Meinungsfreiheit

Buchmesse eröffnet mit Protest gegen rechte Verlage + Audios

Für alle LeserViel wurde im Vorfeld über die Buchmesse und die Präsenz rechter Verlage diskutiert. Von linksradikalen Organisationen bis hin zur Messeleitung herrscht weitgehend Einigkeit, dass diskriminierende Inhalte nicht erwünscht sind. Über den richtigen Umgang mit der Situation war und ist man jedoch geteilter Meinung. Den Auftakt bildete am Mittwochabend eine Kundgebung des Bündnisses „Verlage gegen Rechts“. Zudem protestierte eine kleine Gruppe mit einem Banner vor dem Einlass zur offiziellen Eröffnung.

Die Leipziger Buchmesse ist eröffnet – und wurde begleitet von einer schon länger geplanten Kundgebung und einer überraschenden Protestaktion. Zunächst versammelten sich am Mittwochabend etwa 300 Menschen auf dem Augustusplatz. Das Bündnis „Verlage gegen Rechts“ hatte zu der Kundgebung unter dem Motto „Meinungsfreiheit nutzen, Rechten widersprechen!“ aufgerufen.

Im ersten Redebeitrag widmeten sich zwei Autorinnen den sexuellen Übergriffen gegen Frauen und der „Me Too“-Bewegung, die dafür gesorgt habe, dass Opfern mehr zugehört werde und Täter häufiger zur Rechenschaft gezogen würden. Zugleich warnten sie vor einer rassistischen Vereinnahmung, wenn argumentiert werde, dass deutsche Frauen vor allem vor ausländischen Männern beschützt werden müssten.

René Arnsburg vom „Manifest“-Verlag äußerte anschließend, dass „die Ideen der Rechten in alle Bevölkerungskreise“ vorgedrungen seien. Die von Alexander Dobrindt angestrebte „Konservative Revolution“ oder das seit heute von Horst Seehofer geführte Heimatministerium seien Beleg dafür, dass Rechte „im Mainstream“ angekommen sind. Aber auch die Politik der anderen Parteien, die für Abschiebungen, Waffenexporte und Armut verantwortlich sei, müsse kritisiert werden.

Zu Wort kamen auch die Autorin Sophie Sumburane, die nach der Bundestagswahl einen persönlichen Text über Alltagsrassismus veröffentlicht hatte, die Linke-Stadträtin Juliane Nagel, die über den gescheiterten Verbotsantrag ihrer Fraktion sprach, und ein Mitglied der „Interventionistischen Linken“, das sich mit dem Mezopotamien-Verlag solidarisierte. In der vergangenen Woche hatte die Polizei dessen Räumlichkeiten durchsucht und zahlreiche Bücher beschlagnahmt. Die Behörden werfen dem Verlag vor, die in Deutschland verbotene PKK zu unterstützen.

Protest gegen die Buchmesse. Foto: René Loch

Protest gegen die Buchmesse direkt vor dem Gewandhaus. Foto: René Loch

Eine spontane Protestaktion gab es während der Kundgebung am Eingang des Gewandhauses, in dem etwas später die offizielle Eröffnung der Buchmesse stattfand. Mitglieder der Gruppe „The Future is unwritten“ protestierten mit einem Banner gegen die Entscheidung der Messe, auch rechte Verlage zuzulassen. Die Polizei schob die Gruppe innerhalb einer Minute zur Kundgebung von „Verlage gegen Rechts“.

Am Rande der Demonstration gab Bundestagsabgeordneter Sören Pellmann (Die Linke) seiner Hoffnung Ausdruck, dass es in den nächsten vier Tagen zu friedlichen Debatten kommen werde und betonte die Notwendigkeit des Widerspruchs gegen die rechten Verlage auf der Leipziger Buchmesse. „Ich werde mich selbst auch an den friedlichen Protesten auf der Messe beteiligen“, so Pellmann.

Die Buchmesse ist von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Veranstaltungen rechter Verlage wie Compact, dem NPD-Verlag „Deutsche Stimme“ und Antaios sowie den möglichen Protesten dagegen. Auf der Frankfurter Buchmesse war es vor einem halben Jahr zu heftigen Tumulten gekommen. Eine Veranstaltung des Antaios-Verlags wurde vorzeitig beendet. Die „Verlage gegen Rechts“ wollen in Leipzig vor allem mit eigenen Inhalten punkten und veranstalten unter anderem Diskussionen zu Rassismus, Feminismus und Meinungsfreiheit.

Audios einzelner Ansprachen vom 14. März zum Nachhören

Einleitung „Verlage gegen Rechts“ & Rede René Arnsburg vom „Manifest“-Verlag

Rede von Autorin Sophie Sumburane

Rede von Juliane Nagel (MdL, Die Linke)

Rede von „Prisma Leipzig“-Vertreterin

Buchmesse-Eröffnung im Gewandhaus: Über Anders Breivik, einen nachdenklichen Ministerpräsidenten und den demokratischen Diskurs mit Rechtsextremen + Video

* Audio *BuchmesseRassismusDemo
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