Raus aus Lebenslügen und Denkschablonen

Zur Sache, Deutschland! Jochen Bittners Versuch, die Gründe für eine zerstrittene Republik zu erfassen

Für alle LeserWir leben in turbulenten Zeiten. So turbulent, dass sich auf einmal reihenweise Journalisten gedrängt fühlen, Position zu beziehen zur Zeit. Und zu Deutschland. Zu Haltung, Heimat und der eigenen Arbeit. Natürlich ist so etwas bitter nötig, wenn ein Land scheinbar in Dauer-Empörung versinkt und viele Politiker sichtlich verlernt haben zu erklären, was sie tun. Was, wie Jochen Bittner, dazu führt, dass sich Menschen von Politik nicht mehr repräsentiert, sondern nur noch regiert fühlen.

Er ist Politikredakteur bei der „Zeit“, arbeitet also auch in einem Feld, wo diese Dissonanzen besonders zu spüren sind. Besonders offensichtlich, könnte man auch meinen. Aber das Gegenteil ist wohl der Fall: Selbst die Involvierten merken im zunehmenden Tagesgetöse kaum noch, was wirklich schiefläuft. Denn – das ist ja offenkundig – Lärm, Rabatz, Theater, Emotion sind nun einmal das, was Quote macht und Klicks bringt. Und nur an einer Stelle merkt man: Oha, jetzt wird er deutlich.

Da, wo er so beiläufig erwähnt, welche enorme Rolle den Fernsehsendern zukommt, die für rund 65 Prozent der Meinungsmache im Land verantwortlich sind. Schon deshalb, weil sich 65 Prozent der Deutschen dort informieren. Weshalb ja der öffentlich-rechtliche Sendebetrieb zuerst die Phrase „Lügenpresse“ um die Ohren geschlagen bekam und auch hinterher nicht wirklich wusste, wie man damit umgehen sollte – als tatsächlich unabhängiges Medium, das von Gebühren gesichert wird und sich nicht „im Markt“ behaupten muss wie alle privaten Medien sonst.

Aber der Riesenelefant ist nicht nur dickfällig, er ist – da als schwerfällige Hierarchie organisiert – auch besonders lernunwillig. Lieber steckt man einen Haufen Energie in die Verteidigung, lässt sich die eigenen Frames verschönern und tut dann weiterhin so, als schwebe man wie die Insel Laputa über den Landen. Und wenn Jochen Bittner aus seiner Sicht die fünf Spaltungen erklärt, die unsere Gesellschaft zerreißen, dann ist dieser rosa Riesenelefant ständig mit im Raum, weil vor allem er es ist, der diese Spaltungen medial immer bedient hat. Nirgendwo wird so heftig dramatisiert und emotionalisiert, werden so billige Schubladen geschaffen, wird so gern in Gut und Böse, Schwarz und Weiß geteilt, weil man in all den Jahrzehnten nicht gelernt hat, spannend über Zwischenschattierungen zu berichten.

Natürlich hat Bittner recht.

Es ist eine nüchterne Diagnose, die man so auch gern in den großen Zeitungen des Landes regelmäßig präsent finden würde, gern auch kommentiert und analysiert.

Was selten geworden ist, weil eben doch etliche Zeitungen ganz bewusst selbst Politik machen, nicht unbedingt, weil sie sich einer Partei besonders verbandelt fühlen, sondern weil ihre Besitzer selbst knallharte Wirtschaftsinteressen vertreten und doch lieber einige der von Bittner gezeichneten Verwerfungen ignorieren und zuquatschen lassen, als sie klar zu benennen.

So gesehen ist Bittners Auflistung erst einmal eine schöne nüchterne Feststellung, was einfach so ist. So beginnt Journalismus: Man sieht hin und redet die Widersprüche nicht weg, sondern nimmt sie, wie sie sind. Danach erst beginnt die Arbeit.

Die fünf Spaltungen, die er zeichnet und auch erklärt, sind:

  1. Die zwischen Globalisten und Nativisten, also einer Gruppe, die sich mit den Wirkungen der Globalisierung vollkommen identifiziert, und einer, die ihre Heimat bedroht fühlt. Was übrigens Quatsch ist, wie nicht nur Bittner feststellt. Seit Dienstag, 19. März, ist das übrigens auch faktisch untersetzt. Da berichtete der „Spiegel“ über eine neue Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Migration. Und da gab es auch die Analyse, wie sich die Deutschen selbst einordnen: „Laut der Studie der SPD-nahen Stiftung ordnet sich die Bevölkerung zudem in drei Gruppen ein. Etwa ein Viertel zähle sich zu den ‚National Orientierten‘, ein weiteres Viertel zu den ‚Weltoffen Orientierten‘ und etwa 50 Prozent zählten sich zur ‚Beweglichen Mitte‘. Das zeige, dass die Gesellschaft nicht in zwei unversöhnliche Gruppen gespalten sei, sondern über durchaus differenzierte Einstellungen verfüge, so die Autoren.“

Kein Wunder also, dass sich die „bewegliche Mitte“ nur noch ignoriert fühlt, weil die nationalen Berserker die ganze Zeit auf die Weltoffenen eindreschen und damit eine gewaltige Wirkungsmacht entfalten und gleichzeitig den völlig falschen Eindruck erzeugen, unsere Gesellschaft sei zwischen Nationalisten und Globalisten gespalten. Was ja bekanntlich Ziel der rechtsradikalen Stimmungsmache ist. Den anderen nutzt eine zerrissene Gesellschaft, in der man sich verbal oder real die Schädel einschlägt, nichts. Nur den Rechtsradikalen. Was schon ein Punkt ist, an dem man ins Grübeln kommen dürfte: Wie geht man mit dieser Attacke der Neuen Rechten auf unsere Gemeinschaft um? Auch als Journalist? Kann man da eigentlich „objektiv“ bleiben?

  1. Das ist mittlerweile ja auch von westdeutschen Medien endlich mal akzeptiert: die immer noch existierende Teilung zwischen Ost und West. Wenn ein ganzer Landesteil sich weder medial noch politisch vertreten fühlt, starke Gefühle von fehlender Anerkennung hat und noch viel stärkere von politischer Machtlosigkeit, dann sollte man das wohl ernst nehmen. Auch bei der journalistischen Analyse der Republik. Und das Verblüffende ist: Diese seltsame Blindheit für die Nichtgleichwertigkeit eines ganzen Landesteils ähnelt verblüffenderweise allen drei folgenden Spaltungen.
  2. Da ist die statistisch längst unübersehbare Spaltung zwischen Arm und Reich. Ein Land, das so gewaltige Reichtümer wie Deutschland anhäuft, sollte zumindest erschrecken darüber, dass ein Fünftel der Gesellschaft richtig arm ist, abhängig von Sozialtransfers, in prekärsten Jobs beschäftigt, ohne jegliches Vermögen und so knapp bei Kasse, dass schon eine Krankheit, eine Mieterhöhung, eine kaputte Waschmaschine in die finanzielle Katastrophe führen. Doch das wird medial kaum thematisiert. Und wenn, dann auf prollige Art wie im Privat-TV.

Eigentlich gehört hier auch noch die damit eng verbundene Spaltung bei Bildungs- und Berufskarrieren hin. Das hat alles miteinander zu tun. Wir sind ein zutiefst gespaltenes Land, in dem die politische Elite sich fast nur noch aus der Gruppe der Reichen und Wohlhabenden rekrutiert und entsprechend seit Jahrzehnten nur noch Politik für diese Jammerelite gemacht hat, die alle Nase lang „zu hohe Steuern“ beklagt.

Man ahnt schon: Die reale Spaltung in echte (weil nur noch im Eigeninteresse handelnde) Klassen spiegelt sich in den Köpfen wider. Samt Verachtung für die eh schon Niedergetretenen.

  1. Was eigentlich schon in das Thema „Identitäten als Ersatzschlacht“ führt, wo es dann auch um die berühmten „alten weißen Männer“ geht, um Ausgrenzungen und um abgeschottete Communities. Denn nicht nur die Reichen leben zunehmend wieder in ihrer eigenen Welt, auch die Armen, viele Migranten (auch in zweiter und dritter Generation) sowieso, 30 Jahre nach der „Wende“ ist offensichtlich, dass Deutschland die Sache mit der Integration vergeigt hat. Nicht nur bei den Ostdeutschen, auch bei den Migranten, von denen man gern Einordnung und Kulturakzeptanz verlangt, aber viel zu wenig dafür tut, dass Menschen sich wirklich integrieren können.

Wozu für Bittner übrigens auch das Thema „Leitkultur“ gehört – aber nicht in dem Sinn, wie es konservative Schlafmützen gern verwenden, sondern so, wie es ein echter Migrant, Bassam Tibi, vor rund 20 Jahren einmal formuliert hat – als Grundskizze eines nationalen Selbstbildes, in dem die Deutschen endlich einmal formulieren, was und wer sie eigentlich sein wollen. Und teilweise auch schon sind. Weil es einen Haufen Dinge gibt, die sie ganz selbstverständlich schon als ihre Errungenschaft betrachten. Und die Aufklärung gehört genauso dazu wie die Definition der Freiheitsrechte, die Emanzipation der Frauen, die Religionsfreiheit (die fundamentalistische Religionspraxis eigentlich ausschließt).

Wenn die Deutschen ihren neuen Mitbürgern kein Bild von dem geben können, was dieses Land eigentlich lebenswert macht und zu welchem Wertekanon man sich bekennen darf (und sollte), wenn man Teil dieses Landes werden möchte, dann entsteht natürlich die ganze Vermauschelung, Nicht-Integration und Ausgrenzung, die zunehmend mehr Menschen im Land berechtigte Sorgen macht. Denn auch in solchen abgeschotteten deutschen Milieus wachsen Attentäter und Terroristen heran. Die müssen gar nicht erst zuwandern. Genauso wie in Belgien oder Frankreich: Sie brauchen nur das heillose Gefühl, nicht dazuzugehören, nicht gewollt und nicht akzeptiert zu sein, um sich irgendeiner radikalisierten Gruppe anzuschließen.

Wenn Integration, wie Bittner es nennt, ein „Lotteriespiel“ ist, funktioniert etwas nicht.

Was sich dann in 5. austobt: Der medialen Spaltung, die nicht nur Deutschland erlebt, sondern die komplette (westliche) Welt, wo profitorientierte Internetgiganten (die „keine Medien sind“, wie Bittner betont) dafür sorgen, dass ausgerechnet die größten Schreihälse, Hasser und Wüteriche dort die meisten Follower und die meiste Aufmerksamkeit bekommen. Die Algorithmen der IT-Giganten befördern genau das – und können mit klugen, differenzierten Äußerungen nicht viel anfangen. Verbreitet werden Hass, Aufregung, Pöbelei und Lügen. Und das stärkt natürlich politische Akteure, die genau mit solchen Methoden um Aufmerksamkeit buhlen.

Und es erschwert die Arbeit der noch ernst zu nehmenden Medien, weil die gegen diese blitzschnell angeworfene Erregungsmaschine nicht anstinken können. So schnell kann man keine Nachrichten prüfen, Fakten abgleichen, andere Sichtweisen abfragen oder überhaupt erst einmal verifizieren, was da wirklich passiert ist. Bevor Journalisten ein Thema wirklich kompetent aufgearbeitet haben, sind sämtliche Netzkanäle schon mit Meinungen, Wertungen und Geschrei gefüllt. Und für differenzierte Sichten bleibt kein Platz mehr, sie bekommen nicht einmal mehr einen Bruchteil der Aufmerksamkeit.

Was eben auch bedeutet, dass in der Politik die Stänkerer, Spalter und Grabenzieher immer mehr Aufmerksamkeit bekommen. Manche Medien haben ja das Gewüte aus den Netzen regelrecht übernommen. Und eben nicht gegengehalten.

Auf die Rolle des Journalismus kommt Bittner am Ende auch noch zu sprechen, wo er auch auf das Thema Haltung und das Nicht-Gemeinmachen eingeht. Es stimmt: Journalisten agieren nicht mehr unabhängig, wenn sie auf Twitter über Parteitagsentscheidungen jubeln oder gar selbst als Redner zu Demonstrationen gehen. Man zwinkert dabei natürlich ein bisschen. Denn was bedeutet es dann, wenn Journalisten jetzt eifrig Bücher zur Zeit schreiben? So wie Jochen Bittner auch. Tatsächlich ist er beim Thema „Haltung“ gar nicht so radikal.

Denn natürlich haben Journalisten die Pflicht, Haltung zu zeigen. Professionelle Haltung. Sie sind eben auch Teil einer Demokratie, die auf eine ambitionierte, möglichst gründliche und möglichst kritische Berichterstattung bitter angewiesen ist. Auch auf scharfe Kommentare, Wertungen und Analysen. Und auf eine klare Distanz zu den Regierenden, die Journalisten in Deutschland aber leider oft genug vermissen lassen. Was auch mit Abhängigkeiten zu tun hat.

Und die, die wirklich ernsthaft recherchieren, untersuchen, kompletter berichten, wissen auch, dass am Ende eher selten eindeutige Geschichten dabei herauskommen. Schon gar keine so simplen Geschichten, wie sie auch Politiker gern erzählen. Weder im Guten noch im Schlechten. Erst die Komplexität der Geschichten macht das Geschehen wirklich begreifbar, holt es aus den Räumen von Mythos und Mysterium heraus.

Und indem Bittner eine wirklich grunzdämliche Zuschauerfrage von „heuteplus“ zitiert, wird deutlich, wo ein Hauptproblem unserer Öffentlich-Rechtlichen liegt: „Was denkt ihr: Wie sollte @heuteplus über die Angriffe in der Silvesternacht in Köln berichten?“ lautete diese Frage von 2016. Logisch, dass sich die Zuschauer aufregten, denn so nackt stand das ZDF mit seiner Behauptung, professionell über das Weltgeschehen zu berichten, schon lange nicht mehr da.

Die Frage zeigte die ganze Verrenkung, die deutsches Gebührenfernsehen genauso ungenießbar macht wie das private: Man berichtet so, als wollte man es dem gehätschelten Couchpotatoe unbedingt recht machen. Als wolle man unbedingt keine Fehler machen oder sich mal ratlos zeigen oder Berichterstattung gar als Prozess zeigen, bei dem am Ende viele Sachen gar nicht so eindeutig sind, wie sie dann in die 15 Minuten Abendnachrichten gequetscht werden (zusammen mit allerlei Blödsinn aus Sport und Boulevard).

Kein Wunder, dass immer mehr Bürger das Gefühl haben, nicht mehr richtig informiert zu werden. Und vor allem mit den durchaus komplexen Themen der Gegenwart allein gelassen zu werden.

Bittners Anliegen geht eigentlich dahin, die Spaltungen unserer Gesellschaft einfach mal wahrzunehmen und nicht wieder mit schönen Worten zuzukitten. Und dann zu versuchen, die Dinge besser zu machen. Wobei ich gerade die Suche nach einem Bild für unsere nationale Identität für spannend halte. Denn es geht nicht um Kruzifixe, Bier oder Sauerkraut. Es geht auch um ein Lebensmodell, eine grundsätzliche gesellschaftliche Haltung, die ja Deutschland heute schon für viele Menschen als Wohnort attraktiv macht. Wenn wir uns selbst klar werden, wer wir in der Weltgesellschaft eigentlich sein wollen, dann fällt es uns auch viel leichter, allen, die zu uns kommen wollen, zu erklären, was sie hier zu respektieren haben.

Gerade weil wir da gewaltig herumeiern, fällt es uns auch so schwer Grenzen zu ziehen. Nicht da, wo unsere Ballermänner von rechts welche ziehen wollen, sondern direkt bei der Frage, wer was einzubringen hat, um Bürger dieses Landes sein zu können. Denn es ist ja nicht so, dass Nationen verschwinden. Das ist ein Märchen. Aber sie kommen in eine völlig neue Rolle. Was Bittner dann nicht mehr schreibt, aber was logisch daraus folgt: Sie werden zu Identifikationsräumen für eine klar definierte Art zu Leben.

Und ich sehe auch nicht, dass das „westliche Lebensmodell“ an Attraktivität verliert. Es ist wohl eher anders: Es war noch sie so stark unter Beschuss durch Leute, die ihren egoistischen Willen der Allgemeinheit aufzwingen wollen.

Und das ist eigentlich die unterschwellige Botschaft des Buches: Wir haben die Arena in den letzten Jahren den Spaltern, Maulhelden und Hassern überlassen. Auch weil gerade die großen Medien die Probleme unserer Zeit immer gern ignoriert und zugetüncht haben. Integration macht Arbeit. Und sie verlangt nach Kommunikation, gute Kommunikation. Nicht nach dem schwammigen Gerede, das unsere politischen Bühnen beherrscht. Im Grunde ist Bittners Buch zuallererst ein Appell an die Kolleg/-innen der Zunft, dass sie endlich mit der Schönfärberei einer Zuckerwatte-Republik aufhören und den Spaltern die Themen wegnehmen, indem sie sie mit Ernst und jeder Menge grimmiger Kritik wieder selbst bearbeiten. Oder mit dem letzten Satz aus dem Buch untermalt: „Demokratie lebt vom Zweifel, nicht an ihrem Wesen, aber an ihren Inhalten. Zu wenige qualifizierte Zweifel in ihr haben dazu geführt, dass zu viele unqualifizierte Zweifel an ihr gewachsen sind. Reißen wir das Ruder herum.“

Na gut. Man kann auch sagen: Machen wir uns an die Arbeit.

Das Buch „Zur Sache, Deutschland!“ von Jochen Bittner ist bei der Edition Körber erschienen und für 18 Euro erhältlich.

Die neue Zensur: Die Bedrohung unserer Gesellschaft durch Selbstzensur und digitale Shitstorms

RezensionenDemokratieStreitschrift
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

38-Jähriger wegen Facebook-Hetze gegen Geflüchtete zu Geldstrafe verurteilt
Am Amtsgericht Leipzig. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserRassistische Kommentare in sozialen Medien sind seit dem Höhepunkt der Fluchtbewegungen nach Deutschland vor vier Jahren ein großes Thema. Seit vielen Jahren beschäftigen sich Gerichte deshalb mit zahlreichen Anklagen. In einem aktuellen Fall verurteilte das Amtsgericht Leipzig einen Mann, der Geflüchtete als Vergewaltiger bezeichnete. Weil persönliche Informationen auf Facebook ebenso sichtbar waren wie seine rassistische Einstellung, konnte ihn ein Polizist identifizieren.
Seit Montag macht auch Seidels Klosterbäckerei mit beim umweltschonenden Pfandbechersystem
Sebastian Gerstenhöfer, BUND Leipzig, und Sirko Nuss, Betriebsleiter Seidel's Klosterbäckerei. Foto: BUND Leipzig

Foto: BUND Leipzig

Für alle LeserEs ist derzeit das Herzensprojekt des BUND Leipzig: die Einwegbecher, aus denen gedankenlose Zeitgenossen ihren Coffee-to-go schlürfen, aus dem Leipziger Straßenbild verschwinden zu lassen. Die Möglichkeiten eines Mehrweg-Becher-Systems gibt es schon. Doch im persönlichen Gespräch müssen alle Anbieter von Kaffee im Straßenverkauf jetzt überzeugt werden, mitzumachen. Denn da muss auch einiges in der Unternehmenslogistik geändert werden.
Mit „Leipzig Museum on Tour. Leipziger Schätze unterwegs“ fährt das Stadtmuseum vielsprachig auf die Stadtfeste des Sommers
Die Teilnehmer des Projekts „Museum on tour“. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Foto: Stadtgeschichtlichees Museum Leipzig

Für alle LeserMuseen haben ja ein gewisses Schwellenproblem. Wer nicht sowieso ein gewohnheitsmäßiger Museumsbesucher ist, scheut sich meist, eine Museumsausstellung zu besuchen. Auch dann, wenn es eigentlich um die Geschichte seiner Stadt geht. Das Stadtgeschichtliche Museum dachte sich an dieser Stelle: Wenn die jungen Leute nicht kommen, fahren wir eben hin zu ihnen. Und nehmen ein paar schöne Anschauungsstücke mit: Museum on Tour eben.
SPD-Fraktion fordert die Verwaltung auf, die Leipziger Unfallschwerpunkte tatsächlich zeitnah zu entschärfen
Erinnerung an den tödliche Radunfall am Kleinmessegelände. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Unfallgeschehen in Leipzig ist eigentlich nicht wesentlich dramatischer geworden als in den Vorjahren. Aber da immer mehr Leipziger mit dem Rad auch im Alltag unterwegs sind, werden auch immer öfter Radfahrer Opfer von Unfällen, die sich an einigen Stellen im Stadtgebiet auffällig häufen. Die SPD-Fraktion im Stadtrat stärkt jetzt dem OBM den Rücken, diese Unfallschwerpunkte systematisch zu entschärfen.
Am heutigen Dienstag demonstrieren die Grünen wieder für durchgängige Radstreifen in der Jahnallee
Die rechtlich wahrscheinlichste Zukunft auf der inneren Jahnallee. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserAm heutigen Dienstag, 18. Juni, demonstriert der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen erneut für sicheren Radverkehr in der Inneren Jahnallee ab Leibnizstraße stadtauswärts. „Die Menschen nehmen die Verkehrswende inzwischen in die eigenen Hände und fahren verstärkt in Leipzig mit dem Fahrrad“, stellt Katharina Krefft, die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Leipziger Stadtrat, dazu fest.
West-Ost-Route durch die Beethovenstraße ist seit Montag Fahrradstraße
Die Beethovenstraße ist jetzt offiziell Fahrradstraße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich sollte es ein klein wenig anders ablaufen am Montag, 17. Juni. Die Schilderfirma sollte mit Montagewagen am Kreisverkehr an der Beethovenstraße stehen. Die Montage des ersten Schilds „Fahrradstraße“ sollte fotogen ins Bild gesetzt werden. Aber die Jungs vom Schilderdienst waren schneller, auftragsgemäß hatten sie um 12 Uhr schon den größten Teil der Beethovenstraße im Musikviertel umgeschildert.
Verschwunden: Die verhinderte Suche nach zwangsadoptierten Kindern aus der DDR
Sylvia Kabus: Verschwunden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs waren nicht nur fünf Fälle, wie lange Zeit kolportiert wurde. Eher waren es einige hundert Fälle, in denen Kinder in der DDR ihren Eltern weggenommen und zwangsadopiert wurden. Seit 2018 ist das Thema endlich auf der Tagesordnung. Doch Gesetze, die eigentlich wichtig sind, schützen in diesem Fall auch die Täter und verhindern, dass Eltern ihre verschwundenen Kinder wiederfinden. Leicht ist die Spurensuche von Sylvia Kabus nicht.
Micha allein zu Haus: Letzter Ausweg „Klimakonferenz“ ohne alle + Update
AfD und Union – Für Fridays for Future beides keine Partner, wenn es um die Meisterung des Klimawandels geht. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausg. 68Er hat sich stets bemüht. Steht dieser Satz in einem Arbeitszeugnis, ist guter Rat teuer, der nächste Job rückt in die Ferne und man klagt gegen den abwertenden Satz. Diese Möglichkeit wird Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach dem 1. September 2019, nach der Sachsenwahl nicht mehr haben. Im besten Falle wird er noch etwas entscheiden können, nämlich eine Regierung mit Grünen und SPD zu bilden.
Buchvorstellung »Polens letzte Juden« und der Film »Sterne«
Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Am Montag, den 24. Juni 2019, 17.00 Uhr, laden das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Vandenhoeck & Ruprecht Verlage sowie das Polnische Institut Berlin – Filiale Leipzig zu einem Gespräch zwischen dem Historiker David Kowalski und der Slawistin Anna Artwińska ein. Im Mittelpunkt steht die 2018 am Dubnow-Institut entstandene Publikation »Polens letzte Juden. Herkunft und Dissidenz um 1968«.
Minister weiß nichts von einem naturschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren zum Biotop am Holzberg
Das Naturparadies am Holzberg bei Böhlitz. Foto: BI Böhlitz

Foto: BI Böhlitz

Für alle LeserDass im einstigen Steinbruch am Holzberg bei Böhlitz zahlreiche streng geschützte Arten ein Zuhause gefunden haben, streitet Sachsens Landwirtschaftsminister gar nicht ab. Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag, Wolfram Günther, hatte extra angefragt, wie es um den Arten-, Biotop- und Landschaftsschutz im Steinbruch Holzberg steht, der jetzt durch die geplante Verfüllung mit Schuttmaterial bedroht ist.
Vom Ausstieg aus der Kohle sind in Sachsen tatsächlich nur 4.800 Arbeitsplätze betroffen
Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain soll das Dorf Pödelwitz schlucken. Foto Luca Kunze

Foto Luca Kunze

Für alle LeserWenn man der sächsischen Staatsregierung glauben wollte, dann ginge es beim Kohleausstieg in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier um fast 27.000 Arbeitsplätze, die irgendwie unmittelbar oder mittelbar mit Kohleförderung und Kohleverstromung zu tun haben. Die Zahl kolportierte die Staatsregierung auch wieder auf ihrer Website „Strukturwandel in den sächsischen Braunkohleregionen“. Eine Zahl, die der Landtagsabgeordnete Marco Böhme völlig unglaubwürdig fand.
Bis 2050 sollen alle Wälder in Deutschland ökologisch bewirtschaftet werden
Femelschlag im Waldgebiet Die Nonne. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBeim Thema Klimawandel wird nun schon seit über 30 Jahren über die Abholzung der tropischen Wälder diskutiert. Die EU will jetzt – so berichtet jedenfalls die F.A.Z. – mit einem Maßnahmepaket der Urwaldvernichtung gegensteuern. Aber das Paket scheint wieder mal an den zerstrittenen Regierungen zu scheitern. Und in Deutschland? Auch hier steht ein kompletter Paradigmenwechsel an. So sehen es jedenfalls die Grünen im Bundestag. Und das sollte man zumindest ernst nehmen.
So aktuell wie vor 100 Jahren: Ohne Frauen keine Demokratie!
Homepage der Feministischen Sommeruniversität. Screenshot: L-IZ

Screenshot: L-IZ

Für alle LeserBevor am Samstag, 29. Juni, das „Leipziger Frauen*festival“ startet, gibt es am Freitag und Samstag die Feministische Sommeruni Leipzig 2019 „Ohne Frauen keine Demokratie!“, die auch daran erinnert, dass Frauen in Deutschland vor 100 Jahren zum ersten Mal ihr Wahlrecht ausüben durften. Der Kampf der Frauenbewegung ist natürlich älter. Und er hat seine Wurzeln in Leipzig.
Theateraufführungen „Casablanca Reloaded“ vom 6. – 7. Juli und 12. – 15. August
Foto: Armin Zarbock

Foto: Armin Zarbock

Als die Casablanca-Filmbüchse verschwindet, sieht sich ein von seiner Ehe desillusioniertes Filmvorführer-Pärchen gezwungen, in die berühmten Rollen zu schlüpfen, um ihn nachzuspielen. Hingerissen vom besten Liebesfilm aller Zeiten finden sie wieder zusammen – mit Live-Musik, in schwarzweiß und mit vielen Hüten.
Kurt Masur entzaubert: Roland Meys Streitschrift deutlich erweitert im Buchhandel
Roland Mey: Kurt Masur entzaubert. Foto:Ralf Julke

Foto:Ralf Julke

Für alle LeserWie umgehen mit dieser DDR-Geschichte? Das ist auch in Leipzig eine Frage. Eine Frage, die auch Roland Mey umtreibt, der 1990 als Stadtrat für die SPD gewählt wurde, im Ruhestand aber überhaupt nicht ruhen will. Und dass der einstige Gewandhauskapellmeister Kurt Masur bis heute immer wieder als Held der Friedlichen Revolution gepriesen wird, findet er inakzeptabel. Seine kleine Broschüre „Kurt Masur entzaubert“ ist im Lauf der Jahre also immer seitenreicher geworden.