Zugegeben, an den Frühling 2026 erinnert angesichts des erneuten Winter-Comebacks in Leipzig derzeit nicht allzu viel. Doch unabhängig von der (noch) sehr kalten Witterung begann schon jetzt wieder etwas, wonach man in Leipzig und anderswo jedes Jahr um diese Zeit die Uhren stellen kann: Bärlauchklau. Die Polizei registrierte am Sonntag bereits zwei Fälle in Leipzig und Böhlen mit vier Verdächtigen, bei denen gewerbsmäßiger Diebstahl vermutet wird.

Illegale Knollenernte: Ermittlungen gegen vier Tatverdächtige

Fall eins ereignete sich Sonntagmittag im Böhlener Ortsteil Gaulis: Beamte des Reviers Borna fassten zwei Männer (29 und 42) in einem Waldstück, die bereits 40 Kilogramm Bärlauchknollen zum Abtransport bereitgestellt hätten, so Polizeidirektionssprecher Tom Erik Richter. Die Knollen wurden eingezogen und sollen vernichtet werden. Zwei mutmaßliche Komplizen des von der Polizei gestellten Duos konnten demnach unerkannt entkommen.

44 Kilogramm hatten dann offenbar zwei andere Männer im Bereich des Auwalds in Lützschena schon geerntet, als ihnen am Sonntag gegen 15:45 Uhr Polizisten einen Strich durch die Rechnung machten. Auch diese Verdächtigen müssen mit Ermittlungsverfahren wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz rechnen, so der Polizeisprecher.

Delikatesse und Geldquelle

Meldungen dieser Art sind alles andere als neu: Vor drei Jahren kam der Stadtordnungsdienst nach einem Bürgerhinweis auf Trab und konfiszierte im Forstgebiet „Wilder Mann“ ganze 40 prall mit Bärlauch gefüllte Säcke, deren zeitnaher Abtransport durch Unbekannte damals vermutlich schon geplant war.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass gerade die Bärlauchwurzel oft als Delikatesse gehandelt wird, mit der unter Umständen auch ordentlich Geld verdient werden kann. So schilderte es SPIEGEL TV bereits vor knapp einem Jahr in einem Beitrag, für den Kräfte der Leipziger Polizei begleitet worden waren.

Seit dem Altertum als Snack und Heilpflanze geschätzt

Bärlauch, in der Fachwelt unter dem Namen Allium ursinum bekannt, treibt jedes Jahr etwa von März bis Mai aus, manchmal aber auch schon früher. Die Blätter der Wildpflanze, die sich im feuchten Boden eines schattigen Laub- und Mischwald besonders wohlfühlt, weisen einen markanten Knoblauchgeruch auf, dem sich zur Hochzeit keine Nase im Wald entziehen kann.

Schon in der Antike war Allium ursinum vermutlich als kulinarische Spezialität und in der Heilkunde bekannt.

Und auch heute sind die Blätter des Bärlauchs in unserem Breitengrad ein beliebter Teil der Frühlingsküche, aus dem etwa eine Salatzugabe, ein Brotaufstrich, eine Suppe oder ein Pesto gezaubert werden können. Nicht zuletzt werden Allium ursinum auch gesundheitlich viele Wirkungen nachgesagt.

Eigenbedarf: Blätterpflücken ohne Genehmigung ist in kleiner Menge erlaubt

Von der Gesetzeslage her gilt die pragmatische Handstraußregelung: Das Pflücken von Blättern in handstraußgroßer Menge für den reinen Eigenbedarf ist grundsätzlich ohne Weiteres gestattet. Wer größere Mengen erntet bzw. eine gewerbliche Nutzung der Ausbeute plant, braucht dafür Genehmigungen.

Zu beachten ist außerdem, dass auch die Eigenbedarfs-Entnahme nur außerhalb von Naturschutzgebieten und Flächennaturdenkmälern erlaubt ist. Andernfalls kann es teuer werden.

Vorsicht vor Verwechslungen!

Ein tödliches Ende, wie leider auch schon passiert, droht dann, wenn Bärlauch mit Aronstab, Maiglöckchen und Herbstzeitlosen verwechselt wird. Es gilt, sich als Sammler vorab kundig zu machen und die Blätter genau anzuschauen, um fatale Irrtümer auszuschließen.

Besonders die Geruchsprobe gilt als wichtiger Anhaltspunkt: Die Bärlauch-Blätter entfalten ihren scharfen Knoblauchduft, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt.

Weitere Informationen zum Thema Bärlauch auf der Website der Stadt Leipzig.

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