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Kinder und Jugendliche bitten um Unterstützung in Erwachsenen-Zukunftswerkstatt

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    Leitlinien zur Kinder- und Jugendbeteiligung – zukunftsweisend aber noch realitätsfern: „Die Gemeinde soll bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen. Hierzu soll die Gemeinde geeignete Verfahren entwickeln und durchführen.“, so steht es in der Sächsischen Gemeindeordnung §47a geschrieben.

    Die Gemeinde Großpösna führte kürzlich sogar ergänzend ein eigenes Leitbild zur Kinder- und Jugendarbeit ein. Sieben Leitsätze formulieren die Visionen: eine partizipatorische, professionelle und proaktive Kinder- und Jugendarbeit ist wichtig, politische Teilhabe der Kinder und Jugendlichen, Bildung, eine lebendige Vernetzung aller an der Kinder- und Jugendarbeit beteiligten Akteure, die Kommunikation von und mit Kindern und Jugendlichen, Engagement von und in den Vereinen sowie die Einbeziehung aller Kinder und Jugendlichen im Sinne gelebter Inklusion.

    Junge Generation möchte an der Entwicklung am Störmthaler See mitgestalten

    Wenn das alles wichtig ist, warum finden dann ihre Ideen und Bedürfnisse keine Beachtung, fragen sich Kinder und Jugendliche aus der Gemeinde Großpösna. Über fünfzig TeilnehmerInnen im Alter zwischen 6 und 16 Jahre hatten sich in einem Ferienprojekt Gedanken zur Entwicklung am Störmthaler See gemacht. Sie nahmen die neue Leitlinie nun zum Anlass, die bereits im Sommer geäußerten Bedürfnissen der jungen Generation nochmals zu unterstreichen.

    Im Rahmen der Erwachsenen-Zukunftswerkstatt zur Entwicklung der Magdeborner Halbinsel übergaben sie Bürgermeisterin Frau Dr. Lantzsch und allen Teilnehmern einen Cartoon mit den visualisierten Ergebnissen ihres Kinderbeteiligungsprojektes. Dies verbunden mit der Hoffnung, die Entscheidungsträger mögen Kindern und Jugendlichen einen angemessenen Spielraum zur Mitgestaltung am Störmthaler See gewähren.

    Realität war Ausgrenzung und Blockade

    Leider passen die Idealismen des neuen Leitbildes so gar nicht mit der Realität zusammen (LIZ berichtete am 6. Sept. 2020 unter dem Titel Mangelnde Beteiligungsmöglichkeiten für die junge Generation an der Seenentwicklung im Leipziger Neuseenland). So erlebte der ortsansässige Verein UferLeben e.V. mit seinem Kinderbeteiligungsprojekt ‚Parti-Zirkussion – Kinder gestalten Zukunft für Kinder‘ eine wahre Odyssee in Sachen Beteiligungsversuch.

    UferLeben wollte mit der Gemeinde Großpösna zusammen den Bürgerbeteiligungsprozess zur Entwicklung der Magdeborner Halbinsel für Kinder und Jugendliche öffnen. Nur wollte die Gemeinde das nicht mit UferLeben. Stattdessen zog man es vor, Kinder und Jugendliche gar nicht oder nicht altersgerecht zu beteiligen und nahm dafür sogar die Missachtung der Sächsischen Gemeindeordnung in Kauf.

    UferLeben und die Initiative Natur- und Umweltzirkus NAUMZI führten das seit einem Jahr vorausgedachte Projekt dennoch mit Unterstützung der BKJ (Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung) und einem unabhängigen Akteur für politische Bildungsarbeit durch. Daraufhin untersagte die Gemeindeverwaltung eine öffentliche Bezugnahme auf den Beteiligungsprozess zur Magdeborner Halbinsel.

    Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen entwickelten alternativ Ideen für eine fiktive Trauminsel, auf der sie leben und Urlaub machen wöllten, letztendlich mit projizierbaren Ergebnissen. Am Ende der Zirkuswoche fand eine Abschluss-Show statt, welche die Bedürfnisse der jungen Generation für kommunale Entscheidungsträger zirzensisch sichtbar machen sollte – so angekündigt und die kommunalen Entscheidungsträger dazu eingeladen.

    Realität war kommunales Desinteresse

    Diverse Vertreter aus Gesellschaft und Kultur interessierten sich für das Projekt, so kamen Vertreter des Kinder- und Jugendringes e.V., Politikwissenschaftler der Universität Leipzig sowie die Lions-Clubs Leipzig und Markkleeberg. Die Grünen des Gemeinderates Großpösna waren ohnehin in das Projekt involviert. Darüber hinaus sahen von den geladenen Lokalpolitikern allein die Vertreter der AfD die Ideen-Show der Kinder. Enttäuschend dagegen das geschlossene und anhaltende Desinteresse des Großteils der kommunalen Entscheidungsträger auch 4 Wochen nach Projektabschluss.

    Eine Anfrage der NAUMZI-Initiative erfolgte daraufhin in einer Großpösnaer Gemeinderatssitzung Ende September. Offensichtlich war dem Großteil des Gemeinderates das Projekt gar nicht bekannt, auch hatten nur zwei der anwesenden Gemeinderäte den LIZ-Artikel zu den mangelnden Beteiligungsmöglichkeiten für die junge Generation im Leipziger Neuseenland wahrgenommen.

    Warum auch 4 Wochen nach Projektende kein Interesse an den Bedürfnissen der jungen Generation in einem wichtigen Beteiligungsprozess der Gemeinde Großpösna bestehe, wollte UferLeben wissen. Ein Gemeinderat erklärte unter zustimmenden Äußerungen von weiteren, man könne sich nicht für alle Angebote in der Gemeinde Großpösna Zeit nehmen.

    Die Argumentation verblieb damit aber ohne Bezug zu den vorhandenen Ergebnissen. Ebenso die Gemeindeverwaltung, die nur erläuterte, weshalb das Projekt nicht in den offiziellen Beteiligungsprozess integriert wurde. In Anbetracht dieses Desinteresses war es geradezu grotesk, in gleicher Sitzung den Beschluss des neuen idealistischen Leitbildes zur Kinder- und Jugendarbeit zu erleben.

    In diesem Zusammenhang stellen sich zwangsläufig einige Fragen zu den Spielregeln. Wer oder welche Institutionen sind für eine partizipative Kinder- und Jugendarbeit im Sinne des Großpösnaer Leitbildes legitimiert? Wer oder welches Organ bewertet die Ergebnisse partizipativer Kinder- und Jugendarbeit? Wer unterstützt die Kinder und Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Beiträge?

    Die Gemeindeverwaltung hat nun im November zum ersten Dialog zur strukturellen Umsetzung des Leitbildes Kinder- und Jugendarbeit in Großpösna eingeladen. Zu Gute halten muss man Großpösna trotz o.g. Schwierigkeiten, dass Bürgerbeteiligung in den letzten Jahren und sicher auch mehr als in anderen Gemeinden in den Fokus gerückt ist – ein neuer Lernprozess hat begonnen.

    Die neue „Leipziger Zeitung“ Nr. 83: Zwischen Ich und Wir

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