Neues aus Leipzigs Quartalsbericht: 57 Prozent der Pkw dürfen in die Umweltzone
Ralf Julke
13.08.2010

Mancher hat die alte "Möhre" 2009 abgewrackt ...
Foto: Ralf Julke
Im März 2011 soll sie kommen: die Leipziger Umweltzone. Diskussionsthema ist sie seit März 2009, seit die Stadt gezwungenermaßen die Einführung beschloss. An den Messstationen wurden die Grenzwerte überschritten. Die Maßnahmen aus dem "Luftreinhalteplan" genügten nicht. Auch 2010 werden die Grenzwerte gerissen.
Wer will, kann's nachlesen im neuen Quartalsbericht, den das Amt für Statistik und Wahlen am gestrigen 11. August vorlegte. Den zweiten für 2010. Immerhin ist das halbe Jahr erst herum in diesem Datenmaterial. Doch in Sachen Feinstaub gab's an der Messstation am Hauptbahnhof schon 25 Tage mit Überschreitungen, in der Lützner Straße waren es schon 34. Im ganzen Jahr 2009 hatte die Lützner übrigens 40 Tage mit Grenzwertüberschreitungen in Sachen Feinstaub.
Natürlich sind die Ursachen komplex. Der Straßenverkehr ist nur ein Teil des Problems. Aber eben ein Teil, der beeinflusst werden kann. Was ja Sinn einer Umweltzone ist: Dadurch verringert man zumindest die Anzahl von Fahrzeugen mit hohem Schadstoffausstoß im Stadtgebiet. Und der Leipziger Wagenpark ändert sich jetzt schon. 2009 haben viele Leipziger auch die Chance der Abwrackprämie genutzt, um ihren alten Rußer durch ein Fahrzeug zu ersetzen, das die Forderungen der "Grünen Plakette" erfüllt.
Allein 2009 stieg der Anteil der Pkw, die die Euro-4-Norm um 14,2 Prozent auf 53,6 Prozent (2008 hatte es da einen Anstieg von 5 Prozent gegeben.). 3,6 Prozent erfüllen sogar schon die Norm Euro 5 und einige wenige die Euro 6. Was insgesamt bedeutet, dass 57,2 Prozent aller Pkw die zulässige Norm für die Einfahrt in die Umweltzone erfüllen.
Die meisten anderen Fahrzeuge gelten zwar technisch auch als schadstoffarm, sind dann aber eher in der Schadstoffklasse Euro 3 oder 2 zu finden.
Gleichzeitig stieg der Fahrzeugbestand in Leipzig - angefeuert durch die Abwrackprämie - deutlich: um fast 5.000 Fahrzeuge auf nunmehr 217.747, davon 176.333 Privat-Pkw. Der Anteil von Nutzfahrzeugen hingegen sank. Für Nutzfahrzeuge gab es ja bekanntlich keine "Abwrackprämie". Und da Nutzfahrzeuge im Gewerbe nicht ganz unerhebliche Investitionen sind, kommt hier die anhaltende Investitionsschwäche gerade der kleinen und mittleren Unternehmen in Leipzig zum tragen. Die Zahl der Nutzfahrzeuge sank von 18.208 im Jahr 2004 auf 15.972 im Jahr 2009. Und wird möglicherweise weiter sinken, denn mancher Unternehmer hat nach zwei Krisenjahren auch jetzt nicht das Geld, sein Fahrzeug durch ein modernes, schadstoffarmes zu ersetzen. Deswegen kämpfen die Leipziger Wirtschaftskammern auch um entsprechende Ausnahmegenehmigungen, die für manchen kleinen Gewerbetreibenden auch die weitere Existenz bedeuten.
2007 hatte es statistisch einen Einbruch bei den Leipziger Kraftfahrzeugzahlen gegeben: Damals wurde die Register um allerlei "Karteileichen" bereinigt. Deswegen sieht die Zahl von 217.747 Kfz, die 2009 in Leipzig gezählt wurden, nur scheinbar niedriger aus als die 226.273 von 2006.

57 Prozent der Leipziger Pkw haben jetzt mindestens die Euro 4.
Foto: Ralf Julke
Und der Blick in Leipzigs Wohnquartiere trügt auch nicht: So viele Pkw standen in Leipzig noch nie im Parkverbot, auf Bürgersteigen, auf Kreuzungen oder wo sonst der Pkw-Besitzer sein rollendes Gefährt abstellt, wenn alle Parktaschen vor seinem Haus besetzt sind. Allein von 2007 bis 2009 hat sich die Zahl der Pkw in Leipzig um 4.104 erhöht - 4.104 Pkw, die irgendwo dort Platz finden müssen, wo es schon 2007 Ärger mit dem Parkraum gab.
"Im Gegensatz zu den Vorjahren ist 2009 der Pkw-Bestand je 1.000 Einwohner in jedem Ortsteil gestiegen", schreibt Lars Kreymann in seinem Beitrag im "Quartalsbericht". Doch unübersehbar ist auch: Die meisten Autokäufer wohnen weiterhin am Rand der Stadt. Und hier steigt der sowieso schon überdurchschnittliche Kfz-Bestand weiter. 340 private Pkw kamen 2009 im Schnitt auf 1.000 Einwohner. In den Randlagen der Stadt lag der Wert schon in den Vorjahren deutlich über 500.
2008 führte Hartmannsdorf-Knautnaundorf mit 551 Pkw je 1.000 Einwohner die Liste an vor Burghausen-Rückmarsdorf mit 548 und Plaußig-Portitz mit 538.
Ein Jahr später hat Burghausen-Rückmarsdorf hier die Spitze übernommen mit 571 Pkw auf 1.000 Einwohner. Hartmannsdorf-Knautnaundorf hat auf 564 zugelegt und Plaußig-Portitz auf 556. Grund hierfür ist natürlich die Besiedelungsstruktur und die Zusammensetzung der Einwohnerschaft. Man kauft sich das Auto, weil man es braucht, um überhaupt noch zum Einkaufen, zum Arzt, zur Arbeit oder zur Schule fahren zu können. Und man kauft es sich, weil man das Kleingeld dafür hat. Und - das lässt Lars Kreymann in seiner Interpretation ein wenig aus - weil man einen standardisierten Lebensstil pflegt, in dem Eigenheim und Auto eine wichtige Rolle spielen.
Dass im Gegenzug viele junge Familien die kompakte Innenstadt für sich entdeckt haben und auch ein Leben ohne Auto für möglich halten, sorgt dafür, dass der niedrigste Pkw-Besatz natürlich in den innerstädtischen Quartieren zu finden ist. In einigen Stadtteilen natürlich durch die geringen Einkommen ihrer Bewohner zusätzlich minimiert: Den niedrigsten Pkw-Besatz haben Volkmarsdorf mit 201, Neustadt-Neuschönefeld mit 203 und Zentrum-Südost mit 213 Pkw je 1.000 Einwohner.
Ortsteile wie Schleußig, Connewitz, Südvorstadt und Waldstraßenviertel liegen alle mit 260 bis 340 Pkw je Einwohner deutlich unterm Stadtdurchschnitt.
Auch die Nutzfahrzeuge und ihre Verteilung im Stadtgebiet wurden wieder einer Betrachtung unterzogen. Und keineswegs überraschend sind die meisten Nutzfahrzeuge - 1.539 - in Lützschena-Stahmeln gemeldet, rund um das Güterverkehrszentrum, das Postzentrum und das Porsche-Werk. Die meisten gewerblich genutzten Pkw sind dafür weiter in Eutritzsch gemeldet - der Ortsteil mit der größten innerstädtischen Konzentration an Gewerbe.
Könnte man ja die Daumen drücken: Es tut sich was in der Stadt. Aber Wirtschaft ist in Leipzig nicht wirklich eine stabile Angelegenheit. Die Gewerbesteuereinnahmen sind erst einmal tief in den Keller gerutscht. Wie tief, das lesen Sie morgen an dieser Stelle.
VGWortLIZ

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