Private Polizeiarbeit bei Facebook

Private Zeugenaufrufe in sozialen Netzwerken: Hochviral, verstehbar und doch problematisch

Für alle LeserSeit dem 11. Juni um 20:33 Uhr steht David M.s privater Hilfeaufruf bei Facebook im Netz. Darin schildert er einen Überfall am Grünauer Allee-Center von bis zu vier jungen Männern am Sonntag, 10. Juni ca. 17 Uhr auf sich und seine Frau; sein Kind war ebenfalls zugegen und musste es mit ansehen. Unter dem Beitrag ein Bild, offenbar von ihm selbst, zeigt M. auf einer Liege im Krankenhaus liegend und einen Aufruf, seine Geschichte zu teilen. Im Laufe der kommenden 48 Stunden durchschlägt das Privatposting dann die Marke von 100.000 Teilungen im Netzwerk, 13.000 User klicken auf den Meinungsbutton, nun scheint ganz Deutschland in Leipzig Grünau zu fahnden. Denn David M. beschreibt einen Übergriff von vier „Arabern“.

Eine Nachfrage bei der Polizei ergibt zumindest, dass die Geschichte in den erschreckenden Grundzügen stimmt. Schlimm genug demnach, was David M. (Name unbekannt) und seine Familie also am vergangenen Sonntagabend bei einem Radausflug in der Nähe des Allee-Centers erleben mussten und verstehbar die Hoffnung um Aufklärung eines ihrer Beschreibung nach üblen Übergriffs. Doch schon im Aufruf selbst fallen Dinge auf, welche jede Polizeidienststelle aus sehr guten Gründen anders machen würde.

Zumal die Leipziger Polizei am Montag oder Dienstag dieser Woche zum Vorfall aufgrund nötiger Ermittlungen noch nichts zu berichten hatte. Eine umgehend nach dem Eintreffen der um 17:41 Uhr vom Geschädigten gerufenen Beamten vor Ort eingeleitete Umgebungssuche blieb erfolglos, die kleine Familie wurde laut Polizeidirektion Leipzig erst einmal in ein Krankenhaus gefahren.

Laut David M.s Posting in seinem sonst kaum genutzten Facebookprofil vom 11. Juni könnte es sich um nahezu jeden in Leipzig lebenden Menschen handeln, der eben irgendwie „Araber“ zu sein scheint. Eine Personenbeschreibung der Angreifer ist in David M.s Beitrag praktisch nicht vorhanden. Als sich seine Geschichte im Netz verbreitet, hat er noch keine detaillierte Aussage bei der Polizei machen können, da er im Krankenhaus stationär betreut wird, M. selbst spricht im Posting noch von „Erinnerungslücken“ an das Geschehen.

Seine eigentliche Aussage bei der Polizei erfolgte erst am heutigen Mittwochmorgen, 13. Juni, wie Polizeisprecher Andreas Loepki gegenüber L-IZ.de mitteilt (siehe das Kurzinterview mit Personenbeschreibungen am Schluss). Zum Zeitpunkt des Zeugenaufrufes von David M. fehlen demnach wichtige Details, welche nun die Polizei Leipzig nur scheinbar spät nachliefert.

Hass und Polizeiarbeit

„Terror und Rassismus gegen Deutsche, nichts anderes ist das. Einfach Hass auf uns“, schreibt zum Beispiel ein User beim Teilen von David M.s Beitrag, laut Eigenangabe im Profil kommt er aus Polen. Eine weitere Userin ist der Meinung, die vage Beschreibung von David M. genügt bereits, um zum großen Hallali zu blasen: „FINDET DAS FEIGE VOLK“, so ihr Aufruf. Nach etwas über zwei Tagen suchen nun weit über 100.000 Facebook-Profile in ganz Deutschland vier „Araber“ in Leipzig Grünau und verbreiten neben Hass das Selbstbild von David M. auf der Krankenhausliege.

Ob die Geschichte stimmt oder nicht, scheint dabei den meisten der 100.000 nicht mit David M. persönlich bekannten Menschen vollkommen uninteressant, denn 48 Stunden lang haben Polizei und Presse praktisch noch keine Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen, geschweige einen einigermaßen qualifizierten Zeugenaufruf zu starten (siehe unten dabei).

Der ursprüngliche Zeugenaufruf bei Facebook von David M. Bis heute 103.000 mal geteilt. Screen Facebookprofil David M.

Der ursprüngliche Zeugenaufruf bei Facebook von David M. Bis heute 103.000 mal geteilt. Screen Facebookprofil David M.

In der Zwischenzeit geschieht etwas, was David M., wie auch die Hetze der teilender User, sicher so nicht gewollt hat: die Polizei gerät unter Druck, Kräfte werden gebunden. Andreas Loepki gegenüber L-IZ.de zum Thema private Zeugenaufrufe unter anderem: „Daraus entsteht für die Polizei ein deutlich höherer Aufwand, weil wir nicht – routiniert – nach der regulären Zeugenvernehmung mit einer PM an die Öffentlichkeit gehen können, sondern sofort und gegenüber vielen Bürgern (Anfrage sinngemäß: Sind das Fake-News und ist das Hetze?) und Medien zu einer Vielzahl einzelner Auskünfte gezwungen sind.“

Wie sich die Stimmung im blauen Netzwerk unterdessen so entwickelt hat, ist vielleicht am besten daran zu sehen, dass nun David M. heute selbst einschreiten muss und mit einem Update (noch immer ohne genauere Personenbeschreibung zu den vier „Arabern“, ergänzt nun um „südländisch“) versucht gegenzusteuern. „Update: Erstmal herzlichen Dank für das fleißige teilen. Ich möchte nochmals betonen das diese Tat (vielleicht, eventuell nichts mit Flüchtlingen zu tun hat die bei uns in Deutschland Schutz suchen). Die Täter haben sehr gut deutsch sprechen können und sind ca. 25 Jahre, muskelös, südländisches Aussehen.“

Wie jedem Opfer einer Straftat bleibt David M. und seiner Familie wohl zu wünschen, dass die Leipziger Polizeibeamten die Täter ermitteln und die Familie selbst die Sache gut verarbeiten werden können. Ob dabei Facebook helfen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Fraglich auch, ob sich der Zeugenaufruf, welchen die Polizeidirektion Leipzig zu einem Tötungsversuch am Markkleeberger Südstrand des Waldsees „Lauer“ (auch „Wolfssee“ genannt), am 11. Juni 2018, gegen 16:25 Uhr heute in der Presse initiierte ebenfalls bis nach Düsseldorf, Essen, München und darüber hinaus verbreiten wird. Der Angreifer war laut Polizei ein Deutscher.

Das Kurzinterview mit Polizeisprecher Andreas Loepki inklusive Hergangsschilderung und Beschreibung der Tatverdächtigen

Wurde Ihnen ein Vorfall mit dem geschilderten Verlauf durch den Geschädigten bei der Polizei gemeldet und durch sie aufgenommen?

Der Geschädigte (35) wählte um 17:41 Uhr den Notruf und gab an, er und seine Frau seinen soeben von vier Ausländern geschlagen worden; seine Frau (36) habe eine Handverletzung erlitten und er würde bluten. Zudem sollten die Täter noch vor Ort/in der Nähe sein. Daraufhin wurden umgehend zwei Streifenwagen entsandt, nahmen zunächst nur eine Beschreibung der Tatverdächtigen entgegen und suchten diese – ohne Feststellung – im Umkreis.

Hernach verlegte eine Funkstreifenwagenbesatzung wieder zu den Geschädigten und ließ sich das Geschehnis berichten. Eine schriftliche Zeugenvernehmung war nicht (mehr) möglich, da der Mann und die Frau (in Begleitung der unverletzten 6-jährigen Tochter) in ein Krankenhaus verbracht wurden.

Warum gab es bislang (Stand 12. Juni, 21 Uhr) – aufgrund der Brutalität erwartbar – keinen Zeugenaufruf dazu (bzw. wird dieser noch erfolgen?)?

Der Sachverhalt hielt keinen Eingang in unsere täglichen Pressemeldungen, weil wir immer nur eine Auswahl aus etwa 80-100 Straftaten pro Tag (Tatzeitraum der letzten 24 Stunden) treffen und uns dieser Fall in Sichtung der Kurzsachverhaltsdarstellung („Die vier unbekannten Täter griffen die beiden Geschädigten mit Schlägen und Tritten gemeinschaftlich an, wodurch Verletzungen in Form von Schürfwunden entstanden. Die Täter flüchten danach unerkannt vom Tatort.“) am Montagmorgen tatsächlich nicht gewichtig genug erschien.

Zudem fehlte es aufgrund der noch ausstehenden Vernehmung an hinreichend abrufbarem/dokumentiertem Inhalt zum Ablauf, der Täterbeschreibung etc. Für eine PM war der Kenntnisstand der Pressestelle damit schlicht zu unbestimmt.

Werden Sie der Sache aufgrund des faktischen Zeugenaufrufes durch den Geschädigten nachgehen?

Wir würden der Sache auch ohne das Facebookposting nachgehen und haben die gestrige Aufmerksamkeit der Medien genutzt, um das grundlegende Delikt einerseits zu bestätigen und um damit einen offiziellen Zeugenaufruf zu verknüpfen – z. B. hier lvz.de/Leipzig/Polizeiticker/Polizeiticker-Leipzig/In-Leipzig-Gruenau-Pruegelattacke-gegen-Familie

Können Sie bereits mehr zum Fall und den Erkenntnissen der PD Leipzig rings um diesen Überfall sagen – wenn ja, was?

Die Vernehmung des 35-Jährigen hat heute Vormittag stattgefunden. Er gab darin an, mit seiner Frau und der Tochter per Fahrrad am Kulkwitzer See gewesen zu sein. Auf dem Rückweg trafen sie in der Nähe des Allee-Centers auf eine vierköpfige Gruppe, woraufhin der Geschädigte klingelte – maßgeblich, weil seine Tochter noch recht unsicher ist und die Personen Platz machen sollten. Weil sie jedoch nicht zur Seite gingen, musste der Mann stoppen und fragte – nach seiner Angabe – höflich, ob sie bitte ihn und seine Tochter passieren lassen würden.

Die Antwort wäre als: „Was willst Du, Du scheiß Kanacke?“ erfolgt. Daraufhin habe er entgegnet, nur mit seiner Familie durchfahren zu wollen. Im nächsten Moment habe er schon einen starken Schlag gegen den Kopf erhalten und wäre zu Boden gestürzt, wo weiter auf ihn eingetreten wurde. Ob sich alle vier Personen daran beteiligten, konnte er nicht sagen. Schließlich konnte er sich wohl wieder aufrappeln und wehrte sich, fiel aufgrund eines Tritts in den Rücken aber wieder zu Boden.

Seine Frau kümmerte sich derweil um die Tochter und den sich losgerissenen Hund, bevor sie versuchte, sich beschwichtigend zwischen ihren Mann und die Angreifer zu stellen. Doch auch sie sei attackiert worden und wäre durch einen Tritt gestürzt. Letztlich konnte die kleine Familie entlang der Stuttgarter Allee weggehen, wurde aber in Höhe der Hausnummer 30 erneut angegriffen.

Erst als ein Zeuge laut rief: „Haut ab! Was macht ihr hier?“, ließen die Täter ab und verharrten in etwa 150 Meter Entfernung. Als sie mitbekamen, dass der Geschädigte telefonierte, rief ihm einer provokant zu: „Ja, ruf Polizei, ich mach dich alle!“ Letztlich flüchten alle vier Angreifer aber.

Ihre Beschreibung lautet:

– alle etwa 18 bis 25 Jahre alt
– der Haupttäter war ca. 170 cm groß
– ein Angreifer trug Vollbart, war ca. 180 cm groß und von schlanker Gestalt
– kurze, dunkle Haare
– drei Personen wirkten muskulös
– auch ein Anwohner/Zeuge beschrieb die Angreifer ebenfalls als von „arabischem Äußeren“

Der Geschädigte befand sich wohl bis zum 12. Juni in stationärer Behandlung und ist weiterhin krankgeschrieben.

Wie steht die PD Leipzig unabhängig vom aktuellen Fall zu privaten Zeugenaufrufen oder/und Fahndungen im Netz / bei Facebook und was würden sie dazu raten?

Eine derartige Mitteilung – sofern die Angaben alle der Wahrheit entsprechen – ist nicht verwerflich und steht im Zeitalter sozialer Medien jedem frei – ohne dass ich es befürworte. Daraus entsteht für die Polizei ein deutlich höherer Aufwand, weil wir nicht – routiniert – nach der regulären Zeugenvernehmung mit einer PM an die Öffentlichkeit gehen können, sondern sofort und gegenüber vielen Bürgern (Anfrage sinngemäß: Sind das Fake-News und ist das Hetze?) und Medien zu einer Vielzahl einzelner Auskünfte gezwungen sind.

Besonders kritisch würden wir es betrachten, wenn Geschädigte direkte Öffentlichkeitsfahndungen (Bildmaterial der Tatverdächtigen) initiieren würden, weil dies – ich habe es gegenüber der L-IZ im Interview schon einmal ausgeführt – eine direkte Obliegenheit der Strafverfolgung ist und einem Richtervorbehalt unterliegt.

Als Ratschlag kann ich nur erteilen, dass Geschädigte definitiv nicht auf solche Postings angewiesen sind und die Öffentlichkeitsarbeit dahingehend möglichst der Polizei überlassen sollten. Nicht zuletzt setzen sie sich – da sie keine verifizierte Quelle darstellen – der Gefahr aus, nach der erlittenen Straftat in der Öffentlichkeit auch noch als Lügner, Hetzer, Rassist oder dergleichen mehr verunglimpft zu werden.

Das lange Interview mit Polizeisprecher Andreas Loepki (Teil 1 von 4)

PolizeiZeugenaufrufeFacebook
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Chemnitz vs. Lok: Randbeobachtungen an einem denkwürdigen Abend
Der vergebene Elfmeter von Paul Schinke entschied das hochspannende Halbfinale. Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Foto: Jan Kaefer (Archiv)

Nach 175 Minuten - inklusive Pausen - war Schluss und das Sachsenpokal-Halbfinale zwischen dem Chemnitzer FC und dem 1. FC Lok Leipzig entschieden. Ein Spiel mit zahlreichen Zweikämpfen, Zwischentönen und Zusätzen. Ein paar Randbeobachtungen.
BUND Sachsen fordert den Ausstieg aus dem fossilen Verkehr in Sachsen in den nächsten 20 Jahren
Die „Prognose“ zum Modal Split im Landesverkehrsplan. Grafik: Freistaat Sachsen, Landesverkehrsplan

Grafik: Freistaat Sachsen, Landesverkehrsplan

Für alle LeserDer Entwurf des Landesverkehrsplans (LVP) Sachsen beinhaltet gute Ansätze, ist insgesamt aber unzureichend. Vor allem den Mangel an zukunftsorientierten und integrierten Lösungen kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen in seiner aktuellen Stellungnahme. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ werde in vollkommener Beliebigkeit verwendet, ohne dass der Landesverkehrsplan tatsächlich präzisiert, wie nachhaltiger Verkehr konkret auszusehen habe.
Premiere am 27. April im Schauspiel Leipzig: Prinz Friedrich von Homburg
Prinz Friedrichvon Homburg. Quelle: Schauspiel Leipzig

Quelle: Schauspiel Leipzig

Der preußische Reitergeneral Prinz Friedrich von Homburg soll sich auf die bevorstehende Schlacht gegen das schwedische Heer vorbereiten, wird stattdessen aber vom Kurfürsten und dessen Hofstaat schlafwandelnd aufgefunden.
SPD- und Linksfraktion tun sich zusammen, das 365-Euro-Jahrsticket zu einer echten Leipziger Vision zu machen
Blick aus dem Cockpit einer Leipziger Straßenbahn. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDie Diskussion um das 365-Euro-Jahresticket für Leipzig zeigt Folgen – gleich in mehrfacher Hinsicht. Jetzt wird nicht nur ernsthaft darüber diskutiert, wie das Angebot der LVB wachsen müsste, um die erwartbaren Fahrgastzahlen zu stemmen. Die Linksfraktion, die den Antrag dazu im Stadtrat gestellt hatte, das Ticket gleich nach Ende des Tarifmoratoriums 2021 einzuführen, bekommt jetzt mit der SPD-Fraktion direkte Unterstützung.
Chemnitzer FC vs. 1. FC Lok Leipzig 13:12 – Ausgerechnet und ausgeträumt
Der stimmungsvolle Beginn eines denkwürdigen Fußballabends. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

In einem denkwürdigen Halbfinale hat der 1. FC Lok den Einzug ins Sachsenpokal-Finale verpasst. Vor 7.489 Zuschauern verschoss Paul Schinke den 22. (!) Elfmeter. Sein Fehlschuss beendet nach fast drei Stunden ein Spiel, was nach 26 Minuten vorentschieden schien. Lok kämpfte sich nach einem 0:2-Rückstand jedoch zurück ins Spiel, ging nach 102 Minuten gar in Führung. Im Elfmeterschießen sah Benjamin Kirsten wie der Held des Tages aus, aber dann musste Schinke das zweite Mal antreten...
Warum hat Leipzig so viele zukunftsuntaugliche Dinosaurier angemeldet?
Im Südraum fast überall zu sehen: das Kraftwerk Lippendorf. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserDass der Kohleausstieg nun bis 2038 kommt, ist so gut wie sicher. Wahrscheinlich fließen auch die 40 Milliarden Euro vom Bund in die Kohleregionen. Aber ob der Strukturwandel gelingt, steht selbst nach der furiosen Findungsrunde für tolle neue Großprojekte im März völlig in den Sternen. Den mitteldeutschen Regierungen – und auch Leipzig – fällt auf die Füße, dass sie nicht den geringsten Vorlauf für einen solchen Strukturwandel haben.
Leipzigs Buchwissenschaftler feiern neue Flachware, ein neues Insel-Plakat und eine geglückte Schaufenster-Schau
Im Bibliotop der Leipziger Buchwissenschaft. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist jedes Jahr ein Fest. Dann räumen Dutzende Innenstadthändler einen Teil ihrer Schaufenster frei für Bücher. Nicht ungewöhnlich eigentlich, wenn gerade die Buchmesse in Leipzig stattfindet. Aber es sind keine Buchläden, die das machen, sondern Modeboutiquen, Kaufhäuser, Restaurants und Delikatessgeschäfte. Und die Bücher landen oft genug genau neben den angebotenen Waren. „Buwision“ nennen Leipzigs Buchstudenten dieses Fest.
Basteln mit Papier: Wie man mit wenig Aufwand die Lust am Selbermachen weckt
Julia Schmidt: Basteln mit Papier. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Reihe mausert sich. Jedes Buch ist ein farbenfrohes Angebot für Eltern, ihre Kinder wegzulotsen von Fernseher Playstation und Smartphone, zurück in die wirkliche Welt, wo man mit Phantasie und den eigenen Händen lauter faszinierende Dinge tun kann und vor allem eines lernt: Die Wirklichkeit ist änderbar. Man muss nur zupacken und keine Scheu haben vor kleisterklebrigen Händen.
Warum eine Aufarbeitung der Treuhand allein die Probleme des Ostens nicht lösen kann
Abbruch Ost - hier in Leipzig-West. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserWerden sich Linke und SPD jetzt darüber zerstreiten, ob das ostdeutsche Dilemma nun an der Treuhand liegt oder nicht? Auf eine Forderung der Linkspartei für einen weiteren Untersuchungsausschuss zur Treuhand reagiert jetzt Martin Dulig, Ostbeauftragter der SPD und Vorsitzender der SPD Sachsen. In einem Punkt stimmt er der Linken sogar zu: „Wir brauchen eine Aufarbeitung der Nachwendezeit.“
Grüne sind skeptisch: Werden Menschen mit Behinderung im Asylverfahren tatsächlich so versorgt, wie es nötig wäre?
Blick über die damalige Asylunterkunft auf dem Messegelände Leipzig. Foto: Alexander Böhm (Archiv)

Foto: Alexander Böhm (Archiv)

Für alle LeserEs ist nur eins von vielen Themen die beleuchten, wie Sachsen mit den Menschen umgeht, die im Freistaat Asyl beantragen und dabei meist mehr Hilfe benötigen als nur ein Dach über dem Kopf. Gerade jene Menschen aus Kriegs- und Bürgerkriegsländern bringen einen Rucksack voll psychischen Belastungen mit. Aber kümmert sich die Landesregierung überhaupt darum? Oder verwahrt sie diese Menschen nur? Eine Ministerantwort verärgert jetzt die Grünen.
Verdrängung junger Familien kann nicht das Ziel der Leipziger Wohnungspolitik sein
Tom Pannwitt, Stadtratskandidat der SPD. Pressefoto: Tom Pannwitt

Pressefoto: Tom Pannwitt

Für alle LeserAm 22. April veröffentlichte die LVZ mal wieder so ein Interview, in dem suggeriert wurde, dass Städte wie Leipzig ja eigentlich gar keine so großen Wohnungsprobleme haben. Man hatte das Vorstandsmitglied des Verbandes der sächsischen Wohnungsgenossenschaften (VSWG), Axel Viehweger, interviewt. Und aus der Perspektive der Wohnungsgenossenschaften, so Viehweger, gäbe es gar keine Wohnungsnot. Tom Pannwitt, Stadtratskandidat der SPD, widerspricht vehement.
Wie ausgewogen war eigentlich das Vorwahl-Programm von ARD und ZDF 2017?
Prof. Dr. Gabriele Hooffacker und Prof. Dr. Marc Liesching von der HTWK Leipzig. Foto: HTWK Leipzig

Foto: HTWK Leipzig

Für alle LeserKann man eigentlich messen, wie ausgewogen Fernsehsender über das politische Geschehen im Land berichten? Immerhin war das ein gewaltiges Thema zur Bundestagswahl 2017. Nach der Bundestagswahl 2017 gerieten die öffentlich-rechtlichen Sender einmal wieder stark in die Kritik. Diesmal von der anderen Seite, vehementen Kritikern, die die thematische Ausgewogenheit im Wahlkampf vermissten. Eine Leipziger Studie versucht dem jetzt auf den Grund zu gehen. Und scheitert.
Leipzig plant, sieben Grundstücke aus Bundesbesitz zu kaufen und prüft Dutzende weitere
Auch in der Rosa-Luxemburg-Straße bietet das BImA unbebaute Flächen zum Verkauf an. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDen Städten in Deutschland fehlen die großen Grundstücke, um wichtige Infrastrukturprojekte voranzutreiben. Worauf der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am 21. März 2012 reagierte. Damals beschloss er eine „Erstzugriffsoption“ für die Kommunen auf Grundstücke aus Bundesbesitz, die zum Verkauf stehen. Das ist auch für Leipzig eine echte Option.
Am 27. April und 2. Mai im Schauspiel Leipzig: Nacht ohne Sterne
Nacht ohne Sterne. Quelle: Schauspiel Leipzig

Quelle: Schauspiel Leipzig

Wir leben in einer Welt, in der der Verlust des Kindergartenplatzes eine existenzielle Bedrohung darstellt. Mit dieser schlaglichtartigen Erkenntnis beginnt Bernhard Studlar seine Reise durch die Nacht in einer nicht näher benannten Großstadt, in der eine Reihe schillernder Figuren aufeinanderstoßen.
Grüne und NABU laden ein zur Demonstration gegen Grünschwund und Artensterben in Leipzig
Baumfällung in Connewitz. Archivfoto: Ralf Julke

Archivfoto: Ralf Julke

Für alle LeserDer 25. April ist eigentlich der Tag des Baumes. Aber Sachsen ist ein Land, in dem Bäume kaum Schutz genießen. Mit der Abschaffung der alten Baumschutzsatzung sind in den Städten tausende Bäume ersatzlos gefällt worden. Mit der Verdichtung Leipzigs verschwinden auch grüne Brachen und wertvolle Gehölze. Zum Internationalen Tag des Baumes ruft deshalb ein breites Aktionsbündnis zur Demonstration gegen den Grünschwund und das Artensterben in Leipzig auf.