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Donnerstag, 21. Januar 2021

Die „Fotzen“ bei der LVB + Update

Von Michael Freitag

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    Vielleicht fällt es ja immer mehr Menschen auf, aber die Freundlichkeit im Alltag ist ein Gut, was alle gemeinsam pflegen sollten. Zwei Fahrern der LVB scheint dies noch nicht so geläufig, obwohl sie mit ihrem geschätzten Alter von runden 50 Jahren irgendwann einmal einen gewissen Grundrespekt vor allen Menschen gelernt haben sollten. Am vorgestrigen Tag wurde Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann (Piraten) gegen 15:50 Uhr Zeugin einer „Unterhaltung“ in der Linie 11, welche über ein deftiges Sächsisch weit hinausschoss. Bei einigen LVB-Fahrern scheinen Begriffe wie „Fotze“ jedenfalls zum ganz normalen Alltagsgebrauch zu gehören.

    Gabelmann schildert den Hergang vom 5. Juni 2019 heute so: „Ich saß in der Linie 11 (Wagennummer 1224), die am Hauptbahnhof in Richtung Südvorstadt fuhr. Am Bahnhof wollte eine Radfahrerin noch die Gleise queren und achtete offenbar nicht auf die schon anfahrende Bahn, die lediglich leicht bremsen musste. Daraufhin brüllte ihr der Fahrer lautstark „Du Fotze!“ hinterher. Der schon für den Fahrerwechsel bereitstehende Kollege schrie: „Ja! Blöde Schlitze ey!“.“

    Ein teamstärkendes, lautes Männergespräch zwischen einem eher kleinen bärtigen Brillenträger (Fahrer) und seinem zirka 1,80 großen Kollegen mit grauem Stoppelhaar, der anschließend am Augustusplatz seinen Platz einnahm?

    Eher wohl ein katastrophales Schlaglicht auf den Umgang unter Kollegen im Betrieb und gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, wie sicherlich nicht nur die unfreiwillige Zuhörerin Gabelmann die offenkundige Normalität zwischen den beiden Rufern einschätzt. Und ganz gleich, welche Herleitung man sich so im Netz für die Titulierung einer weiblichen Verkehrsteilnehmerin zusammenliest – es bleibt eine der übelsten Beschimpfungen, derer man sich befleißigen kann.

    Für Ute Elisabeth Gabelmann jedenfalls stellt diese Ausdrucksweise einen Vorgang dar, der „weit über einen ärgerlichen Ausruf in einer brenzligen Straßenverkehrssituation hinausgeht“. Zudem stellten sich hier „auch Fragen nach dem Umgang mit anderen Straßenverkehrsteilnehmern, dem Betriebsklima und vor allem der Haltung zu Frauen, welche ja auch bei der LVB gleichberechtigte Mitarbeiterinnen sind.“

    Nun dürfte also schon mal der Fahrplan des vorgestrigen Tages auf dem Tisch der entsprechend Verantwortlichen bei den Leipziger Verkehrsbetrieben liegen, Zeit und Ort hat sich Gabelmann ja sauber notiert.

    Man will sich kümmern bei der LVB (via Twitter). Screen Twitter, L-IZ.de
    Man will sich kümmern bei der LVB (via zTwitter). Screen Twitter, L-IZ.de, zum Vergrößern klicken

    Ihr vielleicht letzter offizieller Gang als Noch-Stadträtin bis zur Konstituierung des neu gewählten Rates wird Gabelmann nun zur Personalleitung und den Betriebsrat der LVB führen. Denn, so Gabelmann weiter: „Nach diesem Vorfall sehe ich es als unklar an, ob der Eigenbetrieb LVB und dessen Mitarbeiter zu den Werten stehen, welche die Stadt Leipzig und damit auch ihre Tochterunternehmen verkörpern. Ich verstehe, dass in Zeiten der Personalnot vielleicht schnell eingestellt und erst später nachgeschult wird, setze aber dennoch bei allen – auch neuen – Mitarbeitern Grundformen des menschlichen Miteinanders voraus.“

    Sie ruft auch Kunden der LVB, die ähnliche Vorfälle beobachtet haben, dazu auf, ihr diese per Mail mitzuteilen. Eventuelle Beobachtungen können ebenfalls an redaktion@l-iz.de gesendet werden, falls eine Anonymisierung gewünscht ist.

    Zum Beitrag und der Internetseite von Ute Elisabeth Gabelmann

    Nachtrag d. Redaktion, um 18 Uhr: Die LVB hat sich unterdessen via Twitter gemeldet und wird sich der Sache annehmen. Die Informationen liegen ja vor, der Dienstplan auch.

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    1 KOMMENTAR

    1. Ich hatte neulich auch das blöde Gefühl von einem TRAM-Fahrer aus seinem geöffneten Fenster angepöbelt worden zu sein. Linie 12 an der Ecke Lützowstr./ Georg-Schuhmann Str.
      Dort ist man als Linksabbieger zwangsweise auf der Tram-Spur, da keine eigene Spur für die Straßenbahn vorhanden ist. Ich musste also etwa 20 Sekunden den entgegenkommenden Geradeaus-Verkehr durchlassen, bevor ich abbiegen konnte. Das schien dem Fahrer zu lang, für den es auf der Linie ja geradeaus weiter geht. Er hätte aber bei jedem Auto vor ihm genau so warten müssen. Jemand dem diese Übersicht im Straßenverkehr fehlt, der sollte sich überlegen, ob er im richtigen Beruf arbeitet.

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