Mit Ausnahme der AfD hat sich die Ratsversammlung am Mittwoch, dem 25. März, geschlossen für ein Maßnahmenpaket gegen Einsamkeit ausgesprochen. Die AfD stimmte nur einzelnen Punkten zu. Ziel ist es vor allem, in schon bestehenden Programmen einen stärkeren Fokus auf das zunehmende Problem zu richten.
SPD und Grüne hatten die Neufassung eines ursprünglichen SPD-Antrags gemeinsam eingereicht. Abgestimmt wurde aber ein Verwaltungsstandpunkt, den sich die CDU-Fraktion zu eigen gemacht hatte. Dieser enthält neun einzelne Punkte.
Dazu zählt, Einsamkeit im Fachplan „Offene Angebote für Soziale Teilhabe“ verbindlich als Querschnittsaufgabe zu verankern, bei den bestehenden Aktionswochen entsprechende Schwerpunkte zu setzen, auf der Webseite über vorhandene Angebote zu informieren und „Orte für Begegnung“ bei städtebaulichen Planungen gezielt zu berücksichtigen.
Die Hälfte der Menschen in Deutschland zwischen 18 und 35 Jahren leide unter Einsamkeit, so SPD-Stadträtin Pia Heine mit Verweis auf eine Bertelsmann-Umfrage. In der gesamten Bevölkerung sei die Quote nicht viel geringer. Gründe dafür seien vielfältig: Gesundheitsprobleme, Umzug, Arbeitsplatzverlust, Trennung und soziale Ängste sind einige. „Es ist aber kein individuelles Problem“, betont Heine, sondern ein strukturelles, gesamtgesellschaftliches.
Grünen-Stadträtin Katharina Krefft verwies auf Leerstellen in der Verwaltungsarbeit. Im Sozialreport der Stadt käme das Thema Einsamkeit nur einmal zur Sprache – im Zusammenhang mit Hochbetagten. Einsamkeit sei ein Thema, das weltweit zunehmend Aufmerksamkeit erlange. In Deutschland seien vor allem ärmere, weibliche und ostdeutsche Menschen davon betroffen.
Krefft wünscht sich Angebote, die niedrigschwellig sind und auch Menschen zur Verfügung stehen, die ihre Wohnungen nicht verlassen. Klar sei für die Grünen: Bei Kultur, Sport und Sozialem dürfe es keine Kürzungen geben, denn das fördere Einsamkeit.
Sozialbürgermeisterin Martina Münch (SPD) ergänzte, dass man Migrant*innen besonders in den Blick nehmen müsse. Diese seien stark von Einsamkeit betroffen und würden sich von manchen vorgeschlagenen Angeboten vielleicht nicht angesprochen fühlen. Wenn beispielsweise auf Plauder- und Quasselbänken nur Deutsch gesprochen würde, wäre das für manche Migrant*innen kaum hilfreich.
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