Den Frauentag kenne ich natürlich von Kindheit an, schließlich stamme ich aus der DDR. Dort wurde dieser Tag „würdig“ begangen. In den Betrieben gab es Frauentags-Feiern, Frauen wurden ausgezeichnet und prämiert, Betriebs- und Kombinatsdirektoren begaben sich unter das arbeitende weibliche Volk und verbrüderten sich mit den Frauen.

Am 9. März war dann alles wieder beim Alten.

Die meisten der Führungskräfte waren ja männlich und die weiblichen Führungskräfte gaben sich oft noch männlicher.

Auch wir Kinder bekamen natürlich unsere Aufgaben zugeteilt. Im Kindergarten und in der Schule wurden wir auf den Tag eingestimmt, mit „Basteln für Mutti“ und ähnlichen Aktionen sollte der Tag ein Höhepunkt im Familienleben werden. Also früh mal für Mutti das Frühstück machen, ihr die Einkaufstaschen abnehmen und besonders lieb sein. Sogar der Vati beteiligte sich manchmal an der Hausarbeit.

Am 9. März war dann alles wieder beim Alten.

Fast am Vorabend des 8. März 2015 verabschiedete der Bundestag das Gesetz über die Frauenquote, korrekt das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“, welches der damalige Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) als „größten Beitrag zur Gleichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechtes“ bezeichnete.

Manuela Schwesig, die damalige Bundesfrauenministerin, sagte: „…das Gesetz werde nicht nur Veränderungen in den Führungsetagen bewirken, sondern für alle Frauen, die in den Unternehmen und im öffentlichen Dienst arbeiten.“

Ist es für Frauen in börsennotierten Unternehmen besser geworden, durch 30 % Anteil weiblicher Aufsichtsrätinnen? 2021 trat dann schließlich das „Zweite Führungspositionengesetz“ für mehr Frauen in Führungspositionen in Kraft, das war doch schon etwas, oder?

Am 7. März 2026 ist fast alles beim Alten geblieben.

Der Gender Pay Gap, das heißt der Verdienstabstand pro Stunde zwischen Frauen und Männern, betrug 2025 unbereinigt 16 %, bereinigt 6 % und der Gender Gap Arbeitsmarkt sogar 37 %.

Gender Pay Gap 2025, Statistisches Bundesamt. Screenshot: LZ

In den letzten Jahren meines Arbeitslebens arbeitete ich in einer Firma, in der Männer und Frauen gleich gering bezahlt wurden. Wenn Frauen dann die Last der Haushalts- und Care-Arbeit tragen, dann ist die Differenz selbsterklärend.

Jetzt als Rentner ist das nicht anders: Der Gender Pension Gap betrug 2025 ganze 24,2 %, selbstverständlich zuungunsten der Frauen.

Sind wirklich mehr Frauen in Führungspositionen?

Selbstverständlich nicht, die Tagesschau titelte am 3. November 2025 „Zahl der Frauen in Chefetagen stagniert.“ Sie schrieb „Der Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland hat sich seit dem Jahr 2014 kaum verändert. Damals lag er mit 29,0 Prozent nur 0,1 Prozentpunkte niedriger als im vergangenen Jahr, als es 29,1 Prozent waren.“

Damit liegt Deutschland unter dem EU-Durchschnitt und nur fünf EU-Staaten hatten eine geringere Quote.

Frauen in Führungspositionen in der EU, Statistisches Bundesamt. Screenshot: LZ

Bei den Medien sieht es nicht anders aus, die ProQuote-Studie zeigt, dass 2025 wieder weniger Frauen in journalistischen Führungspositionen waren.

Fazit: Der Internationale Frauenkampftag hat seine Berechtigung nicht verloren. Auch wenn das „Frau sein“ nicht eindeutig eine Qualifikation ist, siehe Katherina Reiche als Wirtschaftsministerin oder einst Christine Lamprecht als Verteidigungsministerin. Wir brauchen, abgesehen von der Selbstverständlichkeit der Gleichberechtigung, die Kompetenzen der Frauen in allen Bereichen.

Den Parteien sollte man die Aussage von Clara Zetkin, auch wenn sie für die SPD gemacht wurde, ins Stammbuch schreiben: „In der Theorie sind die Genossinnen schon gleichberechtigt, in der Praxis aber hängt der Philisterzopf den männlichen Genossen noch ebenso im Nacken, wie dem ersten besten Spießbürger.“

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