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Blühende Kleinstlandschaften: Auf den Baumscheiben an Leipzigs Straßen sollen künftig noch mehr Pflanzen wachsen

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    Sie sind kleiner als jeder Kleingarten, aber so zahlreich, dass sie einen erheblichen Einfluss auf die Natur und das Leben zwischen Beton und Asphalt haben: Fast 20.000 Baumscheiben gibt es an den Straßen und Gehwegen Leipzigs. Die meisten davon sind kahle Flächen rund um Straßenbäume, doch auf immer mehr Baumscheiben pflanzen Bürger/-innen Stauden, Kräuter und Blumen an. Diese kleinen Grünflächen sollen in Zukunft besser geschützt werden – und noch mehr davon sollen erblühen.

    Schutz statt Kahlschlag

    Etwa 200 Baumbeete sind laut Lisa Fraszewski, Sprecherin des Umweltvereins „Ökolöwe“, innerhalb der letzten zwei Jahre im Rahmen des Projekts „Leipzig blüht auf“ bepflanzt worden. „Wer durch Leipzigs Straßen flaniert, sieht, dass es viele weitere Bürger/-innen gibt, die den kahlen Platz rund um die Straßenbäume zum Blühen bringen“, sagt Fraszewski.Das Engagement finde Anklang, doch die Blühpat/-innen berichten immer wieder auch von Problemen: Hundekot und -urin verschmutzen das Beet, Mülltonnen und Fahrräder werden darauf abgestellt. Etwa jede/-r Fünfte von ihnen hat laut Fraszewski außerdem erlebt, dass die Bepflanzung durch die Stadtreinigung entfernt worden ist.

    Zumindest letzteres soll in Zukunft verhindert werden: Im Oktober hat der Stadtrat beschlossen, dass bei der Reinigung der Baumscheiben nicht mehr grundsätzlich sämtliche Pflanzen entfernt werden sollen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um angelegte Beete oder wilde Spontanvegetation handelt. Nur dann, wenn die Verkehrssicherheit durch zu große Pflanzen oder allzu sperrige Insektenhotels gefährdet oder die Natur durch invasive Arten bedroht ist, sollen die städtischen Reinigungs- und Pflegeteams eingreifen.

    Nützliche Mini-Biotope

    Obwohl sie so klein sind, können begrünte Baumscheiben Großes bewirken. „Die Bepflanzung der Baumscheiben wirkt sich positiv auf das Bodenleben und damit die Versorgung und Gesundheit der Straßenbäume aus“, erklärt Ökolöwe-Sprecherin Fraszewski, „Sie kühlt den Wurzel- und Stammfußbereich und schützt die Bäume vor mechanischen Einwirkungen.“

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    Die letzte LZ des Jahres 2021, Nr. 97 Titelblatt. Foto: Screen LZ

    Zudem bilden die zahlreichen Grünflächen ein Netzwerk, das Nahrung und Lebensraum für heimische Wildpflanzen und Insekten bietet.

    Grüne und blühende Baumscheiben im direkten Wohnumfeld können obendrein zum Wohlbefinden von Stadtbewohner/-innen beitragen, die Stimmung anheben und Stress abmildern.

    Das haben Forscher/-innen des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und der Technischen Universität Berlin 2016 in einem gemeinsamen Bericht festgestellt.

    Bei einer Untersuchung in Berlin ist zudem gezeigt worden, dass es nicht so sehr darauf ankommt, dass die Baumscheibe einem gepflegten Garten gleicht: Den Teilnehmenden wurden Bilder von städtischen Flächen gezeigt, die sie bewerten sollten. Dabei schnitten grüne Baumscheiben besser ab als kahle – selbst dann, wenn die abgebildeten Flächen wild überwuchert waren.

    Wildwuchs nach Regelwerk

    Beim Ökolöwen begrüßt man den Beschluss des Stadtrats, die Pflanzen auf Baumscheiben künftig wachsen zu lassen. Das Projekt „Leipzig blüht auf“ wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt. „Wir werden weitere einhundert Blühpat/-innen mit einem Pflanzpaket und unserem gärtnerischen Know-How unterstützen“, kündigt Sprecherin Fraszewski an.

    Auf der Website des Projekts können Bürger/-innen sich anmelden und Material dazu finden, was sie beim Gärtnern auf der Baumscheibe beachten müssen. Denn auch wenn Wildwuchs und Kreativität akzeptiert sind, sollten die Flächen laut Fraszewski möglichst mit robusten, heimischen Wildpflanzen ausgestattet werden, die vom Frühjahr bis in den späten Herbst ungefüllte Blüten tragen. In den kalten Monaten müsse man außerdem akzeptieren, dass die Baumscheiben weniger schön sind.

    „Abgeblühtes sollte erst im warmen Frühjahr bodennah abgeschnitten werden“, erklärt Fraszewski, „Auch wenn die alten Blütenstände optisch nicht immer gefallen, sind sie wichtige Überwinterungsquartiere für unsere Stadtinsekten und bieten Vögeln in der kalten Jahreszeit Nahrung.“

    Lesen Sie mehr zu ähnlichen Themen unter www.l-iz.de/tag/biodiversitaet

    „Blühende Kleinstlandschaften: Auf den Baumscheiben an Leipzigs Straßen sollen künftig noch mehr Pflanzen wachsen“ erschien erstmals am 17. Dezember 2021 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 97 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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