Weltweit herrschen Wut und Bestürzung, nachdem Dutzende Zivilisten auf der Flucht nach einem zweifachen Raketeneinschlag am Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk zu Tode gekommen sind. Moskau bestreitet die Verantwortung. Scharfe Kritik kommt unterdessen vom ukrainischen Botschafter am sächsischen Ministerpräsidenten. Das Robert-Koch-Institut sieht derweil den Scheitel der Omikron-Welle überschritten, blickt aber dennoch eher pessimistisch auf den weiteren Jahresverlauf. Und: In Leipzig wurde heute anlässlich des Internationalen Tags der Roma eine Flagge gehisst. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 8. April 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Dutzende Tote nach Raketenangriff – Moskau weist Verantwortung von sich

Sie wollten einfach nur fort – doch nun sind Dutzende von ihnen tot. Etwa 50 Personen, darunter mehrere Kinder, sollen den Einschlag zweier Raketen am Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk mit ihrem Leben bezahlt haben, 98 wurden nach aktuellen Angaben verletzt. Insgesamt hätten sich mehrere tausend Menschen, vor allem Frauen und Kinder, am Bahnhof aufgehalten, als der Angriff am Freitagvormittag kam. Sie hofften, angesichts der erwarteten Offensive russischer Truppen im Osten des Landes fliehen zu können.

Kramatorsk liegt mehrere hundert Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew und wird von ukrainischen Truppen kontrolliert, gilt aber als russisches Angriffsziel. Moskau hat jegliche Verantwortung für den perfiden Angriff bestritten und argumentierte, seine Streitkräfte würden diesen Raketentyp im Gegensatz zur Ukraine nicht nutzen.

Zweifel an diesem Narrativ werden jedoch angemeldet, weil auch Russland diese Raketen in der Vergangenheit bereits nutzte und sie offenbar auch bei dessen Verbündeten bis heute im Einsatz sind. Bilder im Netz zeigen, wie ukrainische Polizisten die fraglichen Flugkörper mit der kyrillischen Aufschrift „Für die Kinder“ inspizieren – ein unfassbarer Zynismus, möchte man meinen.

„Übel, das keine Grenzen kennt“

Der Vorfall löste heftige Reaktionen aus. Von einem „Übel, das keine Grenzen kennt“ sprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44), auch international wurde der Beschuss scharf verurteilt.

Das Geschehen fokussiert die Aufmerksamkeit nunmehr auf die Donbass-Region, auf die sich Moskau bei seinem euphemistisch als „militärische Spezialoperation“ titulierten Angriffskrieg inzwischen laut eigener Aussage konzentrieren will. Während Beobachter den Rückzug der russischen Streitmacht aus der Region Kiew und der Nordukraine als Zeichen des Scheiterns werten, will der Kreml angeblich seinen guten Willen demonstrieren – so stellt er es dar.

Botschafter attackiert Kretschmer scharf

Unterdessen hat sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63) in Butscha persönlich ein Bild von der Lage gemacht. In diesem Kiewer Vorort wurden vor mehreren Tagen Zivilisten offenbar gezielt getötet, mutmaßlich durch russische Truppen. Moskau weist diesen Vorwurf zurück.

Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) hat angekündigt, der Ukraine auch weiterhin Waffen liefern zu wollen: Die NATO-Staaten wollten keine Kriegspartei werden, aber der Ukraine bei der Selbstverteidigung helfen, so der Tenor nach einem Treffen von Scholz mit dem britischen Regierungschef Boris Johnson (57) in London.

Weit weniger Eintracht herrscht dagegen zwischen dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk (46) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU): Der Diplomat griff den sächsischen Regierungschef wegen dessen Russland-Kurs der letzten Jahre scharf an, Kretschmer wolle mit seinem „Kumpelchen Putin kuscheln“, weil er Waffenlieferungen und ein Gasembargo ablehne.

Kretschmer hatte in der Vergangenheit vor dem Krieg wiederholt Verständnis für Russland gezeigt, sich kritisch gegen Sanktionen geäußert und Russlands Präsidenten Wladimir Putin (69) auch persönlich getroffen.

Fallzahlen und Inzidenzen gehen zurück: „Sehr gute Nachrichten“ – und doch ein „Aber“

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, sieht den Höhepunkt der Omikron-Welle angesichts einer sinkenden Sieben-Tage-Inzidenz und zurückgehender Fallzahlen überschritten und spricht von „sehr guten Nachrichten.“ Allerdings gebe es regional noch sehr hohe Inzidenzwerte, hinzu kommen Personalausfälle durch Erkrankungen und zwangsweise Isolation.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) betonte letzterer jedoch, er blicke bereits jetzt mit Sorge Richtung Herbst 2022. Im Hinblick auf die noch immer bestehende Impflücke in Deutschland und die gelockerten Schutzmaßnahmen käme man so nicht über die Runden, machte Lauterbach klar.

Einen Tag nach dem Scheitern des Gesetzentwurfs für eine Impfpflicht in Deutschland vor dem Bundestag wurde an Ungeimpfte appelliert, sich den Piks gegen das Virus zu holen. Zugleich seien Schutzmasken in Innenräumen und Isolation bei Krankheitssymptomen weiterhin unumgänglich,

Internationaler Tag der Roma: Flagge in Leipzig gehisst

Heute ist Internationaler Tag der Roma – und punktgenau nahm die „Melde- und Informationsstelle Antiziganismus“ (MIA) in Leipzig ihre Arbeit auf. Die Einrichtung ist beim Romano Sumnal e. V. Verband der Roma und Sinti in Sachsen angesiedelt. Ziel von MIA ist es nach eigener Aussage, „im Bundesland Sachsen Monitoring zu betreiben und ein verlässliches Bild über Auftreten und Umfang von rassistischer Diskriminierung gegenüberRom*nja und Sint*izza zu erhalten.“

Gewonnene Informationen sollen in eine bundesweite Datenbank eingepflegt werden. Das Projekt wird durch das Bundesinnenministerium gefördert und vom Zentralrat der Sinti und Roma koordiniert.

Am Freitagnachmittag fand dazu eine Veranstaltung vor dem Neuen Rathaus statt, bei der die Internationale Romaflagge gehisst wurde.

Der Verein kritisiert rassistische Ressentiments gegen Sinti und Roma, wie sie sich im Kontext der Pandemie oder des NSU-Skandals gezeigt hätten. Neben Fernsehsendungen wie „Die letzte Instanz“ gebe es auch in der Kunst, im Fußball oder bei verdachtsunabhängigen Polizeikontrollen immer wieder rassistische Vorurteile.

Die neue Meldestelle soll sowohl Betroffenen als auch Zeuginnen und Zeugen antiziganistischer Vorfälle offenstehen.

Worüber die LZ heute berichtet hat: Akuter Notstand bei der Tafel Leipzig – es wurde ein Aufnahmestopp verkündet. Der Biodiversitätsforscher Christian Wirth wurde mit dem Leipziger Wissenschaftspreis geehrt. Eine Kustodie zeigt Neuerwerbungen und wir wandeln auf den Spuren von Leipzigs berühmtestem Thomaskantor.

Außerdem: Die Artenerfassung am Störmthaler See, den Quartalsbericht IV/2021, die Lage der Natur in der Stadt Leipzig und ein Manifest zum 50. Jahrestag der „Grenzen des Wachstums“ – leider aktueller denn je.

Was sonst noch wichtig war: Das Landgericht Görlitz hat einen jungen Mann wegen Schleuserei zu drei Jahren Haft verurteilt – nach Überzeugung der Richter brachte der 23-Jährige fast 30 Migranten und Migrantinnen in Lebensgefahr.

Der Landkreis Nordsachsen gestattet Geflüchteten aus der Ukraine die zeitnahe Arbeitsaufnahme.

Was am Wochenende wichtig wird: Frankreich wählt am Sonntag seinen Präsidenten – Emmanuel Macron (44) bewirbt sich um eine Wiederwahl, muss aber unter anderem Konkurrenz von Rechtsaußen fürchten.

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