Nach Jugendparlaments-Antrag zur KarLi

SPD-Fraktion legt nach: Wo bleiben die Prüfergebnisse für die anderen geplanten Fahrradstraßen in Leipzig?

Für alle LeserDa war sich Leipzigs Straßenverwaltung im Juli ziemlich sicher: Die nördliche Karl-Liebknecht-Straße, die die Leipziger eigentlich nur noch KarLi nennen, kann nicht zur Fahrradstraße umgewandelt werden. Es gibt dort zu wenige Radfahrer/-innen. Beantragt hatte das das Jugendparlament. Aber so will das zumindest die SPD-Fraktion nicht stehen lassen. Sie beantragt jetzt eine richtige Vorlage zu den Fahrradstraßen in Leipzig. Nur über der KarLi bleibt ein Fragezeichen.

Denn – so ein Punkt aus dem jetzt vorgelegten Änderungsantrag der SPD-Fraktion: „Für die Karl-Liebknecht-Straße wird geprüft, ob diese aufgrund ihrer Hauptstraßenfunktion und dem geförderten ÖPNV-Ausbau überhaupt als Fahrradstraße in Betracht kommen kann.“

Im Juni erst hatte die Stadt die Route über die Beethovenstraße durch das Musikviertel als Fahrradstraße ausgeschildert. Ein deutlicher Fortschritt für den Radverkehr in Leipzig, denn die Menschen, die hier mit Fahrrad jeden Tag durchkommen, sind schon seit Jahren in der Überzahl gegenüber den motorisierten Verkehrsteilnehmern.

Aber oft scheitert der Wunsch der Leipziger, im Alltag auf das Fahrrad umzusteigen, weil schlicht die relativ sicheren Radrouten fehlen. Obwohl der Radverkehr die am stärksten wachsende Verkehrsart ist, stockt der Ausbau des Radwegenetzes.

Was die SPD-Fraktion dazu bringt, von der Stadtverwaltung endlich einmal einen Bericht zu den zu prüfenden Fahrradstraßen abzufordern. Denn: „Da der Radverkehrsentwicklungsplan bereits 2012 beschlossen wurde, müssten die Prüfungen seit Längerem abgeschlossen sein, sodass die Verwaltung dem Stadtrat bis Ende 2019 die Prüfergebnisse und bis Ende des 2. Quartals 2020 einen umfassenden Umsetzungsplan vorlegen können muss.“

Folglich sollte beschlossen werden: „Die Stadtverwaltung legt, basierend auf dem beschlossenen Radverkehrsentwicklungsplan (Punkt F 8.3.4), bis Ende 2019 die Prüfergebnisse zur Einführung von Fahrradstraßen in den im Entwicklungsplan definierten Straßenzügen vor und bis Ende zweites Quartal 2020 ein umfassendes Umsetzungskonzept inkl. Zeitplan für die Einrichtung von Fahrradstraßen in Leipzig. Wie bereits im Radverkehrsentwicklungsplan beschrieben, muss die Zielstellung eine gute, schnelle und verkehrssichere Verbindung aus den Stadtbezirken Richtung Innenstadt sein.“

Aber gerade in der Südvorstadt tut sich nichts, obwohl die Stadt hier schon mehrfach Versprechungen gemacht hat. Die SPD-Fraktion: „Seit mehreren Jahren wird die Ausweisung der Bernhard-Göring-Straße als eine Fahrradstraße kommuniziert. Die B.-Göring-Straße als Parallelstraße zur ,KarLi‘ könnte mit dieser Umwidmung den erfreulicherweise zunehmenden Radverkehr im Leipziger Süden von und zum Zentrum verstärkt aufnehmen und für Radfahrer/innen eine attraktive Verbindung auf der Nord-Süd-Achse darstellen. Eine Umwandlung der Karl-Liebknecht-Straße in eine Fahrradstraße soll zumindest geprüft werden.“

Das Problem der Bernhard-Göring-Straße ist freilich, dass sie bislang Einbahnstraße ist und auch nicht direkt in die Innenstadt führt wie KarLi und Peterssteinweg. Deswegen macht sie für Radfahrer auch fast keinen Sinn als Fahrradstraße. Denn auch Radfahrer fahren nun einmal gern den direkten Weg und nicht lauter komplizierte Umwege, die dann auch noch in unübersichtliche Mündungssituationen geraten.

Aber die Verwaltung steht tatsächlich in der Lieferpflicht, denn der Radverkehrsentwicklungsplan von 2012 hatte bereits eine ganze Reihe von Straßenzügen definiert, deren Umwandlung in Fahrradstraßen geprüft werden sollte. Was 2012 zu einem höllischen Protest in den Leipziger autofreundlichen Medien führte, die gleich mal wieder das Ende der Pkw-Nutzung an den Himmel malten.

Die Liste der Straßen, die eigentlich geprüft werden sollten:

– Bernhard-Göring-Straße

– Gustav-Adolf-Straße / Humboldtstraße

– Siemeringstraße / Walter-Heinze-Straße / Lauchstädter Straße / Alte Straße

– Wigandstraße / Neue Straße / Klarastraße / Limburgerstraße

– Kickerlingsberg / Poetenweg /Stallbaumstraße / Heinrothstraße

– Stahmelner Straße / Friedrich-Bosse-Straße / Knopstraße

– Sportplatzweg / Alte Dorfstraße / An den Linden / Zum Bahnhof

– Fockestraße

– Am Elsterwehr / Mainzer Straße / Aachener Straße / Willmar-Schwabe-Straße

– Alte Salzstraße (zwischen Krakauer Straße und Potschkaustraße) / Lobensteiner Straße / Breisgaustraße

– Plösener Straße / Am Keulenberg / Alte Theklaer Straße

– Erikenstraße / Seumestraße

– Buttergasse / Küchenholzallee

– Prellerstraße / Kanalstraße / Geibelstraße

– Kochstraße / Biedermannstraße

– Industriestraße östlich Könneritzstraße

– Sebastian-Bach-Straße / Schrebergäßchen / Kolonnadenstraße / Otto-Schill-Straße

– Schützenstraße / Littstraße / Dörrienstraße / Kreuzstraße / Comeniusstraße/ Rabet

– Ludwigstraße/Kohlweg

– Kantatenweg

– Raschwitzer Straße

– Im Dölitzer Holz

– Erich-Thiele-Straße

– Lauerscher Weg

– Elsterstraße

– Albrechtshainer Straße / Pommerstraße / Pflaumenallee

– Kärrnerweg / Oberdorfstraße / Oststraße

Die KarLi kann noch nicht zur Fahrradstraße werden

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