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Antworten auf SPD-Anfrage: Wie kann Leipzigs ÖPNV attraktiver werden?

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    Wie kann man eigentlich messen, ob ein Nahverkehrsunternehmen wirklich kundenfreundlich ist? Eine Frage, die jüngst die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat besonders interessierte und die deshalb auch ein entsprechendes Fragenpaket an die Verwaltung formulierte. Darauf hat das Baudezernat unter Zuarbeit der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) jetzt geantwortet. Die LVB kündigen dabei auch ein paar weitere Neuerungen an.

    Dass die SPD-Fraktion zum Teil das Gefühl haben wird, dass ihre Fragen nicht wirklich erfüllend beantwortet werden, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass sie das im Einführungstext formulierte Bauchgefühl nicht wirklich in konkrete Fragen fassen konnte.Denn da hatte die Fraktion durchaus einiges Unbehagen mit der Attraktivität des Angebots der LVB zum Ausdruck gebracht: „Auch wenn es wahrscheinlich bei jedem kommunalen Verkehrsunternehmen Vor- und Nachteile gibt, wissen wir, dass die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) im Vergleich mit Anbietern in anderen mitteldeutschen Städten nicht das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für ihre Kundinnen und Kunden anbieten. In Erfurt gibt es beispielsweise WLAN in den Straßenbahnen der EVAG und nicht nur an den zentrumsnahen Haltestellen. Die HAVAG in Halle/S. bietet Kundengarantien an, darunter auch eine Pünktlichkeitsgarantie.“

    Wenn man die Antworten gelesen hat, dürfte durchaus auch der Gedanke aufkommen, dass sich die verkehrspolitischen Sprecher/-innen der Stadtrats-Fraktionen und die LVB einmal zum intensiven Datenabgleich treffen sollten. Denn schon die erste Frage zur Einschätzung des Preis-Leistungs-Verhältnisses durch die Stadtverwaltung mündet eigentlich in einen Ausweichversuch. Den man durchaus auch lesen kann als einen Versuch, sein eigenes Unbehagen darüber etwas zu kaschieren.

    Denn eine Zufriedenheit mit der Attraktivität des Preis-Systems liest sich anders als: „Aus Sicht der Stadtverwaltung zählt die Sicherstellung eines angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnisses in Bezug auf die Kundenzufriedenheit- und Bindung zu den zentralen Herausforderungen, wobei dieser Prozess von kontinuierlichen Anpassungen und Veränderungen geprägt ist. Mit neuen Angeboten und Tarifmodellen sorgt die LVB somit dafür, diesen Prozess stetig voranzubringen.“

    Wie hält sie’s mit der Pünktlichkeit?

    Die letzte ausgewertete Bürgerumfrage von 2019 hatte ja recht deutlich gemacht, dass die Tarife für die Nutzung des ÖPNV ein ganz entscheidender Faktor dabei sind, wenn Leipziger/-innen über einen Wechsel vom Automobil in den ÖPNV nachdenken. Eigentlich sogar der entscheidendste. Für die Nutzer/-innen werden dann noch ganz andere Faktoren wichtig – zum Beispiel Taktdichte und Pünktlichkeit. Bei beiden gibt es Nachholbedarf. Das weiß auch die Geschäftsführung der LVB. Und die SPD-Fraktion hatte sogar ganz gezielt nach der Pünktlichkeitsgarantie gefragt.

    Doch eine Pünktlichkeitsgarantie gibt es nicht. Die Antwort weicht dem Thema sogar weiträumig aus: „Die LVB arbeiten an einem noch stärker kundenorientierten Leistungsangebot, um wirtschaftliche Lösungen für die zahlreichen Anforderungen des Nahverkehrsplans auch in Zukunft anbieten zu können. Hierbei wird auch ein verbessertes Kundenversprechen eine Rolle spielen. Konkrete Vorschläge zur unternehmerischen Gestaltung der Kundenbindung und zur Stärkung des ÖPNV werden dabei gern evaluiert und entsprechend berücksichtigt. Die Stadtverwaltung Leipzig unterstützt aktiv bei der konkreten Umsetzung ÖPNV-fördernder und priorisierender Maßnahmen, um den wachsenden Behinderungen und einem weiteren Tempoverlust des ÖPNV entgegenzuwirken.“

    Denn Fakt ist natürlich auch, dass auch der ÖPNV ausgebremst wird, wenn immer mehr Pkw in Leipzig unterwegs sind und insbesondere Kreuzungen blockieren. Da nutzt auch keine Vorrangschaltung für die Straßenbahn. Und das durchaus enge Straßennetz in Leipzig macht auch die Separierung von Straßenbahngleisen in Hauptstraßen oft unmöglich.

    Aber nur eine Separierung würde auch ermöglichen, dass die Straßenbahn weitgehend unabhängig vom Kfz-Verkehr unterwegs ist. Wobei freilich auch nicht zu übersehen ist, dass auch auf Hauptstrecken zu kleine Fahrzeuge in viel zu großen Takten unterwegs sind, was die Aus- und Einsteigezeiten verlängert und ebenso zum Zeitverzug beiträgt.

    Schritt für Schritt

    Deswegen wären auf vielen Strecken durchaus dichtere Taktzeiten überfällig. Aber die sind tatsächlich eine Investitionsfrage, denn das bedeutet, dass man mehr Fahrzeuge und mehr Fahrer/-innen auf der Linie braucht. Das aber geht nur schrittweise voran. In der Antwort verweist die Verwaltung darauf, dass gerade erst die Linie 89 von 15- auf 10-Minuten-Takt umgestellt wurde.

    Weitere Verdichtungen sollen jetzt folgen: „So wurden der Lindenauer Hafen durch die Linie 60 erschlossen und die Buslinie 89, als erste Linie mit reinem Elektrobus-Betrieb, auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet. Noch 2021 folgen eine 10-Minuten-Verdichtung der Straßenbahnlinie 14 nach Plagwitz und eine Ausweitung der Buserschließung über eine neue Linie zur Spinnerei.“

    Damit wären dann die Galerien und Veranstaltungsorte in der Spinnerei endlich einmal ohne lange Fußwege an den ÖPNV angeschlossen.

    Und wie ist das mit dem WLAN-Netz? Das soll es tatsächlich ab 2022 in allen LVB-Fahrzeugen geben: „Bereits heute können alle Bürger an zentrumsnahen Haltestellen kostenlos schnelles Internet nutzen. Im Rahmen der Hardware-Umstellung für die Datenkommunikation der Fahrzeuge im 5G-Netz im Jahr 2022, wird darüber hinaus ein WLAN-Zugang für Fahrgäste geplant. Dies betrifft sämtliche Fahrzeuge der Flotte und ist nicht auf neu zu beschaffende Fahrzeuge beschränkt.“

    Die Fragen und die kompletten Antworten aus dem Baudezernat kann man hier nachlesen.

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      3 KOMMENTARE

      1. Ungesichertes WLAN ist doch super wichtig. Man schont für 10 Minuten Bahnfahrt das eigene Traffic-Kontingent und die Allgemeinheit bezahlt die Infrastruktur. Super auch die USB-Ports, die jetzt in den neuen Fahrzeugen überall auftauchen. Da kann man dann für die kurze Zeit das Gerät laden. Solange, bis die Kontakte durch häufige Nutzung verschlissen oder durch Vandalismus unbrauchbar sind. Diese Dinger kann man sich als Ersatzteil in der Werkstatt gleich mit hinlegen…

        Aber gut: Sowas ist halt wirklich billiger als Lärm-Nachrüstmaßnahmen bei den Fahrzeugen. Der Zeitgeist ist, dass billige Effekte über Software und Elektronik teuer und total wichtig verkauft werden, aber die substanziellen „Hardware“ – Dinge wie Platzangebot, Takt, Route, Fahrtkomfort usw. eben nicht angegangen werden.

        In Dresden wird dieser Tage ein breiter neuer Straßenbahntyp in Betrieb genommen. Gebaut in Sachsen, so wie die bisherigen Nachwendefahrzeuge dort auch. Kurzer, bewährter Draht zum Hersteller, gute Abstimmung untereinander, frühzeitige Einbindung der Kunden (man hat den Prototypen ins Verkehrsmuseum gestellt und die Leute testen lassen, was sie zu Sitzen, Drückern usw. sagen).
        WLAN gibts dort auch – ist wohl DER Trend aktuell im ÖPNV.

        Schön, dass die Elektroflotte auf der 89 offenbar so gut funktioniert. Vielleicht denkt man mal noch über eine Umverlegung der Linienführung durch die Stadt nach, damit der Bus nicht so oft Umleitung fahren muss, zum Beispiel zur Zeit des Weihnachtsmarktes oder irgendwelcher anderen Marktveranstaltungen.

      2. Die LVB vertrödeln jetzt tatsächlich Ressourcen für WLAN??
        Das wäre vor 15 Jahren der Hammer gewesen; jetzt mittlerweile völlig überflüssig. Jeder hat heutzutage GB-schwere Handyverträge.
        Bitte nutzt die wertvollen Ressourcen anderweitig!
        Lasst Busse fahren, durch Wohngebiete, in neue Richtungen. Verdichtet Takte. Macht ÖPNV günstiger.

        Ein Vergleich zur Deutschen Bahn würde im Übrigen hinken, da dort Terrain befahren wird, wo das Handynetz teils nicht ausgebaut ist. Bus und Bahn fahren durch bestens ausgebaute Gebiete.

      3. Herr Julke hat sehr schön den inhaltsleeren Wieselstil der städtischen Antwort herausgearbeitet.

        Um mal die farbige Sprache von Herrn Knoflacher zu gebrauchen: Bei den LVB und in einigen Dezernaten sitzen viel zu viele Nullen.

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