PRO BAHN: Bessere Fahrgastinformationen sind das A und O im ÖPNV

Für alle LeserEs wird jede Menge geredet über Digitalisierung in Deutschland. Bei den Jublern herrscht geradezu eine Technik-Besessenheit, die so klingt, als würden gleich lauter Wunder passieren, wenn erst G5 oder die Cloud oder die App ... Das alles ist Unfug. Was jeder Nutzer des öffentlichen Verkehrs weiß, wenn er irgendwo strandet und alle die hübschen elektronischen Spielzeuge nicht verraten, warum, wie lange und wo die Alternative ist. PRO BAHN hat das mal thematisiert.
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Denn die Fahrgastinformation ist eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz des Angebotes des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Der Fahrgastverband PRO BAHN hat die aktuelle Situation analysiert und zehn Kernforderungen aufgestellt, damit die Fahrgastinformation auch verlässlich wird.

Der gerade erschienene Newsletter „Fahrgast aktuell“ 02/2020 des Fahrgastverbands PRO BAHN setzt sich mit der Situation um die Fahrgastinformation auseinander. Es werden Schwachstellen analysiert und Potenziale aufgezeigt. Jörg Bruchertseifer, Referatsleiter Fahrgastinformation im Fahrgastverband PRO BAHN sagt dazu: „Die 10 wichtigsten Wünsche der Fahrgäste haben wir zusammengetragen, analysiert und priorisiert. Wenn diese umgesetzt werden, was technisch im Jahre 2020 kein Problem mehr ist, wird die Fahrgastinformation noch besser die Reise der Fahrgäste im öffentlichen Verkehr begleiten.“

Die Auswertung konzentriert sich zwar stark auf den Zugverkehr, wo ausfallende Züge, Verspätungen, fehlende Anschlüsse sehr schnell zu Situationen führen können, in der sich der Reisende gestrandet und im Stich gelassen fühlt (von den Lautsprecherdurchsagen in der Bahnhofshalle muss man da gar nicht erst reden), aber auch im ÖPNV der Großstädte lauern dieselben Probleme in etwas abgewandelter Form.

Bahnen müssen aufgrund von Unfällen Umleitung fahren – aber die wartenden Passagiere auf dem Zwischenstück erfahren nichts davon, sehen nur die Abfahrtszeiten über die Fahrgastinformation rollen oder einfach verschwinden. Ausfallende Bahnen werden nicht angezeigt oder als Notbehelf gibt es dann technokratische Formeln wie „Im Linienverlauf kommt es zu Störungen“ oder „… zum Ausfall einzelner Bahnen“.

Ratlosigkeit quasi als Programm. Anfangen kann der Fahrgast damit in der Regel nichts und kann sich nur zu Fuß auf die Socken machen oder warten in der Hoffnung, dass irgendwann doch eine Bahn vorbeikommt. Und das betrifft ja nur das eigene Liniennetz etwa der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), wo das Unternehmen noch die Übersicht über den Linienbetrieb hat.

Schon an den Übergängen zur S-Bahn geht das Schweigen erst richtig los. Nur wenige Übergänge (etwa am S-Bahn-Zugang Petersstraße) sind mit großen elektronischen Tafeln ausgestattet, die nicht nur die Abfahrtszeiten der S-Bahnen unterm Wilhelm-Leuschner-Platz anzeigen, sondern auch die der Straßenbahnen auf der benachbarten Haltestelle.

Am Hauptbahnhof schon vermisst man solche Tafeln. An einzelnen Übergängen (wie in Gohlis) werden die nächsten S-Bahn-Abfahrten am Fahrgastanzeiger der Straßenbahnhaltestelle mit eingespielt. Man arbeite daran, dieses Angebot zu erweitern, hieß es kürzlich von den LVB.

PRO BAHN hat recht: Technisch ist schon viel mehr möglich, als den Fahrgästen heute als kärgliches Angebot meist zugemutet wird. Und genau bei dieser direkten und barrierefreien Information geht es los, wenn das ÖPNV-System in Gänze Akzeptanz finden soll.

Und da ist noch gar nicht von der Technik in den Fahrzeugen die Rede, die ebenfalls nur auf LVB-eigene Linien begrenzt informiert. Dabei wäre gerade vor der nächsten S-Bahn-Station eine Anzeige hilfreich, die zeigt, ob der Sprint zum Bahnsteig sich noch lohnt.

„Der öffentliche Verkehr kann nur als Gesamtes eine Alternative zum Auto sein. Daher ist es wichtig, dass alle Angebote an einer Stelle beauskunftet werden“, formuliert PRO BAHN den Anspruch. „Der DB Navigator ist für Reisen in Deutschland eine gute Wahl. Aber leider erfährt der Fahrgast nirgends, welche Angebote enthalten sind oder fehlen. Eigentlich wäre es erforderlich, dass jeder Anbieter eines öffentlich nutzbaren Verkehrsangebotes seinen Fahrplan auch einem zentralen Datenpool zur Verfügung stellen muss.“

In zehn Punkten hat der Beitrag im „Fahrgast“ gebündelt, was sich Reisende vom Auskunftssystem vor allem im Bahnverkehr erwarten. Die Punkte konzentrieren sich weiterhin stark auf den SPNV und beleuchten auch nicht wirklich die Übergänge zum ÖPNV, wo gerade Reisende, die zum ersten Mal in einer Stadt stranden, meist erst recht kryptische Erlebnisse bei dem Versuch bekommen, auf den ÖPNV zu wechseln. Aber auch hier existiert längst die nötige Technik, um bessere Informationsflüsse zu organisieren.

SPD-Fraktion will jetzt auch mal wissen, warum die LVB über Ausfälle von Bahnen nicht informieren

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