Nach Aussage im Entwurf zur Kommunalen Wärmeplanung (KWP) der Stadt Leipzig entstehen etwa ein Drittel bis zur Hälfte der CO₂-Emissionen in der Stadt durch das Heizen der Gebäude und die Warmwasserbereitstellung. Um diesen Anteil deutlich zu senken, braucht es nicht nur neue Heiztechnik, sondern auch eine gezielte energetische Ertüchtigung unserer Gebäude. Die Stadt Leipzig hat dafür ein digitales Gebäudemodell aufgebaut. Es umfasst rund 65.000 Gebäude mit insgesamt etwa 320.000 Wohnungen.
Im Modul Leipziger Wärmewende-Kompass und über den Energie-Atlas, können unter Angaben zum Gebäude der Wärmeverbrauch mit Sanierungsvorschlägen und finanziellen Richtwerten ausgewiesen werden (zu finden auf der Infoseite der Stadt unter Wärmewende – Kompass).
Bei den Erfordernissen einer Sanierung und für den Heizungsumbau ist immer zu berücksichtigen, dass viele Eigentümer und Vermieter in den zurückliegenden Jahren an ihren Gebäuden schon Modernisierungen von Fassaden, Dächern, Fenstern, Türen und Heizungsanlagen ausführen ließen und sich damit teilweise stark verschuldet haben. Diese Schuldenlast verhindert oft weitere notwendige Veränderungen und es können kaum zusätzliche Kredite für den erforderlichen klimarelevanten Umbau aufgenommen werden.
Besonders bei Eigentümern von Einfamilienhäusern ist das zunehmend hohe Alter zu beachten. Die auflaufenden Kosten können und dürfen auch nicht einfach weitergegeben werden, denn die Mieter und Nutzer in Leipzig sind durch die immens gestiegenen Mietpreise oft nicht weiter belastbar. Für den erforderlichen Umbau und Sanierungsbedarf sind also Augenmaß und Finanzierbarkeit ausschlaggebend.
Um die Akzeptanz der Wärmeplanung zu sichern, sollte keine weitere unnötige Belastung der Mieter und Nutzer erfolgen. Es sind vielfältige Förderprogramme oder steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten vom Land und Bund für die vom Umbau Betroffenen, für die Kommunen und mit dem Umbau befassten Unternehmen erforderlich.
Thema: Sanierungsaufwand
Für Leipzig spielt die Gebäudestruktur eine wichtige Rolle, deren Bauzustand unterschiedlichen Sanierungsaufwand erfordert.
Das wären:
– die Gründerzeitviertel (Zeit um 1900) und Bauten bis 1925, mit guter Bausubstanz, starken Außenwänden teils über 36 cm Dicke, dichter Bebauungsstruktur und teilweise aufwendiger Fassadengestaltung. Diese stehen oft unter Denkmalschutz und befinden sich auch im Bereich der Fernwärmeversorgung. Aufgrund der meist guten Wärmedurchgangskoeffizienten besteht etwas geringerer wärmetechnischer Sanierungsbedarf.
– die ehemaligen Arbeiterviertel in Schönefeld, Lindenau, Plagwitz, einige Siedlungsviertel aus den 20er und 30er Jahren und Nachkriegszeithäuse, die einfacher gebaut wurden und nicht so starke Außenwände aufweisen. Hierfür besteht höherer wärmetechnischer Sanierungsaufwand.
– in den äußeren Stadtbereichen sind es die Plattenbauten und Neubausiedlungen Grünau und Paunsdorf, mit Betonwänden und Flachdächern. Wo noch keine Dämmmaßnahmen erfolgten, besteht oft höherer Sanierungsaufwand,
– die Neubauten, die nach 1990 aus Dämmsteinen und mit gedämmten Außenwänden am Betonkörper gebaut wurden. Diese sind oft noch in gutem Zustand, wo der Austausch der Heizungsanlage nach technischem Verschleiß schnell eine verbesserte CO₂-Bilanz ergibt.
Für den Sanierungsbedarf interessant ist dabei die Abkehr von einer reinen Ausrichtung der Sanierungspolitik auf kurzfristige CO₂-Einsparungen. Stattdessen wird gefordert, energetische Maßnahmen auf ihre Funktionalität auszurichten. Wichtig sind mit dem Umbau der Heizungsanlagen auf erneuerbare Energien und dem Einbau von effizienten Heizkörpern der Einbau von Dämmungen an Kellerdecken- und Dachboden- bzw. Dachdämmungen, der Einbau von gut gedämmten Fenstern und Türen oder einer Fußbodenheizung.
Kann der Bauherr noch investieren, sollten dann die Außenwanddämmung erfolgen sowie der Aufbau einer PV-Anlage. Bei den Dämmungen ist immer zu beachten, dass die Gebäude wie ein Kühlschrank eingehaust werden. Damit wird die Feuchtediffusion von innen nach außen stark gemindert. Deshalb ist ein angepasstes Lüftungsverhalten der Bewohner essenziell, um eventuelle Schimmelbildungen in den Wohnräumen zu vermeiden.
Vorrang für Heizungstausch
Ein aktuelles Gutachten für die „Stiftung Klimaneutralität“ von 12/2025 (erstellt durch Prognos) sagt kurz gefasst aus, dass der Heizungstausch der eigentliche Schlüssel zum Wärmeumbau ist. Das bedeutet, dass ein Heizungstausch schnell wirkt und die Treibhausgasemissionen kurzfristig senkt, während der Einbau von Wärmedämmungen sich erst langfristig über niedrigere Energiekosten rechnet, nicht an allen Gebäuden möglich und dazu teuer ist.
Oft ist der Effekt vom Lüftungsverhalten der Bewohner abhängig und viele der Dämmmaterialien sind umstritten bis umweltschädlich. Gebäude, die an klimaneutrale Fernwärme (FW) angeschlossen werden können, müssen dagegen nicht aufwendig saniert werden, da der Beitrag zur Emissionsminderung durch die Versorgung schon durch die FW selbst erfolgt.
In Sachsen gibt es zum Glück viele ältere und noch bewohnte Häuser, aber gerade in ländlichen Gebieten viele nicht mehr bewohnte Gebäude. Diese müssen in den nächsten Jahren an die geänderten Wohn- und Lebensbedürfnisse der Nutzer sowie an die neuen energetischen Bedingungen angepasst werden. Das bedeutet oft einen erforderlichen Umbau, die Modernisierung oder die Sanierung der Gebäude.
Im Zuge des erforderlichen Umbaus gehören die Verbesserung der Dämmeigenschaften der Gebäude, der Einbau neuer Heizungsanlagen, aber auch die Nutzung von Dach- oder Fassadenflächen zur Erzeugung erneuerbarer Energien durch Anbringen von Solar- oder Photovoltaikanlagen (PV) auf oder an den Bestandsgebäuden.
Für diese umfassenden Leistungen sind günstige Finanzierungslösungen erforderlich, aber es müssen auch Interessenten gefunden werden, die diese Gebäude nutzen wollen und investieren. Hierfür wären Steuererleichterungen eine sinnvolle Möglichkeit oder ein Bonus für die Übernahme von sanierungsbedürftigen denkmalgeschützten Gebäuden.
Aufgabe: Denkmalschutz
Der Denkmalschutz bei Gebäuden betrachtet die historisch erhaltenswerte Bausubstanz und die Bewahrung der historischen Ansichten.
Ein bedeutender Anteil des Leipziger Gebäudebestandes (rund 24%) steht unter Denkmalschutz. Gebäude im Denkmalschutz stellen in mehrfacher Hinsicht eine energetische Herausforderung dar: Sie lassen sich nur eingeschränkt dämmen, bauliche Eingriffe sind oft mit hohem Aufwand verbunden, und viele Maßnahmen bedürfen gesonderter Genehmigungen.
Das Sächsische Staatsministerium für Regionalentwicklung hat für denkmalschutzverträgliche Lösungen am 12.01.2023 einen Erlass herausgegeben. Es sollten damit also die Interessen der Eigentümer mit den Interessen des Denkmalschutzes in Übereinstimmung gebracht werden. Dabei geht es oft bei Solar- und PV-Anlagen um das Erscheinungsbild, die Raumwirkung, den Gebäudecharakter und die Bausubstanz, den Brandschutz und die Statik, um geeignete Lösungen zu finden.
Der Eigentümer kann sich wegen Umbaumaßnahmen direkt an die Denkmalschutzbehörde im Landkreis oder der Kommune wenden. Zur Lösungssuche kann auch das Netzwerk Denkmalnetz Sachsen behilflich sein.
Heute geht es darum, diese Gebäude nicht nur denkmalgerecht, sondern auch klimaverträglich zu modernisieren. Da die historischen Fassaden erhalten werden sollen und somit schwierig zu dämmen sind, wäre der Einsatz von moderner Heiztechnik die vorrangige Option. Der Einbau von innenseitiger Dämmung ist bauphysikalisch schwierig zu handhaben und mit Verlust von Wohnfläche verbunden.
Diese innenseitige Dämmung sollte aber bei Fachwerkbauten, bei Bauten mit historisch verkleideter Dämmung (Schiefer- oder Holzplatten), bei stark mit Stuck verkleideten oder verschachtelt gebauten Gebäuden in Betracht gezogen werden, mit Bezug auf entsprechendes Lüftungsverhalten der Bewohner. Für Gebäude mit Klinker- oder Stuckfassaden gibt es neuartige Wärmesysteme für Wände und Fußböden zum Heizen und Kühlen, wie z.B. das ERIFOL-System – mit Erifol wird die Reflexion der Wärmestrahlung genutzt.
Das heißt: Die ausgesandte und an Oberflächen reflektierte Wärmestrahlung bleibt im Raum. Der Vorteil ist: Alles, was reflektiert wird, muss nicht gedämmt werden. Zeitnah wird es transparente Solarfolien geben, die sich nahtlos und nahezu unsichtbar auf Fenstern, Fassaden und Dächern anbringen lassen, wodurch das Erscheinungsbild von Gebäuden nicht beeinträchtigt wird.
Für Betonwände ist eine Solarfolie in der Entwicklung von Fa. Heliatek aus Dresden, um Strom zu erzeugen, womit dann eine Wärmepumpe oder Infrarotheizung betrieben werden kann.
Dämmstoffe für Fassade, Dach, Keller
Bei Bewertungen für Dämmungen gilt: Je kleiner der Lambda-Wert des Materials, desto weniger Wärme kann durch das Bauteil wandern. Gebräuchliche Dämmstoffe haben Lambda-Werte zwischen 0,025 bis 0,040 W/(m·K).
Naturdämmstoffe: Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen werden wegen ihrer nachhaltigen und umweltfreundlichen CO₂-Bilanz und wegen der wärmedämmenden und -speichernden Eigenschaften eingesetzt. Diese gibt es als Dämmplatten aus gebundenen Holzfasern, ebenso aus Holzwolle, Flachs, Hanf, Kork, Stroh, Schafwolle oder Kokosfasern von verschiedenen Herstellern. Die Lambda-Werte der Naturdämmstoffe sind meistens im Bereich etwas über 0,030 W/(m·K) angesiedelt.
Man kann diese Dämmstoffe auch in Hohlräume der Dächer oder bei zweischaligen Wänden einblasen (wie z.B. Zelluloseflocken, Seegras, Stroh, Kork, Ceralith). Eine gute antiallergene und wärmedämmende Eigenschaft besitzt Schafwolle. Weitere Infos unter https://www.bauen.de/a/oekologische-daemmstoffe-gesund-und-umweltfreundlich-leben.html oder https://www.oekologisch-bauen.info/baustoffe/naturdaemmstoffe/
Handelsübliche Dämmmaterialien: Mineral-/Steinwolle und Kunststoffschäume wie EPS und XPS haben in der Regel Werte zwischen 0,030 und 0,040 W/(m·K). Die erdölbasierten Hartschäume sind stark umweltbelastend in der Herstellung und teilweise brandschutztechnisch problematisch wegen der Schmelze bei höheren Temperaturen und durch Sogwirkung bei direkter Feuereinwirkung (durch das Schmelzen kann ein Luftschacht entstehen).
Mit mineralischen Dämmprodukten wie Schaumglas, Blähtone, Blähschiefer aus Thüringen oder Perlit, einem natürliches Vulkangestein, kann eine hervorragende Isolierung gegen Hitze und Kälte gerade im Bodenbereich/Fundament erreicht werden. Sie werden aus mineralischen Grundstoffen aufgeschäumt, nur ist dafür ein hoher Energieaufwand erforderlich.
Superdämmstoff: Der von der aerogel-it GmbH entwickelte Superdämmstoff hat eine im Labor gemessene Wärmeleitfähigkeit von 0,017 W/(m·K) und ist dazu 100 100 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Lignin. Einsetzbar als Pulver, Granulat oder Platten.
Stichwort: Nutzungsverhalten
Gerade durch die Einhüllung der Gebäude mit Wärmedämmungen ist das Lüftungsverhalten der Bewohner und Nutzer und deren Umgang mit den Heizmedien zunehmend zu berücksichtigen und zu beeinflussen. Nach Aussage in der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) auf Seite 109 unter Pkt. 7.3. können sich „selbst in energetisch vergleichbaren Gebäuden die realen Verbräuche um bis zu 50 % unterscheiden.
Diese Unterschiede beim Heizenergieverbrauch lassen sich nicht allein durch bauliche oder technische Parameter erklären, sondern sind wesentlich auf Alltagsentscheidungen im Umgang mit Raumwärme und Lüftung zurückzuführen. Bereits einfache Verhaltensänderungen können den Energiebedarf signifikant senken.“
Dazu gehört die Information der Hausbewohner zur Heizungsanlage und Einstellung, um ihren eigenen Wärmeverbrauch gezielt zu senken. Somit ließe sich der Wärmeverbrauch reduzieren:
– durch korrektes Stoßlüften (kein Ankippen der Fenster, dafür Durchzug einige Minuten lang mehrmals am Tag),
– der Absenkung der Raumtemperatur entsprechend der Nutzung,
– der Beheizung von nur bestimmten genutzten Räumen,
– Abdichtung von Fenstern und Türen,
– der richtigen Einstellung von Thermostatventilen,
– gezieltem Einsatz von Abluftgeräten mit Wärmetauschern,
der Nutzung von Wärmespeichern oder der optimierten Einstellung der Heizungsanlage auf die Bedürfnisse der Nutzer.
Bei großen verglasten Fenstern und Dachflächenfenstern sollte die nächtliche Abkühlung durch Einsatz von Jalousien oder Rollläden gemindert werden. Die Sonneneinstrahlung im Sommer kann reduziert werden durch Aufbringen von Solarfolien auf den Scheiben.
Teil 1 der Serie findet man hier.
Teil 2 der Serie findet man hier.
Teil 3 der Serie findet man hier.
Teil 4 der Serie findet man hier.
Teil 5 der Serie findet man hier.
Teil 6 der Serie findet man hier.
Teil 7 der Serie findet man hier.
Teil 8 der Serie findet man hier.
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