Mit minimaler Verzögerung wird das Alte Rathaus im Herzen Leipzigs am 1. Mai wiedereröffnet. Eigentlich sollten die umfangreichen Sanierungsarbeiten bereits Anfang 2022 abgeschlossen sein. „Aufgrund der coronabedingten Museumsschließungen seit Ende des Jahres 2020 konnte schon eher als geplant mit den Arbeiten begonnen werden, sodass unser Team sehr gut im Zeitplan liegt“, teilte das Stadtgeschichtliche Museum (SGM) vergangenes Jahr mit.

Seit Dezember 2020 war die Beletage mit ihrem historischen Festsaal für Besucher/-innen geschlossen. Nachdem in einem ersten Bauabschnitt die Fassade inklusive Turm und Turmuhr des Alten Rathauses instandgesetzt worden sind, sollte in Phase zwei das Innenleben erneuert werden.

2,5 Millionen Euro für Sanierung

Für rund eine halbe Million Euro wurden zunächst dringend notwendige Sanierungen vorgenommen. So wurde der Brandschutz und die Hauselektrik auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Mehrere hundert Meter an neuem Kabel sind verlegt worden.

Zusätzliche Arbeiten ließen die Kosten auf 2,5 Millionen Euro steigen; davon knapp 1 Million aus Fördermitteln des Freistaates. Neben den notwendigen Brandschutz-Arbeiten wurden die Fenster erneuert und der Eingangsbereich besucherfreundlich umgestaltet. Die Garderobe ist nun eleganter und platzsparender und mit Schließfächern und Sammelaufbewahrungsmöglichkeiten versehen.

Weiterhin wurden zusätzliche Sitzmöglichkeiten geschaffen und eine digitale Vermittlungsstation für Kinder und Familien installiert, die niedrigschwellig in das Bauwerk und seine Geschichte einführt. Das geplante neue Beleuchtungskonzept mit Lichtschienen soll den Festsaal optisch aufwerten und für die vielen verschiedenen Nutzungen wie Konzerte, Lesungen, Empfänge oder Vorträge bestens ausstatten.

„Wir haben die Chance genutzt, uns mit der Attraktivierung des Entrees und der Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten auf jene Form von einladender Willkommenskultur zuzubewegen, die von Museen als Diskursforen der Stadtgesellschaft heute erwartet wird und der sich auch die Leipziger Museumskonzeption 2030 engagiert verschrieben hat“, so Anselm Hartinger, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums.

Ein Kraftakt unter Coronabedingungen

Um die Arbeiten zu ermöglichen, mussten rund 1.200 Museumsgegenstände aus den 13 Ausstellungsräumen der Ausstellung „Leipzig Original – vom Mittelalter bis zur Völkerschlacht“ eingelagert werden. In historischem Ambiente umschloss die Ausstellung das Herzstück des Alten Rathauses, den Festsaal und die Ratsstube.

Die Erzählung spannt den Bogen von der frühen Stadt über die Reformation und die Entwicklung der Messe, über die Blütezeit der Stadt im 18. Jahrhundert und das Wirken Johann Sebastian Bachs bis zum Brauchtum der Handwerker und dem Thema Krieg und Frieden. Dabei begegnet die Geschichte verschiedenen Geschichten anhand originaler und herausragender Objekte.

Die Einlagerung des geschichtsträchtigen Gutes war ein Kraftakt für die Mitarbeiter/-innen. Urkunden, Bücher, Kunstwerke, Installationen und Ausstellungsarchitektur wurden beräumt; das Kunstgut in den Depots des Stadtgeschichtlichen Museums gesichert. Auch die großformatigen Gemälde des 15. bis 19. Jahrhunderts wurden nach einem vorher erarbeiteten Raumbuch abgenommen und sicher verpackt.

Von der „Verjüngungskur“ nicht betroffen war das 2. Obergeschoss. Hier konnten Interessierte die SGM-Ausstellung „Moderne Zeiten. Von der Industrialisierung bis zur Gegenwart“ erkunden.

Diese führt von der bürgerlichen Revolution 1848/49 zur Friedlichen Revolution des 9. Oktober 1989, von der Industrialisierung und der rasanten Entwicklung der ehrwürdigen Messestadt zur modernen Industriemetropole, vom Aufstieg der Bürgerstadt, von Kämpfen um soziale Verbesserungen, von Verunsicherung und politischer Radikalisierung bis zum Zivilisationsbruch durch das Terrorregime der Nationalsozialisten.

„Die Ausstellung berichtet von Zerstörung und Wiederaufbau, von Hoffnungen und Enttäuschungen und endlich von der Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung“, heißt es seitens des SGM. „Es wird erzählt von glücklichen und tragischen Zeiten, in denen sich Leipzig mit ungeheurer Dynamik zur Großstadt mit europäischer Geltung entwickelte.“

Wieder für Besucher/-innen geöffnet

Auch die Sanierung des Festsaals und der ersten Etage soll zu dieser „Leipziger Identität“ beitragen. „Dieser Raum und dieses Rathaus verkörpern seit Jahrhunderten die Kontinuität der kommunalen Tradition Leipzigs“, so Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Freigelegte historische Baubefunde machen diese jahrhundertelange Entwicklung vom Rats- und Gerichtssitz zum modernen brandschutzertüchtigten Museumsraum 2.0 erlebbar. All das können Besucher/-innen seit 1. Mai 2022 wieder selbst erleben.

„Wiedereröffnung im Herzen der Stadt“ erschien erstmals am 29. April 2022 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 101 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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