Klima retten – Kohle stoppen!

Gastkommentar von Christian Wolff zum Klimacamp in Pödelwitz

Für alle LeserIn diesen Tagen muss man niemanden mehr überzeugen: Der Klimawandel ist kein apokalyptisches Drohszenario einiger Umweltfreaks. Der Klimawandel ist längst Realität – und er ist Folge eines Raubbaus an der Natur, an der jeder einzelne Mensch aktiv beteiligt ist. Darum geht es nicht um Schuldzuweisung an andere. Vielmehr müssen wir gemeinsam umsteuern. Das ist eine Aufgabe, zu der jede/r etwas beitragen kann: eine selbstkritische Überprüfung der eigenen Lebensweise und konkrete Veränderungen.

Jedoch ist das nur ein Teil. Der andere besteht darin, auf der politischen Ebene die Entscheidungen herbeizuführen, auf die niemand mehr lange warten kann. Dazu gehört neben vielen anderen Schritten der Ausstieg aus der Kohleförderung. Im hiesigen Raum geht es vor allem um die Braunkohle. Sie ist eine in der Förderung und im Verbrauch äußerst umweltschädigende Energiequelle, dazu noch sehr, sehr teuer.

In einer neuen Studie des „Forum ökologische-soziale Marktwirtschaft (FÖS)“ heißt es: „Einerseits profitiert Braunkohlestrom in nicht unerheblichem Ausmaß von unterschiedlichen staatlichen Förderungen. Andererseits gehört die Braunkohleverstromung zu den teuersten Formen der Stromerzeugung, da sie umfangreiche Umwelt- und Gesundheitskosten verursacht. Diese Kosten tauchen aber bei einer betriebswirtschaftlichen Betrachtung nicht auf.“ (http://www.foes.de/pdf/2018-06-25-GPE-Studie-Braunkohle.pdf#).

Nach dieser Studie müsste eine Kilowattstunde Strom ca. 22-23 Cent kosten (derzeitiger Strombörsenpreis 2,9 Cent). Jedoch: die Verpreisung der Umweltschäden ist das eine. Das andere ist noch wichtiger: die Schäden zu vermeiden, indem der Ausstieg aus der Kohle vollzogen wird. Nun weiß jeder, dass dies nicht von heute auf morgen geht. Allerdings ist es ein großer politischer Unterschied, ob der Ausstieg oder das Weiter so als politische Leitlinie gewählt wird.

Die sächsische Landesregierung, insbesondere Ministerpräsident Michael Ketschmer (CDU), hat sich für das „Weiter so“ entschieden und den Braunkohleabbau bis 2040 verkündet – natürlich „alternativlos“.

Damit bedient er vor allem die wirtschaftlichen Interessen der Konzerne wie MIBRAG. Das ist in jeder Hinsicht eine verheerende Botschaft. Denn sie beinhaltet auch, dass die Landesregierung politisch die Abbaggerung von Ortschaften wie Pödelwitz befürwortet und betreiben wird für eine Energiegewinnung von gestern. Plötzlich spielt für Kretschmer, der in der Migrationsdebatte immer wieder die sächsische Heimat beschwört, „Heimat“ keine Rolle mehr.

Dabei wäre spätestens jetzt der Zeitpunkt, den Ausstieg aus der Braunkohle zum frühest möglichen Zeitpunkt als Ziel der Landespolitik auszurufen und den Strukturwandel in der Region einzuleiten und voranzutreiben. Denn eines darf natürlich nicht geschehen: dass die Folgen der notwendigen Entscheidungen einseitig auf die im Braunkohletagebau beschäftigten Arbeitnehmer/innen abgewälzt werden – so wie man es auch mit den Bewohner/innen in den Abbaugebieten tut und dazu noch die einen gegen die anderen ausspielt.

Das ist eine ziemlich perfide Strategie, die in Deutschland schon einmal in eine Sackgasse geführt hat und elendig gescheitert ist: bei der Atomenergie. Darum noch ein Hinweis für die Gewerkschaften, insbesondere an die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) gerichtet: Vielleicht einmal ins Archiv der IG Metall blicken. Diese rief 1982 zu einer Großkundgebung für die Nutzung der Atomkraft im Gelsenkirchener Parkstadion auf. Hauptredner: Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).

Pikante Begleiterscheinung: Die Arbeitgeber finanzierten damals die Teilnahme der Arbeitnehmer/innen (kein Lohnausfall) und ein Lunchpaket. Also: die milliardenteuren Fehler, die bis zum endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie gemacht wurden, müssen sich nicht unbedingt wiederholen. Darum ist es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger durch ihr Engagement der Forderung des Klimacamps an diesem Wochenende Nachdruck verleihen: Klima retten – Kohle stoppen. Jetzt. Und: Pödelwitz muss bleiben! Einschließlich Kirche!

Die Kirche in Pödelwitz. Foto: Luca Kunze

Die Kirche in Pödelwitz. Foto: Luca Kunze

Klimacamp in Pödelwitz noch bis zum 5. August 2018

Benefizkonzert am Samstag, 4. August 2018 um 17:30 Uhr in der Evangelischen Kirche Pödelwitz

mit Kammersänger Martin Petzold (Tenor) und Martin Hoepfner (Gitarre)

„Verstohlen geht der Mond auf“: Mit dem Singen und Musizieren von faszinierenden, alten deutschen Volksliedern möchten die beiden Musiker Menschen in den Bann der fast vergessenen Lieder ziehen. Zum Programm gehören auch Gitarrensoli und Improvisationen. Darüber hinaus werden unbekannte Märchen vorgestellt.

Umweltgottesdienst am Sonntag, 5. August 2018 um 10:00 Uhr in der Evangelischen Kirche Pödelwitz

gestaltet von Bürgern aus Pödelwitz und Pfarrer i.R. Christian Wolff. Er predigt über die Geschichte von Nabots Weingarten aus 1. Könige 21 – eine höchst aktuelle Erzählung über die Bedeutung der Heimat und die Begehrlichkeiten der Mächtigen.

Leipziger Auftaktdemo zum Klimacamp Pödelwitz: „Kohle stoppen“ + Video

* Kommentar *PödelwitzKohleausstiegKlimacamp
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
Ein Kommentar


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

„Schulabbrecherquote“sinkt, Zahl der Klassenwiederholer steigt – oder umgekehrt
Eine höchst kompetente leere Tafel. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWie löst man ein Problem, für das augenscheinlich die Extra-Lehrer fehlen? Jahrelang hatte ja nicht nur Sachsen eine viel zu hohe „Schulabbrecher“-Quote. Wobei „Schulabbrecher“ ja schon regelrecht eine Beleidigung war für die jungen Leute, die im sächsischen Bildungssystem nur noch wie Rohprodukte verarbeitet werden. Und Leipzig fiel noch mit viel höheren Quoten auf.
2017 gab es so viele Zwillingsgeburten in Sachsen wie seit 1990 nicht
Kassensturz. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDieser Tage staunten Sachsens Statistiker mal wieder. Diesmal über Zwilinge. „In Sachsen wurden 2017 bei 36.349 Geburten 36.980 Kinder geboren, darunter waren 626 Mehrlingsgeburten mit insgesamt 1.257 Mehrlingskindern. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes war damit jedes 29. geborene Kind ein Mehrlingskind“, lautete ihre Meldung.
Sachsen braucht eine neue Grundsicherung, die Menschen nicht entwürdigt
Feierabend in der Arbeitsagentur. Foto: Ralf Julke

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm 14. Dezember debattierte der Sächsische Landtag nicht nur über den Wald, sondern auch über „Armut per Gesetz“. Die Linksfraktion hatte den Prioritätenantrag „Hartz IV abschaffen – sanktionsfreie Grundsicherung einführen!“ (Drucksache 6/15521) gestellt. Immerhin diskutiert ja die SPD mittlerweile über die Abschaffung von „Hartz IV“ und eine ehrlichere Grundsicherung für Arbeitslose. Aber wirklich streitbar zeigten sich nach der Debatte eher Linke und Grüne.
Das zunehmende Unbehagen der wirklich „Kleinen Leute“
Wozu reicht das Geld in diesem Monat noch? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWas wurde gerätselt und orakelt über die „Gelbwesten“ in Frankreich. Sind die nun rechts, links oder was? Gleich sollten sie politisch einvernahmt werden. Und warum rebellieren sie ausgerechnet gegen diesen tollen Reform-Präsidenten Macron? War er nicht ihr Präsident? Einer, der alles anders machen wollte? Zwei schöne Beiträge auf Zeit Online machen deutlicher, worum es eigentlich geht.
Das Alte Leipzig: Mit Alberto Schwarz durch 300 Jahre Leipziger Baugeschichte
Alberto Schwarz: Das Alte Leipzig. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEigentlich ist es kein Postkartenbuch. Obwohl der Titel „Das Alte Leipzig“ an einst beliebte Leipziger Postkarten-Serien erinnert. Die waren deshalb so beliebt, weil sie die längst als „romantisch“ empfundenen Reste mittelalterlicher Bebauung zu einer Zeit festhielten, als Leipzigs Architektur sich in rasendem Tempo modernisierte. Das Ergebnis ist: Von historischen Bauepochen ist in Leipzig fast nichts mehr zu finden. Also macht sich Alberto Schwarz auf die Suche.
Nach Besuch beim Roten Stern Leipzig: „Red Aces“ von RB Leipzig-Verantwortlichen verfolgt
Die „Red Aces" - bei RB Leipzig unterwegs. Foto: Red Aces

Foto: Red Aces

Für alle LeserNoch ist kein Statement der Verantwortlichen von RB Leipzig bekannt, doch die Vorwürfe der RB-Fangruppierung „Red Aces“ stehen vorerst im Raum. Nach einem Solidaritätsbesuch am 9.12.2018 bei einer Partie der Frauenmannschaften von Roter Stern Leipzig und RB Leipzig II, gehen laut „Red Aces“ Fanbeauftragte des Clubs mit Fotos der Beteiligten herum. Von vereinseigener Strafverfolgung ist die Rede und fehlendem Datenschutz bei RB Leipzig. Erste Stadionverbote sollen ausgesprochen worden sein, weshalb rund 120 Personen das Spiel RB Leipzig gehen Mainz 05 (4:1) am 16.12. mit Anpfiff verließen.
Lok-Trainer Björn Joppe: „Ich habe charakterlich eine super Truppe erwischt“ + Video
Der neue Lok-Trainer Björn Joppe hat wieder eine klare Linie für die Mannschaft gefunden. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserEigentlich wollte er nie Cheftrainer im Profibereich werden, nun hat Björn Joppe in den letzten drei Monaten den 1. FC Lok aus dem Keller der Regionalliga ins Mittelfeld geführt. Am vergangenen Samstag besiegte er mit seinem Team den Ortsrivalen BSG Chemie und Lok zog damit ins Landespokal-Halbfinale ein. Mit der LEIPZIGER ZEITUNG sprach Joppe über das Derby, den anstehenden Urlaub und die ersten Monate als Lok-Trainer.
Wegen Foto der getöteten Sophia Lösche: Staatsanwaltschaft Chemnitz darf gegen Höcke ermitteln
Pro Chemnitz und AfD gemeinsam am 1. September 2018 in Chemnitz. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserNach dem Tod der damals 28-jährigen Studentin Sophia Lösche im Sommer dieses Jahres hatten zahlreiche Rechtsradikale den Fall für ihre Zwecke missbraucht. Sie verwiesen darauf, dass sich die junge Frau für Geflüchtete engagiert hatte und damit selbst eine Verantwortung trage. Auf der Pro-Chemnitz/Pegida/AfD-Demonstration am 1. September 2018 in Chemnitz war ihr Foto zu sehen. Danach hatten Familienangehörige unter anderem Anzeige gegen Björn Höcke erstattet. Der Justizausschuss des Thüringer Landtages hat nun Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Chemnitz ermöglicht.
Änderungen im Flüchtlingsaufnahmegesetz beschlossen – mehr Geld für Landkreise und Städte
Albrecht Pallas (MdL, SPD) Foto: Götz Schleser

Albrecht Pallas (MdL, SPD) Foto: Götz Schleser

Für alle LeserDer sächsische Landtag hat am Dienstag, den 11. Dezember, einige Änderungen im Flüchtlingsaufnahmegesetz beschlossen. Die Landkreise und kreisfreien Städte sollen noch in diesem Jahr mehr Geld vom Freistaat Sachsen erhalten. Zudem müssen Asylbewerber mit „geringer Bleibeperspektive“ nun bis zu zwei Jahre in einer Erstaufnahmeeinrichtung bleiben.
Sachsen erreichte im September einen neuen Höchststand bei der Beschäftigung
Beschäftigungsentwicklung in Sachsen. Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Grafik: Freistaat Sachsen, Statistisches Landesamt

Für alle LeserUm rund 24.000 Personen (1,2 Prozent) erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen im dritten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr, meldet das Statistische Landesamt. Damit setzte sich der positive Trend seit Anfang 2016 weiter fort. Während die Zahl der Arbeitnehmer einen deutlichen Anstieg verzeichnete, ging die Zahl der Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen leicht zurück.
Der BUND nach Durchforsten der Nachhaltigkeitsstrategie 2018
Waldweg, noch mit Waldesgrün. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserAm 27. November veröffentlichte die sächsische Staatsregierung ihre neue „Nachhaltigkeitsstrategie 2018“. Die plumpste irgendwie ins Wasser. Eigentlich interessierte sich kein Mensch dafür. Nur beim BUND Sachsen tat man sich das Papierchen an und fand – passend zum heißen Sommer 2018 – viel heiße Luft und keine konkreten Taten.
Wer den Klimawandel ignoriert, wird auch den sächsischen Wald nicht retten
Holzeinschlag im Leipziger Auwald. Foto: Gernot Borriss

Foto: Gernot Borriss

Für alle LeserSchon am 26. November versuchte Agrarminister Schmidt das Desaster in den sächsischen Wäldern in diesem Jahr mit Zahlen auf den Punkt zu bringen. Am 14. Dezember gab es dann eine Landtagsdebatte, in der ihm gehörig der Kopf gewaschen wurde – nicht für seine Waldpolitik, sondern für seine völlig fehlende Klimaschutzpolitik. Denn beides gehört zusammen. So ein Jahr wie 2018 kann sich in Sachsens Wald jederzeit wiederholen.
Man kann nicht das Existenzrecht Israels verteidigen und das eines eigenständigen Palästina vergessen
Die Ratsversammlung im Leipziger Neuen Rathaus. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserSeit November läuft ein Antrag durchs Verfahren im Stadtrat, den gleich drei Fraktionen zusammen eingereicht haben: CDU, SPD und Grüne. Und den man – vom Sinn her – sofort unterschreiben könnte: „Gegen jeden Antisemitismus“. Aber drei Stadträt/-innen meinen: Da fehlt noch was. Und sie haben ebenfalls recht.
ReMembering Leipzig kann seit November besucht werden
Die Karte von ReMembering. Screenshot: L-IZ

Screenshot: L-IZ

Für alle LeserEin ereignisreiches Jahr liegt hinter Jane Wegewitz und Tom Pürschel vom Team „ReMembering Leipzig“: Nach vier Workshops, dem Netzwerktag, der Überarbeitung der Datenbank sowie mit einigem Auf und Ab – unter anderem im Bemühen, ihr Projekt zu finanzieren – verabschiedeten sie sich erst einmal in eine Pause. So schnell kann’s gehen. Aber ihr Projekt steht im Netz. Und es ist wichtig.
Buchmesse antwortet auf Offenen Brief von „Leipzig nimmt Platz“
Götz Kubitschek (Antaios Verlag und „Institut für Staatspolitik“) und Jürgen Elsässer (Compact Magazin) auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Luca Henze

Foto: Luca Henze

Für alle LeserIn den vergangenen Jahren hatten die Auseinandersetzungen mit den rechten Verlagen einen großen Teil der Berichterstattung über die Leipziger Buchmesse dominiert: Es gab Protest vor Ort, auf einer Kundgebung und sogar im Stadtrat, wo die Linksfraktion auf ein Verbot der Teilnahme der Verlage abzielte. Im Vorfeld der Buchmesse 2019 geht nun das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ in die Offensive und fordert einen eigenen Stand für antirassistische Initiativen und Verlage. Das Problem aus Sicht der Aktivisten: Die Buchmesse verlangt dafür die üblichen Standgebühren.