Verschiedene linke Gruppen in Leipzig rufen zu Demonstrationen am Internationalen Frauentag beziehungsweise Feministischen Kampftag auf. Sowohl am 8. März selbst als auch am Vorabend sind Aufzüge geplant. Neu ist in diesem Jahr ein Aufruf zum „Globalen Frauenstreik“ am 9. März. Vorbild ist unter anderem der „Frauen-Ruhetag“ in Island vor mehr als 50 Jahren.

Den Auftakt bildet am Samstag eine autonome, antifaschistische Vorabendkundgebung am Südplatz. Diese richtet sich gegen „Sexismus, Queer- und Frauenfeindlichkeit und den Staat“ und ist offen für alle, die „unsere Anliegen erkämpfen, verteidigen und supporten wollen“.

Die anonymen Organisator*innen wünschen sich in ihrem Aufruf einen „sensiblen Umgang mit linken und feministischen Streitthemen“. Damit dürfte beispielsweise die Haltung zu Sexarbeit und Außenpolitik gemeint sein, die immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen unter Linken und Feminist*innen führt. Partei-, Organisations- und Nationalfahnen sind nicht erwünscht. Start ist um 20 Uhr.

Ebenfalls am Südplatz soll bereits um 19 Uhr eine „Take Back the Night“-Demo starten, zu der der linke Studierendenverband SDS aufruft. Männer, die sich mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren, sollen nicht daran teilnehmen.

Tausende bei großer Demo erwartet

Die wahrscheinlich größte Demonstration am Wochenende beginnt am Sonntag um 14:30 Uhr auf dem Augustusplatz. Laut Ordnungsamt erwarten die Veranstalter*innen rund 3.000 Menschen. Unter dem Motto „Kein Schritt zurück – Die Zeit zu kämpfen ist jetzt!“ ruft das Bündnis „8. März ist immer“ zur Teilnahme auf.

Zu dem Bündnis gehören unter anderem Gewerkschaften, Parteigliederungen, das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ und Vereine wie „Frauenkultur“, „Bellis Leipzig“, „Say It Loud“, „Frauen für Frauen“ und die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft.

Das Bündnis kämpft nach eigenen Angaben „für eine Welt, in der patriarchale Gewalt, Sexismus, Rassismus und alle anderen Formen der Diskriminierung keinen Platz mehr haben“. National- und Territorialflaggen sind auch hier unerwünscht. Die Demonstration soll ungefähr vier Stunden dauern und um 18:30 Uhr am Connewitzer Kreuz enden.

Keine Demo vom Bündnis 8. März

Im vergangenen Jahr hatte ein anderes „8. März“-Bündnis eine große Demonstration veranstaltet, an der auch pro-palästinensische Gruppen wie „Handala“ beteiligt waren. In diesem Jahr wird es eine solche Demonstration nicht geben, weil das Bündnis nach eigenen Angaben zu wenig Leute hat, um etwas zu organisieren.

Es ruft stattdessen dazu auf, am 8. März von 12 bis 17 Uhr im Rabet zu einem Treffen zu kommen, das unter anderem von der „Migrantifa“ organisiert wird. Es richtet sich in erster Linie an Migrant*innen, weil deren Kämpfe andere seien als jene von weißen Feminist*innen. Trotzdem seien alle willkommen, die sich mit diesen Kämpfen verbunden fühlen.

Eine – im Vergleich zum vergangenen Jahr – vermutlich deutlich kleinere Demonstration aus dem antiimperialistischen, pro-palästinensischen Lager wird es dennoch geben. Diese startet 17 Uhr unter dem Motto „Frauen, Leben, Freiheit – Frauenrevolution erkämpfen“ am Alexis-Schumann-Platz. Rund vier Stunden später soll die Demonstration auf dem Augustusplatz enden.

Programm in Grünau

Wer sich am 8. März nicht an einer Demonstration beteiligen, aber trotzdem an einer thematisch passenden Veranstaltung teilnehmen möchte, kann die „Völkerfreundschaft“ in Grünau besuchen. Dort gibt es ab 11 Uhr ein Programm mit Brunch, Konzert, Kurzfilmen, Schminken, Talentshow und weiteren Aktionen. Mit einem gemeinsamen Fastenbrechen ab 17:30 Uhr endet der Tag.

Die Organisator*innen möchten mit dem Programm „die Vielfalt von Lebenswegen, Stimmen und Erfahrungen im Stadtteil sichtbar machen“. Es handelt sich dabei um ein gemeinsames Projekt von Quartiersmanagement, Caritas, Volkshochschule, Frauenchor, Vereinen und weiteren Akteur*innen.

Frauenstreik am Montag

Den Abschluss des langen Frauentag-Wochenendes bildet in diesem Jahr der Montag. Frauen sollen an diesem Tag weltweit in einen Streik treten. Vorbild dafür sind Länder wie Island und Spanien. Dort waren Frauen 1975 beziehungsweise 2018 massenhaft nicht zur Lohn- oder Care-Arbeit erschienen. Letzteres meint unbezahlte Tätigkeiten wie Erziehung und Pflege, die überwiegend von Frauen geleistet wird.

In Island hatten sich Schätzungen zufolge rund 90 Prozent der weiblichen Bevölkerung beteiligt. In Spanien waren mehrere Millionen Frauen auf der Straße. Eine so große Beteiligung ist in Deutschland nicht absehbar. Das hat auch rechtliche Gründe: Streiks aus politischen Gründen sind nach Auffassung vieler Expert*innen verboten. Die „Frauen in Verdi“ beispielsweise rufen deshalb nicht zum Streik auf, aber zu anderen Aktivitäten wie „aktive Mittagspausen“.

Die Initiative „Enough Leipzig“ plant am Montag verschiedene Aktionen. Unter anderem sollen „pinke Banden“ in der Innenstadt unterwegs sein. Dabei sollen kleine Gruppen aus Frauen mit Regenschirmen „Raum einnehmen“, für Irritationen sorgen und Flyer verteilen.

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