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Wandler und Schreiber zwischen den Welten – Fantasy, Horror und Phantastik auf der Buchmesse ganz reale Renner + Bildergalerie

Matthias Weidemann
Foto: Matthias Weidemann
Sie sorgen einfach für das gewisse Etwas auf der Buchmesse. Die phantasievollen Verkörperungen der Bücher, Comics und Mangas, die sie auch lesen. Manche scheinen direkt den Seiten dieser Bücher entstiegen zu sein. Experten streiten sich wichtig, ob es sich hier um eine Realitätsflucht handelt oder um ... aber vielleicht macht es ihnen einfach nur Spaß solche Geschichten zu lesen und sich zu verkleiden.

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Also weg mit den ganzen Eskapismus-Theorien und den Thesen, solche Zeitgenossen versteckten sich vor dem eigenen Ich hinter Masken von Außerirdischen, Monstern oder Fabelwesen und hinein in die schrägen, bunten und mit aberwitzigen Figuren bevölkerten Welten der Hohlbeins, Funkes, Hennens, Mayers und Blazons. Die Bücher mit diesen Themen gehen wie geschnitten Brot.

Und die Leser kümmert es auch nicht, wenn sich Freunde der (ab)gehobenen Literatur, Kritiker oder wer auch immer die Nase etwas abfällig rümpfen. Schließlich gehen die Werke aus dem Genre Phantastik, Fantasy und Horror in Massen über die Theken der Buchhändler. Und dass sich diese Autoren genau diesen Genres im wahrsten Sinne des Wortes verschrieben haben, liegt ganz einfach daran, dass sie das, was sie schreiben, eben einfach schreiben müssen, weil es aus ihnen hervor quillt wie Wasser aus einem Schwamm.

Phantasievolle Verkörperungen der Lieblingsfiguren geben der Buchmesse das gewisse Etwas.
Phantasievolle Verkörperungen der Lieblingsfiguren geben der Buchmesse das gewisse Etwas.
Foto: Matthias Weidemann

Ein solcher Schwamm, dem niemals das Wasser auszugehen scheint, ist der in Weimar geborene Wolfgang Hohlbein. Würde man ihn nicht kennen, könnte man ihn für einen gestandenen Heavy-Metal-Fan halten, mit seinem etwas liederlich gebundenen Pferdeschwanz, der Retro-Pilotenbrille und dem „Mehrere-Drei-Tage-Bart“. Dass er längst Auflagen- und Euro-Millionär ist, würde man ihm nicht ansehen. Und das macht ihn, egal wie man zum dem steht, was er schreibt, einfach sympathisch.

Er jedenfalls ist mit seinem Dasein als Erschaffer dunkler Parallel- und sonstigen Welten sichtlich zufrieden und meint anspielend auf die lange Zeit, die er schon schreibt: „Mir geht es sehr gut, ich mache schließlich seit etwa 30 Jahren bezahlten Urlaub. Wer kann das schon von sich behaupten.“ Richtig, das können selbst frühzeitig mit fetten Verträgen versorgte Bankvorstände nicht. Aber die aus der harten Banker-Realität lassen wir hier links liegen und wenden uns diesem merkwürdigen Typ Schriftsteller zu, der Dinge zu Papier bringt, die andere sich nicht mal zu denken wagen.

Um beim Beispiel Wolfgang Hohlbein zu bleiben: Er wird so ziemlich allen Klischees gerecht, die man sich gemeinhin von solchen Autoren macht: Er schreibt vorwiegend nachts, sein Arbeitszimmer ist von oben bis unten mit Monstern, Drachen, Zombies und allerlei lichtscheuem Gesindel vollgestopft, und während er Zigaretten dampft, hört er brachialen schweren bis toten Metalsound. Dabei ist der Mann mehrfacher Familienvater, dessen Frau und Tochter sich ebenfalls im Schreiben zwischenweltlicher Literatur versuchen. Gut, letzteres darf man vielleicht getrost als einen mehr oder weniger gelungenen Marketinggag des Verlages halten. Schließlich haben dass die Eheleute King („Shining“, „Friedhof der Kuscheltiere“ u.v.m.) auch schon so gehalten.

Wolfgang Hohlbein stellt den ersten Band „Infinity“ des neuen Zyklus vor.
Wolfgang Hohlbein stellt den ersten Band „Infinity“ des neuen Zyklus vor.
Foto: Matthias Weidemann

Er sei ein Workaholic, behauptet Hohlbein von sich. Unbestritten, das ist er. Die Zahl der Bücher ist schier unübersichtlich und erstreckt keineswegs nur auf Fantasy und Horror. Kinderbücher und Abenteuerromane gehören auch zu seinem Metier. Man kann nun zu dem, was der Vielschreiber so alles verzapft stehen wie man will. Sicher ist vieles seicht oder literarisch nicht gerade wertvoll zu nennen.

Eine Parallele zu einem anderen Vielschreiber, nämlich Stephen King soll hier aber aufgezeigt werden: Bei der Vielzahl an Büchern, die sie schreiben, ist immer mal wieder der eine oder andere Glücksgriff dabei. Da sollen sie ruhig vor sich hin rattern auf ihren Laptops und leiden oder glücklich sein, bei ihrem Schaffen. Und sicher denken sie auch daran, wie schwierig und mühsam dieses Geschäft zu Zeiten Edgar Allan Poes war.

Auch ein Vielschreiber, der viel zu früh wegen seines losen Lebenswandels und seines düsteren Gemüts in den nächtlichen Gassen von Baltimore sein Leben aushauchte. Der schrieb noch mit Federhalter bei Kerzenschein schaurige Geschichten und kopierte sie daraufhin gleich noch mal mehrfach (wohl gemerkt handschriftlich!) für die Verleger. Kein Wunder, dass der Mann sein Heil im Alkohol und in den Frauen suchte, um am Ende doch wahnsinnig zu werden. Diese Gefahr läuft Wolfgang Hohlbein nicht: „Mir macht die Arbeit auf jeden Fall Spaß und das Problem, dass mir die Ideen ausgehen könnten, habe ich nicht. Im Gegenteil, ich komme kaum hinterher.“ Mit seinem neuen Zyklus kommt er aber offenbar schon hinterher. Den ersten Band „Infinity“ stellte er auf der Buchmesse vor. Mag Zufall sein der Titel („Unendlichkeit“), aber offenbar sind auch die Einfälle dieses Mannes von einer gewissen Unendlichkeit.

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