Die Entscheidung des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer, drei linke Buchläden vom Deutschen Buchhandlungspreis auszuschließen, stößt bei Preisträger*innen in Leipzig auf Kritik. Die Inhaberinnen des Geschäfts „Rotorbooks“ in der Kolonnadenstraße denken bereits über Konsequenzen nach.
Am Dienstag hatte zunächst die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet, dass Kulturstaatsminister Weimer drei Läden vom Deutschen Buchhandlungspreis ausschließt. Es handelt sich dabei um Geschäfte in Berlin, Bremen und Göttingen, die alle im politisch linken Spektrum zu verorten sind.
Laut dem SZ-Bericht begründet Weimer seine Entscheidung mit „Erkenntnissen“ des Verfassungsschutzes. Was genau diese „Erkenntnisse“ sind, ist allerdings unbekannt. Selbst die betroffenen Läden haben dazu keine Informationen erhalten. Sowohl der wissenschaftliche Dienst des Bundestages als auch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts legen laut SZ nahe, dass das Verfahren nicht verfassungskonform ist.
„Wir solidarisieren uns mit den Buchläden und verurteilen das Prozedere“, sagt Anke Schleper, eine der beiden Inhaberinnen von „Rotorbooks“, auf Anfrage der Leipziger Zeitung. Es handle sich dabei um einen „Präzedenzfall“, der politisch motiviert sein könnte. Normalerweise entscheidet eine Fachjury über die Preisträger*innen. Schleper kritisiert, dass Weimer deren Auswahl nicht akzeptiert und diesmal drei Namen von der Liste gestrichen hat.
Verschiedene Konsequenzen denkbar
Sie möchte demnächst mit ihrem Team über Konsequenzen diskutieren. Denkbar wäre beispielsweise, dass „Rotorbooks“ die Auszeichnung nicht annimmt oder dass die Preisträger*innen das Preisgeld mit den drei ausgeschlossenen Buchläden teilen. Schleper hofft zudem auf eine Stellungnahme des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Die 115 übrig gebliebenen Buchhandlungen auf der Jury-Liste erhalten insgesamt eine Million Euro vom Bund. Am 19. März soll auf der Leipziger Buchmesse die Preisverleihung stattfinden.
Zu den Preisträger*innen gehört auch die Connewitzer Verlagsbuchhandlung. Diese hat am Mittwoch auf Instagram zahlreiche Beiträge geteilt, in denen die Weimer-Entscheidung deutlich kritisiert wird. Darunter befindet sich beispielsweise ein Beitrag des Verlags Kiepenheuer & Witsch, kurz Kiwi, der von „Stigmatisierung“ und einem „intransparenten Eingriff“ spricht.
Die Autorin Sara Weber, die 2023 im Kiwi-Verlag ihr erstes Sachbuch veröffentlicht hat, war bei der vorherigen Ausgabe des Buchhandlungspreises selbst Teil der Jury; diesmal aber nicht. Sie schreibt auf Bluesky, dass der Ausschluss ein „skandalöser Eingriff in die Presse- und Kunstfreiheit“ sei.
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