Sie sind unscheinbar – und doch für viele von großer Bedeutung: zwei Sperrungen beschäftigen uns heute groß im eigentlich Kleinen. Zwei Ausstellungen lenken unsere Blicke auf sich: die eine, weil sie neu ist, die andere, weil die Künstlerin selbst durch ihr beeindruckendes Werk führt. Und Widerstand regt sich gegen die Nutzung der Alten Handelsbörse durch die AfD.
Protest gegen Rechtsextremisten
Die AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag plant für heute Abend die Fortsetzung einer Veranstaltungsreihe in der Alten Handelsbörse am Leipziger Naschmarkt. Als Teilnehmer sind der Leipziger AfD-Landtagsabgeordnete Holger Hentschel sowie der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion Sachsen, Jörg Urban, angekündigt.
Das Stadtgeschichtliche Museum äußerte sich, dass es zwar Betreiber des Gebäudes sei, aufgrund der kommunalen Widmungssatzung jedoch keine Möglichkeit habe, entsprechende Veranstaltungen abzulehnen.
Als Widerstand gegenüber der Zusammenkunft rufen u. a. die „Omas gegen Rechts“ zu einer Sonder-Mahnwache auf und laden ein, sich um 17 Uhr auf dem Naschmarkt zu versammeln.
Die Alte Handelsbörse zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Leipzigs und entstand auf Initiative der Kaufmannschaft. Die Errichtung beschloss der Stadtrat am 6. Mai 1678. Vorausgegangen war der Vorstoß von 30 Großkaufleuten, die auf Missstände aufmerksam machten, über die bereits die Leipzigische Chronik von Johann Jakob Vogel berichtet.
Anlass war die Kritik italienischer und flandrischer Kaufleute an den damaligen Handelsbedingungen in Leipzig. Während der Messe war 1666 auf dem Marktplatz lediglich ein hölzerner Stand errichtet worden, „unter welchem die Handels-Leute im Trocknen stehen.“ Viele Fernhandelskaufleute kannten aus anderen Städten repräsentative Börsengebäude. Vor diesem Hintergrund wuchs bei den Leipziger Kaufleuten die Unzufriedenheit über die eigenen Verhältnisse, sodass sie schließlich den Bau einer Handelsbörse vorantrieben.
Die Gewölbe im Erdgeschoss wurden an Kaufleute vermietet, der eigens für Börsenversammlungen geschaffene Saal im Obergeschoss außerhalb der Messezeiten für Auktionen genutzt. Nach 1887 tagten dort zudem die Stadtverordneten. Schwere Schäden erlitt die Alte Handelsbörse im Zweiten Weltkrieg. Das Gebäude brannte aus.
Nach der Zerstörung im Jahr 1943 wurde das Bauwerk zunächst durch ein Notdach gesichert. Der Wiederaufbau begann 1955, wurde 1962 abgeschlossen. Seither dient der ehemalige Börsensaal überwiegend als Veranstaltungsort für Lesungen, Konzerte und Tagungen.
Zum heutigen Tagesmieter des Gebäudes heißt es im 2025 veröffentlichten Jahresbericht des Landesamtes für Verfassungsschutz: „Wesentliche politische Ziele des Landesverbandes sind mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Mit Beschluss vom 15. Juli 2024 (Az. 6 L 20/24), bestätigt durch Beschluss des SächsOVG vom 21. Januar 2025 (3 B 127/24), lehnte das Verwaltungsgericht Dresden den Eilantrag des AFD-LANDESVERBANDES SACHSEN gegen seine Einstufung als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ab.“

Klein, aber fein
Weil sie mit den Jahren marode wurde, muss die Brücke über den Bogensee im Grünen Bogen Paunsdorf repariert werden. Sie verbindet eine Kleingartenanlage mit dem Neubauviertel Heiterblick in Paunsdorf. Die Arbeiten kosten rund 15.000 Euro und sollen Mitte September abgeschlossen sein. In dieser Zeit bleibt sie komplett gesperrt.
Für die Laubenpieper bedeutet dies, Umwege zu absolvieren. Doch beim Plausch am Zaun gesteht eine Kleingärtnerin gegenüber LZ: „Der Umweg führt durch unseren Grünen Bogen, einen wunderschönen stillen Park. Und gemacht werden muss die Brücke nun mal, wir wollen uns schließlich nicht die Knochen brechen.“
Dieser Grüne Bogen ist eine insgesamt 120 Hektar große Fläche und damit das größte Freiraumentwicklungsprojekt im Nordosten Leipzigs. Als Bestandteil des gesamtstädtischen Grünflächensystems kommt diesem Landschaftsraum eine besondere Bedeutung für die Verbesserung des Wohnumfeldes von rund 17.000 Einwohnern zu. Auf landwirtschaftlichen und militärischen Brachflächen rund um die Plattenbausiedlung „Heiterblick“ entstanden Spielplätze, Erholungsräume und Wanderwege in Verbindung mit stadtnahen Naturschutzstrategien.
Für das Projekt gab es mehrfach Auszeichnungen: Neben der Nominierung für den „International Urban Landscape Award“ im Jahr 2007 erhielt der Grüne Bogen Paunsdorf im selben Jahr den „Leipziger Architekturpreis“. Hinzu kam der Sonderpreis „Natur in der Stadt“ im Wettbewerb „Bundeshauptstadt der Biodiversität 2011“.

Zum Glück gibts Lotto
Eine weitere Sperrung betrifft einen auf den ersten Blick ebenfalls nur kleinen Weg. Doch „Am Güterring“ ist trotz seiner geringen Größe eine der wichtigsten Verbindungen (und Abkürzungen) zwischen den Stadtteilen Anger-Crottendorf und Reudnitz-Thonberg.
Dort gibt es heute wegen des Aufstellens eines Kranes kein gutes Durchkommen. Da die Straße direkt an der Zentrale von Sachsen-Lotto endet, haben alle, die diese „Schlippe“ zu schätzen wissen, Glück. Die Sperrung bezieht sich nur auf den heutigen Tag.
Alle Crottendorfer, die eine Gartenparzelle in der Oststraße haben, müssen die Pommernstraße nutzen, um in ihre Parzellen zu gelangen. Nach derzeitiger Wetterlage braucht heute zumindest nicht gegossen zu werden.
Stadt zeigt Bilder der Staudamm-Katastrophe von Kachowka
2:54 Uhr am Morgen des 6. Juni verzeichnen Seismologen eine erdbebenartige Bewegung mit einer Stärke zwischen 1 und 2 auf der Richterskala. Gemessen von einer Station in der rumänischen Bukowina, geografisch dem Kachowkaer Stausee am Unterlauf des Dnepr zugeordnet.
Ab heute zeigt das Stadtbüro am Burgplatz eine Ausstellung über die Folgen der Zerstörung des ukrainischen Kachowka-Staudamms im Juni 2023. Anlass ist der Unabhängigkeitstag der Ukraine. Organisiert wird die Präsentation von Leipzig helps Ukraine e. V. und beleuchtet die ökologischen sowie humanitären Auswirkungen der Katastrophe und dokumentiert deren langfristige Konsequenzen anhand von Fotografien von Oleksandr Dschantimirov (geb. 1978, Donezk), begleitenden Texten und weiteren visuellen Materialien.
Durch den Bruch der Wehranlage wurden großflächige Überschwemmungen in den flussabwärts gelegenen Gebieten ausgelöst. Zum Zeitpunkt der Zerstörung befanden sich sowohl die Stauanlage als auch das linke Flussufer unter russischer Kontrolle. Der Stausee, der regulär 18,2 Milliarden Kubikmeter Wasser fasste, lag damals nahe seinem historischen Höchststand und damit 80 Zentimeter über dem normalen maximalen Pegel von 16 Metern.
Mindestens 52 Menschen kamen infolge des verursachten Hochwassers ums Leben. Die Sprengung verursachte eine gewaltige Flutwelle, die zahlreiche Dörfer und Städte überschwemmte, der Stausee lief völlig leer.
Russland und die Ukraine machten sich gegenseitig für die Explosion verantwortlich, die den Dammbruch und die anschließenden Überflutungen auslöste. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Darüber hinaus hatte die Katastrophe schwerwiegende Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft sowie die Versorgung des Atomkraftwerks Saporischschja.
Die Ausstellung ist bis zum 11. September im Stadtbüro am Burgplatz (Zugang über die Markgrafenstraße 3) zu sehen. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist das Stadtbüro dienstags bis donnerstags von 13 bis 18 Uhr sowie freitags von 13 bis 15 Uhr.

Fotografin führt persönlich durch Ausstellung
Es ist ein einzigartiger Fundus zur Geschichte jüdischen Lebens in den frühen 1990er Jahren. 35.000 Fotografien umfasst die Sammlung von Arbeiten der Leipziger Fotografin Silvia Hauptmann. Bis zum 22. September gewährt das Stadtarchiv Einblicke in diesen Fotoschatz und zeigt mit „Aufbruch und Tradition – 30 Jahre Jüdisches Leben der Gegenwart in Sachsen“ eine Auswahl der Bilder.
Heute führt die Fotografin selbst durch die Ausstellung, gibt Einblicke in ihr Werk und steht für Fragen zu ihrem Projekt zur Verfügung. Silvia Hauptmann zeichnet die Entwicklungen der jüdischen Gemeinden in Leipzig, Dresden und Chemnitz nach dem Mauerfall nach.
Die Führung beginnt um 16 Uhr und dauert eine Stunde. Der Eintritt zur Führung ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das Stadtarchiv befindet sich auf dem Gelände der Alten Messe im einstigen „Sowjetischen Pavillon“.
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