Herbstjahr: Ralph Grünebergers Roman über drei junge Leipziger im Umbruchjahr 1989/1990

Für alle LeserDas passt schon. Der 30. Jahrestag jenes 9. Oktober 1989 nähert sich, an dem 100.000 Menschen um den Leipziger Ring zogen und die SED-Funktionäre ihre Ohnmacht begriffen. Und Ralph Grüneberger hat seinen Roman fertig, an dem er seit 2012 gearbeitet hat. Am 25. September stellt er ihn in der Stadtbibliothek vor. Und das Titelfoto darf nicht täuschen: Es ist keine weitere Wende-Wunder-Geschichte geworden. Grüneberger blendet nicht ab, als das „Wunder“ vorbei war.
Anzeige

Und man merkt, dass ihm genau das ein Anliegen war. Als Leipziger Autor hat er das alles ja hautnah miterlebt, war mittendrin. Am 5. Oktober moderierte er in der Moritzbastei zusammen mit Michael Brie die Podiumsdiskussion „DDR 50“, doch statt über eine Fiktion der DDR im Jahr 1999 wurde über das gesprochen, was draußen auf den Straßen passierte. Am 2. Oktober hatte es mit 20.000 Teilnehmern die erste große Demonstration auf dem Ring gegeben, gegen die die Polizei auch diesmal mit Gewalt vorging.

Es ist die Demonstration, die Grüneberger für den Auftakt seines Romanes wählt, in dem Jesse – Sohn eines Leipziger SED-Funktionärs – eher zufällig erst zum Teilnehmer wird und dann erstmals auch die Gewalt der Polizei erlebt. Dabei hatte er mit den Bürgerrechtsgruppen, die sich in der Nikolaikirche trafen, bisher nichts am Hut, auch wenn er mit seinem zutiefst überzeugten Vater immer wieder aneinandergerät.

Er arbeitet als Zerspaner in einem Leipziger Exportbetrieb, steckt also tief im tagezehrenden Dreischichtsystem, in jenem Maschinenrhythmus, der die DDR irgendwie noch am Laufen hielt. Mehr schlecht als recht, wie er weiß. Doch die unsanfte Begegnung mit der Polizei bringt ihm nicht nur eine Woche Krankschreibung ein, sondern auch einige Erkenntnisse, die seine Sicht auf die Welt doch noch einmal gründlich ändern. Sein Freund Rainer ist verschwunden, dessen Wohnung steht leer. Erst später wird eine Postkarte vom Wiener Prater ankommen.

Und er lernt in einem alten, leergeräumten Haus die Leute vom Neuen Forum kennen, das gerade in dieser Zeit versucht, von der Staatsregierung offiziell anerkannt zu werden. Aber es ist auch die Woche, in der Polizei und Stasi noch einmal aufrüsten, um die zunehmenden Proteste noch einmal mit Gewalt und Einschüchterung einzudämmen. Was Jesse dann am 7. Oktober noch einmal am eigenen Leib erlebt, als er mit dutzenden anderen in den Pferdeställen auf der Agra landet, die auch am 9. Oktober zur Inhaftierung der Protestierenden vorgesehen waren. Und die Warnungen, die Jesses Arzt ihm mitgibt, gab es tatsächlich.

Nur dass an diesem 9. Oktober alles anders kam.

Doch wer nach diesem Kapitel „Jesse, Oktober 1989“ meint, auch dieses Buch würde mit fröhlichen Tänzen auf der Mauer oder einem anderen Freudenmotiv zum Herbst 1989 enden, der merkt nach dem Umblättern schnell, dass in Grüneberger etwas völlig anderes wühlt. Und nicht nur in ihm. Denn die meisten Ostdeutschen erlebten nach der Maueröffnung, was Jesse, Rainer und Rainers Schwester Monika in den folgenden Monaten erlebten. Rainer war noch im August 1989 über die ungarische Grenze in den Westen geflüchtet, hatte aber seine Arbeitspapiere nicht mitgenommen, sonst hätten ihn westdeutsche Unternehmen sofort als qualifizierte Fachkraft eingestellt. Also kehrte er zurück, frustriert von den Erfahrungen im Aufnahmelager, jetzt aber auch noch wohnungslos, denn längst leben andere Leute in seiner Wohnung.

Und der Betrieb, in dem Jesse und Rainer einst Kollegen waren, hat im Sommer 1990 längst auf Kurzarbeit umgestellt. Mit der Einführung der D-Mark brachen die Märkte weg. Die Industrie eines ganzen Landes war praktisch über Nacht nicht mehr konkurrenzfähig und Millionen Ostdeutsche erlebten jetzt, was es heißt, die sicher geglaubte Existenz zu verlieren. Das ist das, was über die „Wende“ im Osten so ungern erzählt wird – von den einen nicht, weil es die schwarze Kehrseite der Marktwirtschaft zeigt. Und von denen anderen nicht, weil das zu einer tiefen Entwertung und Verunsicherung führte, die für viele auch nach Jahren nicht aufhörte.

Nicht nur Betriebe wurden abgewickelt, ganze Belegschaften in einem Rutsch „freigestellt“, auch Verwaltungen und Hochschulen wurden evaluiert, „Wasserköpfe“ abgebaut und belastete Mitarbeiter entlassen. Und am Beispiel der Leipziger Theaterhochschule erlebt Monika direkt mit, was es bedeutet, wenn nicht nur die Hochschule infrage steht, sondern die eigentlich schon aufgenommen Studentinnen und Studenten nicht immatrikuliert werden. Mit viel Phantasie kämpfen sie zwar um ihre Immatrikulation, an der auch das Bafgög hängt und der Platz im Studentenwohnheim. Aber sie merken auch, dass nichts davon von ihnen selbst abhängt, die Entscheidungen fallen ganz woanders – in Berlin und Dresden.

Und als Monika ihren Studienplatz endlich hat und die Studentengruppe mit einem Impro-Theater das glückliche Ende feiert, bleibt Rainers Stuhl im Publikum leer. Man ahnt nur, dass irgendetwas im Leben des jungen Mannes schiefgelaufen sein muss. Das erzählt Grüneberger dann im letzten Kapitel, das vor allem davon erzählt, wie junge Leipziger noch im Sommer 1990 jede Chance nutzen, in der kommenden Marktwirtschaft Fuß zu fassen, sie als Herausforderung zu nehmen und sich nicht hängenzulassen.

Auch das wird eher selten erzählt, meist überschrieben mit der als einziges Abwracken erzählten Treuhand-Geschichte, die die Ostdeutschen quasi zu Opfern macht, denen das alles nur zustieß. Aber wäre es so gewesen, wäre im Osten ganz anders tote Hose als heute. Denn dass der Osten tatsächlich noch einen ganz und gar nicht so kleinen Besatz an Unternehmen hat, hat mit all den Ostdeutschen zu tun, die sich 1990 am eigenen Schopf aus dem Wasser zogen, die sich in all die eiligst aus dem Boden gestampften Schulungen beim Arbeitsamt setzten und Rollen lernten, die es vorher nicht gab.

Die sich auch in den Drückerkolonnen verdingten, die überall Zeitungsabos vertickten, oder sich – wie Rainer – zum Immobilienmakler schulen ließen. Oder mit ihrem Meistertitel endlich einen eigenen Handwerksbetrieb gründeten. Was auch nicht immer gutging. Denn viele erlebten, wie schnell man scheitern konnte in einer Zeit, in der die Leute noch kaum harte Währung in der Tasche hatten, aber auf einmal schon wieder finanzkräftige Hauseigentümer und Spielhallenbetreiber in den Markt drängten, die Mieten hochtrieben …

Erstaunlich viele Themen, die Grüneberger anklingen lässt und die die oft genug eigentlich unaushaltbare Spannung dieses Jahres nach diesem 9. Oktober spürbar machen. Eine Spannung, die auch die Helden seines Romans zuweilen mutlos zu machen droht. Gerade Jesse und Rainer wollen gar nicht erst in die Lage kommen, ihre Eltern um Unterstützung anbetteln zu müssen. Sie wollen zeigen, dass sie es aus eigener Kraft schaffen können. Und es lässt sich für Rainer, der sogar das noch junge Connewitzer Besetzerprojekt kennenlernt, sogar gut an. Die neue Zeit könnte für ihn eigentlich beginnen. Aber es ist auch eine Zeit, in der die alte Staatsmacht selbst im Übergang ist, von vielen Leipzigern damals regelrecht als macht- und zahnlos erlebt.

Ob Rainer am Ende überlebt, lässt Grüneberger offen. Man ahnt schon, wie er beim Schreiben dieses Romans mit sich gerungen hat. Denn ganz eindeutig wollte er keine Heldengeschichte schreiben, nicht schon wieder eine Jubelgeschichte über eine Friedliche Revolution, die andere Leute, die überhaupt nicht dabei waren, nur zu gern auf ihr Konto schreiben. Er wollte eher von Protagonisten berichten, die eher ohne eigenes Zutun mitten in den Strudel der Ereignisse gespült wurden. So wie am 7. Oktober viele Leipziger, die nicht mit dieser Rücksichtslosigkeit eines Systems gerechnet hatten, das diese Brutalität zuvor immer nur an Dissidenten und Unangepassten ausgelassen hatte.

Viele erinnern sich gern an die berauschende Aufbruchsstimmung nach dem 9. Oktober. Über das, was die meisten dann ab dem Sommer 1990 durchmachten, wird eher selten geredet. Grüneberger aber erinnert diese Zeit sehr detailreich, eine Zeit, in der auch Freundschaften, Ehen, Arbeitskollektive sowieso zerbrachen. Rainer und Jesse erleben exemplarisch, was damals fast jeder und jede erlebten, die ihre Arbeit verloren, das ganze existenzielle Gefüge und oft genug auch viele Menschen, die zuvor zum eigenen Kosmos gehört hatten. Wer immer konnte, packte ja seine Sachen und ging in den Westen. Und wer da blieb, musste sich in der Regel entweder völlig neu erfinden oder auf die harte Tour versuchen, irgendwie wieder eine Existenz aufzubauen, in der er seine Wohnung bezahlen konnte und vor sich selbst und seinen Bekannten noch das Gesicht wahren konnte.

Grüneberger beleuchtet damit eine Verschiebung, die eher nichts mit der Treuhand-Debatte zu tun hat. Die aber viel mit der bis heute anhaltenden Verunsicherung vieler Ostdeutscher zu tun hat, von denen viele nie das Gefühl losgeworden sind, dass ihnen das, was sie sich erarbeitet haben, irgendwie nicht zusteht, nur gegönnt wird und vor allem – jederzeit wieder entzogen werden kann. Ein Gefühl, das in der Erinnerung auch ein ewiges Herbstgefühl ist, auch wenn der Buchtitel scheinbar nur an den Herbst 1989 erinnert. Aber richtig ungemütlich, stürmisch und trist wurde eben auch für viele Menschen erst die Zeit danach. Eine Zeit, in der für Besinnung eigentlich nie Zeit war. Auch wenn Grüneberger hier im September 1990 einen Punkt setzt und das Buch mit einer kleinen Chronik der Jahre 1989/1990 beendet.

Und damit lässt er natürlich offen, was aus Jesse, Monika und Rainer geworden sein könnte. Aber genau dieses offene Ende erzählt ja, was so gern wegretuschiert wird mit all den „Wundern der Friedlichen Revolution“: die Mühen der Ebene. Oder Brechts Gedichtzeile von 1949 etwas kompletter zitiert: „Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns / Vor uns liegen die Mühen der Ebenen.“ Denn erst in diesen Mühen einer oft tristen, unwirtlichen und unwegsamen Ebene entfalten sich die Schicksale der Menschen, müssen sie im Ringen mit Umständen und Niederlagen lernen, wieder ein eigenes, vollgültiges Leben zu leben. Daraus wird dann tatsächlich erst Geschichte gemacht. Geschichte, die sich nicht so hübsch feierlich erzählen lässt wie der Sturz einer ungeliebten Regierung, Mauerfall und Deutsche Einheit.

Die drei Helden des Buches erfahren sehr schnell, dass den sicheren Siegen erst die Zeiten der Unsicherheit, der Suche und der Irrungen folgen. Und dass ganz wenig genügt – und es geht an die eigene Existenz. Und Grüneberger erzählt das so dicht, als müsste er das endlich einmal loswerden, schildern, wie für viele tatsächlich alles begann. Und nicht wenige haben so wie Rainer begonnen: Ohne alles, nur mit der festen Überzeugung, dass sie sich nicht unterkriegen lassen wollten.

Ralph Grüneberger „Herbstjahr“, Gmeiner Verlag, Meßkirch 2019, 14 Euro.

Veranstaltungstipp: Lesung mit Ralph Grüneberger aus „Herbstjahr“ am Mittwoch, 25. September, 19 Uhr in der Stadtbibliothek Leipzig.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

RezensionenFriedliche RevolutionRoman
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Er gibt nicht auf: Ein Mörder kämpft weiter um mildere Strafe
Hofft weiter auf eine mildere Strafe: Dovchin D. (heute 41, rechts), hier im Januar 2019 neben seinem Anwalt Dr. Stefan Wirth beim ersten Prozess nach der Revision. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle Leser2016 brachte er zwei Frauen in Leipzig um und zerteilte ihre Leichen. Dafür wurde er zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Nach einer erfolgreichen Revision der Verteidigung und einem neuen Prozess bestätigte das Landgericht 2019 die Strafe - doch die Entscheidung wurde wiederum gekippt. Am kommenden Freitag steht der heute 41-jährige Dovchin D. deswegen vor dem Richter. Zum dritten Mal.
Die umgebaute Haltestelle Goerdelerring geht am 31. Oktober wieder komplett ans Netz
Linie 4 in der neuen Haltestelle Goerdelerring. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEndlich fertig. Als hätten es die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) geplant: Praktisch mit Corona starteten sie in diesem Jahr die Bauarbeiten in ihren größten Baustellen in der Bornaischen Straße und am Goerdelerring, die über Monate ein zuweilen verwirrendes Umleitungsregime zur Folge hatten. Und die größte und sperrigste dieser Baustellen wird jetzt endlich fertig. Die zentrale Haltestelle Goerdelerring wird ab 31. Oktober wieder komplett bedient, teilen die LVB mit.
Leipziger Forscher staunen: Älteste ausgegrabene Mongolin besaß Erbgut von Denisovanern, Neandertalern und modernen Menschen
Diyendo Massilani durchsuchte die Genome der Salkhit- und Tianyuan-Individuen auf DNA-Spuren von ausgestorbenen Homininen und wurde fündig. Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Foto: MPI für evolutionäre Anthropologie

Für alle LeserVon Kosmopoliten spricht Diyendo Massilani. Aber so empfanden sich die Menschen, die vor 30.000 und 40.000 Jahren in den eisfreien Weiten des großen Kontinents Eurasien unterwegs waren, bestimmt nicht. Auch wenn sie dann und wann überrascht gewesen sein dürften, dass sie auf andere Gruppen von Menschen stießen, die etwas anders aussahen und wohl auch etwas anders sprachen. Und trotzdem paarte man sich. Zum Glück für heutige Anthropologen.
Kurzarbeit dämpft auch im Oktober die Arbeitslosenzahl und das Stellenangebot ist auf Vorjahresniveau
Gemeldete Arbeitslose in Leipzig. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Für alle LeserWas die ganzen Folgen der Corona-Panemie am Ende tatsächlich in der Wirtschaft anrichten, weiß noch niemand. Selbst die Diskussionen, ob die ab dem 2. November geplanten Einschränkungen überhaupt Sinn machen, beginnen erst. Denn wir sind längst an dem Punkt angekommen, da wir lernen müssen, das Leben am Laufen zu halten, obwohl das Corona-Virus weiterhin unterwegs ist. Auch in Leipzig ging im Oktober die offizielle Arbeitslosigkeit wieder zurück.
Frühstücksträume: Lauter leckere Tipps, wie man aus der Frühstückslangeweile herauskommt
Barbara Baumann: Frühstücksträume. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Wort Corona kommt in diesem Buch einmal nicht vor. Aber eigentlich passt das Buch haargenau in diese seltsame Zeit mit all ihren Einschränkungen und nun der zweiten langen Zeit, wo die ganze Familie wochenlang zu Hause hocken muss. Da lohnt es sich, selbst das Sonntagsfrühstück zu einem richtigen Erlebnis zu machen – mit selbst gemachter Konfitüre und selbst gebackenen Brötchen. Oder auch ganz international.
Donnerstag, der 29. Oktober 2020: FDP, Linke und Gaststätten kritisieren Corona-Politik
Rico Gebhardt, (MdL, Die Linke). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserBundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsident/-innen haben sich gestern auf einen „Lockdown light“ verständigt. FDP und Linke kritisieren unter anderem fehlende Parlamentsbeteiligung und die Gaststätten wollen ihre Schließung nicht einfach hinnehmen. Außerdem: Der ehemalige Unirektor Cornelius Weiss ist tot. Die L-IZ fasst zusammen, was am Donnerstag, den 29. Oktober 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Bertolts Bruch und Friedrichs Fiasko: Zwistigkeit im Glanz der Freiheit
Screenshots: www.duden.de, Montage: LZ

Screenshots: www.duden.de, Montage: LZ

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im Handel„Zwist“. Beinahe schon ein veraltetes Wort, aus dem Niederdeutschen übernommen, das steht für „Streit“ oder „Zerwürfnis“. Dieser Fast-Archaismus schien mir aber als Ersatzwort in der Silbenparallele wesentlich besser zu passen, als „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zum 30. Jahrestag des Beitrittsjubiläums hinauszuposaunen.
Mit dem richtigen Hygienekonzept und guter Belüftung könnten Hallenveranstaltungen auch in Corona-Zeiten stattfinden
Konzert mit Tim Bendzko am 22. August in der Quarterback Immobilien Arena Leipzig. Foto: SC DHfK Handball

Foto: SC DHfK Handball

Für alle LeserAm 2. November sollen die neuen verschärften Allgemeinverfügungen zur Corona-Pandemie in Kraft treten. Und die Sportvereine und -verbände in Mitteldeutschland meldeten sich sofort nach Verkündung mit heftiger Kritik zu Wort, denn sie haben in der Regel alles getan, damit der Verein nicht zum Hotspot für das Virus wurde. Und mit dem großen Experiment RESTART-19 im August haben die Universitätsmedizin Halle (Saale) und der SC DHfK gezeigt, dass auch Sportveranstaltungen mit dem richtigen Hygienekonzept machbar sind.
Mehr als ein Stück Ernährungswende in Taucha: Kooperative Landwirtschaft vor den Toren Leipzigs
Kohlernte bei KoLa mit Spaßfaktor. © Frank Willberg

Foto: Frank Willberg

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelEine Gemüsewurzelrevolution vor den Toren der Stadt. KoLa Leipzig steht für Kooperative Landwirtschaft. Die Genossenschaft mit aktuell 976 Mitgliedern ist im Mai 2018 entstanden und hat einen überaus verheißungsvollen Auftakt hingelegt. Aber was macht solidarische Landwirtschaft besser als gewöhnlicher Ökolandbau? Wie hat sich die Idee von KoLa bislang entwickelt? Und was bewegt hauptsächlich junge Menschen, diesen nicht unbedingt einfachen Weg einzuschlagen?
SPD fasst ihren Antrag zum Wilhelm-Leuscher-Platz neu: Das neue Quartier braucht mehr Grün, mehr Spielplätze und Radabstellanlagen
Blick auf den Nordteil des Geländes Richtung Rossplatz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich sollte die zukünftige Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes in der Ratsversammlung am 7. Oktober debattiert und beschlossen werden. Doch eine lange Latte an Änderungsanträgen ließ schon ahnen, dass die Diskussion um diesen Platz heftig werden würde. Jetzt soll die Verwaltungsvorlage am 11. November diskutiert werden. Und auch die SPD-Fraktion attestiert den städtischen Planern hier ein Denken von vorgestern und fordert die Schaffung erlebbarer Grünflächen.
Nach Aus für B 178-Verlängerung in der Lausitz: ADFC fordert endlich mehr Einsatz für Radwegebau in Sachsen
Und wo fahren die Radfahrer? Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserAls Sachsen vor über einem Jahr seine Projekte für das „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ anmeldete, waren auch reihenweise teure Straßenneubauten drin, die vorher nie eine Chance auf Realisierung gehabt hätten. Aber der Glaube ist unerschütterlich, dass über Staatsstraßen und Autobahnen endlich die florierende Wirtschaft käme. Auch in die Lausitz. Am 23. Oktober aber vermeldete das Verkehrsministerium das Ende eines dieser Traumprojekte.
Verkehrsdezernat lehnt Linke-Antrag ab: Am Cottaweg können wir nichts ändern
Die neu montierten Geländer an der Einmündung Cottaweg. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Herumgeeier um den Cottaweg und seine gefährliche Einmündung in die Jahnallee zeigt recht exemplarisch, wie schwer sich Leipzigs Verkehrsplaner tun, altes Autostraßendenken zu verlassen und wirklich moderne Lösungen für den Stadtverkehr zu finden. Die neuen Geländer an der Einmündung stehen geradezu für dieses Denken von Vorgestern. Gibt ja nun keine Unfälle mehr, meint das Planungsdezernat zu einem Antrag der Linksfraktion.
Klares Ergebnis der Vorlesestudie 2020: Schenkt den Kindern Bücher! Viele Bücher!
Es gibt genug wirklich schöne Vorlesebücher. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm 20. November ist wieder Bundesweiter Vorlesetag. Ein Tag, der daran erinnert, dass Lesen und Vorlesen für Kinder nicht einfach nur Luxus sind. Denn frühes Vorlesen öffnet den Kindern den Weg in Welten, die ihnen sonst ein Leben lang verschlossen bleiben. Denn Bildung erschließt sich durch Lesen erst in ihrer ganzen Komplexität. Aber warum lesen dann so wenige Eltern vor, wollte die Stiftung Lesen wissen?
„Wenn man spürt, wie die Luftkräfte einen tragen“: In Eilenburg können Kinder Skispringen lernen
Blick von der 1999 neu gebauten Josef-Dotzauer-Schanze in Eilenburg. Foto: Michael Billig

Foto: Michael Billig

Für alle LeserLEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelDas Land ist flach, der erste Schnee noch in weiter Ferne. In Eilenburg schnallen sich die Jungadler des SV Lok dennoch ihre Ski an und stürzen sich an einem Oktobernachmittag die Josef-Dotzauer-Schanze hinunter. Bereits seit 1958 hat das Skispringen in der Kleinstadt, rund 20 Kilometer nordwestlich von Leipzig, ein Zuhause. Doch außerhalb von Eilenburg wissen nur wenige davon, wie Lok-Trainer Stephan Kupke (44) gegenüber der „Leipziger Zeitung (LZ)“ sagt.
Warum Kompromisse schließen? Andreas Weber zeigt, warum nur gute Kompromisse Überleben erst möglich machen
Andreas Weber: Warum Kompromisse schließen? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserVon den beiden Händen, die sich da auf dem Cover drücken, darf man sich nicht irritieren lassen. Das erinnert eher an eine der kompromisslosesten Parteien, die es in Deutschland mal gab. Und um die DDR geht es schon gar nicht. Es geht um unser Jetzt und unsere heutige Unfähigkeit, echte Kompromisse zu schließen. Faule Kompromisse sehen wir überall. Auch deshalb ist die Stimmung derzeit so aggressiv wie in einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Ehe.