Das letzte, verrückte Jahr der DDR und der Weg zur Einheit (2): Sind wir in guter Verfassung?

Vorschau auf die LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 78, ab Freitag, 24. April 2020 im HandelFür alle Leser2019 feierte das Grundgesetz seinen 70. Geburtstag. Seit 3. Oktober 1990 sind ehemals zwei deutsche Staaten unter seinem Schirm wieder vereinigt. Welcher Weg führte dorthin? Hätte es nicht einer komplett neuen Verfassung bedurft, um einstigen Bürgerinnen und Bürgern der DDR einen fairen Start auf Augenhöhe zu signalisieren statt überhebliche Siegermentalität? Wurde eine einmalige Chance versäumt?

Die DDR: nur formal ein Verfassungsstaat

Als im Zuge der Revolution in der DDR am 1. Dezember 1989 Artikel 1 der Landesverfassung gestrichen wird, der die führende Rolle der SED festschreibt, ist dies ein symbolischer Akt, der die Parteiendiktatur nun auch auf dem Papier beseitigt. Doch insgesamt besteht in der DDR zu diesem Zeitpunkt kaum Erfahrung mit verfassungsrechtlichen Fragen.

Zwar hat auch der ostdeutsche Teilstaat seit seiner Gründung 1949 einen geordneten Überbau, der sich formal zu individuellen Freiheitsrechten bekennt. Doch werden diese in der Realität immer wieder folgenlos gebrochen, der berüchtigte „Boykotthetze“-Paragraph ermöglicht die beliebige Aburteilung politischer Gegner, der Klageweg über eine unabhängige Gerichtsbarkeit fehlt gänzlich.

Im Lauf der Jahre wird die Verfassung mehrfach geändert, so in den Jahren 1968 und 1974. Artikel 1 im Jahr 1968 beschreibt die DDR noch als „sozialistischen Staat deutscher Nation“, doch unter Erich Honecker wandelt sich das offizielle Selbstbild 1974 in einen „sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern.“ Es ist ein Zeichen der Abgrenzung, denn keinesfalls will der SED-Chef sein politisches Techtelmechtel mit den „Klassenfeinden“ der Bonner Republik als Ouvertüre der Wiedervereinigung missverstanden wissen. So ist das Wort „deutsch“ nun tabuisiert – und das bleibt bis zum Schluss so.

Anlauf für eigene Verfassung scheitert

Im Zuge des Umbruchs konstituiert sich 1989 am Zentralen Runden Tisch, einem provisorischen Gremium von Vertretern des SED-Regimes und der Opposition, auch eine Arbeitsgruppe „Neue Verfassung“, die auf prominente Namen wie die Schriftstellerin Christa Wolf oder den Verfassungsrechtler Ulrich K. Preuß zählen kann. Die Frauen und Männer arbeiten an einem neuen Verfassungsentwurf und wähnen sich dabei der Unterstützung von Bundeskanzler Helmut Kohl sicher, der noch im Februar 1990 gegenüber Journalisten die Übernahme von Elementen sowohl der Bundesrepublik als auch der DDR in ein neues Verfassungswerk befürwortet.

Doch es kommt anders. Die erste und letzte freie Parlamentswahl in der DDR am 18. März 1990 bedeutet einen Triumph der CDU-geführten „Allianz für Deutschland“, die mit ihrem Bekenntnis zu Einheit und Westmark punktet. Nun soll alles ganz schnell gehen. Die Ideen für eine neue Verfassung verstauben in der Schublade.

Warum der „Beitritt der DDR“ eine Mär ist

Wenig später verweist Kohl auf Artikel 23 des bundesdeutschen Grundgesetzes. Diesem zufolge könnte die bundesdeutsche Verfassung „in anderen Teilen Deutschlands nach deren Beitritt“ in Kraft gesetzt werden. Ursprünglich war das Grundgesetz seit 1949 als Verfassung der Bundesrepublik gültig und hatte sich den ungewöhnlichen Namen bewusst gegeben, weil es im festen Glauben an die baldige Vereinigung beider deutscher Staaten nur als Provisorium galt.

Dieser sogenannten DDR wäre keine lange Existenz beschieden, so die westliche Überzeugung der fünfziger Jahre, und so stellte sich das Grundgesetz unter den Vorbehalt seiner baldigen Ablösung. Aber Geschichte hält sich selten an Zukunftsprognosen.

So avancierte das Grundgesetz von der Behelfslösung zu einem identitätsstiftenden Stabilitätsanker des westdeutschen Teilstaates, den jedoch das Fahrwasser des Einigungsprozesses 1990 nicht unberührt lässt. Obwohl die Volkskammer, das Parlament der DDR, am 23. August 1990 mit satter Mehrheit für einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik stimmt, ist der verbreitete Glaube an eben diesen „Beitritt der DDR“ strenggenommen falsch.

Denn Artikel 23 im Grundgesetz existiert zum Zeitpunkt der Vereinigung nicht mehr. Richtigerweise tritt am 3. Oktober 1990 nicht die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei, sondern die fünf „neuen Bundesländer“ werden mit ihrer vertraglich fixierten Bildung zugleich sofort Teil einer Erweiterung der Bundesrepublik.

Geregelt ist dies durch ein völkerrechtliches Abkommen zwischen beiden deutschen Staaten vom 31. August 1990, das wiederum im „Zwei-plus-vier Vertrag“ von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs abgesegnet wurde. Die Diskussion, inwiefern ein zwischenstaatlicher Vertrag die Verfassung eines beteiligten Staates ändern darf, mag den Juristen überlassen bleiben.

Sprengladung unter dem Fundament des Grundgesetzes“

Dass der erste Anlauf zu einer neuen Verfassung 1990 scheitert, mag angesichts des großen Zeitdrucks nachvollziehbar sein. Doch auch nach der Wiedervereinigung bleibt die Frage auf der Agenda. Bundestag und Bundesrat setzen Ende 1991 eine Verfassungskommission ein, die den Auftrag hat, die Wirksamkeit von Artikel 146 des Grundgesetzes zu prüfen.

Dieser schreibt fest, das Grundgesetz sei bis zum dem Tage gültig, an dem eine neue Verfassung in Kraft trete, „die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ 1990 hatte man per Einschub präzisiert, dies sei bezogen auf das „Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt.“

Doch bald tun sich neue Streitfragen auf: Hat die Vereinigung diesen Passus, ein Relikt der fünfziger Jahre, nicht überflüssig gemacht? Ist er nicht bestenfalls nutzlos, schlimmstenfalls sogar gefährlich, wie etwa die Verfassungsrechtler Martin Kriele und Josef Isensee kritisieren? Ersterer spricht von einer „Sprengladung unter dem Fundament des Grundgesetzes.“ Andere Experten wie Horst Dreier oder Karlheinz Merkel sehen es anders. Artikel 146 sei Ausdruck eigenverantwortlicher Entscheidung und unbedenklich.

Die Verfassungskommission, bestehend aus 64 Mitgliedern, beendet ihre Arbeit 1993 nach knapp zwei Jahren. Zur Erarbeitung einer völlig neuen deutschen Verfassung kommt es nie, nur zu ein paar Korrekturen. War das ein Fehler im Einigungsprozess?

Patriotismus der Solidarität“

Juristisch gesehen wohl nicht. Doch einseitige Antworten führen in die Irre, und politisch ist die Frage viel schwieriger zu klären. In jedem Fall bleibt sie kontrafaktisch und damit spekulativ.

Während Theologe Richard Schröder die Meinung vertrat, ein Plebiszit oder eine verfassungsgebende Versammlung hätte das ostdeutsche Selbstwertgefühl nach 1989/90 nicht erheblich gestärkt – und damit eine im Westen weit verbreitete Haltung aufgriff – kam Widerspruch von Historikern wie Heinrich August Winkler: Auch Westdeutsche müssten sich zu einem „Patriotismus der Solidarität“ umstellen und eine gesamtdeutsche Verfassung zum Gegenstand einer Volksabstimmung machen, schrieb der konservative Forscher bereits 1990.

In die gleiche Kerbe schlug Ilko-Sascha Kowalczuk in seinem 2019 erschienenen Buch „Die Übernahme“: Die Westdeutschen hätten erfahren, dass die alte Bundesrepublik in eine neue Zeit überführt werden musste, für die Menschen im Osten wäre es das mentale und kulturelle Zeichen eines integrationsfördernden Neuanfangs gewesen. Und wie konnte es der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert 2006 fertigbringen, eine Festschrift zum Grundgesetz herauszugeben, die bei 42 Beiträgen gerade einmal zwei Ostdeutsche zu Wort kommen ließ, fragte der Historiker aus der Stasiunterlagen-Behörde kritisch nach.

Vieles spricht dafür, dass eine gemeinsame neue Verfassung dem immer noch geltenden Grundgesetz sehr ähnlich geworden wäre. Ob sie die ökonomischen und sozialen Verwerfungen im Osten als Folge der Transformation auch hätte übertünchen können, scheint zumindest fragwürdig. Die vielschichtige Herausforderung des Zusammenwachsens hätte sie wohl nur in Ansätzen gemildert, und auch die Frage, wie die Vermittlung einer Notwendigkeit an die westdeutsche Bevölkerung funktioniert hätte, bleibt zwangsläufig ungeklärt.

Grundgesetz unter Druck

Denn immerhin zeigt die Erfahrung, dass sich das Grundgesetz vor 1989/90 als zuverlässiger Stabilisator erwies und sich auch danach im rauen Sturm der deutschen Einigung und europäischen Integration bewähren konnte. Der strittige Artikel 146, heute gern von der Szene der „Reichsbürger“ als „Argument“ für ihre kruden Theorien gegen die Bundesrepublik gekapert, kann mit gutem Grund als Ausdruck der Bescheidung gelten, der dem Recht politischer Souveränität Rechnung trägt, wie sie im „Westen“ seit der Amerikanischen und Französischen Revolution verwurzelt ist.

Einer willkürlichen Grundgesetz-Abschaffung stehen auch in der heutigen Zeit noch die sogenannte „Ewigkeitsklausel“, Rechtsprechung und Beharrungskräfte entgegen.

Dieser Befund darf freilich – nicht allein im jetzigen Spiegel der mit Covid-19 begründeten Einschränkung von Grundrechten – zu keiner Naivität verleiten. Die in den frühen neunziger Jahren kursierende Überzeugung, wonach Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit nach dem Kollaps des Kommunismus ein Selbstläufer seien, hat sich als unsinnig herausgestellt. Dazu braucht es nicht einmal den Blick Richtung Türkei, Russland oder China.

Schon jüngste Entwicklungen in Polen und Ungarn deuten in eine mehr als ungewisse Richtung. Und auch im eigenen Land ist die Zukunft offener denn je, das westliche Modell von Pluralismus, Wettbewerb und Selbstbestimmung durch oft grundgesetzwidrige Scheinlösungen populistischer Schreihälse unter Druck.

Der Aufstieg der AfD, neonazistische Gewalttaten, die 2014 entstandene Pegida-Bewegung, die Aushebung islamistischer und rechtsradikaler Terrorzellen, letztere nur zu oft bestens in hohe Kreise und Behörden vernetzt, belegen die Probleme mehr als eindeutig. Dies mag weder alles völlig neu noch ein rein ostdeutsches Phänomen sein, doch gerade in den neuen Bundesländern zeigen sich die Probleme oft besonders deutlich und frappierend. Stoff für weitere Überlegungen …

Das letzte, verrückte Jahr der DDR und der Weg zur Einheit (1): „Es wird keine DDR mehr geben“

Bereits erschienene Zeitreisen auf L-IZ.de

Der Leipziger Osten im Jahr 1886

Der Leipziger Westen im Jahr 1886

Westlich von Leipzig 1891

Leipzig am Vorabend des I. Weltkrieges 1914

Einblicke in die Jüdische Geschichte Leipzigs 1880 bis 1938

Der I. Weltkrieg – Leipzig im letzten Kriegsjahr 1918

Leipzig in den „Goldenen 20ern“

Leipzig im Jahr 1932

Die DDR im Rückblick

Alle Zeitreisen auf einen Blick

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Natürlich werden auch die L-IZ.de und die LEIPZIGER ZEITUNG in den kommenden Tagen und Wochen von den anstehenden Entwicklungen nicht unberührt bleiben. Ausfälle wegen Erkrankungen, Werbekunden, die keine Anzeigen mehr schalten, allgemeine Unsicherheiten bis hin zu Steuerlasten bei zurückgehenden Einnahmen sind auch bei unseren Zeitungen L-IZ.de und LZ zu befürchten.

Doch Aufgeben oder Bangemachen gilt nicht ;-) Selbstverständlich werden wir weiter für Sie berichten. Und wir haben bereits vor Tagen unser gesamtes Archiv für alle Leser geöffnet – es gibt also derzeit auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de ganz ohne Paywall zu entdecken.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere selbstverständlich weitergehende Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

* Leserclub *Leipziger ZeitungDDRZeitreise
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

LVB konnten ihre Linienerlöse trotz sinkender Fahrgastzahlen steigern
XL-Straßenbahn auf der Messekehre. Foto. Ralf Julke

Foto. Ralf Julke

Für alle LeserNicht nur die Leipziger Gruppe als Stadtholding legte in dieser Woche ihre Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vor. Auch die drei Tochterunternehmen legten ihre Zahlen vor. Und gerade bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) war eine gewisse Aufmerksamkeit sicher. Denn erstmals in den vergangen Jahren konnten die LVB ihre Erlöse nicht durch eine Fahrpreiserhöhung steigern.
Radweg am Connewitzer Kreuz: Die Litfaßsäule muss weg und an einer schrittweisen Lösung wird gearbeitet
Die aktuelle Lösung am Connewitzer Kreuz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserBeharrliches Nachfragen hilft. Denn manchmal reagiert die Stadtverwaltung dann doch ohne viel Federlesens, so wie am Connewitzer Kreuz, wo man den Corona-Shutdown nutzte, um wenigstens eine kleine Änderung an der Radwegeführung vorzunehmen: Gelb abmarkiert werden die Radfahrer/-innen vor dem Rewe-Supermarkt jetzt auf der Fahrbahn geführt. Ein Provisorium, wie das Dezernat Stadtentwicklung und Bau jetzt auch auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hin erklärt.
Fast 4.000 Mal ließ das Leipziger Ordnungsamt 2019 falsch geparkte Fahrzeuge abschleppen
Hier war es eine ausgeschilderte Baustelle, wegen der mehrere geparkte Fahrzeuge abgeschleppt wurden. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDiese Geschichte bewegt die Leipziger nun schon seit Jahren. Denn mit dem zunehmenden Autobestand in Leipzig sind immer öfter auch Fußwege, Radwege und Kreuzungen zugeparkt. Und selbst die LVB-Fahrer verzweifeln zuweilen, weil rücksichtslose Autofahrer einfach die Gleise zuparken und damit den Straßenbahnbetrieb zum Erliegen bringen. Ein Thema, das sogar die Freibeuter-Fraktion im Stadtrat aufregte. Warum wird da nicht häufiger abgeschleppt, wollte die Fraktion schon im Februar wissen.
Der Stadtrat tagte: OBM-Vorschlag zum Neuzuschnitt der Verwaltung bekommt klare Mehrheit im Stadtrat + Video
Burkhard Jung in der Ratsversammlung am 28. Mai 2020. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, in der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom 20. Mai in der Kongresshalle, wurde auch über die von OBM Burkhard Jung vorgeschlagene künftige Dezernatsstruktur im Rathaus abgestimmt. Im Herbst sollen ja vier Dezernatsleitungen neu besetzt werden. Dafür müssen im Sommer die Ausschreibungen raus. Die Gelegenheit will Jung nicht verpassen, um die neuen Bürgermeister/-innen auch schon passend zur neuen Dezernatsstruktur zu finden.
Heidelberg an einem Tag: Die Neckarstadt mit der berühmtesten Burgruine Deutschlands
Andrea Reidt: Heidelberg an einem Tag. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWohin fährt man eigentlich jetzt in den Urlaub, wenn so viele Urlaubsländer noch immer mit den Nachwirkungen von Corona zu kämpfen haben? Oder selbst dann, wenn sie wieder einladen wie Italien, dort aber mit einem riesigen Ansturm der befreiten Touristen zu rechnen ist? Vielleicht sollte man die seltene Chance nutzen, einige deutsche Städte zu besuchen, die sonst von ausländischen Besuchern überlaufen sind. Heidelberg zum Beispiel.
Pfingsten ohne Gruftis? Tag 4 – Das Darkstream Festival zeigt Düster-Pop aus Leipzig + Livestream
David Gray und "Kruppe" bei der gemeinsamen Moderation in der Moritzbastei. Screen Livestream

Screen Livestream

Für alle LeserPfingsten ohne ein schwarzes Leipzig? Geht gar nicht, waren sich Dave, Kruppe und Christian einig, als Corona mehr und mehr drohte, das 2020er „Wave-Gotik-Treffen“ zu kippen. Am Ende musste das WGT in diesem Jahr ausfallen, noch immer ist es nicht möglich, Konzerte durchzuführen. Dafür haben die drei mit weiteren Szenefreundinnen etwas auf die Beine gestellt, was sie selbst am Beginn nicht für möglich gehalten hätten. Das gesamte Pfingsten 2020 gibt es erstmals mit dem „Darkstream-Festival“ einen nahezu durchgehenden Livestream mit Moderation aus der Moritzbastei, Eindrücken aus Leipzig, über 60 Bands, DJs und Autorenlesungen.
Die ausgefallene Revolution: „Zeigt uns den Virus, dann zeigen wir unsere Masken“ + Videos
Die Ich-Perspektive - möge Angela Merkel langsam verrecken, weil das eigene Kind die Coronamaßnahmen erleben muss. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 79, seit Freitag, 29. Mai 2020 im HandelFür alle LeserNoch am Samstag, 16. Mai, freute man sich bei der „Bewegung Leipzig“ über einen neuen Zahlenrekord bei ihrer Kundgebung auf dem Leipziger Marktplatz. Rund 400 Teilnehmer waren gekommen, darunter auch einer der drei „Widerstand 2020“-Partei-Gründer und Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. Was am letztlich geringen Interesse an seinem Redebeitrag und an der eher kleinen Kundgebungsbeteiligung selbst stutzig machte, war der Umstand, dass der „Widerstand 2020“ bis zu diesem Zeitpunkt über 100.000 Online-Parteieintritte ohne Mitgliedsbeitrag vermeldet hatte. Gigantische Zahlen einer Bewegung, deren Zeit gekommen schien und welche mehr bundesweite Parteimitglieder als bei B90/Die Grünen, Linke und AfD zusammen bedeutet hätten.
Gastkommentar von Christian Wolff: Mikrosa, Pfingsten und die Aufgabe der Kirche
Christian Wolff (beim Brückenfest 2018). Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Traditionsbetrieb Schaudt Mikrosa GmbH in Leipzig-Plagwitz soll stillgelegt werden (dort werden spitzenlose Außenrundschleifmaschinen für die Autoindustrie hergestellt). Die 165 Beschäftigten legten am Donnerstag, 28. Mai 2020, die Arbeit nieder und gingen auf die Straße. Arbeitnehmer/innen anderer Unternehmen schlossen sich dem Protestzug durch den Stadtteil Plagwitz an.
Der Stadtrat tagte: Große Zustimmung für „RuDi“ und digitale Ratlosigkeit in der AfD-Fraktion + Video
Straßenbahn in Stötteritz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserAm Donnerstag, 28. Mai, entschied der Leipziger Stadtrat auch zu einem neuen Förderprojekt „Ruhenden Verkehr digitalisieren – RuDi“, das die LVB als Pilotprojekt in Stötteritz umsetzen sollen. Kurz vor Sieben kam es da zu einer kleinen Debatte, nachdem AfD-Stadtrat Christian Kriegel noch einmal dieselben falschen Bedenken vorgebracht hatte, die zuvor schon die LVZ veröffentlicht hatte. Er mutmaßte ein „Abkassieren von Autofahrern jetzt auch bis zum Stadtrand“.
Fridays for Future Leipzig ruft jetzt erstmals am Dienstag zum großen Protest gegen die Abwrackprämie auf
Fridays-for-Future-Demo im April 2019. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserEs ist tatsächlich so: Weil deutschlandweit die Corona-Berichterstattung dominiert, hat die Bundespolitik augenscheinlich den fatalen Eindruck bekommen, dass die Klimakrise vergessen ist und die Deutschen nur zu bereit sind, den Wirtschaftsaufschwung nach Corona mit dem Kauf von neuen Verbrennern zu erwirtschaften. Zumindest scheinen die Bosse der großen Autokonzerne mit dieser Botschaft durchzudringen, obwohl die Mehrheit der Deutschen ganz und gar nicht vergessen hat, wie drängend die Lösung der Klimakrise ist.
Leipziger Gruppe schafft trotz erhöhter Zahlungen an die LVB auch 2019 ein positives Konzernergebnis
Seit 2016 firmiert die Leipziger Gruppe mit dem gelben L. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIn normalen Jahren gab es immer im Mai eine große Pressekonferenz mit Oberbürgermeister und allen Managern der Leipziger Kommunalbetriebe, auf der stolz die Konzernergebnisse des Vorjahres bekannt gegeben wurden. Die fiel nun wegen Corona natürlich aus. Und die Zahlen wirken wie aus der Zeit gefallen, erzählen von einem regelrecht normalen Jahr, in dem sich der Leipziger Kommunalkonzern weiter stabilisierte und es auch schaffte, mehr Geld für die LVB zu erwirtschaften.
Leipziger Animal Rebellion-Gruppe protestiert mit „Schließung“ von Fastfood-Filialen gegen Billigfleischproduktion
Abgesperrte McDonald's-Filiale. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserEs wird ja jede Menge rebelliert in diesen Tagen. Die einen rebellieren gegen Corona-Maßnahmen, die nächsten gegen Atomkraftwerke, andere gegen eine neue Abwrackprämie oder gegen die fossile Klimapolitik. Alles Zeichen dafür, dass sich gerade grundlegend einige Dinge ändern. In der Nacht zum Freitag rebellierte auch eine Leipziger Gruppe von Animal Rebellion. In diesem Fall gegen das Geschäftsmodell von Fastfood-Ketten und damit auch gegen das viel zu billige Fleisch.
Leipzig Automobil: 140 Jahre Leipziger Auto-Geschichte und ein mutiger Blick in die mögliche Mobilitätszukunft
Kulturstiftung Leipzig (Hrsg.): Leipzig Automobil. F

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist ja „Jahr der Industriekultur“. Aber davon war aufgrund der Corona-Beschränkungen bislang wenig zu spüren. Außer, man besucht zum Beispiel die bis August verlängerte Ausstellung „Silber auf Glas“ im Stadtgeschichtlichen Museum, die eine Menge Fotos aus der frühen Zeit der Leipziger Industrialisierung zeigt. Oder man schnappt sich jetzt diesen Themen-Sonderband, den die „Leipziger Blätter“ herausbringen und der die Leipziger Automobilgeschichte einmal in hunderten Bildern und vielen Facetten zeigt.
Freitag, der 29. Mai 2020: Experten buddeln am Bahnhof und Tierschützer „schließen“ Filialen + Video
Fastfood-Filiale in der Leipziger Innenstadt nach der symbolischen Schließung. Foto: Animal Rebellion Leipzig

Foto: Animal Rebellion Leipzig

Für alle LeserIn der Nacht von Donnerstag auf Freitag gab es in der Leipziger Innenstadt viel Aktivität. Während Expert/-innen am Hauptbahnhof eine vermeintliche Bombe untersuchten, die sich als Brunnen herausstellte, starteten Tierschützer/-innen eine Aktion gegen Fastfood-Filialen. Rund um Zwickau wiederum war die Polizei gegen Neonazis aktiv. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 29. Mai 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Panometer Leipzig: Veränderte Öffnungszeiten ab 1. Juni
CAROLAS GARTEN mit Insektenmodellen. Foto: Tom Schulze © Panometer

Foto: Tom Schulze © Panometer

Ab Pfingstmontag, den 1. Juni 2020, verändern sich die Öffnungszeiten des Panometer Leipzig temporär für die kommenden Monate. Das Panorama CAROLAS GARTEN ist ab nächster Woche montags bis freitags von 10 – 16 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 10 – 17 Uhr geöffnet.