Ein schon einmal angesetzter, dann aber geplatzter Prozess wird seit Freitag, dem 27. Februar, am Leipziger Landgericht geführt – weitgehend hinter verschlossener Tür: Zwei junge Männer im Alter von 23 und 24 Jahren sollen vor fast drei Jahren mit einem weiteren Mann einen Raubüberfall in der Nordstraße versucht haben. Doch das ausersehene Opfer wehrte sich den Ermittlungen nach derart heftig, dass der mutmaßliche Komplize des Duos schwer verletzt wurde und den an Folgen verstarb.

Diese Tat sorgte 2023 für Schlagzeilen: Drei junge Männer sollen sich verabredet haben, einen 18-Jährigen in dessen eigener Wohnung in der Nordstraße zu überfallen, um an Bargeld zu gelangen. Doch die Rechnung hatte das Trio offenbar ohne das Opfer gemacht, genauer: Man rechnete nicht mit seiner heftigen Gegenwehr. Nun ist ein Mensch tot, zwei weitere stehen seit diesem Freitag vor dem Leipziger Landgericht. Die Anklage wirft den 23- und 24-Jährigen versuchten besonders schweren Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor.

Mutmaßlicher Mittäter verstarb durch schwere Verletzungen

Es war am 8. Juli 2023, einem Samstagabend, als das maskierte Trio versucht haben soll, in die Wohnung des Geschädigten vorzudringen. Doch entgegen dem Kalkül habe sich der damals 18-Jährige weder davon noch durch die Schreckschusswaffen der Eindringlinge einschüchtern lassen: Mit Pfefferspray und einem Messer soll er sich vehement gegen die Täter verteidigt haben, die laut Anklage auch Werkzeuge als Schlagwaffen nutzten.

Das Ende der brutalen Auseinandersetzung: Der Trupp trat nach Aktenkenntnis ohne die erhoffte Ausbeute die Flucht an, wobei einer von ihnen, ein 20 Jahre alter Mann, im Rahmen der Konfrontation Stichverletzungen im Oberkörper hatte. Seine Mittäter hätten versucht, diese selbst zu versorgen, und schließlich den Rettungsdienst alarmiert. Doch für den Betroffenen kam jede Hilfe zu spät, er verstarb in der Klinik.

Ermittlungen gegen das Überfallopfer, das selbst Kopfwunden und Hämatome erlitten hatte, wurden eingestellt: Die Behörden sahen sein Handeln als Notwehr und damit gerechtfertigt an.

Prozesstermine bis März angesetzt

Mit dieser traurigen und schweren Last wurde nun am Freitag der Prozess gegen die Überlebenden eröffnet, der bereits im Herbst 2025 hätte starten sollen, aber dann damals kurzfristig ausfiel. Unter Verweis unter anderem auf erhebliche Beeinträchtigungen der 23 und 24 Jahre alten Angeklagten schloss die Kammer die Öffentlichkeit am Freitag weitgehend von der Verhandlung aus.

Damit ist nicht klar, ob und inwieweit die jungen Männer sich zu den schweren Vorwürfen äußern. Bekannt ist zumindest, dass eine Vorbeziehung zwischen ihnen und dem Überfallenen bestanden haben und es um Drogengeschäfte gegangen sein soll. Letzteres ist bislang aber nicht ausdrücklich bestätigt worden. Beide Tatverdächtige stammen aus bürgerlichem Haus, einer ist Sohn eines hochrangigen Juristen.

Für den Prozess, der erst zur Urteilsverkündung wieder öffentlich stattfinden soll, sind Verhandlungstermine bis weit in den März anberaumt.

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