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Freitag, der 9. Juli 2021: Dauerregen und Hochwasser-Angst, sächsische Abschiebepraxis am Pranger, Leichensuche am Cospudener See erneut abgebrochen

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    Rein wettertechnisch ist dieser Sommer 2021 eines bislang nicht – langweilig. Nach einigen Tagen der Hitze regnet es in Teilen Mitteldeutschlands nun ergiebig und ein Ende scheint nicht in Sicht. Das nährt Befürchtungen, dass es zu einer seltenen Wetterlage kommt, die auch das Hochwasser-Risiko ansteigen lässt. Die Praxis von Abschiebungen in Sachsen ist Gegenstand anhaltender Kritik und die Suche nach einer Leiche am Cospudener See blieb zum wiederholten Mal ergebnislos. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, den 9. Juli 2021, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

    Seltenes Wetterphänomen: Wiederholt sich eine Flut wie 2002 und 2013?

    In Teilen Mitteldeutschlands hat es am Freitag ordentlich geregnet. Ein festgefahrenes Höhentief bescherte Teilen von Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen teils ergiebiges Nass von oben – Richtung Vogtland und Erzgebirge kamen seit dem gestrigen Abend nach Angaben der MDR-Meteorologin Michaela Koschak 60 bis 70 Liter pro Quadratmeter zusammen

    Regen und Unwetter sollen uns noch eine Weile begleiten. Foto: Lucas Böhme
    Regen und Unwetter sollen uns noch eine Weile begleiten. Foto: Lucas Böhme

    Während sich die Natur einerseits über moderate und stetige Regenmengen freuen dürfte, die Wald und Boden nach den letzten Dürrejahren bitter nötig haben, musste anderswo die Feuerwehr ausrücken. Übergelaufene Bäche und Flüsse und vollgelaufene Keller sorgten für reichlich Arbeit, etwa im Landkreis Zwickau und in Plauen.

    Meteorologen sehen derzeit die Voraussetzungen für eine seltene Vb (sprich: fünf b) – Wetterlage durchaus erfüllt. Die stellt sich ein, wenn sich ein Tief über dem Mittelmeer mit Wasser vollsaugt, östlich die Alpen passiert und sich dann intensiv über Mitteleuropa abregnet. Das ist möglich, wenn das Tief in unseren Breiten auf kältere Luftschichten trifft, die Warmluft abkühlt und die Feuchtigkeit zu Wolken kondensiert.

    Das Phänomen hatte in den Jahren 2002 und 2013 zu heftigen Hochwasserlagen an Saale und Elbe geführt, auch das Oderhochwasser vom Sommer 1997 ließ sich damit erklären.

    Ist es nun bald wieder soweit? Erste Berechnungen deuten darauf hin, dass es kommende Woche tatsächlich passieren könnte. Die Lage wird derzeit genau beobachtet, Grund zum Alarm gibt es aber noch nicht.

    Durch die Dürre der vergangenen Jahre haben Bäche, Flüsse und Böden laut Experten eine gewisse Aufnahmekapazität für den Regen, wenn er nicht zu stark ausfällt. Aktuell bleibt daher nur die Option des Abwartens. Und immerhin: Auch wenn in der Langzeitprognose aktuell kein dauerhaftes Ende der Regen- und Unwetterlage in Sicht scheint, ist zumindest für das Wochenende eine Verschnaufpause angekündigt. Gute Aussichten für alle, die frei haben!

    Heftiger Krach um Abschiebungen aus Sachsen

    Abschiebungen von Menschen sind ein „heißes Eisen“ und höchst umstritten. Von den einen als Durchsetzung des Rechtsstaats befürwortet, werden sie von anderen als unmenschliches Handeln des Staates angeprangert – umso mehr, wenn gut integrierte Menschen, oft nach Jahren in Deutschland, per Zwang in ihre Herkunftsstaaten zurückgeschickt werden und alles verlieren, was sich sich mühsam aufgebaut haben – Arbeit, Sprachkenntnisse, Freundeskreis.

    Zudem wird auch in Länder wie Afghanistan regelmäßig abgeschoben, obwohl die Sicherheitslage vor Ort nach dem Abzug der internationalen Militärkoalition und dem Vorrücken der islamistischen Taliban immer mehr eskaliert.

    Im Juni schlug die Abschiebung einer georgischen Familie mit sieben Kindern aus Pirna hohe Wellen, die nach acht Jahren mitten in der Nacht von der Polizei aus den Betten geholt und in ein Flugzeug nach Georgien gesetzt wurde. Die Asylanträge waren nach acht Jahren rechtskräftig abgewiesen worden.

    Der sächsische Flüchtlingsrat äußerte harsche Kritik an der sächsischen Abschiebepraxis und forderte unter anderem ein Ende nächtlicher Abschiebungen und Bleibeperspektiven für Betroffene. In einem aktuellen Artikel von FOCUS Online schildert ein Nachbar der Familie aus Pirna erschütternde Szenen, die sich in der Nacht zum 10. Juni 2021 abspielten, selbst den Polizeibeamtinnen und -beamten sei die Situation offenbar nahegegangen.

    Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (63, SPD) hatte nach der Abschiebung aus Pirna angekündigt, sich für ein Abschiebemoratorium zugunsten von Familien im Freistaat einsetzen zu wollen. Derzeit bemüht sich ein Helferkreis um die Rückholung der Familie aus Georgien.

    Schlechtes Wetter: Leichensuche am Cospudener See erneut unterbrochen

    Die Suche nach einer Leiche im Cospudener See musste am Freitag wegen des Dauerregens erneut ohne Resultat eingestellt werden. Ein weiterer Versuch ist nun für Samstag geplant, teilte die Polizei mit.

    Am Wochenende hatte ein Hobbytaucher die Sichtung eines Toten in etwa 30 Metern Tiefe gemeldet und durch Fotoaufnahmen belegt. Erste Suchmaßnahmen brachten jedoch kein Ergebnis. Mutmaßlich handelt es sich bei der Leiche um einen seit März vermissten Kanufahrer.

    Nordstrand am Cospudener See. Foto: Patrick Kulow
    Nordstrand am Cospudener See. Foto: Patrick Kulow

    Worüber die LZ heute berichtet hat: Ein mobiles Amphitheater ist nach Corona-bedingter Zwangspause wieder in Sachsen unterwegs. Im Streit um die Waffenverbotszone im Leipziger Osten plädieren die Grünen für einen Stretegiewechsel. Musik kann manchmal kleine Wunder bewirken, stellt unser Redakteur Ralf Julke fest.

    Vor dem Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung ist ein kunstvoller, öffentlicher Platz entstanden und Corona hat auch das Wachstum der Städte ausgebremst. Und: Wie wäre es, solange die Corona-Inzidenz niedrig bleibt, mal mit einem schnellen Trip nach Bamberg?

    Was heute sonst noch wichtig war: In Leipzig beteiligten sich am Vormittag mehrere hundert Beschäftigte aus dem Einzel- und Versandhandel an einem Warnstreik. Während der bisher ergebnislosen Tarifverhandlungen der Gewerkschaft Verdi wurde so der Forderung nach 4,5 Prozent höheren Löhnen und Gehältern sowie 45 Euro pro Monat Nachdruck verliehen.

    Große Versandhäuser und Handelsketten konnten ihre Umsätze auch während der Corona-Pandemie deutlich steigern, dies soll nun auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergereicht werden, so das Argument der Streikenden.

    Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ erzielte vor Gericht einen Erfolg gegen das rechte Compact-Magazin. Demnach sind dem Medium per einstweiliger Verfügung des Landgerichts Behauptungen untersagt, wonach sich im Aktionsnetzwerk gewaltbereite Gruppen beteiligen würden.

    „Beschissen, aber nicht hoffnungslos“ – so lapidar beschreibt CDU-Landrat Uwe Schulze die Situation nach einer Cyber-Attacke auf Server des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Am Dienstag waren Daten infiziert und verschlüsselt worden, Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern an die Kreisverwaltung können derzeit nicht bearbeitet werden.

    Nach Informationen des MDR soll es eine „Lösegeldforderung“ der unbekannten Täter geben – ist dies die zukünftige Form einer Entführung? Fest steht bislang nur, dass Anzeige gestellt wurde und noch am Freitag IT-Experten des Bundesamts für Sicherheit zur Unterstützung erwartet werden.

    Auch das Leipziger Unternehmen Spreadshirt geriet offenbar ins Visier von Hackern.

    Die Unternehmen Biontech und Pfizer melden die Entwicklung eines neuen Impfstoffes, der speziell vor der grassierenden Delta-Variante des Corona-Virus zuverlässiger schützen soll. Daten aus Israel lassen einen schwächeren Impfschutz vermuten, sodass eine dritte Immunisierung unter Umständen nötig werden könnte.

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