PTAZ und Staatsschutz eingeschaltet

Baustellenbrand an der Prager Straße: OB Jung spricht von „Terroranschlag“

Für alle LeserNoch immer gibt es kein Bekennerschreiben oder ähnliches im Netz zu finden. Doch auch ohne dies mutmaßen mittlerweile genügend Menschen zu den Hintergründen der massiven Brandstiftung in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2019 an der Prager Straße. Seitens der Polizei geht man mittlerweile von einer vorsätzlichen Tat aus, das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des LKA Sachsen (PTAZ) hat die Ermittlungen übernommen, der Staatsschutz ist eingeschaltet. Am Nachmittag meldete sich auch Leipzigs Oberbürgermeister zu Wort, verurteilt die „massive Gewalttat“ und spricht von einem Terroranschlag.

Was noch gegen 2 Uhr vor Ort schwierig abzuschätzen war, meldete noch in der Nacht gegen 5 Uhr die Polizeidirektion Leipzig. Der Brand war demnach so massiv, dass nun „die beschädigten Kräne (…) am Tage auf Standfestigkeit geprüft werden“ müssen. Laut Freier Presse (Chemnitz) geht auch Leipzigs Polizeipräsident Torsten Schultze von Vorsätzlichkeit bei dem Brand aus, welchen die Feuerwehr bis etwa 3 Uhr unter Kontrolle gebracht hatte. Die Täter hätten laut Schultze jeglichen Wertekompass verloren, da hier unabhängig von der Motivation für den Anschlag Schäden für Dritte billigend in Kauf genommen wurden.

Bezüglich der Schadstoffentwicklung aufgrund brennender Baumaterialien konnte am Morgen des 3. Oktober ebenfalls Entwarnung gegeben werden, die Prager Straße ist wieder frei befahrbar.

OB Burkhard Jung spricht am 3.10.2019 von einem Terroranschlag in Leipzig. Foto: L-IZ.de

OB Burkhard Jung spricht am 03.10.2019 von einem Terroranschlag in Leipzig. Foto: L-IZ.de

Ebenfalls am heutigen 3. Oktober meldetet sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung zu Wort und verurteilte den offenkundig beabsichtigten Brand auf der Baustelle der CG Gruppe. „Wir sind konfrontiert mit einer massiven Gewalttat, bei der die Täter kaltblütig ohne Rücksicht auf das Leben der Nachbarn gehandelt haben. Die Polizei verdient jede Unterstützung, um die Hintergründe aufzuklären. Dies ist ein Terroranschlag, auf den der Staat mit ganzer Konsequenz antworten muss“, so Jung am Nachmittag.

Während sich die Polizei vor Ort um weitere Erkenntnisse zum Hergang der Brandentwicklung bemüht und mittlerweile die in Mitleidenschaft gezogenen Baumaschinen auf drei Kräne erhöhte, haben die ersten in der AfD frei von Wissen den Hintergrund der Tat bereits ermittelt. Bereits unmittelbar am Morgen des 3. Oktober twitterte der Landtagsabgeordnete André Barth (AfD Sachsen) „Pünktlich zum 3. Oktober hat es einen linksextremen #Anschlag auf der Prager Straße in #Leipzig gegeben.“

Entgegen der sonstigen Vorgänge – wie noch bei der Teerattacke auf eine Außenstelle des Bundesgreichtshofes und ein Burschenschaftshaus in der Karl-Heine-Straße am 1. Januar 2019 – ist zum Anschlag vergangener Nacht noch keine entsprechende Mitteilung im Netz aufgetaucht, welche politische Hintergründe erkennen lassen würden. Gleichwohl wird dieser von der Polizei nicht ausgeschlossen. Im Wissen, dass auch diese Bekennerschreiben meist auf Plattformen erscheinen, auf denen sich die Herkunft und Urheberschaft nicht prüfen lassen.

Gegen 2 Uhr - die Pragerstraße ist vollständig zugenebelt. Passanten wurden außen herumgeführt. Foto: L-IZ.de

Gegen 2 Uhr – die Prager Straße ist vollständig zugenebelt. Passanten wurden außen herumgeführt. Foto: L-IZ.de

Bleibt zur Stunde der Stand, welchen am Mittag das PTAZ des Landeskriminalamtes mitteilte: „In einer ersten Bewertung geht die Polizei von Brandstiftung an den drei Autokränen und der Versuchten Bandstiftung an dem Bagger aus. Der Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehrere Millionen Euro.“

Nun würden „Zeugen gesucht, die in der Nacht zum 3. Oktober 2019 im Bereich der Leipziger Prager Straße, insbesondere im Umfeld der Baustelle am ehemaligen Technischen Rathaus und im weiteren Bereich um den Tatort verdächtige Personen und Fahrzeuge gesehen oder sonstige relevante Feststellungen getätigt haben.“

Zeugen, die sachdienliche Hinweise zum Sachverhalt geben können, werden gebeten, sich bei der Kriminalpolizei, Dimitroffstraße 1 in 04107 Leipzig, Tel. (0341) 966 4 6666 oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Alexander Bertram (Sprecher, PD Leipzig) am 3.10.2019 ca. 3 Uhr vor Ort

Video: L-IZ.de

Die Schilderungen der Polizei Leipzig (Stand 05 Uhr am 3. Oktober 2019)

„Brand von zwei Autokränen auf Baustelle im Leipziger Südosten: Kurz nach Mitternacht wurde der Polizei ein Brand auf der Baustelle des ehemaligen technischen Rathauses bekannt. Das Gebäude befindet sich im Rohbauzustand und wird derzeit zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. An der Prager Straße abgewandten Seite brannten zwei Autokräne. Bei Eintreffen der Polizei und der Feuerwehr brannten die Fahrzeuge in voller Ausdehnung. Die Feuerwehr begann umgehend mit Löscharbeiten. Während des Brandes kam es zu mehreren Explosionen am Brandort.

Wie sich im Zuge der Löscharbeiten herausstellte, waren (für Bauarbeiten) gelagerte Gasflaschen detoniert. Da auch abgelagertes Baumaterial brannte, gab es eine starke Rauchentwicklung. Ein angrenzender Wohnblock musste evakuiert werden. Ca. 40 Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Nachdem die Brände gegen 03:00 Uhr weitgehend gelöscht waren, konnten sie wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Ein Teil der angrenzenden Gartenanlage musste gesperrt werden. Die beschädigten Kräne müssen am Tage auf Standfestigkeit geprüft werden.
Wann die Sperrung aufgehoben wird, kann noch nicht gesagt werden. Die Prager Straße war über mehrere Stunden voll gesperrt. Sie wurde nach Beendigung der Löscharbeiten für den Verkehr wieder freigegeben. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Zum Tatmotiv kann noch nichts gesagt werden. Ermittelt wird in alle Richtungen. Die Höhe des Sachschadens ist noch nicht bekannt.“

 

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