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Gewaltverbrechen im Leipziger Auwald: Kumpel des Angeklagten hegte sofort einen Tatverdacht

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    Am Freitag wurde vor dem Leipziger Landgericht weiter gegen den mutmaßlichen Mörder vom Leipziger Auwald verhandelt. In der Zeugenvernehmung kam unter anderem ein langjähriger Freund des Angeklagten Edris Z. zu Wort, der diesen schon kurz nach dem Verbrechen im Verdacht hatte.

    Freund kannte Edris Z. seit Teenager-Zeiten

    Unverändert teilnahmslos und stumm verfolgte Edris Z. auch am Freitag den Prozess. Der 31-Jährige steht im Verdacht, seine 37 Jahre alte Ex-Partnerin Myriam Z. am 8. April im Leipziger Auwald aus Wut und Eifersucht mit mehreren Hammerschlägen ermordet zu haben.

    Die Reglosigkeit wich nicht, als sein Kumpel Philipp K. (32) wenige Meter entfernt im Zeugenstand Platz nahm. Beide kannten sich bereits seit der gemeinsamen Schulzeit in Döbeln vor fast zwanzig Jahren, hatten bis zur Verhaftung von Edris Z. Kontakt. Als Studenten teilten sich die jungen Männer in Leipzig später zeitweise eine WG mit einem weiteren Bewohner.

    Das Zusammenleben beschrieb Marketing-Mitarbeiter Philipp K. als sehr familiär: „Es war ein schönes, gemeinschaftliches Miteinander.“ Anders dagegen sahen die Dinge während der Schulausbildung in Döbeln aus. Dort habe Edris Z., der 1995 mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war, immer wieder mit rassistischen Vorbehalten zu tun gehabt. „Es waren schnippische Kommentare, das Gefühl, anders behandelt zu werden.“ Dazu kamen Streitigkeiten innerhalb seiner Familie.

    Angeklagter weist Verdacht in Telefonat von sich

    Nach seinem Philosophie-Studium arbeitete Edris Z. in einem Verein für die Flüchtlingshilfe, wo er auch Sozialarbeiterin Myriam Z. kennenlernte. Beide wurden ein Paar, trennten sich dann aber im Jahr 2018. Nach eigener Darstellung sei die Initiative dazu von Edris Z. selbst ausgegangen.

    In der Folgezeit allerdings eskalierte die Situation immer mehr. Im August 2018 soll der Angeklagte das spätere Opfer am Fockeberg beleidigt und angespuckt, dem Begleiter einen Teil des Ohres abgebissen haben. Der Dauerkonflikt, die Strafanzeige und das Gewaltschutzverfahren in der Folge hätten sich auf Edris Z. ausgewirkt, so Philipp K. am Freitag: „Wie stark es Edris belastet hat, war eigentlich allen klar.“ Ihm sei es zunehmend schlechtgegangen. „Man merkte, dass er versucht hat, die Contenance zu wahren“, erinnerte sich der Zeuge an ein Telefongespräch mit seinem alten Schulfreund im Frühjahr 2020.

    Per Telefon konfrontierte Philipp K. den einstigen Klassenkameraden auch am 9. April 2020 mit seinem Verdacht, er könne etwas mit dem Verbrechen an der 37-jährigen Myriam Z., die er selbst nur flüchtig kannte, zu tun haben. Der allerdings habe alles abgestritten und behauptet, er wisse nicht, wer es war.

    Noch am selben Tag wurde er jedoch unter dringendem Tatverdacht festgenommen. In der Untersuchungshaft habe der Angeklagte dann eingeräumt, er habe Myriam „geschlagen“, er habe es nicht gewollt und seinen Körper nicht kontrollieren können. „Ich hatte das Gefühl, dass er Monate gebraucht hat, um zu realisieren, was passiert ist“, sagte Philipp K. am Freitag.

    Wohnung dreckig und vermüllt

    Außerdem nahm das Gericht Bilder aus der Wohnung von Edris Z. auf der August-Bebel-Straße in Augenschein, die er erst wenige Monate vor dem Verbrechen bezogen hatte. Die Fotos zeigen jede Menge Müll, Unordnung und Chaos. „Es war sehr schmutzig, in der Küche hat es sehr unangenehm gerochen, der Tisch war dreckig und klebrig“, so eine Kriminaltechnikerin.

    Ein weiterer Zeuge, der sich derzeit in Israel aufhält und wegen der aktuellen Pandemie nicht zum Prozess kommen kann, wurde am Freitag abbestellt. Seine Vernehmung per Video-Schalte ist nun erst im kommenden Jahr vorgesehen. Auch er zählt zum Freundeskreis des Angeklagten.

    Der ursprünglich bis Mitte Dezember angesetzte Prozess dürfte sich noch weit in die Länge ziehen: Die vorsorglich festgelegten Termine gehen bis 2022. Wann es also ein Urteil gibt, ist derzeit völlig offen.

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