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Nächtliche Autobrände und kein Ende: Gibt es einen politischen Hintergrund?

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    Es nimmt und nimmt kein Ende: Vergangene Nacht brannte ein Transporter in Leipzig-Mockau vollständig aus – und wieder liegt ein Verdacht auf Brandstiftung vor. Allein im Oktober ereigneten sich im Stadtgebiet acht vergleichbare Vorfälle, der Schaden ist noch nicht beziffert. Was könnte dahinterstecken?

    Die Feuerwehr kam zügig, konnte das vollständige Ausbrennen aber auch nicht mehr verhindern: Am Donnerstag, dem 4. November, um kurz nach Mitternacht alarmierte ein Anwohner die Einsatzkräfte, weil ein Transporter in der Volbedingstraße in Flammen stand.

    Durch das Feuer und die Löscharbeiten wurde nach Auskunft der Polizeidirektion auch ein angrenzendes Vereinsgebäude leicht beschädigt. Der geschätzte Sachschaden: 15.000 Euro. Wegen des Verdachts der Brandstiftung hat die Kripo ihre Ermittlungen aufgenommen und will heute die Ursache des Feuers klären.

    PKW-Brände in Schleußig, Stötteritz, Thekla

    Allein im vergangenen Monat ereigneten sich im Leipziger Stadtgebiet acht Fälle, bei denen die Ermittler einen Verdacht auf vorsätzliche Brandstiftung haben. Knapp 20 Fahrzeuge wurden dabei mindestens beschädigt, teilt Dorothea Benndorf von der Polizeidirektion Leipzig auf LZ-Anfrage mit. Ein Gesamtschaden sei noch nicht beziffert.

    Mit Sicherheit liegt dieser aber bereits jetzt im Hunderttausender-Bereich. Schon am 27. Oktober schätzte die Polizei die Schadenssumme auf den „unteren sechsstelligen Bereich“, nachdem in der Schleußiger Stieglitzstraße ein Audi SQ7 und ein BMW X7 am frühen Morgen komplett ausbrannten.

    Einer der letzten Tatorte: Stieglitzstraße in Schleußig, eine unauffällige Wohngegend. Foto: LZ
    Einer der letzten Tatorte: Stieglitzstraße in Schleußig, eine unauffällige Wohngegend. Foto: LZ

    Und das war längst nicht alles: Kaum mehr als 24 Stunden später erwischte es einen Mercedes Benz GLC und einen VW Tiguan in der Ludolf-Colditz-Straße (Stötteritz). Hier richteten die Flammen gegen 02:20 Uhr zumindest erheblichen Schaden an.

    Am 31. Oktober erreichte die Rettungsleitstelle gegen Mitternacht ein Notruf, wonach ein Audi A3 Sportback in der Theklaer Kiebitzstraße in Flammen stand. Der PKW brannte vollständig aus, das Feuer griff auch auf einen Skoda Octavia über und beschädigte ihn im Heckbereich.

    Brandstiftung an Autohaus: LKA Sachsen ermittelt

    Die Polizei hält sich bedeckt, ob sie einen Zusammenhang zwischen den Taten vermutet und womöglich auch in Richtung einer politischen Motivation forscht: Da es sich um laufende Ermittlungen handelt, könnten hierzu keine Auskünfte erteilt werden, so Behördensprecherin Benndorf.

    Fest steht allerdings, dass die Brände unterschiedliche Fahrzeugtypen betrafen, angefangen von der bescheideneren, zwischen Klein- und Mittelklassewagen angesiedelten „Kompaktklasse“ bis hin zu Oberklasse-Fahrzeugen und SUVs.

    Zudem hat im Falle einer Brandstiftung bei einem Autohaus an der Richard-Lehmann-Straße das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des LKA Sachsen die Ermittlungen übernommen, da ein politisches Motiv nicht auszuschließen sei.

    In der Nacht auf Sonntag, den 24. Oktober, waren auf dem Außenbereich des Geländes mehrere PKW in Brand gesetzt worden, eine Ladesäule, die an ein E-Fahrzeug angeschlossen war, zog das Feuer in Mitleidenschaft. Geschätzter Sachschaden hier: 300.000 Euro.

    Kurz danach griffen herbeigeeilte Polizisten zwei Frauen (18, 20) und zwei Männer (21, 24) in der Nähe auf. Diese wurden nach einer Identitätsfeststellung wieder laufen gelassen, da sich der Verdacht offenbar bisher nicht erhärten ließ.

    Gibt es einen Zusammenhang zum Demo-Verbot?

    Auffällig ist zumindest die zeitliche Nähe zu den verbotenen, linken Demonstrationen am Samstag, dem 23. Oktober – dies mag ein Indiz sein, kein zwingender Schluss, dass beides zusammenhängt. Aus einer befürchteten Sicherheitsgefährdung hatte die Stadt Leipzig drei Aufzüge untersagt, was auch vom Verwaltungsgericht bestätigt wurde.

    Ein großer Teil Leipzigs wurde vorübergehend zur Kontrollzone, was die mit über 2.000 Beamten präsente Polizei ermächtigte, auch ohne Anlass Personen zu prüfen. Während es tagsüber bei gespannter Ruhe blieb, kam es in der Nacht dann doch noch zu Auseinandersetzungen.

    Auch nach einem PKW-Brand in der Marschnerstraße am 3. Oktober gegen 2 Uhr morgens kümmert sich der Staatsschutz um die Bearbeitung des Falls, weil der Verdacht auf ein politisches Motiv vorliege. Der betroffene Wagen, ein Ford S-Max, brannte im Bereich des Motorraums aus.

    Bisher keine Festnahmen

    Sind hier Serientäter am Werk? Und was treibt sie womöglich an? Darauf haben wir bislang keine Antworten, auch von einem Bekennerschreiben wissen wir offiziell nichts. Im Zusammenhang mit den Bränden seit Oktober gab es seitens der Leipziger Polizei bis jetzt keine vorläufigen Festnahmen, sagt Polizeisprecherin Benndorf. Das junge Quartett, das nach der Brandstiftung an der Richard-Lehmann-Straße gestellt worden war, soll sich zumindest weiterhin unter Verdacht befinden.

    Jenseits der Vermutung, dass womöglich linksgerichtete Gruppierungen hinter den brennenden Autos stecken, könnte man auch in Richtung radikaler Umwelt- oder Klimaschützer spekulieren. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass das Motiv nicht immer politischer Natur sein muss.

    Vergangene Fälle: Liebeskummer und Langeweile als Motiv

    Ende 2019 hatte das Leipziger Landgericht eine 38-jährige Frau für gut sieben Jahre in Haft geschickt, die über fast vier Jahre Autos angezündet hatte, ehe eine Streife sie in Gohlis auf frischer Tat ertappte. Die Dozentin soll aus Frust und enttäuschter Liebe gezündelt haben: Ihrem Angebeteten, der die Gefühle nicht erwiderte, und dessen Familie hatte die Angeklagte immer wieder nachgestellt.

    Fast zur gleichen Zeit wurden auch eine 23-Jährige, Tochter eines bekannten Leipziger Anwalts, und deren neun Jahre älterer Freund zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Das Pärchen hatte an einigen Häusern und elf Autos im Leipziger Osten Brände gelegt. An den PKW allein entstanden auf einem Parkplatz mehr als 60.000 Euro Schaden. Festgestelltes Motiv: Langeweile und offenbar die Suche nach dem „Kick“, wie der Vorsitzende Richter damals befand.

    Im Falle eines Endzwanzigers, den das Leipziger Landgericht im Sommer 2020 verurteilte, sollen psychische Probleme und Alkoholkonsum der Auslöser gewesen sein, dass er nachts immer wieder loszog, um an PKW, Müllbehältern oder Häusern zu zündeln. Zudem muss sich demnächst ein mutmaßlicher Brandstifter (36) verantworten, der im Leipziger Norden vor allem an LKW Feuer gelegt haben soll.

    Klar ist aber auch: Ermittlungen in diesem speziellen Bereich sind höchst aufwendig und die Aufklärungsrate entsprechend gering, wie die Erfahrung aus anderen Städten zeigt. Oft bleiben die Täter unerkannt. Neben akribischer Fleißarbeit kommt der Kripo dann aber manchmal das Ermittler-Glück zugute.

    ***

    Zeugenaufruf des LKA Sachsen zu den Brandstiftungen im Leipziger Süden und Zeugenaufruf der Polizeidirektion Leipzig zu den Brandstiftungen in Schleußig

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