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Noch eine Woche Hörerlebnisse: Online-Festival „a cappella“ 2021 ist gestartet

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    Vorfreude, etwas Nervenkitzel, Durchatmen – das Festival „a cappella“ 2021 beginnt! Künstler und Zuschauer sind, gemäß den Umständen, dieses Mal für sich, im jeweils eigenen Konzertraum – aber dennoch sind sie da, umfassend, digital verbunden, und ebenso natürlich mit dem Herzen gemeinsam bei der Sache.

    Das erste von stolzen acht Streaming-Konzerten des 21. Festivals begehen, bei allen „außergewöhnlichen“ Aspekten dieser Festivalausgabe, traditionell die Gastgeber, Gründer und Kreateure von „a cappella“, amarcord: In der Thomaskirche singen sie erstmalig eine abendfüllende Auswahl der meisterhaften Kompositionen von Josquin des Préz, denn dessen Todestag jährt sich 2021 zum 500. Mal.

    Konzerteinführung amarcord ~ „a cappella“ Festival 2021

    In Anbetracht seiner vielen Werke mit Marienbezug haben amarcord ihr Konzert Josquin zu Ehren als Messfeier angelegt, die Messsätze aus drei verschiedenen Marienmessen Josquins kombiniert – ummantelt, angereichert und abgewechselt mit Motetten und/oder Antiphonen. Die Übertragung des Konzertes wird dabei wie auch im Vorjahr durch die Leipziger Produktionsfirma Accentus Music realisiert und über das Internetangebot von ARTE Concert weitreichend global verfügbar gemacht.

    Prächtige Bilder und Harmonien

    Maud Glauche, Dreieckmarketing

    Eröffnet wird das Programm – und so auch das Festival – mit der Motette „Ave Maria … virgo serena“. Aus dem Stand sind sie da: der „a cappella“-Kosmos, die polyphone Renaissance-Wonne, das amarcord-Klangglück. Bei einem so beeindruckend aufgeräumten Satz wie dem dieser ganz frühen Josquin-Motette aber ganz klar! Amarcord kosten diese Strukturierung und den darin vorhandenen Platz bestens aus. Die damals wie heute viel gepriesene Kunstfertigkeit Josquins bei der (Entwicklung der) motivischen Imitation ist bei den amarcords aufs Beste hör- und damit nachverfolgbar. Und der an diesem Abend letztlich ja fast leere Klangraum zu St. Thomas wird auf diese Weise dennoch raumgreifend und herrlich mit klangvollem Leben gefüllt.

    Auch die Bildlichkeit des Konzertes ist toll: amarcord singen mit dem Kirchenschiff im Rücken, das prächtig erhellt in goldiges Licht getaucht ist. Eine positive, in angenehmem Maße prunkvolle Atmosphäre und wunderbare Perspektive dazu. Auch wenn im Kirchenschiff kein Publikum ist: Als Zuschauer fühlt man sich vom Ensemble angesprochen, weiß es in gewisser Weise sogar noch stärker auf „seiner“ Seite.

    Schöner Moment: In einer Einstellung während einer einstimmig gesungenen Sequenz zieht sich die Kamera langsam von den weißen Deckengewölben der Thomaskirche zurück, die so vom Licht getroffen werden, dass es scheint als würde ein Taghimmel durch ein offenes Dach aus Querstreben herabscheinen, zutiefst zufrieden über das Sangeswerk der irdischen Künstler…

    amarcord im Eröfnungskonzert. Foto: DREIECK MARKETING / Sören Wurch
    amarcord im Eröffnungskonzert. Foto: DREIECK MARKETING / Sören Wurch

    Dass in Josquins musikalischer Sprache – wie das Ensemble im Einführungsgespräch des Konzertes mit Christoph Koop imponiert feststellte – mit allem zu rechnen ist, zeigt sich im Laufe des Programms tatsächlich schnell…

    So vielfältig und verschieden sind die einzelnen Sätze und Stücke – auch wenn der Charakter der Messteile durchaus durch ihren jeweiligen Text und Inhalt begründet ist und man kompositorische Entwicklungen in Josquins Laufbahn sehen kann: „Kyrie“ und „Gloria“ der (wahrscheinlich noch im 15. Jahrhundert in Rom entstandenen) Missa „Ave maris stella“ wissen mit einer gewissen archaischen Kraft und etwas Geheimnisvollem zu gefallen, das „Credo“ aus der „Missa de beata virgine“ (etwa von 1510) ist dagegen bald progressiv tönend, komplex frohlockend – und die Motette „Illibata Dei virgo nutrix“ ganz eigen, stilistisch gar nicht zu greifen. (Gerade in den letzten Versen wird sie dem Zuhörer allerdings vom Ensemble mit besonders umfangender Demut anvertraut.)

    Unbedingt erwähnenswert sind auch die gregorianischen Sequenzen. Denn das fiel schon in den letzten Jahrgängen mehrfach auf: Egal ob ein, zwei oder alle Sänger einstimmige Zwischenstücke aus dem Repertoire der Gregorianik darbieten – diese Gesänge haben sie sich formvollendet angeeignet, so gut abgestimmt klingen sie, und gleichermaßen bescheiden wie kunstfertig!

    Darüber hinaus wird ihre Gregorianik-Kompetenz auch in diesem Programm besonders angereichert, wenn die übrigen amarcord-Sänger durch die Kirche wandelnd Bordunklänge um die eigentliche Melodie kleiden. So gerät etwa der „Ave maris stella“-Hymnus zu einem Programm-Highlight, und auch die Marienantiphon „Salve regina“ wird, von Tenor Wolfram Lattke alleine in himmlischen Höhen geführt, derart wunderbar durch seine Kollegen unterlegt.

    Dass gar nicht alle für das Konzert ausgewählten Stücke fünfstimmig angelegt sind – denn tatsächlich hat Josquin nur wenige fünfstimmige Messkompositionen hinterlassen – haben die amarcords hervorragend gelöst: Anstatt in den eigentlich vierstimmigen Stücken mit einem Mann weniger zu singen, reichen sie sich einzelne Melodielinien beinahe unmerklich, aber absolut fließend untereinander zu (oder doppeln diese in feiner Abstimmung).

    Sie sind eben ein echtes Team. Die finale „Pater noster / Ave Maria“-Motette – die nach Josquins Wunsch vor seinem Sterbehaus gesungen werden sollte – gibt das Ensemble sogar zu sechst: Tenor-Kollege Tobias Pöche vom Calmus Ensemble reiht sich bei diesem Stück als Überraschungsgast (und interessante Zusatzfarbe in den Mitten) ein. Und so wie ein leichtes Vibrato blitzen in diesem großen musikalischen Gebet immer wieder einzelne Elemente auf, obgleich man immer mehr in den beruhigten Sog dieses Klangbands eintaucht… und es dann vorbei ist. Schade, denkt man, ein bisschen wehmütig.

    Zugaben muss man sich in den folgenden Festivaltagen in Form noch anderer vokaler Köstlichkeiten abholen (oder vielleicht im Abschlusskonzert…?). Josquins Werke vermochten ebenso wie seine heutigen Sangesbotschafter – auch dies eine Prophezeiung der Konzerteinführung vor Beginn – in jeder ihrer Facetten zu berühren. Amarcord sangen dem Jubilar somit wirklich ein Tribut „in aeternum“, im Dienste der Majestät Josquin und all der vokalen Durchbrüche seiner Epoche. Und gutgetan hat das wohl ebenfalls allen Beteiligten, vor und hinter den Spiegeln …

    Informationen und Eindrücke zum Festival „a cappella“ findet man auf der Festival-Homepage unter www.a-cappella-festival.de und auch auf www.youtube.com/c/acappellaleipzig. Ebendort und bei ARTE Concert kann das Konzert noch drei Monate lang nachgehört werden.

    Das 21. Internationale Festival für Vokalmusik a cappella Leipzig geht noch bis zum 9. Mai 2021. Das digitale Festivalprogramm findet man hier.

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