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„Zucker.Rausch.Germania“ auf dem Leipziger Markt: Kunstprojekt der Schaubühne macht das Erbe des Militarismus zum Thema

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    Was hilft eigentlich gegen neue und alte Nationalisten? Soll man sie einfach ignorieren? Nein, findet das Team der Schaubühne und nimmt den Vorstoß der AfD-Fraktion, das alte Siegesdenkmal wieder auf den Markt zu stellen, als Steilvorlage für eine künstlerische Intervention. „Zucker.Rausch.Germania“ statt Tschingderassabumm.

    Zur Erinnerung: 1888, im sogenannten Dreikaiserjahr, haben Leipzigs Stadtobere auf dem Marktplatz zur Erinnerung an die Reichsgründung und den Sieg im Deutsch-Französischen Krieg ein Denkmal errichtet mit einigen fahnenschwingenden Soldaten, der sechs Meter hohen Germania in Rüstung obendrauf und vier Befehlshabern – darunter Albert von Sachsen, der die sächsischen Truppen befehligte, und Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke.Die Festrede hielt Oberbürgermeister Otto Georgi. Und die Finanzierung wäre nach heutigen Maßstäben ein Skandal. Denn, so der Wikipedia-Eintrag: „Die zur Finanzierung des Siegesdenkmals benötigten insgesamt 46.409 Goldmark entnahmen die Stadtoberen dem Nachlass des Leipziger Stifters Franz Dominic Grassi (1801–1880), der mit dem Stiftungskapital von 2.327.423 Goldmark Leipzigs Künste gefördert haben wollte.“

    Ob ein den Krieg verherrlichendes Denkmal tatsächlich unter die „Leipziger Künste“ gehörte, hätte Grassi wohl sehr bezweifelt.

    1946 wurde das Denkmal abgerissen. Und dann tauchten 2021 – mit einem Vorstoß der AfD-Fraktion – im Leipziger Stadtrat plötzlich Ideen auf, es originalgetreu wiederaufzubauen. „Höchste Zeit, sich mit diesem ‚Ding‘ und seinem Geist auseinanderzusetzen“, findet die künstlerische Mann- und Frauschaft der Schaubühne.

    Das Kunstprojekt der Schaubühne Lindenfels „Zucker.Rausch.Germania“ soll sich noch im August in einem europäischen Kontext mit Krieg, Nachkrieg und Versöhnung beschäftigen. Es ist vom 21. August bis zum 17. September auf dem Leipziger Markt zu erleben. Ergänzt wird es durch zwei Extra-Programme unter Beteiligung internationaler Künstler/-innen. Weitere Orte des Projektes sind Brno, Strasbourg und Berlin.

    Mit einer künstlerischen Intervention auf dem Leipziger Markt erinnert die Schaubühne Lindenfels an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit seinen Auswirkungen für die folgende Militarisierung des Landes und damit auch an die intellektuelle Vorbereitung der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert, bei der die pompös gefeierte „deutsche Größe“ stets wie ein Zünder wirkte.

    Oder mit den Worten aus der Schaubühne: „Bis 1946 stand an selber Stelle ein zwölf Meter hohes Siegesdenkmal, das den Leipziger Marktplatz dominierte. Errichtet 1888, glorifizierte es den Sieg über die Franzosen. Vier Reiter, acht Fahnenträger, die Germania sowie der auf einem Thron sitzende Kaiser Wilhelm I. verdeutlichten das paternalistische und militaristische Welt- und Menschenbild Preußens.“

    Mit einer zeitweisen Installation und weiteren Aktionen an historischen Orten in Brno, Strasbourg und Berlin richten die Schaubühne und ihre Kooperationspartner/-innen den Blick auf historische Siegesdenkmäler neu aus und hinterfragen die Motive, unter denen sie errichtet wurden.

    Denn: „Nationalistische, kolonialistische und kriegerische Symbole sind noch immer in unseren Städten präsent. Es braucht einen aktiven Umgang mit diesen Relikten, um sie vom Denkmal zum Mahnmal zu machen. Die gesellschaftliche Diskussion soll auch daran erinnern, dass ein seit 75 Jahren friedliches Europa bis heute nicht selbstverständlich ist.“

    „Zucker.Rausch.Germania“ ist ein Projekt der Schaubühne Lindenfels unter Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble in Kooperation mit Festival Meeting Brno, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Die Spieler-GbR und Groupe Tongue.

    Gefördert durch die Stadt Leipzig, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von #TakePlace.

    Das Teilprojekt „Et si l’Europe ?“ wird gefördert durch den Deutsch-französischen Bürgerfonds und vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von #TakeAction.

    Die Aktion auf dem Leipziger Markt ist Teil des Themenjahres 2021 „Leipzig – Stadt der sozialen Bewegungen“.

    Was alles vom 21. August bis zum 17. September auf dem Leipziger Markt und in den anderen Teilnehmerstädten des Projekts passiert, findet man auf der Website der Schaubühne.

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