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Ein kleiner Exkurs durch jüdische Sportgeschichte (2): Bar Kochba wächst immer weiter + Video

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    Bereits in den Jahren 1922 bis 1924 kann Bar Kochba Leipzig auf 900 aktive Sportler verweisen und ist zu dieser Zeit einer der größten Vereine im Verband der Mitteldeutschen Ballspielvereine. Trotz der Namenswahl tritt Bar Kochba nach außen unpolitisch und neutral auf, was eine Bedingung für die Teilnahme am Ligabetrieb Sachsens der damaligen Zeit war. Mehr noch, Bar Kochba wird auch ein gesellschaftlicher Anlaufpunkt für die Leipziger, wenn der Verein im Krystallpalast oder dem heutigen Schauspiel Leipzig (ehem. Centraltheater) das Chanukka-Fest ausrichtet.

    Den Fußballbetrieb startet der Verein anfangs auf der Sportanlage der Spielver­einigung 1899 Leipzig an der Demmeringstraße. Doch der Auftakt am heutigen Karl-Enders-Sportpark währt nicht lang, die Mitgliederzahlen wachsen einfach zu stark. Was die Überlegungen für eine eigene Spiel- und Trainingsstätte in Leipzig reifen lässt. Bereits 1922 wird das neue Vereinsgelände an der Delitz­scher Straße mit einem ersten Pokalspiel gegen FC Hakoah Zürich eingeweiht.

    Auch sportlich geht es seitdem aufwärts.

    Nun, da man über eine eigene Sportstätte verfügt, erfolgt 1924 der Zusammenschluss mit dem gleichnamigen jü­dischen Leipziger Turnverein. Anfangs standen einem gemeinsamen Weg unterschiedliche öffentliche Darstel­lungen der Ausrichtung beider Vereine entgegen – der SK Bar Kochba wird zur Fußballabteilung des neuen, gemeinsamen Bar Kochba e.V. – und weitere Sportsek­tionen unter dem blau-weißen Vereinsemblem mit Da­vidstern entstehen. So ist der Verein nun nicht nur Mitglied im DFB und dem Makkabi-Weltverband, sondern auch in den deutschen Verbänden der Schwim­mer, Boxer und Tischtennisspieler.

    Eines der wenigen Zeitdokumente von Bar Kochba. Ein Ehren-Diplom von 1938 von einem Sportfest von Bar Kochba. Quelle: SML Kopie v. orig. Cohn
    Eines der wenigen Zeitdokumente von Bar Kochba. Ein Ehren-Diplom von 1938 von einem Sportfest von Bar Kochba. Quelle: SML Kopie v. orig. Cohn

    Auf dem nagelneuen Bar Kochba-Sportplatz werden zudem Leichathletik-Wettkämpfe ausgetragen. Immer steht dabei auch die Stärkung der jungen Menschen dieser Zeit gegen den erstarkenden Antisemi­tismus und die zunehmenden Ungleichbehandlungen im Fokus der Vereinsarbeit.

    Der Abwertung jüdi­scher Mitmenschen durch eine gegen 1930 immer größer werdende Schicht deutscher Antisemi­ten stellen die Sportler aus Leipzig regionale und nationale Erfolge im Sport entgegen. Wie viele sie genau errungen haben, ist heute kaum noch fest­stellbar, da der Vereinssitz Am Brühl 45, sowie auch die Büros anderer jü­discher Sportvereine und Geschäfte, Ziel der Novemberpogrome des Jahres 1938 war und die Unterlagen vernichtet wurden.

    Neben den blindwütigen Ver­nichtungen dieser Tage legt das nationalsozialistische Gewaltregi­me auch in der Folgezeit großen Wert auf die Tilgung jüdischer Sporterfolge aus den Archiven. In der DDR-Zeit wird das Kapi­tel praktisch nicht erforscht und verschwiegen, so dass sich erste nachhaltige Nachforschungen in Leipzig tatsächlich erst durch die Initiative 1903 und den Tüpfelhau­sen e.V. im Jahr 2013 ergaben.

    Nachweislich stehen so heute ne­ben den allgemein bekannt geblie­benen Bar Kochba-Erfolgen im Boxsport, der Leichtathletik und eben im Fußball eher Einzelbei­spiele wie das des erfolgreichen Leipziger Zehnkämpfers und Fußballers Max Bartfeld und seinem Bruder Leo exemplarisch für viele Erfolge jüdischer Sportler bis in die späten 30er Jahre hinein.

    Ein schleichender Prozess der Ausgrenzung, der Brutalisierung und des zu­nehmenden Rassismus ist bereits seit Mitte der 20er Jahre zu spüren. Und untrennbar mit dem Aufstieg der Ideologie der Nazis auf dem Weg ins „Drit­te Reich“, die Shoah und den Zweiten Weltkrieg verbunden. Ende der 20er Jahre muss am Sportplatz an der Delitzscher Straße eine Sichtschutzmauer erbaut werden, da sich Anwohner beschweren. Der Antisemitismus wird in dieser Zeit anfangs schleichend, doch immer deutlicher Allgemeingut in Leipzig.

    Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung und Freigabe des Textes/der Bilder an den Verein Tüpfelhausen e.V.. Informationen zum jährlichen Fußball-Begegnungsfest finden sich unter www.fussballbegegnungsfest2016.de

    Zeitreise Artikelserien auf der L-IZ.de

    www.l-iz.de/artikelserien/oestlich-von-leipzig-1886

    www.l-iz.de/artikelserien/westlich-von-leipzig-1886

    www.l-iz.de/artikelserien/leipzig-1914

    Leipzig der 30er Jahre (Video) – Youtube Karl Hoeffkes

    Videos aus dem Fundus (bei Youtube)
    www.karlhoeffkes.de

    In eigener Sache – Die L-IZ.de sucht „Freikäufer“ – für freien Journalismus in Leipzig

    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2016/11/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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