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Vom Gohliser Schlösschen bis zum Zöllnerdenkmal

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    ReportageWir sind drauf. Und doch nicht drauf. Man merkt schon, dass die Radweg-Erfinder in Leipzig noch nicht fertig sind damit, den Parthe-Mulde-Radweg zu Ende zu denken. Dabei bietet er gerade im Teil zwischen Parthe-Mündung und Hauptbahnhof jede Menge Gelegenheit, Leipziger Kleinode zu entdecken. Hat man Gohliser Mühle und Schillerhaus bewundert, bietet sich schon nach dem nächsten Stück durchs schattige Rosental Gelegenheit zum Abschweif.

    Am Schlösschensteg kann man – der Name sagt es ja schon – direktemang zum Gohliser Schlösschen abbiegen, diesem 1756 vom Kaufmann und Ratsbaumeister Johann Caspar Richter errichteten kleinen Sommerpalais, dem man seine wechselhafte Geschichte nicht mehr ansieht. Die Neuzeit hat sich ja darauf spezialisiert, Geschichte wieder schön zu machen und alle Spuren von Krieg, Verwahrlosung und Witterung zu beseitigen. Seit 1906 ist das Schlösschen nach diversen Besitzerwechseln im Besitz der Stadt. Seit den 1930er Jahren wurde es immer wieder für Kulturveranstaltungen genutzt. Aber nach 1990 war klar: Wenn hier nicht gründlich saniert wird, fällt das Haus in sich zusammen.

    Vom Schlösschensteg kommt man direkt zum Gohliser Schlösschen. Foto: Ralf Julke
    Vom Schlösschensteg kommt man direkt zum Gohliser Schlösschen. Foto: Ralf Julke

    Die Stadt steckte 15,1 Millionen DM in das barocke Schmuckstück. Seit 1998 ist es wieder schön. Konzerte, Ausstellungen und Sommertheater finden hier statt. Und ein Schlösschenrestaurant gibt es auch. Ja, Sie kennen das ja schon: Auch hier sind die Öffnungszeiten an die Aufstehzeiten der städtischen Langschläfer angepasst. Nix da mit einem Morgenkaffee auf der Terrasse.

    Noch ein letzter Blick und weiter – jetzt direkt zur Großen Wiese im Rosental mit ihren acht noch verbliebenen Sichtschneisen, die noch daran erinnern, dass August der Prächtige sich hier von den Leipzigern ein Schloss bauen lassen wollte. Was der Leipziger Rat auf seine unvergleichliche Art zu verzögern und zu verhindern wusste. Man behielt eine große Wiese. Und Platz für den Zoo, der sich seit seiner Gründung durch den Gastwirt Ernst Pinkert im Jahr 1878 immer mehr ausbreitete.

    Was auch Auswirkungen auf den Parthe-Mulde-Radweg hat, denn als vor 16 Jahren die Zoofläche für Pongoland nach Norden erweitert wurde, wurde auch kurzerhand ein Stück des Wegs an der Parthe samt dem Wilhelmssteg dem Zoogelände zugeschlagen und abgesperrt. Und damit für die Öffentlichkeit abgeschnitten. Das Ergebnis: Ein möglicher Partheradweg kann hier nicht mehr weitergeführt werden bis zum Kickerlingsberg und zum Zoo.

    Große Wiese im Rosental. Foto: Ralf Julke
    Große Wiese im Rosental. Foto: Ralf Julke

    Man wird also zur Großen Wiese geschickt. Da hat man die Wahl. Man kann ostwärts drumherum fahren und am Zooschaufenster Ausschau nach Zebras und Giraffen halten. Oder man wählt die Westroute um die Wiese – da hat man direkten Anschluss zum Waldstraßenviertel. Für Leipzig-Besucher natürlich ein Muss.

    Natürlich nehmen wir die Westroute. Denn:

    Man kommt dort auch am gerade frisch sanierten und neu gestalteten Louise-Otto-Peters-Platz vorbei. Der ist was Besonderes in Leipzig, denn hier steht nicht nur das Denkmal für die Leipziger Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Louise Otto Peters (1819 – 1895), von der bis heute ihr Roman „Schloß und Fabrik“ von 1846 nicht nur lesenswert ist und an den Beginn sozialkritischer Bewegungen in Deutschland erinnert. Der Platz ist tatsächlich ein Spielplatz. Sie hat die Gleichberechtigung der Frau mit den Worten gefordert: „Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht.“

    Das gilt heute noch immer. Für beide Seiten. Nicht immer nur als Forderung an die Frauen, sich doch bittesehr mehr einzubringen. Sondern als Forderung an verkniffene Herren in allen möglichen Aufsichtsräten und anderen Entscheidungsrunden, Frauen ganz selbstverständlich die Hälfte der Stühle freizuräumen. Denn das ist nicht nur Frauenrecht. Das ist verdammte Männerpflicht.

    Erzähl das mal einem …

    Der Spielplatz ist auch deshalb etwas Besonders, weil er schon seit 1870 existiert – der erste öffentliche Spielplatz der Stadt Leipzig.

    Louise-Otto-Peters-Platz: jetzt als Gräserlandschaft gestaltet. Foto: Ralf Julke
    Louise-Otto-Peters-Platz: jetzt als Gräserlandschaft gestaltet. Foto: Ralf Julke

    Der Betonelefant mit seinem Rüssel als Rutsche stammt aus vergangenen DDR-Zeiten, als man auch phantasievolle Spielgeräte aus Beton baute. In der Neuzeit wird lieber aus Holz gebaut. Auch der bisherige Spielplatz war aus Holz. Aber – wie die Stadt betonte: „Das Angebot auf dem Louise-Otto-Peters-Platz mit den 1993 hergestellten Holzspielgeräten des Leipziger Holzbildhauers Reinhard Rösler war in die Jahre gekommen. Aufgrund des hohen Alters und des Zustandes des Holzes mussten 2014 die letzten Geräte abgebaut werden.“

    Und hier steht nun das Denkmal für die resolute Louise. Am 4. Mai kam mal kurz der Umweltbürgermeister vorbei, um staatsmännisch ein Band durchzuschneiden. Denn die Stadt hat rund 81.300 Euro aus dem „Programm zur Instandhaltung und Entwicklung öffentlicher Spielplätze“ in den Spielplatz investiert.

    Die neuen Holzspiel-und-Klettergeräte hat auch wieder der Bildhauer Reinhard Rösler angefertigt.

    „Entstanden ist unter Einbezug der Bürger eine ‚Gräserlandschaft‘ aus Hölzern mit vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten. Teile der Spielfigur ‚Hebekopfdrachen‘ wurden wiederverwendet. In der vergrößerten Sandspielfläche steht ein Sandspielhaus zum Verstecken und Klettern“, beschreibt die Stadt das Entstandene. „Der Seil- und Klettergarten unter dem Motto ‚Gräserland‘ bietet Balancierhölzer, Seile, Netze, eine Hangelstrecke, einen Wellengurtsteg und einen Gräserturm mit einer Podesthöhe von zwei Metern. Von den Bürgern waren mehrheitlich mit Schaukel und Karussell auch zwei klassische Spielgeräte gewünscht, die nun realisiert wurden. An einer Slackline, einem Dreifachreck und dem Wackelbalken können Geschicklichkeitsübungen durchgeführt werden. Zudem wurde der beliebte und insbesondere auch schon von der Elterngeneration bespielte Betonelefant sinnvoll verändert.“

    Und da haben wir uns hier festgespielt. Dabei wollten wir längst am Bahnhof sein!

    Aber wer die Augen offen hält bei so einer Fahrt, der sieht mehr, als was in der Zeitung steht.

    Das Zöllnerdenkmal im Rosental. Foto: Ralf Julke
    Das Zöllnerdenkmal im Rosental. Foto: Ralf Julke

    Deswegen sollte man auch nicht am nächsten Denkmal vorbeirasen. Dem mit den vier singenden Kindern und der Büste eines gewissen C. F. Zöllner. Das ist Carl Friedrich Zöllner (1800 bis 1860). Der war als Chorleiter schon zu Lebzeiten eine Legende, denn die von ihm animierten Zöllnervereine brachten das deutsche Laienchorwesen erst so richtig in Schwung. Und was sangen die? Das, was man damals so munter Volkslieder nannte, auch wenn es fast alles völlig neue Kompositionen waren. So wie das von C. F. Zöllner vertonte Gedicht „Wanderschaft“ von Wilhelm Müller. Bis heute ist es der beliebte Mutmacher für tapfere Wanderer: „Das Wandern ist des Müllers Lust …“ So geht’s los. Jeder kennt es.

    Das Zöllnerdenkmal steht hier übrigens seit 1868. Geschaffen hat es der Bildhauer Immanuel August Hermann Knauer.

    Aber warum wir jetzt zum Hauptbahnhof sollen, erschließt sich nicht unbedingt. Oder doch?

    Ein weiterer Umweg tut Not.

     

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