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Die neue Ausgabe der Leipziger Zeitung: Gefühle zeigen im Corona-Lockdown

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    Das Leben geht weiter. Auch im Lockdown, der sich schon lange nicht mehr wie einer anfühlt. Die meisten Leute arbeiten trotzdem weiter. Der Staat verzeichnet nur einen geringen Einbruch bei den Steuereinnahmen. Denn ruhiggestellt hat man ja vor allem Branchen, wo ohne Präsenz nichts geht: Gastronomie, Geschäfte, Friseure, Kultur, Sport. Die „Leipziger Zeitung (LZ)“ gibt's trotzdem. Und sie berichtet darüber.

    Denn man vergisst sie ja viel zu oft. Viele Menschen glauben, sie könnten sich alles, was sie zum Leben brauchen, im Internet bestellen.Und merken jetzt erst nach und nach, dass da doch gewaltig etwas fehlt. Der Besuch im Bildermuseum zum Beispiel. Darüber sprach Pia Benthin mit Stefan Weppelmann, der 2021 die Leitung des Museums der bildenden Künste übernehmen soll. Das Museum ist seit Monaten geschlossen. Fehlt es uns?

    Ja. Nicht jedem. Andere sehnen sich nach den klingenden Sammlungen im GRASSI Museum für Musikinstrumente, manche nach denen der Kustodie der Uni Leipzig. Die verfügt ja bekanntlich auch über die Kunstsammlung der DHfK. Wo gibt es die zu sehen? Noch nirgendwo, erfuhr Antonia Weber bei der Beschäftigung mit dem Thema.

    Andere sind weiterhin auch in den großen Medien zu sehen, seit sie ihren Glanz verloren haben: Die Patrioten von der AfD. Über die hat die HTWK-Absolventin Sonja Heyen eine Masterarbeit geschrieben. Oder besser: über das, was Medien über die AfD berichten – samt Framing, Provokation und Unschuldsmiene, dem ganzen Theater, mit dem die blau gefärbte Altherrenpartei seit ein paar Jahren Schlagzeilen provoziert und sich ins Rampenlicht gedrängelt hat. Lucas Böhme sprach mit Heyen über die nicht ganz uninteressante Frage, wie Journalist/-innen nun mit dieser provokanten Partei umgehen sollten.

    Sollten sie überhaupt? Natürlich, sagt sie: „Wenn man etwas verschweigt, verschwindet es ja nicht, sondern rutscht ins Netz, in Social Media und Gegenöffentlichkeiten, wo es sich, sich selbst überlassen, meist radikalisiert.“

    Was dieses Es ja auch ohnehin schon tut. Dazu eignen sich ja die Social Media bestens. Oder werden sich geeignet haben, nachdem nun auch Mark Zuckerberg and friends endlich begriffen haben, wie ihre Radikalisierungsmaschinen funktionieren. Zumindest im und am Fall Donald Trump.

    Aber was sollten Journalist/-innen da tun? Die lautstarken Populisten brandmarken, lächerlich machen, piesacken? Tatsächlich sollten auch Journalist/-innen wieder verstehen, worin ihre Arbeit besteht. Das klingt – etwas wissenschaftlich verpackt – bei Heyen an: „Die Wahl, wer gehört wird und wer nicht, ist rechtlich bedingt und auch journalistisch begründbar, aber allein durch Überlegungen zu journalistischen Grundsätzen wie Relevanz und Objektivität – und hier vor allem Transparenz und Vielfalt.“

    Zu trocken? Sie wird noch sehr schön deutlich. Auch mit diesem sehr beherzigenswerten Satz: „Als Journalist sollte man sich als Mensch betrachten, der nicht perfekt ist, und das nach außen tragen.“

    Ein Satz mit sehr schönen Implikationen. Da fallen so einige Leitmedien durch. Weil sie nur zu gern den Leithammel raushängen lassen.

    Die neue „Leipziger Zeitung (LZ)“, VÖ 29.01.2021

    Und auch nicht verinnerlicht haben, was Konstanze Caysa in ihrer philosophischen Kolumne zu bedenken gibt: „Was wir uns vorstellen, ist niemals der Schmerz des anderen, sondern unser eigener Leidensvorgang, unser Schmerz.“

    Überhaupt, diese nachdenklichen Frauen, die manchmal auch richtig schön bissig werden können. So wie Ulrike Gastmann in ihrer Kolumne: „Nehmt das, ihr Reichsbürger!“ In der auch der Satz steht: „Man hätte das Deutsche Reich really great machen können.“ Wäre da nicht dieses fette Aber mit selbstgefälligen älteren weißen Männern, denen am Anfang und am Ende nichts Besseres einfiel, als blutige Kriege anzuzetteln.

    Übrigens ein Thema, das ganz zufällig auch Tom Rodig aufgreift in seiner Reflektion über 6.000 Jahre Deutschland. In der er sehr pfiffig herleitet, wie die gottgegebene Ordnungsliebe der gründlichen Germanen direkt zum Völkermord führen musste. Eine böse Satire auf eindimensionale Geschichtsschreibungen, die ja bekanntlich wieder hochgeploppt sind, weil einige Leute in diesem Jahr unbedingt 150 Jahre Reichsgründung feiern wollten.

    Und das auch noch im Corona-Jahr Nummer 2, das so vieles möglich macht, was vorher undenkbar schien. Und so vieles verunmöglicht. René Loch und Michael Freitag schreiben zum Beispiel über die Schwierigkeiten, in diesem Jahr eine ordentliche Bundestagswahl vorzubereiten. Antonia Weber nimmt die Kulturpolitik in Leipzig in den nächsten zwei Jahren unter die Lupe. Aus der digitalen Ratsversammlung wird berichtet und Luise Mosig geht auf das Streitthema Präsenz-Unterricht in den Schulen ein. Olav Amende stellt seine Masken-Sammlung vor und fragt nach der Gerechtigkeit in der Coronakrise. Während gleich daneben David Gray über die handfeste Sehnsucht der CDU nach der Vergangenheit und Privatfernseh-Bespaßung schreibt. Und natürlich in ihrer ostdeutschen Variante einer seltsamen Sehnsucht nach dem Marktradikalen Friedrich Merz (den sich dann auch Ilse Schnickenfittich noch einmal vorknöpft).

    Martin Schöler hat sich die Frage gestellt: Wie haftet der Staat eigentlich für Corona-Schäden? Und gleichzeitig untersucht er den Sächsischen Verfassungsschutz auf seine Arbeitsfähigkeit. Und im Corona-Seitenaus sind ja auch Leipzigs Spitzensportler gelandet, über die Jan Kaefer berichtet.

    Welcher Satz bleibt hängen?

    „Ob Gefühle nun Geschichte ,machen‘, bleibt in der Beurteilung dem interessierten Leser und der kritischen Leserin überlassen.“

    Das schreibt Jens-Uwe Jopp in der Besprechung des Buches „Mächtige Gefühle“ von Ute Frevert.

    Natürlich macht der Mensch keine Geschichte. Er löst bestenfalls Prozesse aus, die am Ende immer etwas völlig anderes ergeben, als sich der Zündler ursprünglich gedacht hatte. Und mit der Anstachelung von Gefühlen kann man sehr viel Unheil anrichten. Was uns wieder auf die Journalist/-innen von oben bringt, die nun einmal auch nur Menschen sind und in diesem ganzen Gefühlsaufguss, den wir täglich erleben, möglichst sachlich und nüchtern bleiben sollen.

    Was nicht ganz einfach ist, wenn das SCHREIEN und WÜTEN zur algorithmisch priorisierten Ausdrucksform geworden zu sein scheint.

    Ein schöner Satz mit Knoten drin. Aber das musste jetzt mal sein.

    Die neue „Leipziger Zeitung (LZ)“ haben unsere Abonnenten natürlich im Briefkasten. Für alle anderen liegt die neue LZ (VÖ 29.01.2021) an allen bekannten Verkaufsstellen aus.

     

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