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Rodig reflektiert: Sächsische Rundschau – Wie geht es weiter im freiesten aller Freistaaten?

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    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im HandelIch möchte in den kommenden Absätzen meiner ureigenen Aufgabe nachkommen. Als Ministerpräsident in spe (außer Dienst) dieses freiesten aller Freistaaten, dieses sogenannten Sachsens, werde ich mich für Sie umsehen und ins Land blicken – damit Sie es nicht tun müssen. Denn ich kann in den braunen Sumpf schauen ohne zu erblinden, kann in die Stollen fahren und unversehrt herauskommen, kann dem sächsischen Volk auf das Maul sehen ohne zur Salzsäule zu erstarren.

    Gesetzt dem Fall, ich wäre da gewesen. Aber ein guter Ministerpräsident, bereits jener in spe, hat seine Spitzel und Erfüllungsgehilfen im ganzen Land verteilt. Darum werde ich, wie der US-Demokrat Joe Biden, meine Zeit bis zur Amtsübernahme weiterhin im Keller verbringen. Corona can mich mal.

    Oder wie der andere US-Demokrat Bernie Sanders sagen wöllte „social distancing bis zum Kommunismus!“. Doch lassen Sie mich berichten, aus den kleinen und den großen Siedeln. Beginnen wir mit Neuigkeiten aus der „Chrystal-Schneise“ (Original Sparlight Express Joke) – Dresden.

    In Dresden wird das Internet abgestellt

    Das barocke Problemkind im Pelz einer Landeshauptstadt entsetzt die empfindsamen Gemüter schon seit vielen Jahrhunderten. Nicht zuletzt die unvollständig durchgeführte Restrukturierung von Bausubstanz Mitte der 1940er Jahre oder die anschließende Erziehungsmaßnahme durch Westfernsehentzug waren nur Ausdruck eines Erschreckens über Dresden.

    Als die Westnazis frohlockend in Wendeglücksrittermanier nach Sachsen kamen, um hier endlich genügend enttäuschte Ostler vorzufinden, um eine nationale Revolution zu starten, mussten sie scheitern. Denn nichts liegt dem Dresdner und seiner Frau näher, als mit dem Arsch auf dem Sessel klebenzubleiben.

    Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 81, Ausgabe Juli 2020. Foto: Screen LZ

    Als doch noch so etwas wie Digitalisierung nach der Wende in diesem öden Elbtal Einzug gehalten hatte, stand erstens vor dem Sessel nun die fette Glotze und saß man darauf zweitens neuerdings mit Handy in der Hand. Nichteinmal mehr die neuen Geschäfte vor ihren Türen, einst noch als „bunte Warenwelt“ verherrlicht, vermögen die Dresdner Bevölkerung hinter ihren Öfen hervorzulocken.

    Und so war es nur folgerichtig, dass Die PARTEI Dresden einen Plan ersonn, dem Elend etwas entgegenzusetzen. Auf Antrag der Stadtbezirksbeirätin Charlotte Brock wurde im Bezirksrat Neustadt beschlossen, statt verkaufsoffene Sonntage einzurichten, doch lieber ab und zu das Internet abzustellen.

    Der Vorschlag mit den Sonntagen kam natürlich von der FDP, einer kleinen, inkompetenten Partei, die (deshalb zu Recht) in Dresden den OBM stellt. Wäre ihr Rechtsaußen Holger Zastrow bei der Sitzung zur Abwechslung mal da gewesen, hätte er die Änderung des Wortlauts von „verkaufsoffene Sonntage einrichten“ zu „Internet abstellen“ vielleicht verhindern können.

    Aber Turbopolitik ist ein flinkes Pferd, und so ward es entschieden. Doch leider wird Dresden vom Eingeborenen Dick Hilbert (FDP) regiert, und der wird diese gute Sache am Ende wieder kippen.

    Per Ministerialerlass würde mein Kabinett natürlich mit eiserner Hand durchregieren und Dresden komplett vom Weltnetz abschneiden. Bis zur vollständigen Regermanisierung der Dresdner Mundart, also bis Menschen aus Dresden der deutschen Sprache wieder mächtig sind und bundesweit verstanden werden, sollte eine umfassende logopädische Bildungskampagne nicht durch Konsum von Amazon, Netflix oder www.Wahrheits-News24.info behindert werden. Ich wünsche Dresden bis dahin alles Gute!

    „Racist Park“ an der B96 eröffnet

    Unterdessen in Sachsen, östlich von Dresden, in einem Land vor unserer Zeit. Dort, wo sonst kein Licht hingelangt, die Sümpfe noch nicht trockengelegt sind, stetig schwüle Lüfte durch die bodennebligen Urwälder ziehen, da ist er, am Wochenende ganz frisch eröffnet: Der „Racist Park“.

    Die autochthone Fauna entlang der einzigen echten Straße, der Bundesstraße 96, gebaut um möglichst schnell und kontaktarm durch die Oberlausitz nach Berlin zu gelangen, ist auf ganz besondere Weise speziell. Denn die politischen Saurier, die sich dort in letzter Zeit regelmäßig am Straßenrand sammeln, haben einen bedeutenden evolutionären Schritt getan: Sie können Fahnen halten.

    Zudem haben sie Schilder gemalt auf denen abwechselnd dem Virus, den 5G-Funkmasten oder dem Merkel die Schuld gegeben wird. Wofür? Natürlich für alles! Und wegen alles kann man schon einmal ein Schild malen oder eine Reichskriegsflagge hochhalten.

    Wenn Sie mutig genug sind, setzen auch sie sich in einen solide gebauten Wagen und fahren diese malerische, naturbelassene Panoramastrecke entlang und schauen dem Schrecken aus der Vergangenheit direkt in die Augen. Aber bitte bleiben Sie im Auto, fahren immer mindestens Schrittgeschwindigkeit, lassen die Fenster geschlossen und kommen bloß nicht auf die Idee, die Rassisten zu füttern!

    Falls Sie doch liegenbleiben, weil ihnen wieder eine Wolfsburger Schrottschaukel verkauft wurde: Halten Sie immer eine Handvoll Kleingeld in der Hosentasche als Ablenkung bereit. Und keinesfalls die Polizei rufen, die nimmt Sie in Gewahrsam und kettet Sie im schlimmsten Fall an eine feuerfeste Matratze. Und wie so was ausgeht, haben wir leider in Dessau sehen müssen. Wenden sie sich lieber an die Genossinnen und Genossen von Die PARTEI, die auch die Park-Ranger stellen und verharren sie still in ihrer Dieseldreckschleuder.

    Hoffnung für Chemnitz und Leipzig im Schwitzkasten

    Schauen wir zum Schluss noch in die besser besiedelten Gebiete, dahin, wo die Menschen der deutschen Hochsprache noch halbwegs vertraut sind. In Chemnitz, Stadt der Moderne, tritt ein Kandidat als OBM-Anwärter in den Ring, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Amerikanisierung des Wahlkampfes auf die letzte Spitze zu treiben.

    Erhebender Pathos, inhaltsleeres Geseier von „Chemnitz ist eine Idee“ davon, dass „egal, wo man im Leben startet, man nichts erreichen kann, wenn man nicht daran arbeitet“. Ich bin gespannt, ob Karl-Marx-Stadt nun endlich bekommt, was es verdient. Am 20. September dieses Jahres, wenn die OBM-Wahlen stattfinden, wissen wir mehr.

    Über Leipzig lässt sich dieser Tage nicht viel sagen, denn es bleibt einem die Luft weg. Offenbar haben Leipziger Fahrscheinprüfer zu viele Videos unter dem Hashtag #BLM geschaut, denn der Würgereflex wurde als neues Mittel der Eintreibung von erhöhtem Beförderungsentgelt beworben. „Leipziger Verkehrsbetriebe – Wenn Kontrolleure die Kontrolle über Dein Leben verlieren“ ist zwar noch nicht endgültig als neuer Werbeslogan etabliert, aber ich habe Hoffnung, dass dieser Spruch in den Köpfen klebenbleibt. Any press ist schließlich good press!

    Und so bleibt mir nur noch, Ihnen einen guten, hoffentlich sommerlich-faulen August zu wünschen, denn die Ferien haben begonnen und Ausspannen ist das neue Arbeiten.

    Wäscht sich erst einmal die Augen aus,
    Ihr MP in spe a.D.
    Tom Rodig

    Corona-Demos in der Oberlausitz: Mit Reichsflaggen für die Demokratie

    Die neue Leipziger Zeitung Nr. 81: Von verwirrten Männern, richtigem Kaffee und dem Schrei der Prachthirsche nach Liebe

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