NSU-Prozess, Halberg Guss, Flohmarkt, Weltkrieg und der lange Schatten der Treuhand

Für alle LeserEs ist Juli, der Sommer bricht seine Rekorde. Und nun ist auch die neue Leipziger Zeitung, die am Freitag, 20. Juli, an allen guten Verkaufsstellen ausliegt, ein echtes Sommerprodukt geworden. Eins, in dem es kocht – 100 Jahre Geschichte, 29 Jahre Treuhand, Turbokapitalismus rings um den Kampf von Halberg Guss und das Schweigen der Sachsen zu einem seltsam ausgegangenen NSU-Prozess.
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Dass der NSU-Prozess unbefriedigend enden würde, war zu erwarten. Immer wieder zeichnete sich ab, dass das Gericht in München vor allem die Ermittler, aber auch das weitere Umfeld der Täter schonen würde. Gerade für Sachsen aber heißt das: Mit der lebenslänglichen Verurteilung und ihrer Revisionsankündigung von Beate Zschäpe und der derzeitigen Haftentlassung von Ralf Wohlleben ist gar nichts geklärt. Der Zweite Untersuchungsausschuss des Landtags Sachsen arbeitet noch, Ausgang zwar offen – doch die Erwartungen sind gering angesichts geschredderter und abgesoffener Akten.

Und viele Fragen zur Arbeit von Polizei und Verfassungsschutz im Umfeld des NSU-Trios in Chemnitz und Zwickau bleiben nach wie unbeantwortet. So starten wir auf Seite 1 und den Rückblick in das sächsische Schweigen seit 1998 gibt es auf Seite 4.

Das Drama um das bedrohte Leipziger Unternehmen „Neue Halberg Guss“ beschäftigt uns auf Seite 3. Nicht grundlos auf dem Wirtschafts/Politiktitel gelandet, findet doch hier ein geradezu exemplarisches Schauspiel mit europäischer Tragweite statt. Im Zentrum die Leipziger Gießer an der Merseburger Straße, die sich ihre Rolle nun im längsten Streik der Leipziger Geschichte langsam erkämpfen konnten. Eingeklemmt zwischen Neubesitzer Prevent und der Volkswagen AG, versucht der David zu retten, was zu retten ist.

Auf Seite 5 eine Frage, die sich gerade wohl viele Menschen stellen: Wie können Mieten eigentlich gesenkt werden? Denn sie kennen ja bekanntlich nur eine Richtung, die möchte die Reihe rings um die Wohnungspolitik (Teil 3) ein wenig erhellen und hier und da realistische Alternativen aufzeigen.

Den Streit ums neue sächsische Polizeigesetz thematisieren wir auf Seite 6. Denn während das neue Polizeigesetz nach der Sommerpause in die heiße Phase gehen wird, gibt es schon jetzt genügend Hinweise auf ein paralleles Phänomen. Je weniger Polizeibeamte rechenschaftspflichtig in ihrer Arbeit werden, umso willkürlicher scheinen die Vorgehensweisen. Die Initiative „Polizeigesetz stoppen“ also mal in einem längeren Interview.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 57 vom Juli 2018.

Die LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 57 vom Juli 2018. KLICK zum Vergrößern.

Mit Marcus Böicks großer Forschungsarbeit zur Treuhand beschäftigen wir uns ab Seite 7. Zwei Seiten lang – warum, ist doch vorbei, Geschichte? Wohl nicht ganz – die langen Linien, die auf dem Titel stehen, finden hier neben dem NSU eine weitere Entsprechung. Was Ludwig Erhard mit dem gravierenden Transformationsprozess nach 1989 zu tun hat, lesen Sie also bis Seite 8.

Und ab Seite 9 tauchen wir wieder 100 Jahre hinab in das Leipzig des letzten Kriegsjahres 1918. Was damals so in den Zeitungen stand, weist auf ein Phänomen hin. Während an der Front aus Siegen „Abwehrsiege“ werden, deutet sich zu Hause ein fundamentaler Wandel für die Frauen und Kinder an.

Drei große Gerichtsprozesse sorgen für Spannung ab Seite 11, wo dann auch die Frage auftaucht: straffällige Migranten und Abschiebungen, wie damit umgehen?

Und ab Seite 13 geht es um den Kampf der Universität Leipzig gegen diskriminierende Burschenschaftler und für eine echte Toleranz an Leipzigs größter Hochschule. Oder dramatischer formuliert: Es kommt zu Übergriffen an der Uni, die Stimmung heizt sich auf.

Warum es in Leipzig eigentlich gar keine „Schulabbrecher“-Quote von 10 Prozent geben müsse, erklärt Wolfgang Gärthe im Interview auf Seite 15. Und weil reden bekanntlich nur ein Teil des Weges ist, beschreibt er die praktische Arbeit, die bereits begonnen hat.

Und wie aktuell das rebellische Jahr 1968 noch immer ist, versucht Jens-Uwe Joop auf Seite 16 zu klären, wo Konstanze Caysa ihrerseits eine Debatte anstößt, die auch vieles in unserem täglichen Verhalten zugunsten unserer Umwelt und der Zukunft unserer Kinder verbessern könnte: Was ist eigentlich ein maßvolles Leben?

Ab Seite 17 besuchen wir mit Olav Amende die „Goase“ im Leipziger Nordosten, wo das Leben blüht und sich Menschen nicht mehr vereinzeln lassen. Ab Seite 20 geht es ins Trainingslager der Neu-Profis vom 1. FC Lok, der DFB bekommt Konkurrenz und eine beliebte Handball-Torhüterin nimmt Abschied mit einem Interview.

Und das sind nur die großen Brenner, drumherum gibt es Leipzig im Detail von Drogenpolitik im Leipziger Osten und im Streiflicht über Altersarmut in der Stadt bis hin zum Nahverkehrsflickenteppich Sachsen. Mitsamt einem überaus eigensinnigen Aktiv-Besuch unseres Marko Hofmann auf einem der beliebten Flohmärkte der Stadt. Nicht ganz bierernst, irgendwo im Nirgendwo zwischen DDR-Schick, Kostenlosmentalität und „arbeitsscheuem Gesindel“.

Also richtig dicker Lesestoff für Strand, Wiese, Café und Balkon. Für alle, die noch mehr wissen wollen über ihre Stadt als den üblichen Wetterbericht.

Die neue „Leipziger Zeitung“ liegt an allen bekannten Verkaufsstellen aus. Besonders in den Szeneläden, die an den Verkäufen direkt beteiligt werden. Oder einfach abonnieren und direkt im Briefkasten vorfinden.

 

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