Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ruft die Beschäftigten der Krebsregister Sachsen gGmbH an allen Standorten am 19. Juni 2026 sowie am 22. Juni 2026 zu Warnstreiks auf. Hintergrund ist die Weigerung der Geschäftsführung, Verhandlungen über einen Anwendungstarifvertrag auf Grundlage des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) aufzunehmen.
In einem Schreiben an ver.di erklärt die Geschäftsführung, sie sehe derzeit keine Veranlassung für Tarifverhandlungen, da die Anwendung des TV-L bereits durch geänderte Arbeitsverträge erfüllt wären. Für ver.di ist diese Argumentation nicht nachvollziehbar.
„Tarifverträge werden nicht durch Arbeitgeber beschlossen, sondern zwischen Tarifvertragsparteien verhandelt. Die Geschäftsführung kann nicht einseitig feststellen, dass tarifliche Forderungen bereits erfüllt seien und deshalb keine Verhandlungen erforderlich wären. Damit wird die Rolle der Gewerkschaft und der Beschäftigten grundlegend in Frage gestellt“, erklärt der ver.di-Verhandlungsführer Robert Braun. Die Entscheidung darüber, ob und wie Arbeitsbedingungen tarifvertraglich geregelt werden, obliege den Tarifvertragsparteien und nicht dem Arbeitgeber allein.
Viele Beschäftigte befinden sich weiterhin in übergeleiteten Vertragsverhältnissen mit Besitzstandsregelungen. Dynamische Bezugnahmen auf die tarifliche Entwicklung des TV-L bestehen vielfach nicht, was seit Jahren ein Reallohnverlust bedeutet.
Steffen Marquaß, Mitglied der Tarifkommission erklärt: „Wir Beschäftigte erleben jeden Tag die Unterschiede zwischen den verschiedenen Vertragsregelungen. Von einer einheitlichen Anwendung des TV-L kann keine Rede sein. Deshalb brauchen wir einen Tarifvertrag und keine einseitigen Erklärungen der Geschäftsführung.“
Besonders kritisch bewertet ver.di, dass die Geschäftsführung die Forderung nach Tarifverhandlungen als erledigt darzustellen versucht, obwohl die Beschäftigten ausdrücklich eine verbindliche tarifvertragliche Regelung fordern.
„Die Beschäftigten nehmen ihr Grundrecht auf kollektive Interessenvertretung wahr. Wer Tarifverhandlungen verweigert und gleichzeitig behauptet, die tariflichen Ziele seien bereits erreicht, missachtet den Sinn der Tarifautonomie. Deshalb werden die Beschäftigten nun an allen Standorten der Krebsregister Sachsen gGmbH ein deutliches Zeichen setzen“, so Robert Braun weiter.
Mit den Warnstreiks am 19. und 22. Juni 2026 erhöht ver.di den Druck auf die Geschäftsführung, endlich Verhandlungen über einen Anwendungstarifvertrag auf Basis des TV-L aufzunehmen. Die Gewerkschaft erwartet von der Geschäftsführung die Bereitschaft zu ernsthaften Tarifverhandlungen und eine Rückkehr zu den Grundsätzen der Sozialpartnerschaft.






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