Gewandhausorchester: Zwei Altmeister feiern Max Reger

Max Reger (1873 – 1916) gehört nicht zum Kernrepertoire des Gewandhausorchesters. 100 Jahre nach seinem Tod darf ein Werk des Leipziger Universitätsmusikdirektors natürlich nicht auf dem Spielplan fehlen. Am Freitag interpretierte Altkapellmeister Herbert Blomstedt Regers Konzert für Klavier und Orchester, das 1910 in der Messestadt unter Arthur Nikisch zur Uraufführung kam. Am Klavier reüssierte der amerikanische Starpianist Peter Serkin.
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Herbert Blomstedt und Peter Serkin zählen zu den ganz Großen ihres Fachs. Der 88-jährige Blomstedt hat im Laufe seiner langen Karriere mit vielen der renommiertesten Klangkörper auf dem Erdball zusammengearbeitet. Peter Serkin (68) arbeitete seit den Sechzigern erfolgreich mit bedeutenden Komponisten wie Hans Werner Henze, Peter Lieberson oder Alexander Goehr zusammen. In den USA gastiert der gebürtige New Yorker regelmäßig bei allen großen Orchestern und Festivals.

Dass Blomstedt und Serkin just im Reger-Jahr das Klavierkonzert in f-Moll aufführen, hat natürlich eine Vorgeschichte. Rückblende: Im September 2000, Blomstedt amtierte zu jener Zeit als Gewandhauskapellmeister, konzertierten die musikalischen Weggefährten mit dem Werk im Gewandhaus. Anschließend verschwand das Konzert in der Mottenkiste, die Notenbücher verstaubten in der Bibliothek. Erst knappe 16 Jahre später tauchte das Klavierkonzert wieder auf dem Gewandhausspielplan auf. In derselben Besetzung wie damals.

Peter Serkin interpretierte am Freitag in Leipzig Max Regers Klavierkonzert. Foto: Alexander Böhm

Peter Serkin interpretierte am Freitag in Leipzig Max Regers Klavierkonzert. Foto: Alexander Böhm

Der Konzertabend bot dem Publikum also eine musikalische Rarität. Die Zuhörer hatten an dem Leckerbissen allerdings schwer zu knabbern. Denn im Gegensatz zu Beethovens „Pastorale“, mit der Dirigent Blomstedt nach der Pause seinen Leipziger Zyklus fortsetzte, stellte sich Regers Klavierkonzert als ein sperriges Ungetüm heraus.

Mit brachialer Spielfreude hämmerte Serkin die dunklen Akkordfolgen des ersten Satzes in die Weiten des Konzertsaals. Die bieder ernsten Streicherteppiche schleppen sich quälend langsam dahin. Die scheinbare Eintönigkeit und Tristesse dürften ein Grund sein, warum das Werk schon 1910 nicht zum Publikumshit avancierte, sondern rasch in der Versenkung verschwand.

Im zweiten Satz kostete Blomstedt am Pult die spätromantischen Streicherpassagen in vollen Zügen aus, die vage an Regers Vorbild Richard Wagner erinnern. Im Finale ergaben sich Serkin und Blomstedt schließlich vollends der Selbstgefälligkeit, die Regers Klänge demütig auszustrahlen scheinen. Dass das Klavierkonzert alsbald erneut den Weg auf den Spielplan findet, erscheint im Lichte seiner schwermütigen Melodien unwahrscheinlich. Das Publikum fühlte sich allerdings von Blomstedts gewohnt konservativem Zugriff hingerissen und spendete reichlich Applaus.

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