Was passiert eigentlich, wenn es nicht mehr genug Fahrer für die Leipziger Verkehrsbetriebe gibt? Dann rückt immer mehr eine Lösung in den Fokus, an der die LVB nun schon seit ein paar Jahren arbeiten: Bahnen und Busse fahren dann eben ohne Fahrerin oder Fahrer, mit anderen Worten autonom. Und diese Zukunft könnte in Leipzig schon ziemlich bald Realität werden.

Am Montag, dem 23. März, startete das nächste Projekt zur Vorbereitung des Autonomen Fahrens in Leipzig. Mit den kleinen Flexa-Bussen soll es zeitnah losgehen.

Mit der „Sächsischen Initiative Automatisierte Shuttle im ÖPNV – SIAS-ÖV“ startet jetzt ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das den Weg für fahrerlose Shuttlebusse industrieller Hersteller im öffentlichen Verkehr ebnen soll. Die Europäische Kommission und der Freistaat Sachsen stellen Fördermittel in Höhe von rund 9,5 Millionen Euro als Zuwendung im Rahmen der sächsischen EFRE-Technologieförderung 2021–2027 bereit.

Am Montag, dem 23. März, übergab der Sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Dirk Panter, die Fördermittelbescheide in Leipzig.

Hochautomatisierte Shuttle-Busse

Das Projekt wird von den LVB als Konsortialführer koordiniert und vereint führende Akteure aus Forschung, Industrie und Verkehrswirtschaft. Übergeordnetes Ziel ist die gesamtheitliche Entwicklung eines integrierten Mobilitätssystems für hochautomatisierte Shuttlebusse der Automatisierungsstufe SAE-Level 4, die perspektivisch ohne Fahrpersonal betrieben werden können.

Im Mittelpunkt des aktuellen Vorhabens steht die Integration einer perspektivisch serientauglichen Europäischen Fahrzeuglösung in das Leipziger Ökosystem „autonomer ÖPNV“. Damit wird ein bedeutsamer Schritt in Richtung skalierbares Gesamtsystem aus autonomen Fahrzeugen, digitaler Infrastruktur, Leitstellentechnik und Datenplattformen angegangen.

„In Sachsen arbeiten innovative Partner an der Mobilität der Zukunft. Mit der Entwicklung des autonomen Fahrens im ÖPNV trägt das Projekt nicht nur zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten sächsischen Unternehmen bei, sondern dient gleichzeitig der Anpassung der Gesellschaft an demografische Herausforderungen“, stellte Wirtschaftsminister Dirk Panter zur Bescheidübergabe in Leipzig fest.

„Darüber hinaus ist das wirtschaftliche Potenzial bei der Verwertung der Projektergebnisse sehr hoch. Wir tragen gemeinsam mit den Projektpartnern das Projektrisiko, erwarten aber gleichzeitig, dass bei erfolgreicher Durchführung des Vorhabens in den geförderten Unternehmen perspektivisch auch zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen oder gesichert werden können“, betonte Dirk Panter am Montag.

Schlüsseltechnologie für den ÖPNV

Automatisierte Shuttle gelten als eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs. Sie können maßgeblich dazu beitragen, zentrale Herausforderungen der Branche, wie etwa den zunehmenden Fahrermangel, steigende Betriebskosten sowie veränderte Mobilitätsbedürfnisse, zu lösen. Integriert als Ergänzung bestehender ÖPNV-Systeme sind sie in der Lage, die Teilhabe der Bürger an öffentlicher Mobilität im Sinne der Daseinsvorsorge erheblich zu verbessern.

Im Portfolio der Leipziger Verkehrsbetriebe sollen die Fahrzeuge künftig flexibel eingesetzt werden, beispielsweise für On-Demand-Angebote als Zubringer zu Straßenbahn- und Buslinien. Gerade in suburbanen und ländlichen Regionen können autonome Shuttle dazu beitragen, neue Mobilitätsangebote zu schaffen und die Erreichbarkeit deutlich zu verbessern.

„Die Gesamtzielsetzung des Vorhabens SIAS-ÖV reiht sich nahtlos in die Mobilitätsstrategie der Stadt Leipzig ein, mit der wir die nachhaltige Mobilität weiter ausbauen und stärken. Die Erschließung und Integration industrieller Fahrzeuglösungen ist essenzielle Voraussetzung für die Zulassung und den Betrieb von echten fahrerlosen Mobilitätssystemen und wird somit einen wesentlichen Beitrag zur Automatisierung der Verkehre im öffentlichen Raum leisten“, sagt Thomas Dienberg, Bürgermeister und Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau der Stadt Leipzig.

Modellregion für den automatisierten ÖPNV

Ziel ist es, eine technologische Grundlage zu schaffen, auf deren Basis künftig Pilotprojekte und ein späterer Transfer in den Regelbetrieb ermöglicht werden. SIAS-ÖV stellt dabei den ersten Schritt, die Entwicklung des Funktionsmusters einer automatisiert-vernetzten Mobilitätslösung, dar. Die Projektergebnisse sollen bis Mitte 2028 vorliegen und anschließend als Grundlage für weitere Pilotanwendungen und eine spätere Skalierung automatisierter Shuttleverkehre im Freistaat dienen.

„Unterstützt vom Freistaat Sachsen starten wir die nächste Entwicklungsstufe des automatisierten öffentlichen Verkehrs. Strategisch wollen wir unser beliebtes On-Demand-Angebot Flexa mit autonomen Fahrzeugen zusammenbringen“, betont Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der LVB.

„Ziel ist bezahlbare Mobilität und weiter verbesserte Erschließung als Daseinsvorsorge. Unsere Praxiserfahrungen und die Ergebnisse unseres Forschungsprojektes ABSOLUT bringen wir auch auf Bundesebene ein. Mit weiteren Vorreitern wie dem RMV aus Frankfurt und Kollegen aus anderen Städten kann es gelingen, schnell in die Umsetzung zu kommen. Weltweit funktioniert Fahren im autonomen ÖPNV bereits millionenfach. Uns hilft SIAS-ÖV, das nach Sachsen zu holen, weil dieses Projekt erstmals ein industrielles Level-4-Shuttle in unser ÖPNV-System bringt.“

Mit den beiden geförderten Projekten ABSOLUT I und II wurde im Ergebnis die erste fahrerlose Shuttle-Strecke zwischen der Neuen Messe und dem BMW-Werk eingerichtet. Der Vorteil bei der Einrichtung eines Testbetriebs am Stadtrand ist, dass hier deutlich weniger Signale und Störungen im Straßenverlauf zu erwarten sind. Denn auf alles muss ja der Bordcomputer reagieren können. Ähnliche Testverhältnisse gibt es auch in den Flexa-Gebieten, sodass dort in nicht allzu ferner Zukunft die ersten fahrerlosen Shuttle-Fahrzeuge auftauchen dürften.

Das Förderprojekt

Das Projekt wird im Rahmen der EFRE/JTF-Technologieförderung 2021 bis 2027 des Freistaates Sachsen umgesetzt und aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und Mitteln des Freistaates Sachsen unterstützt. Damit leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Innovations- und Wirtschaftsförderung in Sachsen sowie zur Weiterentwicklung nachhaltiger Mobilitätssysteme.
Die Shuttle-Initiative vereint ein breites Konsortium mit umfassender Expertise im Bereich automatisiertes Fahren, Verkehrsinfrastruktur und digitale Mobilitätsplattformen.

Zum Konsortium gehören neben den Leipziger Verkehrsbetrieben:
BitCtrl Systems GmbH (Leipzig) – Software- und Systemintegration für ÖPNV-IT
DEKRA Automobil GmbH (Dresden) – Prüfung, Zulassung und Sicherheit automatisierter Fahrzeuge
glts cotech GmbH (Leipzig) – Monitoring- und Effizienzsysteme
Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI (Dresden) – Forschung zu vernetzter Mobilität
IAV GmbH (Chemnitz Stollberg) – Entwicklung automatisierter Fahrzeugplattformen
Technische Universität Dresden – Forschung zu Fahrzeugautomatisierung und Sensorik
Yunex Traffic (Leipzig) – intelligente Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsmanagement

Als assoziierter Partner ist zudem das Unternehmen eVersum beteiligt.

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