Warum ein Buch über das weltoffene Deutschland auf einmal die riesige Leerstelle konservativer Diskussionskultur offenlegt

Für alle LeserZur Buchmesse waren Gunter Weißgerber, Richard Schröder und Eva Quistorp am 16. März in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ zu Gast. Dort stellten sie ihr Buch „Weltoffenes Deutschland?“ vor, in dem sie die von ihnen im Oktober 2017 veröffentlichten „10 Thesen für ein weltoffenes Deutschland“ noch einmal ausführlicher erklären.

Gunter Weißgerber war von 1990 bis 2009 Mitglied im Bundestag, 1989 Mitglied im Neuen Forum, dann Mitgründer der SDP/SPD in Leipzig. Der Theologe Richard Schröder gehört ebenfalls zu den Urgesteinen der ostdeutschen SPD, während Eva Quistorp zu den Gründern der Grünen im Westen gehörte. Die Einladung in die „Runde Ecke“ sprach auch gleich noch von Bürgerrechtlern. Aber ich denke, mit diesem Label überfrachtet man die drei, die sich auch nicht unbedingt auf der Straße kennengelernt haben oder bei friedlichen Demonstrationen gegen das DDR-Regime.

Die drei kennen sich aus einem ganz anderen Zusammenhang. Das ist die Deutsche Gesellschaft e.V.. Das ist jener Verein, der sich für die Einführung des Euro genauso stark gemacht hat wie für die Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin und dann auch noch in Leipzig. Er nennt sich überparteilich, ist es auch in gewisser Weise. Aber wer genau hinschaut, sieht, dass er dennoch eine bestimmte politische Facette vertritt, in der sich die Wertschätzung eines starken Staates, klarer nationaler Grenzen und durchaus konservativer Ansichten mit Weltoffenheit und Pragmatismus verbinden.

Etliche Vereinsmitglieder – wie Eva Quistorp – findet man dann auch als Autoren des von Henrik M. Broder geleiteten Blogs „Achse des Guten“ wieder, der u. a. von der F.A.Z. im Bereich des neokonservativen Denkens angesiedelt wird, wie es in den USA die Neocons vertreten. Grundzüge davon findet man auch bei Weißgerber, Schröder und Quistorp. Und das ist durchaus auch spannend, weil es zeigt, dass auch die oft alle in einen Topf geschmissenen Bürgerrechtler 1990 ganz und gar kein homogener Haufen waren. Es gab darunter Radikale genauso wie Liberale, Reformer wie Konservative. Und gerade die ostdeutsche SPD war von Anfang an durch einen starken konservativen Zug geprägt, der auch – siehe Richard Schröder – in einer radikalen Abgrenzung zur PDS deutlich wurde.

Die „10 Thesen“ veröffentlichten die drei denn auch in einer konservativen Tageszeitung, der „Welt“. Ihr Staatsverständnis bündelt sich im Grunde in These Nr. IV: „Das Staatsgebiet ist ‚Schauplatz der staatlichen Herrschaft‘“.

Ein Grund, es nicht zu lesen? Doch. Gerade deshalb. Denn damit machen die drei etwas, was man in der politischen Diskussion der Bundesrepublik schmerzlich vermisst hat: Sie begründen Positionen im Zusammenhang mit der „Flüchtlingskrise“, erklären, warum sie so denken und warum sie diese Schlussfolgerungen ziehen, die einem überhaupt nicht fremd vorkommen. Im Gegenteil: Sie wabern jeden Tag durch die Medien. Nur ist da augenscheinlich irgendwann um 1989 etwas in der bundesdeutschen Presselandschaft verloren gegangen, was man zu Recht schmerzlich vermissen darf: die Erklärung politischer Positionen.

Das begann nicht erst mit Angela Merkel. Das war auch in der bräsigen Kohl-Ära so, dass nicht mehr erklärt und argumentiert wurde. Selbst aus den Bundestagsdebatten verschwand diese eigentlich selbstverständliche Begründung politischer Diskussionen, weshalb viele Wähler zu Recht das Gefühl haben, dass Politik nicht mehr greifbar ist. Alles ist nur noch Talk und Show, ein oberflächliches Geplätscher, bei dem zumindest in den mittlerweile so gern bürgerlich genannten Parteien kaum noch einer wirklich auch intellektuelles konservatives Profil hat und begründet, warum er wie argumentiert. Auch Angela Merkel nicht, die wie kaum eine andere für eine Politik der Bauchentscheidungen steht. Und da sie ganz ähnlich unkonturierte Mitstreiter um sich versammelt hat, ist die konservativ begründete Diskussionskultur selbst aus alten Kampfgazetten wie der F.A.Z. fast völlig verschwunden. Man liest die Kommentare dort und fragt sich, ob die Redakteure überhaupt noch eine Position haben oder ob sie die Texte von ihren Meinungsrobotern haben schreiben lassen. Deswegen grassieren ja überall Meinungen und die Leute glauben auch noch, dass man darüber diskutieren könne.

Über Meinungen kann man aber nicht diskutieren. Über Haltungen und Grundannahmen aber schon. Und die zentrale Grundannahme der drei, die sich hier zusammengefunden haben, ist die, dass es einen starken, gerechten und klar begrenzten Staat braucht, der dafür sorgt, dass sein Staatsvolk die größtmögliche Sicherheit und stabile Sozialsysteme bekommt und behält. Nur ein starker, unemotionaler Staat könne die Freiheiten der demokratischen Gesellschaft bewahren. Man merkt schon, dass so eine Grundannahme schnell zu „sicheren Grenzen“, klaren Entscheidungen bei der Einwanderung, aber auch zu Ablehnungen und Abschiebungen führt. Denn dieses Staatsmodell definiert natürlich nicht nur das Staatsvolk, sondern auch die Bedingungen, nach denen man in diesen Staat einwandern darf.

Deswegen haben die 10 Thesen natürlich ein Problem: An wen appellieren sie eigentlich? Die drei sprechen gern von „wir“, ungefähr in dem Tonfall, in dem die F.A.Z. früher mal ihre politischen Leitartikel schrieb, die noch politische Analyse waren – aus konservativer Sicht. Die zeichnete sich auch durch ein Verständnis aus, das Staaten als Akteure sah, die ihre Interessen auf internationalem Parkett vertreten. Natürlich haben Staaten und Regierungen solche Interessen. Fatal wird es, wenn sie nicht mehr darüber reden. Dann werden sie angreifbar und erscheinen „schwach“. Was die drei Autoren der deutschen Regierung zwar nur in Bezug auf die Einwanderung von arabischen jungen Männern in die deutschen Sozialsysteme attestieren. Aber es trifft auf die Position Deutschlands in der EU genauso zu wie im Verhältnis zu Polen, Ungarn, England. Die drei vermuten gar, die Engländer hätten für den Brexit gestimmt, weil sie dem deutschen Wattegemauschel entkommen wollten.

Sie sehen schon: Einige der Thesen haben einen kleinen Rattenschwanz weiterer spitzer Thesen, egal, ob es „Kapazitätsgrenzen“ betrifft, Familienzusammenführungen oder das Recht, islamische Gemeinschaften, die sich abkapseln und nicht wirklich integrieren in unsere Gesellschaft, besser zu kontrollieren. Es ploppen viele der heiß diskutierten Themen auf, die seit 2015 die Nation beschäftigen.

Was die drei freilich nicht verbergen können, ist ihre extreme Abhängigkeit von Medienberichten und Erzählfiguren, die sich in den sozialen Netzwerken eingenistet haben. Was deutlich wird an Angela Merkels „Wir schaffen das“ aus dem September 2015 und dem Verweis auf die 4.000, 5.000 in Budapest gestrandeten Flüchtlinge, um die es scheinbar in diesem Moment nur ging. Hätte man die 5.000 denn nicht einfach als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland holen können?

Das ist so eine Stelle, die einem beim Lesen zeigt, wie vergesslich viele Zeitgenossen sind. Denn mit den Budapester Gestrandeten begann das alles nicht. Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das fehlt in diesem Buch tatsächlich, dass Angela Merkel in einer Situation reagierte, in der die Unfähigkeit der EU zu handeln schon seit drei Jahren offenkundig war. Der Syrienkrieg tobte seit 2011. Seit 2012 waren die ersten von tausenden Flüchtlingen auf der Balkanroute unterwegs nach Zentraleuropa. Noch viel mehr steckten in den Aufnahmelagern Griechenlands fest, verhielten sich eigentlich so, wie es die drei Autoren immer wieder fordern. Doch die europäische Staatengemeinschaft konnte sich auf kein wirksames Hilfsprogramm einigen, schaute dem sich zuspitzenden Drama am Mittelmeer eher tatenlos zu, legte gar ein Abwehr-Programm namens Frontex auf … Wie gesagt, das fehlt alles. Es gibt also eine Menge Gründe, den Thesenerläuterungen der drei mit spitzem Stift zu Leibe zu rücken.

Aber gerade deshalb wird da und dort deutlich, warum die Diskussion in Deutschland heute in vielen Teilen so schräg läuft. Denn so wenig wie die Bundeskanzlerin ihr Handeln jemals erklärt hat, so riesig ist auch die Leerstelle in der Politik der EU, wo sich aufgeblasene kleine Bürokraten regelrecht stark fühlten, die Länder in Osteuropa zu verdammen, die nicht mehr mitspielen wollten. Und wo erzkonservative Regierungen heute über Angela Merkel herziehen, als wäre ausgerechnet sie mit ihrem großzügigen Hilfsangebot diejenige gewesen, die das Drama erst in Gang gebracht hat.

Diese These findet man auch im Buch.

Und wieder ist es so eine Stelle, die einem zeigt: Die großen, einst auch archivbewanderten Medien, sind schnell und vergesslich geworden. Die ganze Vorgeschichte ist wie ausgelöscht. Alles beginnt mit diesem einen und einzigen Merkel-Spruch. Die randalierenden Radikalen in Deutschland haben ein genauso kurzgestutztes Gedächtnis wie unsere großen Medien. Davor war nichts. Oder?

Aber zurück zur Sprachlosigkeit von EU und Bundesregierung: Wer sich hier wie dort hinter einer nicht-definierten, aber für alternativlos erklärten Politik versteckt und damit auch die Motive seines Handelns verschleiert, der sorgt genau für dieses allgegenwärtige Gefühl von fehlender Kommunikation im Land. Man macht Politik, indem man völlig konturlos wird. Logisch, dass das den Erznationalisten Wasser auf die Mühle gibt. Denn das, was scheinbar ganz aus der Sonntagsrhetorik verschwunden ist, ist immer noch da: der Nationalstaat. Nicht die „Leitkultur“, die die drei Buchautoren auch vehement beschwören, obwohl sie eigentlich Werte meinen und Grundrechte und Staatsbürgerpflichten. Denn nur so macht ein Nationalstaat Sinn: indem alle seine Mitglieder die gemeinsamen Werte akzeptieren und leben. Zu Recht fragen die drei, was Menschen in Deutschland wollen, die nicht bereit sind, diese Werte zu leben.

Und so nebenbei sagen sie auch etwas Wichtiges und Wahres: Die Bundesrepublik ist für Zuwanderung nicht deshalb so attraktiv geworden, weil „Angela Merkel die Grenzen aufgemacht hat“ oder weil die sozialen Sicherungssysteme so magnetisch sind, sondern weil sie weltweit in den Status eines attraktiven Einwanderungslandes hineingewachsen ist. Auch das verschwindet in den aktuellen Diskussionen immer wieder. Ich befürchte sogar: Es soll aus der Aufmerksamkeit verschwinden. Denn dann steht auch das auf der Tagesordnung, was die drei eigentlich zu Recht verlangen: ein echtes, belastbares Einwanderungsgesetz für Deutschland, das klar definiert, welche Art Zuwanderung gewollt ist.

Was eben nicht ausschließt, dass auch die komplette Entwicklungshilfe auf den Prüfstand kommt, von der die drei Autoren durchaus das Gefühl haben, dass dort viel Geld in Schwarzen Kassen landet und vor allem dubiose Politiker stützt, aber den Menschen in diesen Ländern nicht wirklich hilft, ein besseres Leben zu leben. Denn dass so viele Menschen sich auf die gefährliche Reise über das Mittelmeer machen, hat ja auch mit den oft katastrophalen Zuständen in einigen Ländern Afrikas zu tun. Und da wird auch Deutschland nicht wirklich sichtbar als eine Nation, die – auch aus Eigeninteresse – eine wirklich transparente Entwicklungspolitik betreibt. Was natürlich anderen Nationen und zum Teil finsteren Regimen den Freiraum gibt, sich in Afrika und der arabischen Welt so richtig auszutoben. Wer die Weltbühne betrachtet, sieht nach wie vor die alten Nationen in sehr egoistischer Weise in Aktion. Das ist also nicht weg, auch wenn man in Deutschland oft das Gefühl hat, die Bundesrepublik verstecke sich immer dann, wenn es ernst wird, hinter den Bürokraten in Brüssel.

Man muss wirklich nicht alle Thesen teilen, die die drei hier versuchen argumentativ zu untermauern. Aber sie machen etwas sichtbar, was zwar die ganze Zeit Politik macht in Deutschland, sich aber immer hinter einer Maske der freundlichen Gefälligkeit versteckt: das neokonservative Grunddenken, das die ganze Zeit Staat macht und – in seiner radikalen Variante – auch Stimmung. Aber es erklärt sich nicht, schlüpft in die Masken von Neoliberalismus und Globalisierung und scheint damit völlig verschwunden.

Man kann sich reiben an diesen zehn Thesen, man kann sich ärgern über etliche Argumente. Aber diese Reibung lohnt sich, weil sie zwingt, über unser Staatsverständnis nachzudenken und über das Land, das wir gern haben möchten. Und über die Werte, die darin gelten sollen. Denn für die haben wir tatsächlich gekämpft. Und vielleicht steht heute wirklich die Frage: Wie verteidigen wir diese Werte in der Welt? Was ja auch nicht wirklich klar wird, wenn deutsche Minister mit korrupten Herrschern über Polizeihilfe, Panzerlieferungen und Auffanglager feilschen.

Ein Buch, das störrisch ist, aber gerade deshalb auch anregt zum Nachdenken.

Gunter Weißgerber; Richard Schröder; Eva Quistorp Weltoffenes Deutschland?, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2018, 16 Euro.

Hört endlich zu! – Frank Richters Appell, die Demokratie wieder mit ehrlichen Debatten zu beleben + Video

RezensionenDebatte
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

„We Will Rock You“, das Hit-Musical von Queen und Ben Elton: Gastspiele um ein Jahr verschoben
Quelle: Live Nation GmbH

Quelle: Live Nation GmbH

„We Will Rock You“, das Blockbuster-Musical von Queen und Ben Elton, geht jetzt erst im Herbst 2021 in Deutschland auf Tour. Die weiterhin bestehenden Beschränkungen haben diese Verlegung erforderlich gemacht. Ursprünglich hätte die Tour bereits im Herbst 2020 beginnen sollen.
Nach Verschiebung jetzt teils im Werk 2, teils im Livestream: Vielfalt ohne Grenzen-Festival
Vielfalt ohne Grenzen Festival. Grafik: Deutsch-Spanische Freundschaft e.V.

Grafik: Deutsch-Spanische Freundschaft e.V.

Für alle LeserVielfalt ohne Grenzen – das ist gerade in Zeiten von Pandemien, politischen Krisen, Flucht und Kriegen wichtig. Dafür macht sich das gleichnamige Festival und Netzwerk in Leipzig stark: mit einem digitalen Festival-Konzept, das trotz der aktuellen Corona-Situation interkulturellen Austausch ermöglicht und ein tolerantes Miteinander in der Stadt fördert. Eigentlich sollte es im Juli in Grünau stattfinden – nun geht zusammen mit dem Werk 2 neue Wege.
Förderirrsinn für deutsche Kommunen: Wer schon viel hat, dem wird noch mehr gegeben
Das Positionspapier "Wer schon viel hat, dem wird noch mehr gegeben?" Grafik: Berlin Institut

Grafik: Berlin Institut

Für alle LeserManchmal braucht es erst so ein Diskussionspapier, wie es das Berlin-Institut am Donnerstag, 13. August, vorgestellt hat, um wieder sichtbar zu machen, wie unsinnig die deutsche Finanzierung der Kommunen ist. Sie hängen allesamt an irgendwelchen Fördertöpfen und stehen Bund und Ländern als Bittsteller gegenüber, um selbst nur die lebensnotwendigsten Investitionen zu stemmen. Und die wirklich bedürftigen Kommunen können nicht mal Fördergelder beantragen.
outs:de: Leipziger Clubs und Spielstätten gehen auf der Festwiese ab 21. August open air
Am Zentralstadion auf der Festwiese. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser„Es ist eine nie dagewesene Situation: Corona-Jahr 2020. Im März kam die Welle über uns: Shutdown. Keine Veranstaltungen mehr, kein Publikum, geschlossene Häuser, keine Einnahmen“, beschreibt das LiveKommbinat, der Zusammenschluss der Leipziger Clubs, die so nie erlebte Situation seit dem Wirksamwerden der Corona-Allgemeinverfügung Ende März.
Drei Leben: Ein leicht philosophischer Roman über das Drama der Freiheit in unserem Leben
Fabian Vogt: Drei Leben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserFabian Vogt ist ein Autor, der Experimente liebt, jene faszinierenden Überlegungen, zu denen unser Gehirn fähig ist, wenn es das Leben als Alternative denkt: Was wäre, wenn ... Wenn wir zum Beispiel drei Leben hätten. Nicht einfach so hintereinander, sondern richtig: drei Träume, die man sich im Leben verwirklichen möchte, auch umsetzen zu können. Ein ganz junges Thema, denn daran verzweifeln viele hochbegabte junge Menschen: an der Unmöglichkeit so einer Wahl.
Donnerstag, der 13. August 2020: Antifaschistische Auktion in Chemnitz
Der bei einer antifaschistischen Auktion zu ersteigernde Einkaufswagen könnte bald sehr nützlich werden. Symbolfoto: Alexas_Fotos, Pixabay

Symbolfoto: Alexas_Fotos, Pixabay

Für alle Leser/-innenDer Einkaufswagen vom Connewitzer Kreuz kommt nochmal ganz groß raus. Neben neun anderen Gegenständen will das „Peng!“-Kollektiv einen Nachbau davon versteigern. Der Erlös soll an ein antifaschistisches Projekt in Chemnitz gehen. Außerdem: Die B96-Protestierenden haben schon 42 Verfahren am Hals und an Autobahnen starten morgen Corona-Teststationen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 13. August 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
„Es tut mir so unendlich leid“ – 81-jähriger Frau aus Borna bleibt Gefängnis nach erweitertem Suizidversuch erspart
Dem Gefängnis entkommen: Erika S. (81) mit ihren Verteidigern Hagen Karisch und Dr. Stefan Wirth (v.l.). Foto: Lucas Böhme
Für alle LeserUrsprünglich sollte sie zwei Jahre und neun Monate Haft verbüßen: In einem Verzweiflungsakt hatte Erika S. (81) vor über zwei Jahren versucht, sich und ihren schwer erkrankten Ehemann mit Tabletten zu töten. Nach einer erfolgreichen Revision ihrer Anwälte verhandelte das Landgericht den tragischen Fall noch einmal neu – und fand eine andere Antwort.
Die Einsamen im Dunkeln fühlen sich auch diesmal nicht gemeint
Wie unterschiedliche soziale Gruppen den gesellschaftlichen Zusammenhalt empfinden. Grafik: Bertelsmann Stiftung

Grafik: Bertelsmann Stiftung

Für alle LeserDie Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte am Mittwoch, 12. August, ein neues Umfrageergebnis in der längerfristig angelegten Studie „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020“, die schon mit einer Vorgängeruntersuchung 2017 begann. Da spielte logischerweise die Corona-Pandemie noch keine Rolle, dafür die Furcht, dass die zunehmenden Aggressionen im politischen Diskurs die Demokratie zerstören könnten. Corona hat nun augenscheinlich genau das Gegenteil bewirkt.
Offene Frage: Dürfen Fußgänger und Radfahrer ab September wieder über die Brücke über den Elstermühlgraben?
Die Rohrleitungen auf der Brücke über den Elstermühlgraben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSeit einer Woche sorgen große blaue Rohre im Rosental für Stutzen bei Wanderern, Joggern, Walkern und Radfahrern. Nicht nur, weil sie sich vom Klärwerk kommend über die Brücke über den Elstermühlgraben schlängeln, sondern weil auch ringsum alles abgesperrt ist – nicht nur die Brücke, sondern auch die angrenzenden Waldwege. Und kein Schild verrät, was hier geschieht, warum und wie lange.
Linksfraktion reagiert auf CDU-Antrag: Die demokratischen Prozesse im Stadtrat lieber nicht antasten
Steffen Wehmann (Linke). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm 26. Juni 2019 vertagt, am 27. Juni 2019 dann vom Stadtrat zur Kenntnis genommen. Aber irgendwie ist der damals vorgelegte Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Hauptsatzung, die der Stadtrat extra eingerichtet hatte, um auf die Änderungen der Sächsischen Gemeindeordnung zu reagieren, in Vergessen geraten. Denn dass sich Stadträte von CDU und SPD so über ausufernde Stadtratssitzungen ärgern, hat wohl auch mit überfälligen Änderungen in der Ausschussarbeit zu tun, findet Linke-Stadtrat Steffen Wehmann.
Linke beantragt: Wohnungsbaufördergelder sollen auch komplett in den Sozialwohnungsbau fließen
Demo für sozialen Wohnungsbau am 18. Januar. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserNach dem Motto „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ kann man keine Wohnungspolitik machen. Damit ist die Bundesregierung kläglich gescheitert und hat einen enormen Investitionsstau verursacht: 1,5 Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland, in den Großstädten werden Immobilien zum Spekulationsobjekt und für den sozialen Wohnungsbau fehlt das Geld, reichen die ausgereichten Summen auch in Sachsen nicht, wie die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel feststellt.
Leipzig braucht nicht noch einen Extra-Corona-Finanzausschuss
Aus dem Vollen schöpfen konnte Leipzig schon ewig nicht. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie AfD ist eine Panikpartei. Was die Leipziger AfD-Fraktion im Mai, als noch nicht einmal absehbar war, inwieweit die Corona-Maßnahmen auf den Leipziger Haushalt durchschlagen würden, mit einem vor Dringlichkeit strotzenden Antrag mal wieder bewies. Sie forderte die „Gründung einer Kommission zur Überprüfung und Neubewertung von Ratsbeschlüssen angesichts der unvorhergesehenen finanziellen Mehraufwendungen der Stadt Leipzig durch die Corona-Pandemie“. Das war dann wirklich Quatsch mit Nonsens. Findet auch der Oberbürgermeister.
Mittwoch, der 12. August 2020: Corona-Verharmloser/-innen spucken auf die Gesundheit anderer
Die Maske ist zum umkämpften Symbol geworden. Foto: Jasmin Sessler, Pixabay

Foto: Jasmin Sessler, Pixabay

Für alle Leser/-innenEine Frau ohne Gesichtsmaske soll einen Supermarktmitarbeiter gekratzt, geschlagen und bespuckt haben. Das berichtet die Polizei heute. Zuvor hatten Corona-Verharmloser/-innen zu Verstößen gegen die Maskenpflicht aufgerufen. Außerdem: Ein MDR-Beitrag über die „Basis“ der SPD in Leipzig verrät wenig und die geplante Verfassungsschutz-Reform stößt auf ein geteiltes Echo. Die L-IZ fasst zusammen, was am Mittwoch, den 12. August 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Eine Ausstellung im Café Wagner würdigt die im Juli verstorbene Pop-Art-Künstlerin Jeannette Pietrowski-Siefke

Foto: privat

Für alle LeserDas Café Wagner am Richard-Wagner-Platz ehrt am Freitag, 14. August, die im Juli verstorbene Leipziger Pop-Art-Künstlerin Jeannette Pietrowski-Siefke (1978 bis 2020) mit Ausstellung und der Widmung eines Nachwuchs-Kunstpreises. Sie hatte ihre eigene, besonders treue Anhängerschaft weit über Leipzig hinaus. Und im Café Wagner hielt sie sich gern auf.
Mehr Kompetenzen, aber auch mehr Stress: Die Coronakrise ist eine echte Herausforderung für Studierende
Hörsaal im Geutebrück-Bau. Foto: Stephan Floss/HTWK Leipzig

Foto: Stephan Floss/HTWK Leipzig

Für alle LeserMit der Coronakrise haben sich nicht nur die technischen und digitalen Kompetenzen der Studierenden verbessert, die Mehrheit der Studierenden an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (rund 80 Prozent) hat eigenen Aussagen zufolge auch gelernt, sich besser an veränderte Bedingungen anzupassen: Die Fähigkeiten zum Selbstmanagement haben sich unterschiedlich, aber mehrheitlich doch positiv entwickelt. Die psychische Belastung ist hingegen stark gestiegen.