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Gesundheitsangestellte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben einen Berg von 3,9 Millionen Stunden unbezahlter Arbeit angehäuft

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    Es hat sich noch lange nicht herumgesprochen, welche Folgen der Privatisierungswahn in Deutschland schon angerichtet hat. Gerade das Gesundheitswesen ist ein Tummelplatz der privaten Anbieter geworden. Doch statt die Kosten zu senken, sind sie im gesamten Gesundheitswesen im Aufwind. Doch das Personal hat davon nichts: Das leidet unter immer rücksichtsloseren Arbeitsbedingungen und kann nicht mal Überstunden abfeiern.

    Das erinnert natürlich nicht zufällig an die Vorgänge im sächsischen Polizeidienst oder im Bildungswesen. Der Irrglaube, man könne sämtliche Reserven aus dem System heraussparen und die Arbeitsabläufe so straffen, als wären gesellschaftliche Dienstleistungen nichts anderes als  Fließbandarbeit mit stereotypen Abläufen, ist längst an seine Grenzen gekommen. Milliardengelder versickern in dubiosen Kanälen. Kommunale und private Krankenhäuser versuchen mit aller Macht, die Personalkosten zu drücken.

    Das Ergebnis ist: Ein zunehmend überlastetes und demotiviertes Personal und ein riesiger Überstundenberg bei Pflegekräften und Beschäftigten in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen,

    Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat in einer bundesweiten Aktion einfach mal die Betroffenen befragt.

    Das Ergebnis: 3,9 Millionen Überstunden schieben die Beschäftigten in Krankenhäusern allein in den Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor sich her  – pro Mitarbeiter/in sind das 32,5 Überstunden, die bis zum Ende des ersten Quartals 2016 nicht durch Freizeit oder Geld ausgeglichen waren.

    Das Problem ist nicht auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschränkt. In ganz Deutschland sind es 35,7 Millionen Überstunden. Auch in den Altenpflegeeinrichtungen ist die Belastung durch Überstunden hoch.

    Das heißt aber logischerweise auch: Die Angestellten stützen das ausgepowerte Gesundheitssystem durch einen riesigen Berg an unbezahlter Arbeit. Ohne ihr zusätzliches Engagement würde das System Krankenhaus nicht mehr funktionieren, schätzt die Gewerkschaft ein. Und geht sogar weiter mit der Vermutung: „Um die Versorgung der Patient/innen und Bewohner/innen zu gewährleisten, werden Überstunden systematisch eingeplant.“

    Allein die zu viel geleistete Arbeitszeit würde 1.900 zusätzliche Stellen rechtfertigen.

    Bernd Becker, Landesbezirksfachbereichsleiter von ver.di dazu: „Die Arbeit ist trotz der vielen Überstunden und der hohen Einsatzbereitschaft der Beschäftigten nicht zu schaffen. Wir brauchen attraktive Arbeitsplätze – und das geht nur mit genug Personal.“

    Bereits im vergangenen Jahr hatte ver.di auf den eklatanten Personalmangel im Gesundheitsbereich aufmerksam gemacht, zuletzt mit einer Petition an den Bundestag, die eine gesetzliche Personalbemessung im Krankenhaus fordert. Im Bereich der Altenpflegeeinrichtungen ist zwar bereits eine Personalbemessung gesetzlich verankert, tritt aber erst 2020 in Kraft. Aus Sicht von ver.di ist das natürlich viel zu spät. Deshalb fordert ver.di auch dort eine sofortige Einführung und konsequente Umsetzung von bundesweiten gesetzlichen Personalmindeststandards.

    „Es reicht nicht, wenn der Gesundheitsminister von der Stärkung der Pflege am Bett redet und der Pflegebeauftragte der Bundesregierung verspricht, die Altenpflege voranzubringen. Sie müssen handeln. Wir brauchen eine gesetzliche Personalbemessung jetzt“, fordert Becker

    Im Rahmen des Internationalen Tages der Pflegenden am Donnerstag, 12. Mai, haben  Beschäftigte von Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen vor ihren Häusern bundesweit ihre Überlastung sichtbar und die von ihnen geleisteten Überstunden öffentlich gemacht. Vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin fand eine Protestaktion von ver.di statt.

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