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Sonntag, 17. Januar 2021

Eine kulinarische Reise durch Tansania: Die faszinierende Küche zwischen Serengeti, Victoria-See und Indischem Ozean

Von Ralf Julke

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    Einige Erkundungen der internationalen Küche sind ja schon im Buchverlag für die Frau erschienen. Aber da ging die Reise meist ostwärts, gern auch in die sagenhaften Gefilde des Kaukasus. Deswegen ist dieses Buch von Vera Lifa Seiverth eine Premiere, sogar eine mehrfache, wie es aussieht. Denn ein Kochbuch zur Küche Tansanias gab es augenscheinlich bislang überhaupt nicht auf dem deutschen Buchmarkt. Es ist, als wäre Afrika jetzt endlich wieder zu entdecken.

    Denn Fakt ist natürlich auch, dass wir uns schwertun, Afrika als einen reichen Kontinent voller verschiedenster Kulturen und Küchen zu begreifen. Wir haben unsere Bilder im Kopf, die eigentlich nur Abziehbilder dessen sind, was unsere Medien als Bild von Afrika immer wieder reproduzieren.

    Vera Lifa Seiverth wurde selbst in Tansania geboren, wuchs dort auch auf und nahm die Erinnerung an die Küche ihrer Kindheit mit nach Österreich, wo ihre Kochkunst dann augenscheinlich eine Menge Menschen verblüffte, die sich gar nicht vorstellen konnten, wie reich und vielfältig die Küche eines Landes sein konnte, das die meisten wahrscheinlich auf der Landkarte am falschen Ort suchen würden, obwohl sie über Tansania wohl mehr erfahren haben als über jedes andere Land auf dem großen Kontinent.

    Denn Tansania ist das Land der großen und berühmten Nationalparks. Der berühmteste ist natürlich der Serengeti Nationalpark, der zweitbekannteste der Kilimandscharo Nationalpark. Katavi, Gombe, Rubondo, Mikumi heißen andere Nationalparks. Sie sind über das ganze Land verstreut und erzählen jeder auf seine Weise vom Reichtum der örtlichen Tierwelt. Mit dem Victoria See und dem Tanganjika See grenzt Tansania auch gleich noch an die berühmtesten Seen Afrikas, hat mit Sansibar eine Insel vor der Küste, die auch Naturforscher begeistert.

    Und im Norden des Landes befindet sich die berühmte Olduvai-Schlucht, wo die ältesten Spuren der Menschheit gefunden wurden. Allein dafür lohnen sich schon Reisen in dieses Land. Und in der Einführung in ihr Buch erzählt Vera Lifa Seiverth all das noch einmal komprimiert, um dann – nach einer kurzen Einführung in die aus vielen Wurzeln gespeiste tansanische Küche – all jene Rezepte zu versammeln, von der ihre Gäste so begeistert waren.

    Der Buchtitel verspricht dann zwar eine Reise durch Tansania. Aber das wäre dann doch ein anderes Buch geworden, auch wenn die Karten und Fotografien in der Einführung so etwas andeuten. Tatsächlich ist es eine Reise durch die tansanische Küche in 15 Kapiteln. Eine Küche, die sehr gastfreundlich ist, wie die Autorin betont. Und in der es herrlich viel Gemüse gibt, darunter auch solches, das man in Deutschland nur in besonderen Geschäften bekommt. Auch wenn sich das Angebot in unseren Gemüseläden ja schon deutlich verändert hat und Maniokwurzeln, Yamswurzeln und Kochbananen schon eher zum Repertoire gehören.

    Bei manchen Gerichten hat Vera Lifa Seiverth dann auch die Zutaten, die sich partout in keinem Geschäft in Deutschland, Österreich oder der Schweiz finden ließen, durch verwandte Zutaten ersetzt, die auch hierzulande wachsen. Aber der Sprung über die Kontinente gelingt. Das Ergebnis ist tatsächlich ein farbenfreudiges Kochbuch, das einen Eindruck von der Lebensfreude und Intensität der Küche Tansanias vermittelt.

    Und natürlich ihre Internationalität, an die nicht nur etliche aus Indien stammende Gerichte erinnern, die sich die Tansanier zu eigen gemacht haben, sondern auch Einflüsse aus Europa wie die im Buch zu findenden Kuchen- und Suppenrezepte, die aber eben nicht nur 1:1 das übernommen haben, was die Europäer so mitbrachten, sondern es mit den eigenen Traditionen verschmolzen.

    Dass Salate und viele Rezepte mit Reis und Hülsenfrüchten praktisch den Einstieg ins Buch bilden, bringt natürlich den Alltag des Landes am Indischen Ozean ein wenig ins Bild. Denn mit diesen Rezepten lassen sich mit vielfältigsten Zutaten und relativ schnell die unterschiedlichsten Gerichte zaubern. Auch afrikanische Hausfrauen müssen den Faktor Zeit bedenken. Eine hungrige Familie will ihr Essen bald auf dem Tisch haben: Reis mit Linsen z. B., Gemüse-Reis, Erdnussbutter-Reis oder auch mal einen süßen Reiskuchen oder (schöne Grüße aus Europa) Reis-Mini-Palatschinken. Da war dann wohl auch mal ein Ungar da. Und ein Engländer regte gleich mehrere Porridge-Rezepte an. Die Fischsuppe wird wohl an einem der großen Seen ihren Ursprung haben, die Tintenfisch-Octopus-Suppe eher am Strand des Ozeans.

    Die Fleischrezepte werden dafür eher im Landesinneren ihren Ursprung haben, auch wenn ein Hähnchen-Kokosnuss-Curry so ein wenig an Indien erinnert, Grillhähnchen und Schweinerippchen zwar auf den ersten Blick vertraut wirken, mit ihrer exotische Würzung aber verraten, dass in den Küchen Tansanias ein besonderes Gefühl fürs Aroma besteht. Und man erfährt dann auch gleich noch, dass in Tansania die Innereien der geschlachteten Tiere nicht weggeworfen werden, weshalb es auch mehrere Rezepte mit Kutteln, Leber und Kaumagen gibt. Das gilt alles nach wie vor als Delikatesse, was es ja auch in deutschen Landen einmal war, bevor auch die Tierzucht industrialisiert wurde.

    Bei etlichen Rezepten hat Vera Lifa Seiverth dazugeschrieben, wie sehr sie diese Rezepte an ihre Kindheit erinnern. Und es ist eindeutig eine Küche, die ahnen lässt, wie sehr talentierte Frauen für ihre Familie und selbst überraschende Gäste das Essen zu einer Freude und einer wohltuenden Erinnerung gemacht haben. Und wie sehr Tansania augenscheinlich auch ein Raum der Begegnung war. Die Küche erzählt von diesem Reichtum der Begegnungen. Man nahm sich das Leckere aus anderen Ländern an, verwandelte es in ein Gericht, das ideal den eigenen Speisekanon ergänzte.

    Und das umfasste auch die ganzen Naschereien nach dem Hauptgang – von Sesambällchen und Halva, die aus dem arabischen Raum stammen, bis zu Tansanischen Krapfen und Kartoffelknödeln tansanischer Art. Alles gern mit frischer und scharfer Note. Wem zu Kidneybohnen, Papaya und Mango partout nichts einfallen will, der wird hier fündig. Und der wird wohl auch neugierig auf eine reichhaltige Küche aus einem Land, das man für gewöhnlich immer nur mit Giraffen, Zebras und Elefanten in Verbindung bringt, aber nicht mit stolzen Köchinnen, die über eine abwechslungsreiche und auch überraschende Küche herrschen.

    Vera Lifa Seiverth Eine kulinarische Reise durch Tansania, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2019, 18 Euro.

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