Transporträder könnten im Leipziger Wirtschaftsverkehr eine deutlich größere Rolle spielen

Jeder hört, was er hören will. Wenn die LVZ hören will, dass die mühsam neu gebauten Straßen in Leipzig Probleme für den Wirtschaftsverkehr bringen, dann hört sie das und erzählt (nur) das ihren Lesern so. Dabei ist die Studie, die die IHK zum Leipziger Wirtschaftsverkehr in Auftrag gegeben hat, wesentlich komplexer. Erste Ergebnisse wurden am Donnerstag, 15. September, vorgestellt.
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Und wo die LVZ nur „Probleme! Probleme!“ hörte, äußerten sich selbst die Leipziger Spediteure wesentlich differenzierter. Dazu sind sie zu lange auf Leipzigs Straßen unterwegs und wissen, wer ihnen da eigentlich jedes Mal im Weg steht und die notwendige Laderampe zugeparkt hat. Das sind nicht Straßenbahn, Bus oder Radfahrer. Das sind lauter Leute, die die Wildpark-Mentalität in Leipzig ausnutzen. Oft mit einer Unverfrorenheit, die schon verblüfft. Auch in der von der LVZ so gescholtenen umgebauten KarLi, wo in Abstimmung mit den Händlern und Geschäftstreibenden extra ausgewiesene Entladeflächen eingeplant wurden. Dumm nur, wenn die auch tagsüber von Pkw-Fahrern zugeparkt sind, obwohl klar ausgewiesen ist, dass diese Ladezonen in dieser Zeit frei zu halten sind. Dazu kommen dann noch zugeparkte Radwege, weil ein motorisierter Zeitgenosse seinen Döner unbedingt mit dem Auto holen muss. Das sorgt dann oft genug dafür, dass sich Radfahrer, Lieferfahrzeuge und Straßenbahn ins Gehege kommen.

In solchen Situationen wird deutlich, wie sehr das Auto auch dann das selbstverständliche Fahrzeug in Leipzig ist, wenn es eigentlich alternative Möglichkeiten mit ÖPNV oder Fahrrad gibt. Die Laissez-faire-Haltung des Leipziger Ordnungsamtes wird als Freibrief verstanden, auch da mit Auto aufzukreuzen, wo es klar verboten ist.

Und ein gut Teil dessen, was da vor allem privat oder als Berufsverkehr auf Leipzigs Straßen rollt, hätte schon längst umgelenkt werden können in einen gut ausgestatteten ÖPNV.

Dafür plädierte am 15. September auch das Leipziger Speditionsgewerbe. Deutlich wurde dafür geworben, dass der ÖPNV für viele Berufstätige attraktiver gestaltet werden müsse. Denn nach Angaben der IHK Studie seien 49 Prozent aller Autofahrten dem Berufsverkehr zuzuordnen. Bessere Bahn- und Busangebote könnten diesen Anteil deutlich verringern und so Platz für den Wirtschaftsverkehr schaffen.

ADFC und VCD teilen diese Einschätzung, auch wenn über Details der Studienergebnisse noch diskutiert werden müsse, teilen die beiden Verbände mit. Nicht zuletzt sei die IHK zu Leipzig hier selbst gefordert.

„Insbesondere für die weitere Verbreitung von Jobtickets müsste der Wirtschaftsverband beispielgebend aktiv werden“, erklärt Dr. Michael Schmiedel vom VCD Leipzig. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen brauchten hier die Unterstützung der IHK. Auch im Einwirken auf Stadt und LVB. Denn in Anspruch nehmen dürfen in Leipzig das Jobticket nur Unternehmen ab 20 Mitarbeitern. Dabei wissen die Leipziger Verantwortlichen, die bis jetzt so wenig Energie gezeigt haben, den Klimaschutzplan der Stadt umzusetzen, dass 95 Prozent der hiesigen Unternehmen weniger als 20 Mitarbeiter haben. Es ist eine Politik der Ignoranz, gerade diese auszuschließen.

Aber auch beim Güterverkehr sind Verlagerungspotenziale auszumachen, stellt der ADFC fest. Denn nicht alle transportierten Lasten brauchen tonnenschwere Lkw. Vieles lässt sich auch mit dem Fahrrad schnell und günstig transportieren. Doch dafür braucht es ein Umdenken – und ein besser ausgebautes Radnetz. Mal ganz zu schweigen davon, dass auch Fahrrad-Transport- und Kurier-Dienste Mitglied der IHK sind und die Leipziger Wirtschaftsentwicklung vorantreiben. Man muss Logistik nicht immer mit Verbrennungsmotor denken.

So forderte am 15. September auch der von der IHK beauftragte Verkehrsexperte den vermehrten Einsatz von Lastenrädern in der Stadt. Er betonte, dass damit Teile des Wirtschaftsverkehrs in Zukunft auch auf umweltfreundliche Transporträder verlagert werden könnten.

„Die Leipziger Wirtschaftsförderung sollte deshalb nach dem Vorbild Münchens die Anschaffung von elektrisch angetriebenen Lastenrädern finanziell unterstützen“, schlägt Dr. Christoph Waack, Vorsitzender des ADFC Leipzig, vor. Nach Aussage des IHK Verkehrsexperten sei gerade der Einsatz von Lastenrädern besonders effizient und kostensparend. Zudem könne damit die Leistungsfähigkeit der Leipziger Straßen verbessert werden.

Auch hier müsse die IHK den Unternehmen helfen, die diese Potenziale nutzen möchten, so Waack. ADFC und VCD Leipzig bieten der IHK zu Leipzig schon mal Unterstützung beim Aufbau eines Modellprojektes an.

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