Für Liebhaber des Waldes lohnt sich am Dienstag, 29. Januar, der Weg ins Zeitgeschichtliche Forum. Denn dort findet um 19 Uhr das nächste Wissenschaftskino Leipzig statt. Gezeigt wird ein Dokumentarfilm über das „Geheimnis der Bäume“ (Frankreich 2013). Danach kann man mit Expertinnen und Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig diskutieren. Vielleicht nicht nur über den Regenwald, in den sie sich so gerne flüchten.

Denn als das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) 2012 in Leipzig gegründet wurde, durfte man berechtigterweise die Hoffnung haben, jetzt würden sich Forscher mehrerer Fachdisziplinen endlich gründlich mit der Artenvielfalt und den komplexen Ökosystemen in Mitteldeutschland beschäftigen. Über den Regenwald reden sie alle und weltweit hört man das Gejammer über die dort schwindende Artenvielfalt.

Aber in Europa und Mitteldeutschland ist die Artenvielfalt genauso bedroht. Und die hiesigen Regierungen sind genauso unberaten und beratungsresistent wie die dortigen. Uralte Bäume, wie sie Francis Hallé bestiegen hat, gab es auch einmal in unserer Region. Doch kaum ein Baum hat noch die Chance, jemals so alt und so groß zu werden.

Mit dem Auenwald haben die Leipziger das „leuchtende“ Beispiel direkt vor der Nase. Statt den Wald zu schützen und zu revitalisieren und ihm die Chance zu geben, tatsächlich alt zu werden, wird er durchforstet – alte, wertvolle Bäume werden herausgeholt, um den Wald künstlich zu verjüngen. Und dabei werden genauso komplexe Lebensgemeinschaften zerstört, wie sie Francis Hallé im Regenwald vorgefunden hat.

„Siebenhundert Jahre braucht es, bis aus einem Stück Brachland wieder ein Urwald wird“, berichtet der französische Biologieprofessor Francis Hallé im Dokumentarfilm über das Geheimnis der Bäume. Hallé hat viele Jahre damit verbracht, die Regenwälder zu studieren. Der französische Regisseur Luc Jacquet hat ihn auf seiner Reise in die Tiefen des tropischen Dschungels begleitet.

Er hat ihn gefilmt, wo sich Hallé zu Hause fühlt: in, auf und bei den Bäumen. Gemeinsam erzählen sie von den Schönheiten und der komplexen Ökologie, von der Evolutionsgeschichte und davon, mit welchen kuriosen Allianzen und Täuschungsmanövern sich die Bewohner des Urwaldes ihre Existenz sichern. Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz verleiht dem Franzosen Hallé seine wunderbar passende knarzige Synchronstimme.

Im Anschluss an den 78 Minuten langen Dokumentarfilm gibt es die Möglichkeit, mit Prof. Dr. Francois Buscot und Prof. Dr. Andreas Huth vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sowie Prof. Dr. Christian Wirth vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig zu diskutieren.

 

Francois Buscot ist – wie Francis Hallé – gebürtiger Franzose und Botaniker. Und er kennt Hallé aus seiner Studien- und Promotionszeit an der Universität Lille, Strasbourg, Besançon in Frankreich. Buscot leitet das Department Bodenökologie am UFZ-Standort in Halle und lehrt Bodenökologie am Institut für Biologie an der Universität Leipzig. Mit seinem Team erforscht er unter anderem die Wechselwirkungen zwischen Eichen, Tieren und Mikroorganismen.

Er hat zahlreiche Experimente und Exploratorien zur Erforschung der biologischen Vielfalt mit initiiert und aufgebaut. Buscot gehört außerdem zum Direktorium des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, dessen Geschäftsführender Direktor Christian Wirth ist.

Christian Wirth beschäftigt sich mit den Merkmalen von Pflanzen und ihren Auswirkungen auf das Funktionieren von Ökosystemen, insbesondere Wäldern. Der Biologe leitet den Forschungskran im Leipziger Auwald und hat in Großpösna bei Leipzig ein Forschungsarboretum (botanischer Garten mit verschiedenen Bäumen und Sträuchern zu Forschungszwecken; lat. arbor Baum) aufgebaut.

Wirth ist Professor für Spezielle Botanik und Funktionelle Biodiversität an der Universität Leipzig. Andreas Huth forscht am UFZ seit vielen Jahren zum Thema Regenwald. Er ist Experte für Vegetationsökologie, Modellierung und Fernerkundung. Mit seiner Arbeitsgruppe untersucht er u. a. die zunehmende Fragmentierung tropischer Regenwälder durch Abholzung. Der Biophysiker entwickelt mathematische Modelle, um die Folgen der Waldverluste für die Artenvielfalt und den Kohlenstoffhaushalt beschreiben und vorhersagen zu können.

Beim Wissenschaftskino Leipzig handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe der Leipziger Wissenschaftseinrichtungen in Kooperation mit dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig und dem Referat Wissenspolitik der Stadt Leipzig.

Der Eintritt ist frei.

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Es gibt 3 Kommentare

Vielleicht sollte man einfach mal das GerĂĽcht streuen:
“Einzelne besonders wertvolle Solitäre des Dresdner ‘GrĂĽnen Gewölbes’

werden zur Kostendeckung des Sächsischen Staatshaushaltes (also nicht ‘die FlĂĽchtlinge’ sondern Pensionen, sinnfreie Projekte, Subventionierung der Braunkohle etc.)
und zur Refinanzierung der Gesamtkosten des Landes Sachsen für Sanierung und Wiedereröffnung desselbigen von 45 Mio. Euro,

an den Meistbietenden verkauft.

Der historische Wert ist zwar unwiederbringlich..
aber der Käufer wird sich schon ein schönes SchmuckstĂĽck daraus machen.”

Dass die Natur genauso zum über Generationen gewachsenen und wachsenden Erbe der Menschen gehört, wie die Pflege und der Erhalt der Kunstschätze,
und dass ein (in menschlichen Maßstäben) alter Baum in seiner gewachsenen, ungestörten Umgebung mindestens ein ebenso hohes Gut, wie ein lebloses, antikes Schmuckstück ist,
der kurzfristig nur finanziell Kosten-Nutzen rechnen (müssende?) Förster wird es nicht verstehen..
Und der sächsischen Politik ist die Lebensumwelt der Menschen egal..

Aber vielleicht hilft ja Aufklärung doch.

PS: Zum ‘GrĂĽnen Gewölbe’:
https://statistik-dresden.de/archives/2205

Das Geheimnis der Bäume in Thüringen: Sägewerke und Furnierholzhersteller.

“Holzauktion mehrerer ThĂĽringer Forstämter in Egstedt. Bei der alljährlichen Versteigerung wechselten gestern 1500 Festmeter Holz den Besitzer. Erfurt. Den Höchstpreis erzielt eine Eiche. Der stattliche Stamm, der es mit gut einem Meter Durchmesser und mehr als zwei Metern Länge auf 1,8 Festmeter (fm) Holz bringt, geht fĂĽr 2600 Euro an einen Furnierhersteller aus Bochum. Auch sonst seien die Geschäfte gut gelaufen, versichert Forstchef Volker Gebhardt gestern nach Abschluss der 27. Laub- und Nadelholzsubmission.”

https://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Holzauktion-mehrerer-Thueringer-Forstaemter-in-Egstedt-240994133

Hätten wir also das Geheimnis der Bäume in Sachsen und Thüringen geklärt.

700 Jahre bis ein Urwald ensteht? Sieht man hier in Sachsen als Verschwendung von Wertholz. In den letzten Tagen wurden nahe Leipzig 300 Jahre alte Eichen gefällt, gekeimt zum sechsten Geburtstag Friedrichs des Großen. Sachsenforst sieht sich geradezu dazu verpflichtet, alte Bäume (ab 150 Jahren aufwärts) in hochwertige Holzprodukte umzuwandeln, bevor diese Bäume nachher noch sichtbar Biotopbäume werden und ein verrückter Naturschützer darin einen seltenen Käfer oder eine Fledermaus findet.

Zitat aus der Pressemeldung des Sachsenforsts vom 23.1.2018:
“FĂĽr ĂĽber 387.000 Euro wechselten heute (23. Januar 2019) ausgewählte Wertholzstämme in der Dresdner Heide den Besitzer. Mit einem durchschnittlichen Erlös von 407 Euro je Kubikmeter konnten die höchsten Preise in der mittlerweile 20jährigen Geschichte der Submission von Sachsenforst erzielt werden. Anders als bei Massensortimenten, bei denen die Holzpreise durch die groĂźen Mengen von Schadholz auf dem Markt eingebrochen sind, ist die Nachfrage nach Wertholz ungebrochen. Utz Hempfling, den kommissarischen GeschäftsfĂĽhrer von Sachsenforst, ĂĽberrascht das nicht: ‘Wir bieten auf der Submission alljährlich die besten Stämme aus allen Waldgebieten in Sachsen an. Die hohe Qualität ist begehrt und zahlt sich aus.’ Bis die Stämme auf der Submission angeboten werden können, mĂĽssen die Bäume gerne 150 Jahre oder mehr gepflegt werden. ‘Wir haben die Verpflichtung, dass die langjährige Arbeit von vielen Generationen auch angemessen entlohnt wird – und in hochwertigen Holzprodukten weiterlebt’, unterstreicht Hempfling.”

Quelle: https://www.sbs.sachsen.de/download/mi1903_Ergebnisse_Wertholzsubmission2019.pdf

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