Der linksradikale – nein, kleiner Scherz –, der gemäßigte – nein, noch ein kleiner Scherz –, der die Rechtsradikalen in seiner Partei jahrelang duldende Jörg Meuthen ist aus der AfD ausgetreten. Er konnte sich im internen Machtkampf mit dem „Flügel“ um Björn Höcke nicht durchsetzen. Außerdem: Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft für Samstagnachmittag zum Protest gegen Corona-Verharmloser/-innen und Impfgegner/-innen am Völkerschlachtdenkmal auf. Auch am Montagabend soll es wieder Protest geben. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 28. Januar 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Jörg Meuthen ist aus der AfD ausgetreten und damit auch nicht mehr Bundesvorsitzender der Partei. In einem Interview mit der „Tagesschau“, die zuerst darüber berichtete, begründet er diesen Schritt damit, dass der formal aufgelöste „Flügel“ um Björn Höcke den internen Machtkampf gewonnen habe und „das Herz der Partei heute sehr weit rechts“ schlage.Meuthen führt weiter aus, dass sich Teile seiner Partei gerade im Umgang mit der Corona-Politik fast wie eine Sekte verhalten würden, dass totalitäres Denken in der AfD weit verbreitet sei und dass er „nationalsozialistische Anleihen“ bei Höcke sehe.

Meuthen war ein Verharmloser

Für viele Expert/-innen und Beobachter/-innen dürften das keine neuen Erkenntnisse sein. Sie verorten die AfD schon lange am rechten Rand und sehen den angeblich aufgelösten „Flügel“ in einer dominanten Rolle. Hinzu kommt: Meuthen selbst hatte dieses Problem jahrelang heruntergespielt und war sogar mit führenden Protagonisten aus dem „Flügel“ gemeinsam aufgetreten.

Meuthen war gemeinsam mit dem sächsischen Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla Bundesvorsitzender der Partei. Wer auf Meuthen folgen könnte, ist noch unklar. Dass sich die Zeit von Meuthen dem Ende nähern könnte, war unter anderem auf einer AfD-Pressekonferenz nach der Bundestagswahl deutlich geworden. Dort hatten sich Meuthen auf der einen sowie Chrupalla und Alice Weidel auf der anderen Seite offen über den Kurs der Partei gestritten.

Falls es Meuthen mit dem Bruch mit seiner Partei ernst meint, könnte er sich ja schon am Samstag den Protesten gegen Corona-Verharmloser/-innen in Leipzig anschließen. Genau dazu ruft das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ auf.

Protest am Völkerschlachtdenkmal ab 14:30 Uhr

Anlass dafür sind erneute Aufrufe aus dem Spektrum der Verschwörungsideolog/-innen, sich um 15 Uhr am Völkerschlachtdenkmal zu versammeln. Der Gegenprotest möchte bereits eine halbe Stunde früher da sein. Geplant seien sowohl Kundgebung als auch ein Aufzug. In einer Pressemitteilung werfen Vertreter/-innen des Netzwerkes den staatlichen Behörden vor, in der Vorwoche etwa einen rechten Marsch in die Nähe des Uniklinikums nicht verhindert zu haben.

Einen weiteren Aufruf von „Leipzig nimmt Platz“ gibt es bereits für Montagabend. Sowohl am Augustusplatz als auch an den Gohlis-Arkaden und in Markkleeberg soll es Protest gegen Pandemie-Leugner/-innen geben. Schon seit Wochen laufen diese immer wieder an verschiedenen Orten in Leipzig und Umgebung auf.

Regelrechte Großdemos wie in anderen Teilen Sachsens gab es bislang in Leipzig aber nicht.

Zu jenen, die mitlaufen, könnte eine Mitarbeiterin des Landratsamtes im Vogtlandkreis zählen, wobei die Motivation für ihr Handeln noch unklar ist: Sie soll einen internen Lagebericht zur Corona-Situation an eine private Mail-Adresse geschickt haben. Anschließend wurde der Bericht auf Facebook veröffentlicht. Die Mitarbeiterin soll damit unter anderem gegen Datenschutz-Regeln verstoßen haben.

Verwaltung, Fachkräftemangel und Modellkommune

Worüber die LZ heute berichtet hat: über die Pläne für die künftige Unterbringung der Verwaltung, über die anhaltenden Debatten zum Eutritzscher Markt und über den sich weiterhin verschärfenden Fachkräftemangel in Sachsen.

Was heute außerdem wichtig war: Der ehemalige Thomaskantor Georg Christoph Biller ist im Alter von 66 Jahren gestorben, Leipzig wird eine von bundesweit 50 „Modellkommunen für nachhaltige Entwicklung“, der Bundesverfassungsschutz stuft die „Freien Sachsen“ als „Verdachtsfall“ ein und der Leipziger Verlag Poetenladen erhält den mit 15.000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Förderpreis 2022.

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