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Lobby für Impfgegner: Passage-Kinos Leipzig wollen „Vaxxed“ zeigen

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    Mit dem „March for Science“ wollten die Organisatoren am 22. April 2017 in 600 Städten weltweit ein Statement setzen: für Fakten und wissenschaftliche Erkenntnis, gegen Fake News und Verschwörungstheorien. Beim Ableger in Leipzig waren der jüngste Masernausbruch und Impfungen ein großes Thema. Offenbar aus gutem Grund: Die Passage-Kinos wollen Ende Mai den umstrittenen Impfgegnerfilm „Vaxxed“ zeigen. Diese Entscheidung stößt auf Kritik.

    „Wir sind erschüttert“ ist seit Freitagmittag auf dem Twitteraccount des Leipziger „March for Science“-Ablegers zu lesen. Grund für die Aufregung ist die Entscheidung der Passage-Kinos, den umstrittenen Impfgegnerfilm „Vaxxed“ ins Programm zu nehmen. Die deutschsprachige Wikipediaseite bezeichnet das Werk als „Propaganda“.

    Der Film des prominenten britischen Impfgegners Andrew Wakefield erneuert die Behauptung, dass es einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gebe und diese Erkenntnis von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde unterdrückt werde. Bereits vor knapp 20 Jahren veröffentlichte eine Team um Wakefield diese Behauptung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. In Großbritannien brach danach die Impfquote dramatisch ein.

    Die folgenden Jahre brachten keine Bestätigung der These. Dafür jedoch wurden immer mehr Widersprüche laut: Andere Wissenschaftler widerlegten einen solchen Zusammenhang, Autoren des Berichts distanzierten sich nachträglich von den eigenen Behauptungen und Journalisten legten offen, dass Wakefield nicht nur Patente an einem Konkurrenzprodukt zu dem kritisierten Impfstoff besaß, sondern auch Geld erhalten hatte – von Anwälten, die Eltern autistischer Kinder vertraten.

    2010 zog die Zeitschrift die Veröffentlichung zurück. Wakefield wurde im selben Jahr aufgrund des Vorfalls mit einem Berufsverbot belegt, die Approbation wurde ihm entzogen.

    Mittlerweile versucht der ehemalige Arzt seine angeblichen Erkenntnisse mit dem Film „Vaxxed“ weiterzuverbreiten. Dieser sollte 2016 auf einem renommierten Festival in den USA uraufgeführt werden – nach Protesten nahm die Leitung den Film jedoch wieder aus dem Programm. Auch in Deutschland überlegten es sich mehrere Kinobetreiber nach teils heftigen Reaktionen anders. In Hannover beispielsweise waren angeblich sogar Kinomitarbeiter persönlich bedroht worden.

    Seit einigen Tagen sind auch die Leipziger Passage-Kinos mit Kritik konfrontiert. Sie wollen den Film Ende des Monats zeigen. Auf Facebook fragt eine empörte Nutzerin deshalb: „Ist Ihnen klar, dass Sie Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker gießen, indem Sie deren unhaltbaren Thesen ein Podium bieten?“ Andere verweisen darauf, dass solche Filme für aktuelle Masernwellen mitverantwortlich seien: „Leipzig hat aufgrund solcher Aluhut-Propaganda bereits ein krasses Masernproblem: Eine potentiell tödliche Krankheit, die eigentlich längst ausgerottet sein könnte, hat allein dieses Jahr schon wieder über 50 Kinder erwischt und gefährdet alte Menschen und andere Risikogruppen.“

    Auf Facebook begründet das Kino die Vorführung des Films mit „vermehrten Anfragen von Leipziger Bürgern“. Im Anschluss soll es eine Podiumsdiskussion geben: „Teilnehmer werden sowohl Experten sein, welche die dargelegte Sichtweise äußerst kritisch betrachten, als auch Befürworter der These Wakefields.“ Ein Kommentator regte daraufhin sarkastisch an, demnächst auch über „Chemtrails und Reptiloiden“ zu diskutieren.

    Auf der Homepage der Passage-Kinos finden sich keinerlei Hintergründe zur Kontroverse um Film und Filmemacher. Stattdessen wurde die offizielle Inhaltsangabe kopiert. Darin ist von einer „aufrüttelnden Dokumentation“ die Rede. Das Kino selbst ordnet den Film ebenfalls in diesem Genre ein. Laut Wikipedia ist der Dokumentarfilm „eine nichtfiktionale Filmgattung, die bestrebt ist, tatsächliches Geschehen oder Aspekte dessen möglichst genau abzubilden“.

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