Reise, Reise (2): Eine etwas andere Sicht auf eine Demo-Fahrt nach Chemnitz

Für alle LeserEs sind eigentlich immer zwei Reisen, wenn man auf eine Demonstration solchen Ausmaßes und dieser Vorgeschichte wie in Chemnitz fährt. Eine äußere, die schnell berichtet wird: Wer und wie viele sind wo, was geschieht gerade, gibt es außergewöhnliche Vorgänge über ein normales Demonstrationsgeschehen hinaus? Dies fließt teils in rasendem Tempo in die Öffentlichkeit, wird da via social media reflektiert, weitervermittelt. Und kann, sofern es nahezu in Echtzeit wie am Samstag, 1. September, in Chemnitz wieder geschieht, zum Teil des Demonstrationsgeschehens werden. Und es gibt die Gedanken, die sich bei bestimmten Situationen einschleichen, Fragen und Eindrücke hinterlassen. Persönliche Begegnungen, die nur scheinbar keine Rolle spielen.

Als der erste vollkommen überfüllte Zug den Leipziger Hauptbahnhof gen Chemnitz verlässt, bleiben unzählige Menschen auf dem Bahnsteig zurück. Etwas konsterniert, die ersten überlegen doch noch ins Auto zu hüpfen, um den Start bei der Chemnitzer Kundgebung „Herz statt Hetze“ nicht zu verpassen. Für die Allermeisten beginnt das Warten.

Am Serviceschalter steht kurz darauf ein Mann mittleren Alters und schimpft – die Schlange stetig verlängernd – während ihm der Deutsche Bahn-Mitarbeiter beharrlich erläutert, dass Regionalzüge quasi vom Freistaat Sachsen und den kommunalen Zweckverbänden bestellt und bezahlt werden müssen. Hier gab es keine Order, die Bahn sei unschuldig, dass nur reguläre Züge einmal in der Stunde nach Chemnitz fahren.

Groß-Demonstration und antifaschistischer Widerstand gegen die Braunköppe also hin oder her, Geldverdienen hat immer noch Priorität bei der Bahn.

Hier also die berechtigte Frage, warum man letztlich drei volle Züge aller einer Stunde veranstaltet, statt sich was einfallen zu lassen. Und da der pflichtgetreue Bahnarbeiter im Abwehrmodus, der einen nicht greifbaren Schuldigen zur Hand hat. Die erste ergebnislose Debatte dieses Tages, man geht beidseitig frustriert auseinander und es werden noch erstaunlich viele ähnliche Szenen folgen.

„Falschfahrer“ im Zug

15:20 Uhr dann Abfahrt Richtung Chemnitz, ein großer Genuss in vollen Zügen, alles steht dicht gedrängt, sitzt Po an Po auf altem Mobiliar und Boden oder purzelt in den alten Waggons mit schließbaren Abteilen umeinander her. Regionalverkehr wie in den 90ern, Chemnitz wirkt schon im Zug irgendwie weit weg in der Zeit, die Strecke harrt noch immer ihrer Elektrifizierung.

Um die Fülle noch zu erhöhen, stehen pro Tür etwa drei Polizeibeamte des Bundesgrenzschutzes, bis zum Halt in Bad Lausick sind die zum Gegenprotest Fahrenden ansonsten unter sich, dann beginnt ein Murren.

Insbesondere einen älteren Mann mit griffbereiten Krostitzer Bieren in der Schlabberjacke will man hier nicht haben – ruck-zuck war der Pegida-Anhänger wohl erkannt, nun droht ihm von couragierter Manneskraft der Ausstieg an der nächsten Station.

Als sich die Polizei (und einige Frauen – natürlich) klärend einschaltet, entsteht ein anhaltendes Wortgefecht, während sich der nun sehr wortkarge „Falschfahrer“ quasi geschützt von zwei Polizeirücken zwischen zwei Waggons stehend wiederfindet. Dafür dürfen sich nun die Beamten einiges anhören. Wo sie denn am Montag gewesen wären, als ihre zahlenmäßig unterlegenen Kollegen den braunen Mob nicht stoppen konnten. Und überhaupt …

Ein Beamter murmelt hörbar: „Ich mach hier nur meinen Job und fertig“, anschließend aber ein freundliches Zwinkern. Am Montag hatte der Freistaat Sachsen es von sich aus unterlassen, um die Unterstützung der Bundespolizei zu bitten, heute sind sie da und machen ihren Job im Zug ohne viel zu tun zu haben.

Unweit der Szene diskutiert eine zugestiegene Frau mit sich selbst in Gegenwart ihres vielleicht 13-jährigen männlichen Begleiters. Ihr Sohn? Man weiß es nicht. Unverantwortlich sei das, was hier geschehe. Was genau mag sie nicht sagen, aber sie zittere am ganzen Körper, betont sie, als sie doch noch einen Sitzplatz freigemacht bekommt. Und irgendwie ist sie doch stolz auf ihren Mut, man habe ihr abgeraten nach Chemnitz zu fahren. Warum, verschweigt sie lieber.

Sie wirkt, verängstigt im Sitz kauernd, nicht wie die anderen hier, von denen gleich am Chemnitzer Bahnhof viele „ti amo tutti antifascisti“ und „Wo wart ihr am Montag“ Richtung Polizei rufen werden. Eher ist sie wohl „das Volk“, hier umringt von vorrangig jungen Menschen, die ihr einen Platz angeboten haben. Und nun gerade lieber dabei sind, mit Polizeibeamten über Politik zu debattieren oder ihre erste Wegration zu verputzen.

Sie, wohl eher nicht zum Shoppen nach Chemnitz unterwegs (Leipzig läge zudem näher), und der Bierflaschenmann wirken jedenfalls wenig erpicht darauf, eine Debatte über Ausländer, deutsche Politik oder den nicht existenten Antifa e.V. zu beginnen.

Und eines ist irgendwie auch klar. Pegida-, AfD- und Hitler-Fans scheinen eher „Freie Fahrt für freie Bürger“ zu sein oder eben schon in Chemnitz lebend vorhanden, auch in den anderen Zügen dieses Tages werden sie nur in sehr geringer Dosis eine Fahrt versuchen. Antifaschisten fahren also eher gemeinsam Zug und nach Hörensagen sollen auch alle ein Ticket gelöst haben. Ein Kontrolleur kommt nicht, es ist Ausnahmezustand, doch selbst die Einnahmen stimmen.

Faschisten und die, die es noch werden wollen, nehmen lieber den Volkswagen.

Angespannte Partystimmung

In Chemnitz angekommen, wird eines sofort klar. Der Gegenprotest will unbedingt erreichen, dass hier am 1. September gar nichts läuft, die Mitgereisten bleiben erst einmal auf einer Kreuzung stehen und wollen eine spontane Versammlung anmelden. Ein charmanter Gedanke irgendwie, am „Jubiläums“-Tag des deutschen Einmarsches in Polen mal die Beinfreiheit für AfD- und „Pro Chemnitz“-Anhänger etwas zu begrenzen. An vielen weiteren Kreuzungen geschieht ähnliches, wie ein Netz zieht sich das Stadtgebiet um Björn Höcke und Lutz Bachmann zusammen.

Am Ende wird im Umfeld eines „Schweigemarsches“ das geschehen, was in solchen Fällen immer wieder bei unzähligen NPD-Demos in Sachsen geschah, wenn sie am Laufen gehindert waren: wie trotzige Kinder, denen man die Rassel geklaut hat, werden sie versuchen, sich den Weg irgendwie freizukämpfen. „Mann gegen Mann“, wie ein verdächtig nach einem Rummelboxer aussehender Demoteilnehmer später einen Polizeibeamten anschreien wird. Höcke wird da schon lange wieder auf der Autobahn sein, dem nächsten Volksaufstand entgegen.

Auf der Bühne röhrt an diesem späten Nachmittag Sebastian Madsen von der gleichnamigen Band kostenfreie Lieder, es sei ihm „Warm ums Herz“, angesichts der vielen Gekommenen. Zeitgleich hat sich eine Blockade auf der Bahnhofsstraße gebildet, immer mehr Menschen strömen hinter ihr ein, sie wächst von Stunde zu Stunde. Entgegen jedweder Polizeiansage werden sie stehen- oder sitzenbleiben, mit wachsender Menge wird es unverhältnismäßiger, hier eine polizeiliche Räumung – so man keine brachiale Gewalt sucht – zu versuchen.

Ein Senior schräg gegenüber der Gegenproteste beobachtet das Treiben aufmerksam und gibt auf Nachfrage mürrisch Auskunft; ja, das hier sei die Bahnhofsstraße. Sein Blick sagt: ich will das hier alles nicht und im Übrigen meine Ruhe.

Die Situation im Moment des Gespräches. Video: L-IZ.de

Gedanken zu zwei Begegnungen

Ein aus Chemnitz stammender Redaktionskollege der L-IZ.de hatte vorab eben diesen älteren Chemnitzer prototypisch beschrieben und suchen musste man ihn wirklich nicht. Man klage in Chemnitz erfolgreich gegen das nächtliche Klackgeräusch einer Blindenampel wegen zu hoher Lärmbelastung. Den Stadtpark habe man auf Druck der Einwohner ebenfalls massiv gesäubert von herumsitzenden Menschen, danach war alles sauber und der Park leer.

Zwischen einer aktiven Neonaziszene und dem Antifaschistischen Jugendzentrum Chemnitz am Rande der Stadt (von einheimischen Polizisten auch gern mal als „Zeckenschuppen“ bezeichnet) wirke praktisch nur eine Hochkulturszenerie rings um die Kunstsammlung Chemnitz und den Kunstsammler Alfred Gunzenhauser.

Jahrelang ging es hier eigentlich nur um den nächsten Job, Geld und den nächsten Urlaub.

Zwischen dieser, den Studenten an der TU Chemnitz und täglicher „Maloche“ angesiedelten Grundstimmung fehle etwas, was Leipzig für den hergezogenen Kollegen ausmacht: eine lebendige Zivilgesellschaft, Partys, selbst eroberte Freiräume, kleinere Konzerte, Restaurants, Clubs und Anlaufpunkte, die Platz für Begegnung und Miteinander bieten. Und natürlich auch die daraus immer wieder neu kreierten Chancen.

Hier steht er also nun, der eine seniore Prototyp Chemnitzer Art, der all das in den letzten Jahrzehnten mitgeprägt und so gewollt haben könnte. Könnte. Doch seine ganze Körperhaltung sagt zum Leipziger Journalisten erkennbar deutscher Herkunft: Geh weg und frag mich nichts. Ob aus Enttäuschung oder Überzeugung ist in der kurzen Sequenz nicht klärbar.

Die sicher subjektive Beschreibung von Chemnitz des L-IZ-Kollegen ist die einer Stadt, die man als junger Mensch besser verlässt. Eine Beschreibung aus der Zeit vor 2014 stammend und 2018 explodierend. Jetzt ist hier die „Migrantensorge“ für alles verantwortlich in der bis 1945 zu 80 Prozent zerstörten, plattenbaugeprägten und nun ergrauten Arbeiterstadt des Erzgebirgsbeckens. Eigentlich war vorher klar, was mit Chemnitz nicht stimmt.

Eine Stadt ohne zivilgesellschaftliches Immunsystem, über 40-Prozent-Ergebnissen für die CDU bis 2017 (da dann 24 Prozent AfD) bei jeder Landtags- und Bundestagswahl und genau einer Tageszeitung für 247.000 Einwohner. So sieht wohl mangelnde Integrationsfähigkeit aus, die Menschen sind stark mit sich und ihrem Ruhebedürfnis beschäftigt.

Ungefragt hingegen und locker kommt kurz darauf ein Gespräch mit einem Pärchen mittleren Alters inmitten des Blockadehinterlandes zustande; sie ihr Rad schiebend, er nicht aus Chemnitz. Was hier sichtbar wird, ist der zweite Chemnitzer Typus, freundlich und bei der Gegendemo: Sie freut sich, endlich auch mal demonstrieren zu können, dass Chemnitz eben so nicht ist, wie es überall in der Zeitung steht. Und dass sie viele Bekannte hier auf dem Platz vor der Johanniskirche getroffen hat. Und dann kommt prompt der Hinweis auf die Hochkultur in Chemnitz.

Da war doch was? Die meisten Gegendemonstranten am 1. September jedenfalls waren eindeutig nicht aus Chemnitz. Allein die Leipziger kamen in einer Zahl von sicher 1.500 bis 2.000 Menschen per Bahn, Bus und ja, ein paar auch hier mit dem Auto angereist, um sich dem braunen Belzebub entgegenzustellen.

Das junge Leipzig steht also in Chemnitz und versucht emotional zu retten, was derzeit noch in Sachsen zu retten ist. Leipzig will das andere Sachsen sein und wird noch immer im Stich gelassen.

Mal nach den Rechten sehn

Eigentlich wollte die L-IZ.de am 1. September 2018 nach den vielen Bildern rechter Schläger aus Chemnitz vorrangig von den Gegenprotesten berichten. Aber als letztlich alter Straßenhaudegen kommt man – ist die Situation auf der Gegendemo wie gewohnt ruhig und friedlich – nicht umhin, mal nach den Rechten zu sehen. Thomas Knaup, Polizeisprecher der Polizeidirektion Görlitz, schmunzelt etwas, als er auf die Route des vorgesehenen AfD/Pegida/Pro Chemnitz-Trauermarsches angesprochen wird: „Derzeit wird geschaut, wo die Demonstrationsroute verlaufen könnte.“

Zudem seien die Anmelder langsam spät dran mit ihrem Anliegen, die vereinbarte Demonstrationszeit läuft allmählich ab. Danach muss eigentlich neu angemeldet werden. Es ist also klar: Die Uhr läuft runter für den neuerlichen Marsch durch Chemnitz an diesem Tag.

Ein Moment gegen 18:30 Uhr, wo alle in beide Richtungen der Bahnhofsstraße schauen: so richtig weiß keiner, woher denn nun das Gemisch aus NPD-Anhängern, Hitler-Fans und besorgten Chemnitzern kommen soll. Auf dem Platz an der Bahnhofsstraße spielen weitere Bands. Doch alles wartet auf eine Entscheidung der Polizeiführung, welche sich mit den bis dato friedlichen „Heim ins Reich“-Demonstranten (sorry) an der Kreuzung der „Straße der Nationen“ und „Brückenstraße“ über den weiteren Verlauf besprechen.

Ob allein diese Kreuzungskonstellation eine Doppelkonfusion in Zeiten von neuem Nationalismus contra Seebrücke am Mittelmeer für die hier agierenden Personen darstellt, kann man sie kurz darauf nicht fragen. Aber ein Schild fotografieren kann man schon, was das Paradoxon festhält. Ein Zustand, der zu rasanten Szenen führt, denn nun versuchen sie sich ihren Weg hin auf ihre Route durch Chemnitz und damit zu den rund 500 Meter entfernten Gegendemonstranten zu bahnen

Just in dem Moment, als man sich also hier gegen 19:20 Uhr hinbewegt, rennt auf einmal ein Polizeipulk auf einen zu. Dahinter irgendwas aus schreiendem Männergemisch, Deutschland- und Sachsenfahnen, kommt zirka 30 Meter vor der Kameralinse zum Stehen. Während man zurückweicht.

Nun heißt es Abstand gewinnen und dennoch wird’s bei den Rechten rasch persönlich. Und wir klären noch schnell, warum Geithain stabil bleibt und eine alte Angst zurückkehrt. In Teil 3 von „Reise, Reise“ nach Chemnitz.

Teil 1 Reise, Reise: Ein Tag in Chemnitz + Videos & Bildergalerien

* Video *ChemnitzRechtsextremismusAfDDemonstration
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