerhard Scheumann.
Leipzig soll endlich anfangen, das Straßenbegleitgrün insektenfreundlich zu machen + Video
Blühstreifen 2019 im Palmgarten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Mittwoch, 14. Oktober, kam auch ein Antrag des Jugendparlaments zur Abstimmung, in dem die jungen Leute gewünscht hatten, dass bis 2026 mindestens ein Drittel des Leipziger Straßenbegleitgrüns ökologisch bewirtschaftet werden soll. Ein Antrag, den das Dezernat Stadtentwicklung und Bau gern unter der Rubrik „Machen wir doch schon“ abgehakt hätte. Aber da hat das Dezernat nicht mit der Jugendlichkeit des Stadtrates gerechnet.
Wirklich Zahlen zum Nutzen mobiler Blitzer liefert auch das Leipziger Ordnungsdezernat nicht
Einer der drei angeschafften „Enforcement Trailer“. Foto: Stadt Leipzig

Foto: Stadt Leipzig

Für alle LeserEine nur zu berechtigte Einwohneranfrage stellte zur letzten Ratsversammlung der Leipziger Christoph Meißner. Nicht nur die Polizei, auch die Leipziger Polizeibehörde stellt ja Messstellen für mobile Geschwindigkeitskontrollen auf und veröffentlicht die Standorte im Voraus über die lokalen Medien. Oder besser: In ausgewählten lokalen Medien. Das Rathaus ist da seltsam eigen, was die Auswahl der Medien betrifft. Aber Christoph Meißner zweifelte aus ganz anderen Gründen.
Zwei Minuten für ein Votum im Stadtrat: Schlachthofbrücke wird für 3,9 Millionen Euro gebaut und Bahn soll zu Radweg gefragt werden + Video
Bus auf der Schlachthofbrücke. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDass Entscheidungen im Stadtrat auch ganz schnell fallen können, wenn im zuständigen Ausschuss gut vorgearbeitet wurde, das zeigte am Mittwoch, 14. Oktober, die zweite Entscheidung zum Neubau der Schlachthofbrücke. In der ersten Entscheidung ging es ja darum, wie sie gebaut werden soll. Da wurde der Wunsch der LVB, hier die Gleise demontieren zu dürfen, zum heißen Thema. Diesmal ging es um den Radweg, der irgendwie vergessen worden war.
Tempo bitte! Stadtrat hat am 14. Oktober die Planungen zu Streckenerweiterungen der LVB beschlossen + Video
Straßenbahn abends in der Jahnallee. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserLeipzigs Straßenbahnnetz wird erweitert. Das ist seit Mittwoch, 14. Oktober, nun Beschluss. Da stand die Vorlage der Verwaltung zum Bau von drei Erweiterungen im LVB-Netz im Stadtrat auf der Tagesordnung. Und anders als noch in vergangenen Jahren gab es keine Gegenrede. Nach über zehn Jahren hat sich das Bild völlig gewandelt. Und es geht trotzdem nicht schnell genug.
Great Again? Dreizehn Reportagen aus den USA des Jahres 2020
Julia Kastein, Sebastian Hesse-Kastein: Great again? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich fuhren Julia Kastein und Sebastian Hesse-Kastein vor einem Jahr in die USA, um das zerrissene Land im Jahr der Präsidentschaftswahlen zu erkunden und herauszubekommen, warum es so zerrissen ist. Was ist noch übrig vom „Sehnsuchtsland der Freiheit“? Oder haben wir in Europa einen völlig falschen Blick auf die Supermacht und ihre Bewohner? Aber dann kam ja bekanntlich Corona dazwischen.
HC Leipzig vs. HC Rödertal 38:25 – Der HCL als „Derbynator“
Nach einer Niederlage und einem Remis, durften die HCL-Frauen endlich den ersten Heimsieg der Saison bejubeln. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserIm mit Spannung erwarteten Sachsenderby gegen den HC Rödertal, ließen die Handballerinnen des HC Leipzig am Sonntag keine Fragen aufkommen. Statt eines heiß umkämpften Kopf-an-Kopf-Rennens bis zum Schlusspfiff, erwiesen sich die Leipzigerinnen von Beginn an als „Derbynator“ und schickten die Gäste mit einem vorbildlichen Sicherheitsabstand von 13 Toren auf die Heimreise.
Die Ökostrom-Rebellion aus dem Schwarzwald
EWS-Vorstand Sebastian Sladek. © EWS

© EWS

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 83, seit 25. September im Handel„Der alternative Stromanteil wird nie mehr als vier Prozent ausmachen!“ So tönte es Mitte der 1990er Jahre, erinnert sich Sebastian Sladek. Egal, ob dies Stimmung oder Stimmungsmache war – heute lässt es sich angesichts dieser alten Parole relativ entspannt lächeln. Denn die Realität von 2020 ist eine andere.
Werbung machen für schöne Bücher: Nils Kahlefendt ist Repräsentant der Stiftung Buchkunst
Der Katalog "Die Schönsten Deutschen Bücher 2020". Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserNils Kahlefendt ist nicht nur Mitorganisator des Literarischen Herbstes in Leipzig, sondern seit September auch neuer Repräsentant der Stiftung Buchkunst am Standort Leipzig. Keine unwichtige Mittlerrolle: Künftig soll er den Dialog zwischen den buchgestaltenden Gewerken und allen am Thema Buchkunst Interessierten am zweiten Standort der Stiftung – neben dem Hauptsitz in Frankfurt am Main – mittels neuer Formate weiter ausbauen. Denn Bücher sind ja nicht nur zum Lesen da, sondern auch zum Genießen. Stichwort: Schönste Bücher.
Metropolregion Mitteldeutschland hat Arbeitsgruppe zur Landes- und Regionalentwicklung gestartet
Liegt mitten in der Metropolregion Mitteldeutschland: Leipzig. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserAm Donnerstag, 15. Oktober, kam die AG Landes- und Regionalentwicklung der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland (EMMD) zu ihrer konstituierenden Sitzung in Leipzig zusammen. Das auf Vorschlag der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegründete Gremium soll zukünftig Fragen der räumlichen Entwicklung in Mitteldeutschland länderübergreifend diskutieren und bearbeiten. Erstaunlich spät. Das hätte früher kommen müssen.
Von flauschig bis wertvoll: Wie unser Gehirn Objekte erkennt und so auch manipulierbar ist
Von "tierisch" bis "feuerassoziiert": Das Gehirn schlüsselt unsere Umgebung in insgesamt 49 Merkmale auf, nach denen es alle Objekte kategorisiert (hier nur als Ausschnitt gezeigt). Foto: Hebart/ MPI CBS

Foto: Hebart/ MPI CBS

Für alle LeserUnser Gehirn ist augenscheinlich nicht in der Lage zu merken, wann es betrogen wird. Ein paar Katzen- und Hundevideos genügen, und es schmilzt dahin und das Wort „NIEDLICH“ hämmert durch alle Leitungsbahnen. Marshall McLuhan hätte unsere von Fakes besessene Gegenwart nicht nur zum Teufel gewünscht. Er hätte sich tatsächlich gefragt, ob der Mensch überhaupt je begreift, was a-soziale Medien eigentlich permanent mit seinem Gehirn anstellen. Ein Studienergebnis aus Leipzig lässt ahnen, wie so etwas kommt.
Stadtrat setzt Auenentwicklungskonzept durch: Die Brücke über die Nahle wird mit breiterem Durchlass und Radunterführung geplant
Die Nahle kurz vor der Brücke der Gustav-Esche-Straße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Mittwoch, 14. Oktober, beschloss der Leipziger Stadtrat auch, wie mit dem Neubau der Nahlebrücke im Zug der Gustav-Esche-Straße umgegangen werden soll. Die Brücke soll 2023/2024 gebaut werden. Was schon einmal das Hauptproblem bei diesem Brückenbau ist. Das wusste auch das Stadtplanungsdezernat, als es die Vorlage mit den fünf möglichen Brückenvarianten verfasste. Denn die Brücke muss sich eindeutig ins Auenentwicklungskonzept einpassen. Aber das wird erst 2023 vorliegen.
Anhörung zu Linke-Antrag zu sozialem Wohnungsbau im Landtag: Warum stockt Sachsen die Bundesmittel nicht auf?
Für kleine Einkommen ist der Leipziger Wohnungsmarkt längst eng geworden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Freitag, 16. Oktober, beschäftigte sich der Ausschuss Regionalentwicklung des Sächsischen Landtags mit einem Antrag der Linksfraktion. „Verbesserung der Bedingungen für den sozialen Wohnungsbau in Sachsen“ war er betitelt, hat aber eigentlich keine Chancen, im Landtag eine Mehrheit zu bekommen, auch wenn die Regierungskoalition von CDU, SPD und Grünen sich mit dem Thema ebenfalls beschäftigt. Denn dass in Leipzig und Dresden bezahlbare Wohnungen fehlen, wird nicht mehr abgestritten.
Sonderausstellung präsentiert einmalige Zeugnisse des schwierigen Neubeginns in Leipzigs Schulen 1945
Das Schulmuseum am Goerdelerring 20. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Vor 75 Jahren, im Oktober 1945, wurde nach Monaten der Schließung, der bedingungslosen Kapitulation und dem Ende des Nationalsozialismus der Unterricht in den Schulen Leipzigs wieder aufgenommen. Das Schulmuseum nimmt dies zum Anlass für die Sonderausstellung „Schule nach der Stunde Null. Leipzig 1945/46“. Sie ist vom 16. Oktober bis 22. Dezember zu sehen und kann bei freiem Eintritt im Rahmen der Dauerausstellung besichtigt werden.
Am 24. und 25. Oktober im Westflügel Leipzig: Einmal Schneewittchen, bitte
Foto: Daniel Wagner

Foto: Daniel Wagner

Man nehme einen schönen Prinzen, ein einsames Mädchen, sieben verzückte, verrückte Zwerge, eine böse Stiefmutter, ein bisschen Magie, eine Menge Neid, eine große Portion Freundschaft, einen vergifteten Apfel und ein Happy End. So in etwa müsste das Rezept für: „Einmal Schneewittchen, bitte“ aussehen, das in der Märchenapotheke „Pacco & Co.“ von einem warmherzigen Hund und seiner stürmischen Assistentin zusammengestellt wird.