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Ein Blick nach vorn: Die Stadt Leipzig vergibt 50 Stipendien für freischaffende Künstler/-innen

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    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 84, seit 23. Oktober im HandelLeipzig, eine Stadt, die seit jeher für das Dichten und Denken, Kunst und Kultur steht, hat aufgrund der Corona-Pandemie mit der Aufrechterhaltung ihrer kreativen Branche zu kämpfen. Bisherige Maßnahmen der Stadt für die Leipziger Kunstszene umfassen unter anderem die Anpassung der städtischen Zuwendungsbestimmungen, wodurch die geförderten Projekte unter den geltenden Corona-Auflagen zeitlich flexibel angepasst werden können, und die Einführung eines Förderprogramms für digitale Kleinprojekte. Zusammen mit dem Soforthilfeprogramm für Solo-Selbstständige konnten Künstler/-innen ihre Arbeit teils fortführen. Zudem unterstützte die Stadt Initiativen der Freien Szene und stand im ständigen Austausch mit den Akteur/-innen.

    Auf Vorschlag von Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke (Die Linke) wurden Konzept und Vorlage für ein Stipendienprogramm im April erstellt. Aufgrund der bestehenden städtischen Förderbestimmungen hatte der Stadtrat das Programm aber erst in der Ratsversammlung im Mai 2020 beschließen können. Die Bewerbungsfrist endete Anfang Juli. „Die Stipendien sollten nicht nach dem ,Windhundprinzip‘, sondern auf der Grundlage der künstlerischen Qualität der eingereichten Bewerbungen und Arbeitsvorhaben vergeben werden“, so Antje Brodhun, Leiterin des Kulturamtes.

    Hierfür wurde ein unabhängiger, interdisziplinär ausgerichteter Fachbeirat eingerichtet, bestehend aus Dr. Vera Lauf (Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig), Jonas Petry (Seanaps Festival), Helge-Björn Meyer (Servicestelle Freie Szene beim Landesverband Soziokultur), Regine Möbius (Verband deutscher Schriftsteller/Kulturwerk deutscher Schriftsteller in Sachsen e. V.), Susann Schreiber (Landesverband Amateurtheater Sachsen e. V.) und Ulrike Bernard (Haus Steinstraße e. V.).

    Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 83, Ausgabe September 2020. Foto: Screen LZ
    Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 83, Ausgabe September 2020. Foto: Screen LZ

    „Da die Servicestelle Freie Szene als Impulsgeber und Sprachrohr für die Akteure/-innen der Freien Szene in Sachsen tätig ist, kam die Anfrage des Kulturamtes Leipzig an mich, in diesem interdisziplinären Fachbeirat als zusätzliches Mitglied, also von ,Außen‘ kommend, für dieses Arbeitsstipendium tätig zu sein“, so Helge-Björn Meyer.

    Der Fachbeirat, ein vom Kulturamt einberufenes Gremium, setzt sich normalerweise aus Persönlichkeiten der verschiedenen Sparten Stadtteil- und Soziokultur, Musik, Literatur, Bildende sowie Darstellende Kunst zusammen. Die sechs Fachbeiratsmitglieder sichteten unabhängig voneinander die knapp 400 Bewerbungen nach Prüfung durch die Verwaltung und favorisierten je 50 Einreichungen. Bei der ganztägigen Fachbeiratssitzung Anfang September wurde über jeden Antrag diskutiert und unmittelbar abgestimmt.

    „Die Fachbeiratsmitglieder achteten zudem darauf, dass in der Auswahl eine Ausgewogenheit zwischen den Kunstsparten, zwischen den Geschlechtern, zwischen Newcomern und älteren Künstler/-innen vorhanden war“, erzählt Meyer. „Die große Anzahl und hohe Qualität der Einreichungen zeigten das große Potenzial der Leipziger Künstler/-innen aller Sparten.“

    23 Künstler/-innen aus dem Bereich Bildende Kunst, der die Hälfte aller Bewerbungen umfasst, zehn aus der Darstellenden Kunst, zehn Musiker/-innen und sieben Bewerber/-innen aus dem Bereich Literatur erhielten nun ein auf drei Monate befristetes Stipendium, das ihnen in den Monaten Oktober bis Dezember mit je 3.000 Euro bei der Umsetzung ihrer Projekte hilft.

    „Diese Förderung ist ausreichend, um ein bestimmtes Arbeitsvorhaben ein gutes Stück voranzubringen“, beantwortet Brodhun die Frage, ob sie das Stipendienprogramm für ausreichend halte. „Vor diesem Hintergrund kann das Stipendienprogramm natürlich nur ein Baustein neben anderen Fördermöglichkeiten sein.“

    Die ausgewählten 50 Künstler/-innen erhalten eine Förderung für das Erstellen von Materialsammlungen, Rechercheprojekte für zukünftige künstlerische Arbeiten, die Entwicklung neuer Konzepte für Theater- und Tanzprojekte, Kompositionsvorhaben, die Fortsetzung von Werkzyklen sowie die Arbeit an Romanen und Gedichtbänden.

    So erhielt beispielsweise Filmregisseurin Charlotte Eifler ein Stipendium für ihr Projekt „Tools of Power“. Schriftsteller Roman Israel kann mit der finanziellen Unterstützung seinen Roman „Der Duke vom Nektarmeer“ fortsetzen, während Wolfgang Krause Zwieback, Pionier der Leipziger Freien Szene, sein Album „Unverstecktes Land“ auf die Bühne bringen kann. Auch Schauspielerin Elisa Ueberschär kann mithilfe der Förderung ihr Audio-Feature zur Frauenbewegung 1989/90 umsetzen.

    Die Stipendien sollen die freiberuflichen Künstler/-innen bei der Fortsetzung ihrer Arbeit direkt unterstützen und auf diesem Wege den Blick nach vorn richten. Die Ergebnisse der damit ermöglichten künstlerischen Prozesse können die Grundlage für neue Projekte und Veranstaltungen sein, die das Kunst- und Kulturleben nach der Krise beleben.

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