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In der Karl-Tauchnitz-Straße ist es seit 2011 nicht lauter geworden

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    Gerade im vergangenen Jahr, als die Leipziger heftig über die Wegesituation zum Clara-Zetkin-Park, Kindertagesstätten im Musikviertel und die Wirkungen des Ausbaus des Kreisverkehrs diskutierten, war auch das Thema Lärm mal wieder auf der Tagesordnung. Bewohner des Musikviertels hatten das Gefühl, die Karl-Tauchnitz-Straße sei verkehrsreicher und lauter geworden. Sie schrieben eine Petition, die diesem Missstand abhelfen sollte.

    Auch die Schmutz- und Schadstoffbelastung wurde thematisiert. Doch nicht alles, was der Bürger so empfindet, auch wenn es in Verkehrs- und Geräuschspitzen gewaltig auf die Nerven geht, ist tatsächlich belastbar schlimmer geworden. Jedenfalls liest sich die Stellungnahme des Dezernats Stadtentwicklung und Bau so. Das Verkehrsaufkommen sei nur geringfügig gestiegen und der Lkw-Anteil hätte auch nicht zugenommen.

    Letzteres war immerhin eine berechtigte Befürchtung, nachdem die Stadt die Dufourstraße/Harkortstraße für den Lkw-Verkehr dicht gemacht hatte, weil die Feinstaubbelastung am Floßplatz zu hoch war. Seitdem müssen Lkw, die unbedingt ins innere Stadtgebiet wollen, an der Karl-Tauchnitz-Straße abbiegen, die in diesem Abschnitt Teil des sogenannten „Tangentenvierecks“ ist und vor allem den Promenadenring entlasten soll.

    Aber eigentlich sollen die Lkw, die gar nicht ins innere Stadtgebiet wollen, hier sowieso nicht lang fahren, sondern außen herum über die Autobahn.

    Und genau das scheinen zumindest die lernfähigen Lkw-Fahrer mittlerweile auch zu tun. Vor allem, weil die Außenstrecke jetzt attraktiver ist, seit der Autobahnring um Leipzig geschlossen ist.

    Das Verkehrsdezernat hat aber extra noch mal nachgezählt, ob die Prognosen für die Karl-Tauchnitz-Straße von 2011 auch heute noch gelten.

    „Ein Anstieg des Kfz-Verkehrsaufkommens im Vergleich zu den Zählungen 2011 kann nicht festgestellt werden. Die Kfz-Belastung liegt trotz zu beachtender Baumaßnahmen in der Karl-Liebknecht-Straße und Könneritzstraße mit 17.640 Kfz/24h (DTV Mo-So) und einem Lkw-Anteil von 6,1 % auf dem gleichen Niveau wie 2011. – Die Beobachtung des Verkehrsablaufs in der südlichen Karl-Tauchnitz-Straße während der Nachmittagsspitzenstunde gegen 16:30 Uhr ergab keine Auffälligkeiten. Gelegentliche, vorfahrtsbedingte kleinere Rückstaus an der Zufahrt zum neuen Kreisverkehr waren die Ausnahme und reichten nicht über die Mozartstraße hinaus. Sie lösten sich schnell wieder auf.“

    Immerhin gab es ja auch Befürchtungen (für andere waren es Verheißungen) um eine Zunahme des Kfz-Verkehrs aus dem Leipziger Süden, wenn die A 72 sich immer mehr dem Stadtgebiet nähert. Selbst für die B2 waren ja schon gewaltige Zahlen prophezeit worden. Aber nichts davon ist eingetreten, stellt das Verkehrsdezernat fest: „Mit der Fertigstellung der Autobahn A72 im Abschnitt Rochlitz bis Borna besteht seit Sommer 2013 eine vierstreifige Straßenverbindung zwischen Chemnitz und Leipzig. Seit Ende 2013 ist ebenfalls das neue Mitteldeutsche S-Bahn-Netz mit seinem Kernstück City-Tunnel Leipzig in Betrieb. Aus diesem Anlass wurden an der Stadtgrenze Leipzig im Frühjahr 2013 und 2014 Kfz-Verkehrszählungen durchgeführt, um die Auswirkungen beider fertiggestellter Verkehrsprojekte zu untersuchen. Die entsprechende Zählstelle an der B2-Süd in Höhe Markkleeberg und damit innerhalb des Leipziger Autobahnrings ergab 2014 keine Zunahme des Kfz-Verkehrs für die B2-Süd, sondern tendenziell einen leichten Rückgang gegenüber 2013. Das Verkehrskonzept der Ableitung des Durchgangsverkehrs über den Autobahnring A38, A9 und A14 hat sich damit bestätigt. Eine Verkehrsuntersuchung von 2007 führte ohne die Wirkung der A72 bereits zum gleichen Ergebnis. Zudem nutzen offenbar immer mehr Fahrgäste das neue S-Bahn-Angebot aus dem Südraum Leipzig.“

    Und da es somit keine spürbare Steigerung des Kfz-Verkehrs in der Karl-Tauchnitz-Straße gibt, gäbe es auch keinen Grund, hier „Tempo 30“ zu verhängen oder gar ein generelles Lkw-Verbot auszusprechen.

    Was natürlich nicht das letzte Wort zur Karl-Tauchnitz-Straße sein kann. Der neu gebaute Kreisverkehr hat zwar einen Teil der Lage entspannt. Aber der Verkehr ist auch und gerade wegen des Kreisels noch flotter unterwegs als zuvor, was gerade Fußgängern mit Kind und Kegel das Überqueren der Straße an den vorhandenen Übergängen erschwert, manchmal auch brandgefährlich macht, denn zuvorkommende Autofahrer sind in Leipzig nach wie vor die Minderheit. Wer an der Lassallestraße oder der Wundtstraße „seine“ grüne Phase bekommen hat, der fährt hier durch, als wär’s die A 14. Aus Kraftfahrersicht ist die Karl-Tauchnitz-Straße eben Teil eines ominösen „Tangentenvierecks“, auf dem der motorisierte Verkehr Vorfahrt hat. Und das schließt auch heulende Motoren mit ein und die Demonstration von PS unter der Haube – denn das ist es ja, was die Straße laut macht, nicht die Lkw, die hier auf ihrer Strecke sind.

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass in naher Zukunft die ganze Unsinnigkeit des Tangentenvierecks festgestellt wird und auch die zuständige Verwaltung offener ist für eine Diskussion für bessere Bedingungen für die schwächeren Verkehrsteilnehmer an der Karl-Tauchnitz-Straße.

    Die Stellungnahme der Verwaltung zur Petition.

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