Es war nicht der erste Anschlag auf die CG Gruppe in Leipzig

Für alle LeserEs war in der Nacht von 2. zum 3. Oktober, kurz nach 1 Uhr, da bekam auch Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe AG, einen Anruf im Kurzurlaub in Tirol. Es ist ja die CG Gruppe, die in der Prager Straße seit einigen Jahren das ehemalige Technische Rathaus der Stadt umbaut zu einem neuen Wohnensemble. Explodierende Gasflaschen schreckten in dieser Nacht die Anwohner aus den Betten.
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Dass man es mit einem gezielten Anschlag zu tun hatte, konnte die Feuerwehr schon in der Brandnacht feststellen. Die Brände an den vier Baukränen waren gezielt gelegt worden. Seitdem brodelt die Gerüchteküche: Wer könnte das getan haben? Wer hat ein Motiv für so einen Anschlag?

Am Freitag, 11. Oktober, nahm Christoph Gröner jetzt auch in einem Gespräch mit der Presse Stellung zu diesem Brandanschlag. Es war nicht der erste auf sein Unternehmen, stellte er fest. Gerade in Leipzig, am Stammsitz des Unternehmens, sei es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu Anschlägen auf das Unternehmen gekommen. Das reichte von Schmierereien am LKG-Gebäude über Brandstiftungen am Mariannenpark bis hin zu sieben angezündeten Fahrzeugen auf dem Gelände der CG Gruppe in der Eutritzscher Haferkornstraße. Die Anschläge würden sich gerade in Leipzig ballen.

Täter noch unbekannt

Seit dem 3. Oktober ermittelt zwar auch das Landeskriminalamt. Aber noch gebe es von keiner Dienststelle Meldungen, dass man auch nur eine Spur der Täter gefunden habe, so Gröner. Auch mit den Mutmaßungen, ein Konkurrent aus der Immobilienbranche könnte hier tätig geworden sein, räumte er auf. Die Branche sei zwar hart, aber gerade die wichtigsten Mitbewerber hätten ihm schon bald nach Bekanntwerden des Attentats ihre volle Unterstützung zugesagt. Denn sie alle hätten mit denselben Problemen zu kämpfen. „Sie teilen die gleichen Sorgen wie ich.“

„Es geht doch um eine Vertrauenskrise in der Bevölkerung“, stellte Gröner fest. Und er versuchte auch zu verorten, wo er die Probleme sieht. Dazu gehört für ihn die zunehmende Radikalisierung der Gesellschaft. „Es gibt eine Sollbruchstelle in der Gesellschaft. Von ganz rechts bis ganz links.“

Und einige dieser radikalisierten Gruppen würden schon gar nicht mehr über ihr Anliegen reden. „Die Menschen, die diese Anschläge verüben, lehnen eben alles ab.“

Unternehmen würden aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung zum Feindbild. Es hätten sich Lager gebildet, aber nach Lösungen werde in diesem Land überhaupt nicht mehr gesucht. Und in diesem Fall hätten die Attentäter eben nicht nur die Anwohner gefährdet, sondern auch die Mitarbeiter des Unternehmens, von denen etliche auch in der Nacht auf der Baustelle waren und bei den Löscharbeiten halfen.

Und wo war der Wachdienst?

Das, so Gröner, sei eine unternehmensinterne Kommunikationspanne gewesen. Die CG Gruppe bezahlt in Leipzig einen eigenen Wachdienst, der nicht nur die Baustelle in der Prager Straße bewacht, sondern auch die anderen zehn Baustellen der CG Gruppe in Leipzig. Schon allein deswegen, weil schon die dort stehenden und lagernden Baumaterialien und Baumaschinen mehrere Millionen Euro wert sind. 30 bis 50 Millionen etwa, schätzt Gröner.

Allein die drei zerstörten Baukräne hätten einen Wert von 3 bis 4 Millionen Euro je Stück. Die seien freilich über die Kranfirma versichert. „Aber Sie können versichert sein, dass auch wir unsere Versicherungsbeiträge regelmäßig und pünktlich zahlen“, sagt Gröner. Selbst der Schaden am Gebäude könnte durchaus noch als Folgeschaden in der Kranversicherung fällig werden. Durch den Brand sind im Gebäude Rußschäden entstanden, die jetzt für 1,5 bis 3 Millionen Euro gereinigt werden müssten.

Die Baufertigstellung des „Fourliving“, wie das Haus künftig heißen soll, sei nicht gefährdet. Der Rohbau werde im April fertig sein. Mit der Bezugsfertigkeit des 90-Millionen-Objekts sei Ende 2020 zu rechnen. Durch die Rußbeseitigung könne sich noch eine Verzögerung von vier Wochen ergeben.

Normalerweise sei der Wachdienst auch in der Prager Straße in der Nacht mit Hunden auf Streife, um genau solche Anschläge wie in der Nacht zum 3. Oktober zu verhindern. Nur diesmal habe man diese nächtlichen Streifen für eine ganze Woche ausgesetzt. Nicht absichtlich. „Ich habe noch in der Nacht überall herumtelefoniert, um herauszukriegen, ob es auch woanders solche Löcher in der Überwachung gab.“

Gab es aber nicht. Aber auch ohne Streife sind seine Baustellen, so Gröner, kameraüberwacht. Auch an der Prager Straße waren vier Kameras aktiv. Doch die Überwachungskameras reagieren nur auf Bewegung. Man habe sich das Material genau angeschaut, so Gröner. Aber die Kameras sprangen erst an, als die Brandsätze zündeten. Das Material hilft also bei der Aufklärung des Anschlags nicht.

Für Gröner heißt das, dass die Attentäter die Baustelle sehr genau beobachtet haben müssen und auch das Ausbleiben der nächtlichen Wachstreifen bemerkt haben müssen. Nur ist nach wie vor völlig offen, wer diese Täter sind, ob sie tatsächlich im linken Spektrum zu vermuten sind, wie Gröner für möglich hält. Das Fehlen belastbarer Bekennerschreiben spricht bislang dagegen.

Baustellenbrand an der Prager Straße: OB Jung spricht von „Terroranschlag“

Attacke auf Baustelle: Brand und Explosion an der Prager Straße + Video

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